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Veröffentlichung am 19.08.2008

 

 

Von Werner Grundmann                                                          Berlin, den 18./19.08.2008

 

an alle Mitglieder der FIGU

 

 

Schrittweise geistige Verführung zu Kriegen

Teil 2: Georgien weiter auf Weg in die NATO!

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

        nach dem Fünf-Tage-Krieg in Georgien hätte man von den Politikern des Westens hinsichtlich der Einkreisung Russlands vernünftigerweise Zurückhaltung erwarten können. Doch „Neues Deutschland“ titelt nach dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Tbilissi am 18. August 2008: „Georgien weiter auf Weg in die NATO. Merkel stärkt Saakaschwili den Rücken …“ „Georgien wird, wenn es das will, Mitglied der NATO werden«, sagte Merkel nach ihrem Treffen mit dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili am Sonntag in der georgischen Hauptstadt.“ Damit wurde einem militärischen Abenteurer im Nachhinein die Absolution erteilt! Ein Affront gegenüber Russland!

 

Mehr noch: „Die Kanzlerin rief dazu auf, ‚nicht ewig in der Ursachenforschung zu verharren, sondern den Blick nach vorn zu richten’.“ (Vgl. „Berliner Zeitung“ vom 18.08.2008, S. 2) Hingegen „[äußerte Altkanzler Gerhard Schröder] …Verständnis für das Vorgehen Russlands. Auslöser der Kämpfe sei der Einmarsch der Georgier nach Südossetien gewesen, sagte Schröder dem Magazin Spiegel. Georgiens Präsident Saakaschwili sei ein Hasardeur. Zugleich wandte er sich gegen eine ‚Dämonisierung’ Russlands.“ (Vgl. ebd.)

 

Doch die „Vermittlerin“ Angela Merkel ging in der Einkreisungspolitik noch einen Schritt weiter: „Merkel schlug ein Treffen der EU mit Georgien und kaukasischen Nachbarstaaten vor, um die ‚EU-Nachbarschaftspolitik zu Georgien und Ländern wie Aserbaidshan, Turkmenistan und Armenien jetzt zu intensivieren’.“ (Vgl. „Neues Deutschland“ vom 18.08.2008, S. 1) Die Staaten des Kaukasus als „Nachbarn“ der „Europäischen Union“ ohne Russland? Ein weiterer Affront gegenüber Russland durch die sonst wohl überlegende Angela Merkel! Geht es ihr um das Erdöl am Kaukasus oder um die Umsetzung der Strategie der NATO oder gar um beides?

 

Öl ins Feuer wurde auch vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain gegossen. Er forderte „Moskau zum »bedingungslosen Rückzug« auf. »Wir sind alle Georgier«, erklärte er und bekräftigte seine alte Forderung nach dem Ausschluss Russlands aus der G8-Gruppe. Schließlich kündigte er in präsidialer Pose an, er würde seine Unterstützer, die Senatskollegen Joeseph Lieberman und Lindsey Graham, nach Georgien entsenden. Einer von Obamas außenpolitischen Beratern, der 80-jährige Zbigniew Brzezinski, von 1977 bis 1981 nationaler Sicherheitsberater in der Carter-Regierung, ließ es sich allerdings nicht nehmen, in dasselbe Horn zu blasen. Russland sei »imperialistisch«, Putin habe soviel Macht wie Stalin, Russlands Kurs erinnere ihn an die 1930er Jahre unter Stalin und Hitler. Er hoffe auf die internationale Isolierung Russlands durch wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen.“ (Vgl. „Neues Deutschland“ vom 18.08.2008, S. 6)

 

Von der georgischen Opposition wird die entstandene Lage hingegen äußerst kritisch eingeschätzt. Oppositionsführer Georgi Chaindrawa, den Saakaschwili 2006 als Minister für Konfliktregelung mit den abtrünnigen Autonomien entlassen hatte, ging mit Saakaschwili und dessen Paten in Washington hart ins Gericht. Diese hätten Saakaschwili ausdrücklich zu dem militärischen Abenteuer in Südossetien ermuntert. Im Ergebnis dessen ‚haben wir nicht nur Abchasien und Südossetien verloren, sondern Georgien, das de facto in Teilen von russischen Truppen okkupiert wurde’.“ (Vgl. „Neues Deutschland“ vom 18.08.2008, S. 4)

 

Doch auch in Russland regen sich Stimmen, die auf eine Konfrontation zu seinen Nachbarn hinauslaufen. Das größte Ärgernis für Russland ist offenbar der Bau eines Raketenschirms durch die USA in Polen. Olivia Schoeller schreibt in der „Berliner Zeitung“ vom 18.08.2008 auf der Seite 4 unter „Kaukasus und Kapital“: „Russland hat seinen Ärger über diese Entwicklung deutlich Luft gemacht und Polen als Ziel möglicher russischer Nuklearangriffe genannt. Das hört sich tatsächlich nach Kaltem Krieg an.“

 

Was haben die politischen Bemühungen in den Tagen nach dem Fünf-Tage-Krieg in Georgien gebracht? Trotz einer gewissen Entspannung eine weitere tendenzielle Zuspitzung der entstandenen konträren Situation zwischen den USA und Russland! Und unsere Angela hat kräftig mitgeholfen! Es bleibt zu fragen, ob es jemand gibt, der bestimmte führende Politiker auf so hinterhältige Weise „beraten“ hat.

 

Denken Sie darüber nach, liebe Mitglieder der FIGU!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                                Berlin, den 19.08.2008, 01:23 Uhr