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Verfuehr10BWG2.doc                     Abrufbare Veröffentlichung: 07.09.2008

 

Von Werner Grundmann                                        Berlin, den 05.09.2008

 

an alle Mitglieder der FIGU

 

 

Schrittweise geistige Verführung zu Kriegen

Teil 10: Zu Putins ARD-Interview und zum Gott der Republikaner

 

Liebe Mitglieder der FIGU,

          ARD-Korrespondent Thomas Roth führte am 29.08.2008 in Sotschi ein Interview mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin über die Eskalation im Kaukasus-Konflikt. Zum Titel »Natürlich, wir haben im Rahmen des Völkerrechts gehandelt« wurde eine Version des Interviews über

www.tagesschau.de/ausland/putininterview100.html

veröffentlicht. Am 05.09.2008 erschien es nach Abgleich mit der russischsprachigen Fassung auch auf den Seiten 18 und 19 des Neuen Deutschland. Es schlug „hohe Wellen … sowohl wegen seines Inhalts als auch – und vor allem – wegen der Umstände und der Art seiner Veröffentlichung“ (vgl. ebd., S. 18).

 

Uns sollten vor allem die Sichtweise und bestimmte spezifische Informationen des russischen Ministerpräsidenten interessieren, die bisher in unseren Medien verschwiegen wurden.

 

Auf die Frage Wladimir Putins, wer den Krieg begonnen hat, gesteht Thomas Roth ein:

>> Die letzte auslösende Attacke war der georgische Angriff auf Zchinwali ... <<

 

Nachfolgend verwende ich Zitate von Wladimir Putin aus der Internetveröffentlichung der ARD-Tagesschau.

 

Zum Verhalten der USA und westeuropäischer Staaten:

>> Wenn irgendwelche Staaten der Meinung sind, dass sie sich über die persönlichen, nationalen Interessen hinwegsetzen können, indem sie die außenpolitischen Interessen anderer Staaten bedienen, wird das Ansehen solcher Staaten in der Welt, womit sie ihre Position auch immer erklären mögen, nach und nach zurückgehen. Wenn die europäischen Staaten die außenpolitischen Interessen der USA bedienen wollen, so werden sie dadurch, meiner Meinung nach, nichts gewinnen. <<

 

 

Zum Verhalten der russischen Friedenstruppen im Vergleich zur Passivität europäischer Friedenstruppen im ehemaligen Jugoslawien:

>> Und nun zu unseren völkerrechtlichen Verpflichtungen: Laut internationalen Abkommen haben die russischen Friedenstruppen die Verpflichtung übernommen, die friedliche Bevölkerung in Südossetien in Schutz zu nehmen.

 

Erinnern wir uns jetzt an das Jahr 1995 in Bosnien. Uns ist gut bekannt, dass die europäischen Friedenstruppen, die aus niederländischen Militärangehörigen bestanden, eine der angreifenden Seiten nicht aufgehalten haben und es dieser Seite ermöglicht haben, eine ganze Ortschaft zu vernichten. Hunderte Menschen wurden getötet und in Mitleidenschaft gezogen. Das Problem und die Tragödie in Srebrenica ist Europa sehr gut bekannt. Möchten Sie etwa, dass wir ebenso gehandelt hätten? Dass wir weggegangen wären und es damit den georgischen Militäreinheiten ermöglicht hätten, die in Zchinwali lebenden Menschen zu vernichten? ...

 

Nach dem nicht legitimen Beschluss über die Anerkennung von Kosovo haben alle erwartet, dass Russland die Unabhängigkeit und die Souveränität von Südossetien und Abchasien anerkennen wird. So war es doch - alle haben eine solche Entscheidung Russlands erwartet. Und das moralische Recht dazu hatten wir.

 

Aber wir haben dies nicht getan. Wir haben uns mehr als zurückhaltend verhalten. Ich will dies nicht kommentieren, wir haben diese Entscheidung wahrhaftig hinuntergeschluckt. Und was haben wir dafür bekommen? Eine Eskalation des Konflikts, den Überfall auf unsere Friedenskräfte, den Überfall und die Vernichtung der Zivilbevölkerung in Südossetien!

 

Ihnen sind doch die Tatsachen aus der dortigen Gegend bekannt, die bereits veröffentlicht wurden. Der Außenminister Frankreichs war ja in Nordossetien, wo er sich mit Flüchtlingen getroffen hat. Augenzeugen berichten, dass georgische Militäreinheiten gegen Frauen und Kinder mit Panzern vorgegangen sind. Sie trieben die Menschen in Häuser und verbrannten sie lebendigen Leibes. Und als georgische Soldaten in Tschinwali einmarschiert waren, haben sie in Kellern, in denen  sich Frauen, Kinder versteckt haben, im Vorbeigehen Granaten geworfen. Was ist das, wenn nicht Völkermord? …

 

Hier dagegen wurden gleich in den ersten Stunden zehn Dörfer auf dem Territorium Südossetiens dem Erdboden gleichgemacht. <<

 

 

Zur Legitimität der russischen Kampfhandlungen in Gegenüberstellung zur „verbrecherischen Aktion“ der georgischen Seite:

>> Nun zur georgischen Führung. Leute, die ihr Land in eine Katastrophe gestürzt haben - die Führung Georgiens selbst hat mit ihren Handlungen die territoriale Integrität und Staatlichkeit Georgiens untergraben. Solche Menschen dürfen meiner Meinung nach natürlich an gar keiner Staatsspitze stehen. Egal, ob das kleine oder große Staaten sind. Wären dies anständige Menschen, dann hätten sie selbst sofort zurücktreten müssen. …

 

Natürlich haben wir im Rahmen des Völkerrechts gehandelt. Den Überfall auf die Posten unserer Friedenskräfte, den Mord an unseren Friedensstiftern und an unseren Bürgern haben wir zweifelsohne als einen Überfall auf Russland verstanden.

 

In den ersten Stunden der Kampfhandlungen haben die georgischen Streitkräfte mit ihren Schlägen gleich mehrere Dutzend Soldaten der russischen Friedenskräfte getötet. Sie haben unsere südliche Stellung (dort gab es im Süden und im Norden Stellungen der Friedenstruppen) mit Panzern umzingelt und sie unter direkten Beschuss genommen.

 

Als unsere Friedenstruppen versucht haben, schweres Kriegsgerät zu mobilisieren, haben die georgischen Truppen Grad-Raketenwerfer-Feuer eingesetzt. Zehn russische Soldaten, die noch in den Garagen waren, wurden auf der Stelle getötet. Sie sind lebendigen Leibes verbrannt. Danach hat die Luftwaffe Georgiens Schläge gegen verschiedene Gegenden Südossetiens - nicht in Zchinwali, sondern in der Mitte von Südossetien - durchgeführt.

 

Und wir wurden gezwungen, georgische Feuerleitstellungen unter Feuer zu nehmen, die sich außerhalb der Kampf- und der Sicherheitszone befanden. Aber dies waren Stellungen, aus denen die georgischen Streitkräfte geführt, und von wo aus die russischen Truppen und die Friedenstruppen angegriffen wurden. <<

 

 

Zur Zuspitzung der internationalen Lage:

>> Meint man es aber ernst, so ist Russland keinesfalls darauf aus, dass sich die Situation zuspitzt. Wir wollen keine Spannungen, mit wem auch immer. Wir streben freundliche, gutnachbarliche Beziehungen an, Partnerschaftsbeziehungen mit allen Staaten.

 

Wenn Sie gestatten, ich denke darüber Folgendes: Es hat die Sowjetunion und den Warschauer Vertrag gegeben. In Deutschland gab es sowjetische Truppen. Ehrlich gesagt waren es Besatzungstruppen, die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geblieben sind, als Truppen der Alliierten. Diese Besatzungstruppen wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion abgezogen, der Warschauer Vertrag löste sich auf. Es gibt keine Gefahr seitens der Sowjetunion. Aber die NATO, die US-Truppen, sind in Europa geblieben. Warum?

 

Um Ordnung im eigenen Haus, im eigenen Lager, mit den eigenen Verbündeten zu schaffen, um sie im Rahmen der Blockdisziplin zu halten – braucht man eine äußere Gefahr. Der Iran passt nicht ganz für eine solche Rolle. Also will man unbedingt Russland als Feindbild ins Leben zurückrufen. Aber in Europa hat man davor keine Angst mehr  <<

 

 

Zur Anerkennung des Kosovo im Vergleich zur Anerkennung Abchasiens und Südossetiens als eigenständige Staaten:

>> Wenn sie sie aber dort anerkannt haben, dann erkennen sie doch auch die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien an. Kein Unterschied. In dieser Position gibt es keinen Unterschied. Dies ist ein ausgedachter Unterschied.

 

Dort hat es einen ethnischen Konflikt gegeben, und auch hier gibt es ihn. Dort hat es praktisch von beiden Seiten Verbrechen gegeben, und auch hier wird man sie wohl finden können. Auf beiden Seiten, wenn man gut sucht, dann kann man sie finden. Wahrscheinlich. Dort wurde beschlossen, dass diese beiden Völker miteinander in einem Staat nicht leben können. Auch hier wollen sie nicht in einem Staat zusammenleben. Da gibt es keinen Unterschied! Dies sehen doch alle wunderbar ein, jetzt wird nur viel drum herum geredet, um unrechtmäßige Entscheidungen zu vertuschen. Dies ist das Recht des Starken, Faustrecht. Und damit kann sich Russland nicht abfinden. <<

 

 

Zur Besetzung von Stellungen auf georgischem Territorium:

>>  Als wir mit Herrn Sarkozy während seines Moskaubesuchs gesprochen haben, sagten wir ihm direkt, dass wir nicht die Absicht haben, irgendwelche georgischen Gebiete zu besetzen. Und wir werden natürlich die Stellungen verlassen, wo wir uns jetzt befinden, und uns in die Sicherheitszone zurückziehen, die in früheren internationalen Verträgen vereinbart waren.

 

Aber auch dort wollen wir nicht ewig bleiben, weil wir meinen, dass dies georgisches Territorium ist. Unser Ziel besteht lediglich darin, die Sicherheit in dieser Region zu gewährleisten, und wir wollen verhindern, dass heimlich wieder Waffen und schwere Kriegstechnik konzentriert werden. Wir wollen verhindern, dass dort wieder Voraussetzungen für einen neuen bewaffneten Konflikt geschaffen werden. <<

 

 

Zur Rolle der US-Administration im Krieg in Georgien:

>> Die Krise wurde, wie mir scheint, sehr erheblich unter anderem mit Hilfe unserer amerikanischen Freunde während des Wahlkampfes provoziert: Das ist die Nutzung der Machtressourcen der Administration in der kläglichsten Art, um die Vorzüge eines der Präsidentschaftskandidaten zu sichern - in diesem Fall zugunsten der regierenden Partei. …

 

Uns ist bekannt, dass es dort viele amerikanische Berater gegeben hat. Es ist sehr schlecht, eine der Seiten beim ethnischen Konflikt aufzurüsten und dann diese dazu zu drängen, ethnische Probleme auf dem militärischen Wege zu lösen. Dies scheint zwar einfacher, als jahrelang zu verhandeln und nach Kompromissen zu suchen. Aber das ist zugleich ein sehr gefährlicher Weg, was sich ja dann aus der Entwicklung auch gezeigt hat. …

 

Aber die Berater und Instrukteure, die Ausbilder, das Personal, das die Truppen ausbildet und an der gelieferten Kriegstechnik trainiert hat, das muss sich auf dem Übungsgelände und in den Trainingszentren befinden. Und wo waren sie in Wirklichkeit? In der Zone der Kampfhandlungen. Und allein dies lässt vermuten, dass die Führung der USA über die vorbereitete Aktion im Bilde war. Mehr noch - sie hat daran höchst wahrscheinlich teilgenommen. Denn ohne das Kommando der höchsten Führung hätten amerikanische Bürger kein Recht, sich in der Konfliktzone aufzuhalten. …

 

Und da ergibt sich die Frage: Warum hat die oberste Führung der Vereinigten Staaten die Präsenz ihrer Bürger in der Sicherheitszone gestattet, die sich dort gar nicht aufhalten durften? Und wenn ihnen dies gestattet wurde, dann kommt bei mir der Verdacht auf, dass dies extra gemacht wurde, um einen kleinen siegreichen Krieg zu organisieren. Und als dieser misslungen war, dann wurde aus Russland ein Feindbild gemacht, um auf dieser Grundlage die Wähler um einen der Präsidentenanwärter zu scharen. Natürlich um den Kandidaten von der regierenden Partei. … <<

 

 

Zur Demokratie in Georgien:

>> Nun zum Konflikt, den wir jetzt gemeinsam erörtern. Ist Ihnen denn nicht bekannt, was sich in Georgien in den letzten Jahren abgespielt hat? Der geheimnisvolle Tod des Ministerpräsidenten Schwanija, die Abrechnung mit der Opposition, das praktisch gewaltsame Auseinandertreiben von Protestaktionen der Oppositionskräfte, Nationalwahlen unter dem Notstandsgesetz, dann diese verbrecherische Aktion in Südossetien mit vielen menschlichen Opfern. Und dies ist natürlich trotzdem ein demokratisches Land, mit dem ein Dialog geführt werden muss ... <<

 

 

Zur Pressefreiheit in den westlichen Medien:

>> Ich war in Peking, als es zu diesen Ereignissen in Georgien kam. Der Massenbeschuss von Tschinwali war im Gange, Bodenoperationen der georgischen Truppen waren gestartet, es gab bereits zahlreiche Opfer und niemand sagte auch nur ein Wort dazu, auch Ihr Fernsehsender hat geschwiegen, alle US-Sender ebenfalls, als wäre nichts geschehen, als wäre alles ruhig.

 

Sobald aber der Aggressor eins in die Fresse gekriegt hat, sobald ihm die Zähne ausgeschlagen wurden, sobald er all seine amerikanischen Waffen zurückließ und abgehauen war, dann erinnerten alle sich plötzlich an das Völkerrecht und an das böse Russland. Alle waren plötzlich wie ein einziger Chor … Warum wohl eine solch unterschiedliches Verhalten? <<

 

Zum Abschluss äußerte Putin:

>> Wir plädieren für eine objektive Analyse der entstandenen Situation, und wir hoffen, dass Vernunft und Gerechtigkeit triumphieren werden. Wir sind ein Opfer der Aggression und wir hoffen auf die Unterstützung seitens unserer europäischen Partner. <<

 

Doch wie verhält sich zurzeit die US-Administration? Noch während des Parteitages der Republikaner „[reiste] US-Vizepräsident Dick Cheney nach Tiflis und sicherte Georgien Unterstützung für den Beitritt zur Nato zu“, meldet die Berliner Zeitung am 5. September 2008 auf der Seite 7. „Cheney dankte Saakaschwili für die Entsendung von georgischen Truppen in den Irak. ‚Jetzt liegt es in der Verantwortung der freien Welt, sich an die Seite Georgiens zu stellen.’“ … „Tags zuvor hatte die US-Regierung bekannt gegeben, dass sie dem Land eine Milliarde Dollar Wirtschaftshilfe gewährt. Damit soll die Infrastruktur nach der russischen Invasion wiederaufgebaut werden.“ D. h., noch vor den Präsidentschaftswahlen wurden neue strategische Entscheidungen gefällt – offenbar unter Zustimmung von John McCain und Sarah Palin, die zur gleichen Zeit als offizielle Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen nominiert wurden!

 

Doch warum diese Eile? Um welchen „großen“ Plan geht es den Machern aus dem Hintergrund? Aufschlussreich ist eine Meldung des Neuen Deutschland vom heutigen Freitag, dem 5. September 2008, auf der Seite 1:

„Im Internet kursierten am Mittwoch Videomitschnitte einer früheren Rede Palins, in der die fünffache Mutter den Irakkrieg als >>Auftrag Gottes<< bezeichnet. >> Betet für unsere Soldaten, die danach streben, das zu tun, was richtig ist für das Land<<, bat sie in der Ansprache in einer Kirche in ihrer Heimatstadt Wasilla. >>Unsere nationalen Führer schicken sie in einen Auftrag, der von Gott ist. <<“

 

Es fällt mir nach eigenen schlimmen Erfahrungen schwer, davon auszugehen, dass sowohl der US-Präsident, George W. Bush, als auch die streng religiöse Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, die Auftraggeberschaft eines „Gottes“ einfach erfinden. Doch wenn es eine Intelligenz im Hintergrund gibt, die Kriege inspirativ steuert, dann kann diese kein „lieber Gott“ sein!

 

Sie, liebe FIGU-Mitglieder, werden entgegnen, dass es – wie Eduard Meier und die Plejaren mehrfach betonten – keinen „Gott“ (und damit keinen „Gottessohn“) gibt. Dazu entgegne ich Ihnen:

 

Wer über Millionen von Jahren – unter Verletzung des universellen Gesetzes der Einheit von Positiv und Negativ – das „Böse“ durch Verbannung auf fremde Welten ausschließt oder die entsprechenden Gene aus den Körpern der Menschen beseitigt, wer sich also im Sinne des „schöpferischen Evolutionsgesetzes“ ausschließlich „nach vorn“ orientiert, muss sich nicht wundern, dass er unfähig wird, die mögliche geistige Dominanz des „Bösen“ auf irgendeiner Welt überhaupt nachweisen zu können.

 

Denken Sie darüber nach und handeln Sie!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                                Berlin, den 05.09.2008, 22:10 Uhr

 

 

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