E-Mail am 05.09.2008, 00:42 Uhr, an info@figu.org und (über Cc:) an de@figu.org

Veröffentlichung am 05.09.2008

 

 

Von Werner Grundmann                                                          Berlin, den 04./05.09.2008

 

an alle Mitglieder der FIGU

 

Schrittweise geistige Verführung zu Kriegen

Teil 9: Akute Weltkriegsgefahr?

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

          am 22. August 2008 war ich um 01:57 Uhr im Rahmen der E-Mail „Verführung zu Kriegen, Teil 3“ auf die „Hintergründe zum Krieg in Georgien“ eingegangen. Dabei nutzte ich von Informationen der Internationalen Wochenzeitung Neue Solidarität (vgl. www.solidaritaet.com ) Am 3. September erschien die Nr. 36/2008 dieser Wochenzeitung unter dem Titel Weltkrieg aus Fehlkalkulation?.

 

Die „Fehlkalkulation“ bezieht sich auf die „Reaktion der amerikanischen Streitkräfte auf die Tet-Offensive des Vietkong und Nordvietnams 1968 gleichen. Der damalige Verteidigungsminister McNamara und General William Westmoreland hätten damals den strategischen Fehler begangen, die militärische Stärke des Gegners vollständig zu unterschätzen, was dann zur amerikanischen Niederlage führte. Diese Mentalität bestimme heute nicht nur die Bush-Cheney-Administration, sondern auch die beiden designierten Präsidentschaftskandidaten, McCain und Obama. Nur liege der Unterschied darin, daß wir es heute mit der Gefahr eines Atomkrieges zu tun hätten“ (vgl. S. 12).

 

Nachfolgend übermittle ich Ihnen einige Zitate, die den Ernst der Situation kennzeichnen, wie sie von Politikern, Diplomaten und Militärs gesehen wird.

 

Helga Zepp-LaRouche schreibt auf der Seite 1 im Untertitel:

>> In Rußland mehren sich die Stimmen, die die gegenwärtige Lage zu Recht mit der Kubakrise von 1962 oder den georgischen Präsidenten Saakaschwili mit Gavrilo Princip, dem Sarajewo-Schützen von 1914, vergleichen.  <<

 

Weiter führt sie aus:

>> Der hochrangige russische Militärberater Leonid Iwaschow warnte indessen, die Krise um Georgien könne zu einer neuen Kubakrise wie 1962 führen, und stellte den Zusammenhang mit der Systemkrise des Finanzsystems her: „Wir sehen, daß in den Vereinigten Staaten und den NATO-Staaten bestimmte strategische Vorbereitungen im Gang sind. An welchem Punkt sie stoppen werden, ist schwer zu sagen. Der lokale Konflikt in Georgien war kein Ziel an sich; er war bloß der Auslöser eines größeren und komplexen Spiels, eine geopolitische Operation. Daß sie antirussischer Natur ist, ist ohne Zweifel. Instabilität und Chaos in anderen Regionen auszulösen, wird zur Hauptpolitik Washingtons. Einige amerikanische Führer sprechen darüber schon ganz offen.“ <<

 

In einer Bildunterschrift auf der Seite 1 heißt es:

>> US-Vizepräsident Dick Cheney bei einem Auftritt vor US-Soldaten. Cheney spielt eine zentrale Rolle bei dem Versuch, die USA in eine militärische Konfrontation mit Rußland zu treiben. <<

In der Dokumentation von Rachel Douglas/Rainer Apel über Rußlands Reaktion auf die Provokationen des Westens, Seite 1 bis 3 der Nr. 36 der Neuen Solidarität, heißt es zum 16. August:

>> Der russische Botschafter bei der NATO, Dmitrij Rogosin, nennt die US-Raketenabwehr einen Rohrkrepierer („tote Katze“) – ob sie ihren Zweck erfülle, könne man erst durch einen atomaren Schlagabtausch erfahren. Die beschleunigte Unterzeichnung der Vereinbarung bestätige nur, daß Rußland das eigentliche Ziel des Raketenschildes sei. „Man sollte den Polen dafür danken, daß sie geholfen haben, das strategische Ziel des amerikanischen Raketenabwehrplans deutlich zu machen“, sagte er gegenüber RIA Novosti. Tatsächlich hat, wie Neue Solidarität (37/2007) im vergangenen Jahr berichtete, eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler in einer Analyse überzeugend dargelegt, daß in Polen stationierte Abfangraketen in Verbindung mit Radaranlagen in Tschechien russische Atomraketen im Flug abfangen könnten. Damit könnte man nicht das gesamte russische Kernwaffenarsenal ausschalten, aber es kann die Hemmschwelle zum atomaren Weltkrieg senken. <<

 

Zum 27. August wird ausgeführt:

>> Am gleichen Tag warnt General Iwaschow, einer der profiliertesten Militäranalytiker Rußlands, der früher im dortigen Verteidigungsministerium tätig war,  vor einer neuen kritischen Zuspitzung der Weltlage wie in der Kubakrise von 1962. Iwaschow sagte, die Krise in Georgien könne außer Kontrolle geraten, und er könne „nicht ausschließen, daß unsere Beziehungen mit dem Westen auf den Stand von 1962 zurückfallen, das heißt, die Karibische Krise. Die Äußerungen Iwaschows erhielten prominente Aufmerksamkeit in den russischen Medien, und die Wirtschaftszeitung Wzglyad schrieb am 29. August: „Wir sehen, daß gewisse strategische Vorbereitungen in den USA und in den NATO-Ländern getroffen werden. An welchem Punkt sie anhalten werden, ist schwer zu sagen. Der lokale Georgien-Konflikt war keine begrenzte Sache, sie ist nur der Auslöser für ein großes und komplexes Spiel, eine geopolitische Operation. Daß diese im Kern anti-russisch ist, steht außer Zweifel.“ <<

 

Die Aussagen zum 28. August „krönen“ die Auffassungen zur Weltlage:

>> Große Aufmerksamkeit erregt eine Stellungnahme des vorübergehend aus Brüssel abberufenen russischen Botschafters bei der NATO Rogosin, der kurz vor seinen Äußerungen zur Weltlage in Sotschi mit Medwedew zusammengetroffen war.  Rogosin erinnert in seinen Anmerkungen über die Gefahren der gegenwärtigen Lage an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 (im englischen Sprachgebrauch als „Guns of August“ bezeichnet).  Er verglich den georgischen Staatschef Mikhail Saakaschwili mit Gavrilo Princip, dem bosnisch-serbischen Attentäter des österreichischen Erzherzogs Ferdinand im Juni 1914 in Sarajevo, dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Rogosin wörtlich: „Wenn eine Person es auf sich nimmt, ein Provokateur zu sein oder sich entscheidet, so eigenartig in die Geschichte einzugehen, wie Saakaschwili das getan hat, kann er damit globale Systeme zwingen, aufeinanderzuprallen. Durch die Handlung von Gavrilo Princip in Sarajevo entstand der erste Weltkrieg, und Mikhail Saakaschwili, der sich seine Lorbeeren verdiente, versucht dasselbe. Laßt uns hoffen, daß das nicht passiert.“<<

 

Die aufgeführten Zitate sprechen für eine Weltkriegsgefahr! Durch den aggressiven Akt unter dem georgischen Präsidenten Saakaschwili könnte eine Eigenentwicklung eingeleitet worden sein, die „folgerichtig“ zu einem Weltkrieg führt, wenn nichts außergewöhnlich Positives geschieht. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Sie, liebe FIGU-Mitglieder, zu dem positiven Ergebnis rechtzeitig beitragen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                                Berlin, den 05.09.2008, 00:42 Uhr