E-Mail vom 28.08.2008, 01:58 Uhr, an info@figu.org und (über Cc:) an de@figu.org

Veröffentlichung am 28.08.2008

 

 

Von Werner Grundmann                                                        Berlin, den 28.08.2008

 

an alle Mitglieder der FIGU

 

 

Schrittweise geistige Verführung zu Kriegen

Teil 6: Zur Logik der Negativentwicklung in Georgien

 

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

         der georgische Präsident Saakaschwili hat nach einem von den USA unterstützten aggressiven Akt im „eigenen“ Land ungewollt bestätigt, dass Südossetien kein integraler Bestandteil Georgiens sein kann, dass es ihm um die Unterdrückung der südossetischen Unabhängigkeitsbewegung ging. Das Zerbomben der südossetischen Hauptstadt Zchinwali durch georgisches Militär diente diesem Ziel. Die südossetische Unabhängigkeitsbewegung wurde in den neunziger Jahren ausgelöst, nachdem der „damalige Präsident [Georgiens], Swiad Gamsachurdija“, die „Autonomie Südossetiens einfach aufgehoben“ hatte, „später auch die der Abchasen“ (vgl. „Neues Deutschland“ vom 27.08.08, S. 3). Während der Zeit der UdSSR waren Südossetien als Autonomes Gebiet und Abchasien als Autonome Republik (ASSR) der Republik (SSR) Georgien (Grusinien) zugeordnet. Im „eigenen“ Land zu bombardieren, um eine Unabhängigkeitsbewegung auszuschalten, ist historisch beispiellos! Im Spanien waren es „wenigstens“ Bomber der deutschen Faschisten, die in Kumpanei mit dem späteren Faschisten Francisco Franco die Stadt Guernica zerstörten!

 

Es stellt sich deshalb die Frage, warum sich heute die deutsche Bundeskanzlerin wundert, dass das russische Parlament nach sehr langem Zögern die Selbständigkeit von Abchasien und Südossetien anerkannt hat. Doch verlangen die Osseten und Abchasen von den Georgiern nicht das Gleiche, was den Georgiern, Aserbaidschanern und Armeniern, den Litauern, Letten und Esten usw. nach dem Zerfall der UdSSR gewährt wurde? Warum messen die Georgier und die Staaten des Westens mit zweierlei Maß? Das Verzögern der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens als selbständige Staaten durch die russische Führung sollte im Zusammenhang mit der staatlichen Verselbständigung von Völkern der riesigen russischen Union zu eigenständigen Staaten gesehen werden. Wann sollte von der berechtigten Eigenständigkeit einer Nation in einem eigenen Staat gesprochen werden, wann von berechtigter Autonomie und wann von Separatismus – wie aus russischer Sicht im Falle von Tschetschenien?  Nach der Aufhebung der Autonomie von Südossetien und Abchasien sowie nach der „inneren“ Aggression der Georgier in Südossetien blieb der russischen Führung als logische Konsequenz nur die Anerkennung von Südossetien und Abchasien als selbständige Staaten – es sei denn, die Südosseten und Abchasen würden ihre Aufnahme in die russischen Förderation anstreben. Beides bedeutet aber aus der Sicht der Machtpolitiker des Westens einen „gefährlichen“ Verlust an Einfluss im Kaukasus und bei der Einkreisung Russlands.

 

So wichtig die Fragen des Völkerrechts sind – im Falle von Südossetien und Abchasien sind sie jedoch nur vorgeschoben. „Osseten und Georgier [führten] nur einen Stellvertreterkrieg für Russland und die USA“. Es ging „in der Region seit Ende der Sowjetunion“ um „einen knallharten Verdrängungswettbewerb“ (vgl. „Neues Deutschland“ vom 27.08.08, S. 3). Beiden Großmächten ist extrem am entscheidenden Einfluss in der Region gelegen, weil über Georgien die Erdöltrassen aus Aserbaidschan zum Schwarzen Meer und (über die Türkei) zum Mittelmeer geführt werden! Deshalb wurde Michail Saakaschwili vom amerikanischen Milliardär und Großspekulanten George Soros zur Macht verholfen, nachdem der damalige georgische Präsident Eduard Schewardnadse gestürzt worden war (vgl. Teil 3 meiner „Schrittweisen geistigen Verführung zu Kriegen“: Hintergründe zum Krieg in Georgien vom 22.08.2008)! Es folgte eine enorme Aufrüstung Georgiens mit Waffen aus den USA und Israel! Es seien „Berge von Waffen“ nach Georgien geliefert worden, äußerte Michael Gorbatschow in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN: „Wenn Georgien nicht bis an die Zähne bewaffnet gewesen wäre, hätte es nicht das getan, was es getan hat“ (vgl. „Berliner Zeitung“ vom 16/17.08.2008, S. 7)!

 

Die Aufrüstung von Georgien erfolgte unter Einsatz von amerikanischen Schiffen über die Schwarzmeerhäfen Georgiens. Heute bringen amerikanische Schiffe, die mit Raketen bestückt sind, „Hilfsgüter“ nach Georgien! Um eine erneute Aufrüstung Georgiens zu verhindern, wurden russische Kriegsschiffe zu den betreffenden Schwarzmeerhäfen entsandt. Da sowohl die amerikanische Rüstungsindustrie als auch die amerikanischen Erdölkonzerne an den Profiten aus der Region interessiert sind, kann es im Schwarzen Meer zu einer gefährlichen Konfrontation russischer und amerikanischer Kriegsschiffe kommen! Beide Großmächte stehen sich zur Wahrung von staatlichen Macht- und privaten Gewinninteressen unmittelbar militärisch gegenüber! Es geht um Gewinne oder Verluste in Milliardenhöhe. Die Demokratie ist auf beiden Seiten ausgeschaltet, da sie die Bereiche der Wirtschaft und der Finanzwirtschaft nicht erreicht. Das für einen Staat Wesentliche ist aus der Demokratie ausgeschlossen! Damit wird die Demokratie zur Scheindemokratie – gleich unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen! Die (für das Kapital) „freie“ Marktwirtschaft wird zur Diktatur des Kapitals ohne Diktaturen! Profiteure und Spekulanten aus dem Hintergrund, wie George Soros, bestimmen mit ihrer Kapitalmacht über Krieg und Frieden! Und wenn es gelingt, Kriege zu verhindern, bewirkt die vorherrschende Konkurrenzökonomie, dass sich alle im Kampf gegen die Natur zur Zerstörung unserer gemeinsamen Existenzgrundlagen „vereinen“. Es sind die privaten Eigentums- und Besitzverhältnisse, die den Abwärtstrend der Erdenmenschheit auch ohne Kriege „sichern“. Entweder es gelingt, eine Ordnung mit einer Lebensweise ohne Konkurrenzökonomie und ohne Privatbesitz an Natur aufzubauen, oder die Menschheit geht in einem Weltkrieg oder in einer Klimakatastrophe unter.

 

Ob es gelingt, eine neue Ordnung aufzubauen, hängt nicht zuletzt von jenen Mächten ab, die die Negativentwicklung der Erdenmenschheit vor Jahrtausenden aus dem Hintergrund initiiert haben, die sie aber auch heute noch gezielt beeinflussen, um den Abwärtstrend zu beschleunigen. Es gibt nur eine Ihnen bekannte Möglichkeit, um den Trend zu stoppen.

 

Carpe diem!

 

Werner Grundmann                   Berlin, den 28.08.2008, 01:58 Uhr