Zwei E-Mails am 17.06.2009, 01:23 Uhr und 22:33 Uhr an info@solid-web.de 

Veröffentlichung am 18.06.2009

 

 

######### Beginn der ersten E-Mail am 17.06.2009 an [`solid]

 

Werner Grundmann                                                 Berlin, den 17.06.2009

 

Bundesgeschäftsstelle der Linksjugend ['solid]

Bundessprecher der Linksjugend

Haimo Stiemer
Kleine Alexanderstraße 28
10178 Berlin

 

Eine Klammer für die Linken?

 

Lieber Genosse Haimo Stiemer,

            in der Berliner Zeitung erschien gestern, am 16.06.09, auf der Seite 3 ein Artikel von Gerold Büchner über „Die Krisenpartei“. In dem Beitrag wird Dein Auftreten zum Pressefest des Neuen Deutschland auf dem Hof der Berliner Kulturbrauerei wie folgt wiedergegeben:

>> Den großen Machtkampf zwischen den Strömungen erwarten viele nach der Bundestagswahl, wenn endlich ein Parteiprogramm beraten werden soll. "Was Grundfragen anbelangt, wird es in den nächsten Jahren eine Klärung geben", sagt Haimo Stiemer vom Linken-Jugendverband solid. Nötig sei eine Klammer, um die "total verschiedenen Milieus" zusammenzuhalten. Die Linke, sagt der 27-jährige Student, müsse eine "Partei neuen Typs" sein. Aus der SPD hätten viele ihr orthodoxes Parteibild mitgebracht, und "das frühere SED-Milieu ist zu staatstragend". <<

 

Obgleich ich zur Wendezeit aus der SED nach über 30jähriger Zugehörigkeit ausgetreten bin, beteilige ich mich seit Jahren an der Suche nach jener „Klammer“, wie Du es ausdrückst. Meines Erachtens geht es heute um das Erarbeiten einer Strategie, die es auf erweiterter theoretischer Grundlage einerseits ermöglicht, die ökologische und die soziale Frage einheitlich zu lösen, die aber andererseits zugleich sichert, dass dem kapitalistischen System schrittweise seine Existenzberechtigung und breite Unterstützung entzogen werden kann. Doch dazu bedarf es einer neuen ökonomischen Denkweise und – aus existenziellen Gründen – der Einsicht zum Primat der weltweiten Lösung der ökologischen gegenüber der sozialen Frage. Ich gehe von einem künftigen jahrzehntelangen Entwicklungsprozess aus, der erforderlich ist, um der „neuen“ Ökonomie in den Köpfen der Menschen zum Durchbruch zu verhelfen. Vor einer radikalen Vorgehensweise, wie sie heute bei manchen Linken in die Diskussion gebracht wird, warne ich ausdrücklich! Sie könnte uns alle ins Chaos führen! Meine Lebenserfahrungen sprechen nicht nur gegen „radikale Lösungen“, sondern auch gegen Revolutionen, auch gegen die zum Stalinismus führende Oktoberrevolution. Die Linken dürfen den Völkern neue Lösungen nicht überstülpen! Die betroffenen Menschen selbst müssen mit neuen Erkenntnissen und Orientierungen wachsen. Wir sollen ihnen im Umdenken und im neuartigen Handeln Zeit lassen!

 

Nach der Wende hatte ich im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms nach fast dreißigjähriger Tätigkeit an der Bauakademie der DDR die Möglichkeit, an der Technischen Universität Berlin meine zu DDR-Zeiten gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse zu verarbeiten und zu verallgemeinern. Auf der Suche nach einer ökologisch orientierten Ökonomie kam ich ausgehend von Aussagen von Marx und Engels zum Ergebnis, dass für eine nachkapitalistische Ordnung der Begriff „Ökonomie“ neu definiert werden müsse und dass das Gleichsetzen von Wirtschaftlichkeit und Ökonomie falsch ist.

 

Nach meiner Berentung im Jahre 2000 erarbeitete ich über mehrere Jahre Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung, wobei ich Ökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung definierte und von dominierendem Gemeineigentum und Gemeinbesitz für die neue Ordnung ausgehe. Unter diesen Bedingungen wird Ökonomie zur  Gemeinschaftsökonomie. Dem Begriff Gemeinschaftsökonomie stelle ich den von Friedrich Engels verwendeten Begriff Privatökonomie gegenüber. Privatökonomie ist wertorientiert, Gemeinschaftsökonomie bedürfnisorientiert! Wirtschaftlichkeitsdenken entspricht der Privatökonomie! Während Wirtschaften auf Kosten anderer und zu Lasten der Natur erfolgt, bezieht Gemeinschaftsökonomie von vornherein alle Grundbedürfnisse der Menschen in die Betrachtungen ein, einschließlich des Bedürfnisses nach einer gesunden Lebenswelt. Die Ausrichtung auf maximalen Gewinn- und Profit macht die kapitalistische Gesellschaft zu einer Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft jedweder Form.

 

Was wir heute brauchen und politisch propagieren sollten, ist die Schaffung von Strukturen in allen Bereichen der Gesellschaft, die vom Gedanken der Gemeinschaftsökonomie ausgehen und den Überfluss der kapitalistischen Wegwerfgesellschaft (an Waren, Bausubstanz, stillgelegten Flächen etc.) zur rationellen Bedürfnisbefriedigung nutzen. Die Linken sollten gezielt die Gründung von „Zellen der Gemeinschaftsökonomie“ unterstützen. In ihnen könnten sich die für die heutige Gesellschaft „Überflüssigen“ und Ausgegrenzten zusammentun und auf Basis voller Demokratie gemeinschaftlich einen neuen Lebensinhalt erarbeiten. Dabei dürfte das Wissen und Handeln im Sinne jener „neuen“ Ökonomie, die dem gesunden Menschenverstand entspricht, das Entscheidende sein! Die „Zellen“ könnten kooperieren und ihre Leistungen austauschen. Sie sollten sich später vereinen und Schritt für Schritt höher organisierte hierarchische Strukturen bilden, auch über Ländergrenzen hinweg. Sie würden die bestehenden Strukturen im positiven Sinne unterwandern, ohne deren Konkurrenten zu sein. Die linken Parteien könnten diesen Prozess initiieren und politisch unterstützen, ohne eine „führende Rolle“ für die autark agierenden Zellen zu übernehmen.

 

Meine Ergebnisse zur Begründung einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung habe ich auf 70 Seiten in den „Berliner Thesen“ niedergelegt und über meine Homepage unter

http://www.bwgrundmann.de/btorig1.htm

abrufbar veröffentlicht. Sie sind einigen führenden Genossen der LINKEN bekannt. Die Reaktion war bisher verhalten, auch bei den Genossen der Ökologischen Plattform. Am meisten Unterstützung fand ich bei den Genossen Wolfgang Methling und André Brie.

 

Solltet Ihr Euch für meine Ergebnisse interessieren, dann empfehle ich, zunächst die zehn Seiten der „Erkenntnisse aus den Berliner Thesen …“ zu lesen, die gleichfalls abrufbar veröffentlicht vorliegen. Ich füge sie meiner heutigen E-Mail als Datei BTErk.doc bei.

 

Ich würde mich freuen, wenn Ihr meine Ergebnisse prüfen würdet, nutzen könnt und mir bestätigt, dass Ihr meine E-Mail erhalten habt.

 

Mit solidarischen Grüßen und besten Wünschen

 

Werner Grundmann                                Berlin, den 17.06.2009, 01:18 Uhr

 

######### Ende der ersten E-Mail am 17.06.2009 an [`solid]

 

 

 

+++++++++ Beginn der zweiten E-Mail am 17.06.2009 an [`solid]

 

 

Werner Grundmann                                                       Berlin, den 17.06.2009

 

Bundesgeschäftsstelle der Linksjugend ['solid] 

Bundessprecher der Linksjugend

Haimo Stiemer
Kleine Alexanderstraße 28
10178 Berlin


 

Ergänzung zu: Eine Klammer für die Linken?

 

Lieber Genosse Haimo Stiemer,

     ich hatte vergessen, Dir mitzuteilen, dass die 10 Seiten "Erkenntnisse aus den Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung" seit dem 20. bzw. 21. Februar 2008 auch als Übersetzungen ins Englische und ins Französische vorliegen. Genosse André Brie hat mich dabei unterstützt. Für die Übersetzungen könnten sich ausländische Studenten linker Jugendorganisationen interessieren.

 

Der Download der Übersetzungen ist möglich ausgehend von 

http://www.bwgrundmann.de/BTErkEngl1.htm

sowie nach Aufruf von

http://www.bwgrundmann.de/BTErkFrz1.htm .

 

Die Veröffentlichung der Übersetzungen führte noch am 21.02.2008 zu insgesamt 636 Zugriffen!

 

Die Fassung der 10 Seiten "Erkenntnisse ... " in deutscher Sprache ist abrufbar ausgehend von

                                         http://www.bwgrundmann.de/erk_bt.htm

 

Die 70 Seiten "Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung" können abgerufen werden ausgehend von

http://www.bwgrundmann.de/btorig1.htm

 

Ich bitte Dich, mir kurz zu bestätigen, dass Du meine beiden E-Mails erhalten hast. Mir ist bewusst, dass es Zeit braucht, sich zu den Thesen eine Meinung zu bilden.

 

Mit solidarischen Grüßen

 

Werner Grundmann                          Berlin, den 17.06.09, 22:33 Uhr

 

+++++++++ Ende der zweiten E-Mail am 17.06.2009 an [`solid]