E-Mail vom 18.06.2005, 00:13 Uhr, an utopie@rosalux.de     Veröffentlichung am 20.06.2007

Anmerkung: Der Empfang der E-Mail wurde am 20.06.2005, 10:35 Uhr, von Dr. Wolfram Adolphi bestätigt. Eine Antwort auf die Prüfung der Veröffentlichung meines Beitrags blieb aus.

 

Dipl.-Wirt.-Math. Werner Grundmann

                        Prüfung der Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Beitrags


Liebe Mitstreiter(innen) der Redaktion von "Utopie kreativ",

die wertvolle Arbeit von Michael Löwy "Destruktiver Fortschritt. Marx, Engels und die Ökologie" im Heft 174 Ihrer Zeitschrift hat mich ermutigt, mich mit der Bitte um Prüfung der Veröffentlichung meines Beitrags

                        Privatökonomie oder Gemeinschaftsökonomie?

an Sie zu wenden.

Mir ist bewusst, dass sie meine Arbeit sehr kritisch aufnehmen könnten, auch weil ich mit meinen Vorstellungen über den Gegenstand Ihrer Zeitschrift, der "Diskussion sozialistischer Alternativen", hinausgehe. Die Zielstellung, den Sozialismus in Konkurrenz zum Kapitalismus aufzubauen, halte ich nach längeren Untersuchungen generell für eine Fehlorientierung, insbesondere wegen der Einseitigkeit zur Lösung der sozialen und der weitgehenden Vernachlässigung der ökologischen Frage. Meines Erachtens erzwingen die Verschärfung der ökologischen Krise und die Sicherung des Überlebens der Menschheit in naher Zukunft, den Kapitalismus weltweit abzulösen. Die Hauptaufgabe der nachkapitalistischen Gesellschaft wird zunächst die gemeinschaftliche Bewältigung der globalen ökologischen Krise sein - auch unter teilweiser Zurückstellung der Lösung der sozialen Frage. Es gilt, den Übergang zu einer kommunistischen Gesellschaft auf Basis einer ökologisch orientierten Ökonomie zu sichern.

Meine generelle Aussage versuche ich, in Thesenform zu begründen. Dennoch habe ich mich bemüht, dem Beitrag den Charakter einer wissenschaftlichen Konzeption zur ökologisch-ökonomischen Fundierung der kommunistischen Gesellschaft zu geben. Wegen des Bearbeitungsstandes betrachte ich die Ausarbeitung als Diskussionsentwurf zur Überwindung der gegenwärtigen Theoriekrise der Linken. Als Kürzel für die Thesen habe ich - ausgehend vom Entstehungsort - den Begriff "Berliner Thesen" gewählt.

Weil ich Ihnen zur Meinungsbildung nicht von vornherein alle 24 Seiten zumuten möchte, habe ich auf der beigefügten vierseitigen Datei BTUtopkrea.doc die wesentlichen Ergebnisse des Beitrags zusammengefasst: meine "Grundpositionen", die "Hauptthese" mit "Erläuterungen", eine Übersicht über alle bisherigen "Einzelthesen" (ohne die Anmerkungen zu den einzelnen Thesen), das "Fazit" und Auszüge aus den "Schlussbemerkungen". Der Beitrag ist in sich geschlossen, so dass sich eine Veröffentlichung etwa in zwei Teilen nicht empfiehlt. Ich hatte ihn zunächst der Ökologischen Plattform bei der PDS angeboten. Nach Auskunft von Götz Brandt gibt es aber infolge des Umfangs der Thesen Schwierigkeiten, sie in die Vierteljahreszeitschrift "tarantel" einzuordnen. Professor Brandt, der mein Anliegen unterstützt, empfahl mir deshalb, mich an Sie zu wenden.

Einige Informationen zu meiner Person: Studium der Wirtschaftsmathematik an der Universität Leipzig bis 1960; von 1963 bis 1991 an der Bauakademie der DDR, zunächst im Rechenzentrum, danach im Institut für Projektierung und Standardisierung (zusammen mit Evelin Wittich), zuletzt am Institut für Städtebau und Architektur. U. a. befasste ich mich mit der Schaffung und Anwendung komplexer mathematischer Modelle für die städtebauliche Planung. Über diesen Weg entstand mein Interesse für ökonomische Forschung. Ein Dissertationsentwurf zur "einheitlichen ökonomischen Bewertung von Wohnungsbaumaßnahmen" wurde 1980 von Professoren der Hochschule für Ökonomie abgewiesen, vermutlich wegen meiner indirekten Kritik am einseitigen auf den Neubau ausgerichteten Wohnungsbauprogramm der DDR. Nach der Wende hatte ich im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms die Möglichkeit, ausgehend von eigenen Vorstellungen bis 1996 am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin zu arbeiten. Evelin Wittich kennt Vorträge aus dieser Zeit, u. a. "Zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter marktwirtschaftlichen Bedingungen". In Fortführung dieser und andere Arbeiten erschien im Jahre 2000 mein Beitrag "Zur ökonomischen Entwicklung von Bürgerstädten" (vgl. Rainer Mackensen (Hg.): "Handlung und Umwelt. Beiträge zur soziologischen Lokaltheorie", Leske + Budrich, Opladen, S.165-191).

Ich bitte Sie, mich nach Prüfung des beigefügten Auszugs aus "Privatökonomie oder Gemeinschaftsökonomie?" zu informieren, ob Sie an der Durchsicht des gesamten Beitrags interessiert sind und eine Möglichkeit zu seiner Veröffentlichung erwägen.

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen!
Mit freundlichen Grüssen

Werner Grundmann     Berlin, den 17.06.05, 21 Uhr 50