E-Mail vom 11.06.2007, 18:52 Uhr, an oekoplattform@pds-online.de veröffentlicht:11.06.07

 

 

 

Von Werner Grundmann

 

an die Ökologische Plattform bei der Linkspartei.PDS

Genossen Manfred Wolf und

Genossen Götz Brandt

 

 

Liebe Genossen Wolf und Brandt,

                                                 am 23. Februar 2007 hatte ich Euch um 15:23 Uhr per E-Mail über meinen ersten Brief vom 20. Februar 2007 an Gregor Gysi informiert. Er war eine Reaktion auf seinen Beitrag im "Neuen Deutschland"  vom 3./4. Februar 2007 zu den

            „Chancen eines modernen Sozialismus".

 

Bis zum 2. April 2007 kam es zu einem mehrfachen konstruktiven Briefwechsel mit Dieter Liehmann, dem persönlichen Referenten von Gregor Gysi. Liehmann empfahl mir, mich mit einem Beitrag an die Redaktion der Zeitschrift "UTOPIE kreativ" zu wenden.

 

Am zweiten April übersandte ich das Manuskript  

         Zur notwendigen Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung

an die Redaktion von "UTOPIE kreativ". Es war mein zweiter Versuch, in der Zeitschrift zu veröffentlichen, denn bereits am 18. Juni 2005 bat ich die Redaktion um eine Stellungnahme zur Ausarbeitung über

Privatökonomie oder Gemeinschaftsökonomie?

Auf eine inhaltliche Antwort, Zusage oder Absage wartete ich vergebens. Auch dieses Mal blieb es bei einem E-Mail-Versprechen! J. Schütrumpf informierte mich am 19.04.2007, dass er sich umgehend melden werde. Bis heute erhielt ich kein weiteres Schreiben!

 

Auch von der Ökologischen Plattform hatte ich erwartet, dass ich zumindest eines meiner Ergebnisse in einer Veröffentlichung oder über einen Vortrag einbringen kann. Inzwischen bin ich jedoch zur Überzeugung gekommen, dass Ihr meine These der notwendigen einheitlichen Lösung der ökologischen und der sozialen Frage unter der Dominanz des Ökologischen als Repräsentanten der Ökologischen Plattform nicht tolerieren könnt; denn diese einheitliche Lösung würde jene „neue“ Ökonomie im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung erfordern, die ich als Gemeinschaftsökonomie der Privatökonomie gegenüberstelle. Letztlich müsste die Grundidee des Sozialismus aufgegeben werden, wozu Ihr offenbar nicht bereit seid. Diesbezüglich kann es meines Erachtens aber keine Kompromisse geben, weil ohne die Verbreitung und breite Anwendung jener ökologisch orientierten Ökonomie, also der vermutlich „wahren“ Ökonomie, die Menschheit keine Überlebenschance hat.

 

Für Eure Haltung bringe ich zwar großes Verständnis auf; doch es gilt, die Konsequenzen am prinzipiellen Festhalten des gescheiterten Gesellschaftskonzepts zu erkennen. Wir sollten uns heute ernsthaft fragen, wie spätere Generationen das sozialistische Gesellschaftssystem – gleich welcher Ausprägung – in Konkurrenz zum kapitalistischen System historisch einordnen werden. Könnte es sein, dass der Sozialismus von unseren Nachkommen mit extremistischem Inhalt gesehen wird, nämlich als Strategie zur primären, zur überzogenen Lösung der sozialen Frage, weil sie zu Lasten unserer Lebenswelt und unter Gefährdung der Existenz der Menschheit versucht wird?

 

Weil sich in Konkurrenz zur dominanten kapitalistischen Marktwirtschaft unter der Haube des „wissenschaftlichen Sozialismus“ bisher keine nachhaltige und ökologisch tragfähige sozialistische Strategie entwickeln ließ, greifen verantwortliche sozialistische Politiker zum letzten Strohhalm und verkünden – unter Berufung auf Rosa Luxemburg – nunmehr eisern vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dass „die praktische Verwirklichung des Sozialismus … völlig im Nebel der Zukunft liegt“. Jene verantwortlichen sozialistischen Politiker, die sich derart entblößen, werden sich eines Tages vor der Menschheit verantworten müssen, weil sie die Zeichen der Zeit negiert und den falschen Schwerpunkt gesetzt haben. Für sie ist offenbar die Ökologische Plattform nur ein Feigenblatt. Sie werden mitschuldig daran sein, dass sich die ökologische Krise weiter verschärft und dass sich die Möglichkeiten zur Verhinderung der Klimakatastrophe weiter verringern.

 

Der verbreitete linke Konservatismus hat mich veranlasst, meine Ergebnisse zu den Ursachen des Scheiterns des Sozialismus, zur möglichen Erweiterung der wissenschaftlichen Grundlagen linker Politik und zur Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung ins Internet zu stellen. Seit dem 13. Mai 2007 sind die ersten meiner aktuellen Ergebnisse auf meiner Homepage

                        www.bwgrundmann.de

einsehbar und zur Veröffentlichung abrufbar, seit dem 14. Mai 2007 die

            Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung.

 

Gestern habe ich auch begonnen, erste Briefe bzw. E-Mails ins Internet zu stellen, auch meinen Brief vom 09.06.2007 an das Bundestagsbüro von Gregor Gysi, in dem ich auf die Veröffentlichung der Berliner Thesen verweise. Sie haben einen Umfang von 69 Seiten.

 

In den

                        Erkenntnissen aus  

Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

sind die wichtigsten Ergebnisse aus den Berliner Thesen auf sieben Seiten zusammengefasst. Ich füge die Zusammenfassung in Form der Datei BT-Erk2007EF.doc meiner heutigen E-Mail bei, die ich auf meiner Homepage veröffentlichen werde.

 

Leider haben wir zu keiner besseren Annäherung unserer Standpunkte gefunden. Ich bedaure dies außerordentlich, bleibe aber für die Zukunft optimistisch.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Werner Grundmann                          Berlin, den 11.06.2007, 18:52 Uhr