Zwei Postbriefe vom 20.05.2009 an das StuPa und den AStA der Universität Trier

Veröffentlichung: 21.05.2009

 

Anmerkung: Der Inhalt der Schreiben wurde am 21.05.2009, 01:01 Uhr, auch an

sieben E-Mail-Adressen von Studierenden der Universität Trier gesandt,

außerdem an die Feuilleton-Adresse des "Neuen Deutschland".

 

 

############# Beginn der beiden Postbriefe

 

Werner Grundmann                                               Berlin, den 20. Mai 2009

wbgrundmann@online.de

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Karl-Marx-Universität Trier

- Parlament der Studierenden

  StuPa-Präsidentin Diana Feld

- Koordinierendes Mitglied des AStA

  Florian Kaiser

Universitätsring 12 b

54286 Trier

 

 

Unterstützung der Umbenennung der Universität Trier in

Karl-Marx-Universität Trier

 – Zur historischen Einordnung von Karl Marx –

 

Liebe Befürworter der Umbenennung,

          am 16./17. Mai 2009 veröffentlichte das Neue Deutschland in seiner Wochenendausgabe einen ganzseitigen Beitrag von Christina Matte über „Der Bart ist nicht ab. In Trier wollen Studenten die Universität nach einem Sohn der Stadt benennen – Karl Marx“.

 

Als Absolvent der Karl-Marx-Universität Leipzig des Jahres 1960 bin ich außerordentlich beeindruckt von den Bemühungen der Trierer Studenten zur Würdigung von Karl Marx und zur besseren Klärung seiner historischen Einordnung. Mit der letztgenannten Problematik habe ich mich in der Nachwendezeit selbst intensiv befasst. Hinsichtlich der Nutzung bestimmter seiner ökonomischen und ökologischen Erkenntnisse kam ich zu Aussagen, die auch für Sie wichtig sein könnten. Auf diese Ergebnisse möchte ich Sie mit meinem heutigen Schreiben aufmerksam machen, weil sie jene wertvollen Aussagen ergänzen könnten, die ich in der „Stellungnahme der AStA und StuPa der Universität Trier zur ‚AStA der Karl-Marx-Universität Trier’“ fand.

 

Ihrer Stellungnahme zur Umbenennung stimme ich generell zu. Besonders unterstütze ich die „wesentlichen Punkte“ und die „Argumentationslinie“ auf den Seiten 4 und 5. Es könnte sich jedoch zeigen, dass nicht nur „die historische Figur des Karl Marx als Zeitgenosse, Philosoph und Ökonom des 19. Jahrhunderts“ für Sie bedeutsam ist, sondern auch die Nutzung bestimmter seiner Aussagen zur Lösung der existenziellen Probleme der Menschheit. Wenn es gelingt, bei Karl Marx und Friedrich Engels neu anzuknüpfen und die Dogmatisierung ihrer Lehre im Rahmen des „Marxismus-Leninismus“, als vorgeblich „wissenschaftliche Weltanschauung“, und im „Wissenschaftlichen Sozialismus“ zu überwinden, eröffnen sich neue Möglichkeiten zur schrittweisen Ablösung des kapitalistischen Systems. Allein die Beantwortung der Frage, warum Karl Marx, einer der größten Ökonomen aller Zeiten, den Begriff Ökonomie niemals definiert hat, obgleich ihm die Existenz zweier Ökonomien bewusst war, führt zu „neuen Ufern“. Er hat sich auf die „Kritik der politischen Ökonomie“ beschränkt, die Friedrich Engels als „Privatökonomie“ bezeichnete und die heute synonym mit „Wirtschaftlichkeit“ gleichgesetzt wird. Die andere, die nichtprivate Ökonomie wollte Marx offenbar zur theoretischen Grundlage einer nachkapitalistischen Ordnung entwickeln.

 

Ich stieß auf diese Problematik, als ich in den neunziger Jahren auf der Suche nach einer ökologisch orientierten Ökonomie war. Heute unterscheide ich nach gewinnorientierter bzw. profitorientierter Privatökonomie und bedürfnisorientierter Gemeinschaftsökonomie. Als Gegenstand der Wissenschaft Ökonomie betrachte ich allgemein die rationelle Bedürfnisbefriedigung – auch unabhängig von der Existenz von Wertformen. Eine solche Ökonomie ist unter gemeinschaftlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen am besten realisierbar, insbesondere zur möglichen Befriedigung der Grundbedürfnisse, wozu auch eine gesunde Lebenswelt gehört. In diesem Sinne kann ökonomisches Verhalten stets ökologisch sein, wenn der Einzelne und die Gemeinschaft von vornherein die Gesamtheit ihrer Grundbedürfnisse  im Auge haben.

 

Wenn wir Ökonomie nicht gewinnorientiert, sondern bedürfnisorientiert verstehen und generell vom Grundgedanken der Gemeinschaftlichkeit im höchstmöglichen Sinne ausgehen, einschließlich der Gemeinschaftlichkeit mit der Natur, eröffnet sich ein Weg zur einheitlichen Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Dies setzt jedoch voraus, dass das Wissen um die Existenz der „neuen“, der wahren Ökonomie zum Allgemeinwissen wird und dass möglichst viele Menschen bereit sind, aus eigenem Entschluss entsprechend den Anforderungen dieser „neuen“ Ökonomie in Gemeinschaften unterschiedlichster Formen leben zu wollen. Ich schlage vor, mit der Schaffung von gesellschaftlich akzeptierten Zellen der Gemeinschaftsökonomie zu beginnen. Sie könnten als Erstes die in der kapitalistischen Gesellschaft „überflüssigen“ Menschen auffangen und den Überfluss der kapitalistischen Wegwerfgesellschaft an Waren, Bausubstanz und stillgelegten Flächen rationell nutzen. Ihre erfolgreiche Entwicklung könnte über Jahrzehnte zur schrittweisen Schaffung einer weltweiten nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung auf demokratischer Basis führen. Den linken und grünen Parteien käme die Aufgabe zu, diesen Prozess theoretisch zu unterstützen und politisch zu begleiten.

 

Eine Begründung für den Aufbau einer nachkapitalistischen Ordnung habe ich in den

Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung“

über meine Homepage http://www.bwgrundmann.de auf 70 Seiten veröffentlicht, ebenso auf zehn Seiten die „Erkenntnisse aus den Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung“, zum Download verfügbar unter http://www.bwgrundmann.de/erk_bt.htm. Die „Erkenntnisse aus den Berliner Thesen …“ füge ich meinem Brief als Anlage bei.

 

Meinen Brief werde ich zusätzlich als E-Mail übersenden und zugleich auch an ausgewählte andere Studierende der Karl-Marx-Universität Trier vermitteln, soweit mir E-Mail-Adressen zur Verfügung stehen.

 

Ich erwarte auf meinen Brief und die Anlage keine inhaltliche Antwort, würde mich aber freuen, wenn Sie mir den Eingang meiner Sendung kurz bestätigen würden, auch per E-Mail.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit und beim Abschluss Ihres Studiums!

 

Mit solidarischen Grüßen

 

Werner Grundmann

 

 

P. S.: Ich möchte nicht verschweigen, dass ich eine zweite Homepage habe einrichten lassen, auf der ich meine Ergebnisse zur einheitlichen Lösung der religiösen, ökologischen und sozialen Frage veröffentliche. Es würde jedoch heute zu weit führen, um auf den prinzipiellen Inhalt dieser Homepage einzugehen.

 

############# Ende der Postbriefe