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Schwermer1BWG                      abrufbare Veröffentlichung am 11.11.2009

 

Werner Grundmann                                   Berlin, den 10. November 2009

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Frau

Heidemarie Schwermer

 

 

Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

 

Liebe Frau Schwermer,

           meine vertrauensvolle Anrede soll signalisieren, dass ich Ihnen nahe stehe, obgleich Sie mich sicherlich nicht kennen. Ich habe Sie über die Sendung des WDR unter der Moderation von Frank Plasberg am 6. November schätzen gelernt, anschließend in Ihre Homepage Einblick genommen und zu meiner Freude festgestellt, dass wir beide auf dem Weg zu neuen Strukturen sind, die schrittweise aus der kapitalistischen Gesellschaft herausführen. Sie haben erste praktische Erfolge erzielt; ich versuche es theoretisch!

 

Wenn sich meine Forschungsergebnisse bestätigen lassen, dann existiert ein theoretischer Hintergrund für das, was sie anstreben! Damit möchte ich Sie bekanntmachen – ohne dass ich auf meine Ausführungen von Ihnen eine fundierte Antwort erwarte. Doch sie sollten  wissen, welche theoretischen Vorstellungen mit Ihren Zielstellungen konform gehen. Es könnte für unser beider Anliegen wichtig sein, die bisherigen Ergebnisse wechselseitig zu verbreiten.

 

Ich bin an der Leipziger Universität mit Karl Marx „groß geworden“ und war von 1963 bis 1990 als Wirtschaftsmathematiker in verschiedenen Einrichtungen der Bauakademie in Berlin tätig, u. a. im Rechenzentrum und im Institut für Städtebau und Architektur. Nach der Wende hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms an der Technischen Universität Berlin unter Prof. Dr. Rainer Mackensen zu arbeiten und meine Erfahrungen aus DDR-Zeiten einzubringen.

 

Auf der Suche nach einer ökologisch orientierten Ökonomie fand ich ausgehend von Hinweisen von Karl Marx und Friedrich Engels zu einer neuen Definition von Ökonomie. Engels hatte die zu seiner Zeit vorherrschende Ökonomie generell als „Privatökonomie“ bezeichnet; Marx verwies ausgehend von Aristoteles im „Kapital“ auf die Existenz zweier Ökonomien! Dies führte mich in der Nachwendezeit zu einem neuen Verständnis für den Gegenstand wahrer Ökonomie im Sinne von Gemeinschaftsökonomie, was jedoch das Ablehnen der Gleichsetzung von Wirtschaftlichkeit und Ökonomie voraussetzt. Das Streben nach Wirtschaftlichkeit ist zuallererst Gegenstand der Privatökonomie. Doch Ökonomie sollte nicht gewinnorientiert, sondern bedürfnisorientiert verstanden werden, und zwar zumindest ausgehend von allen Grundbedürfnissen, einschließlich einer gesunden Lebenswelt! In diesem Sinne kann Gemeinschaftsökonomie „ganz einfach“ als rationelle Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen definiert werden. Als wesentlich erwies sich, dass ein solches ökonomisches Denken nicht an Geld gebunden sein muss, dass ökonomisches Verhalten auch im Tier- und Pflanzenreich existiert. Letztlich könnte die Gemeinschaftsökonomie zur Überlebensökonomie werden, wenn der Gemeinschaftsgedanke weltweit durchgesetzt werden kann, d. h., es geht um die schrittweise Schaffung einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung auf demokratischer Basis!  

Die auf Marx und Engels aufbauende wissenschaftliche Konzeption für die Begründung einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung liegt auf 70 Seiten in den „Berliner Thesen“ vom Oktober 2007 abrufbar zum Ausdruck, zum Download, zur Veröffentlichung und zur Übersetzung vor unter

http://www.bwgrundmann.de/btorig1.htm.

 

Die entscheidenden „Erkenntnisse“ aus den Berliner Thesen habe ich in einer Datei auf zehn Seiten zusammengefasst unter  

http://www.bwgrundmann.de/erk_bt.htm .

 

Die zugehörige doc-Datei BTErk.doc füge ich meiner E-Mail bei. Aus ihr können Sie entnehmen, dass ich die Schaffung einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung als Prozess sehe, der dadurch initiiert werden könnte, dass sich Menschen, die sich der „neuen“ Ökonomie verpflichtet fühlen, unter Nutzung der vollen Demokratie in ausgewählten gesellschaftlichen Bereichen in „Zellen der Gemeinschaftsökonomie“ vereinigen. Die Gründung dieser „Zellen“ würde von den Kommunen und vom Staat offenbar dann unterstützt werden, wenn diese Zellen – ohne Konkurrent der vorherrschenden Wirtschaft zu sein – im Wesentlichen eigenständig existieren, wenn sie „überflüssige“ Menschen sinnvoll auffangen, wenn sie dem Leben dieser Menschen wieder einen Sinn geben und zugleich weniger Anforderungen zu staatlicher Unterstützung notwendig wäre. Hinter all dem verbirgt sich in der Anfangsphase die ökonomische Nutzung des privatökonomisch Überflüssigen der Wegwerfgesellschaft: Menschen, ungenutzte Gebäude und Wohnungen, auskonkurrierte Kleinbetriebe, Warenüberschuss und stillgelegte Agrarflächen! Entscheidend dürfte langfristig letztlich das Vorbild dieser „Zellen“ in ihrer ökonomischen Funktionsweise sein, d. h. ihr Nachweis, dass ihre Ökonomie die „wahre“ ist. Dann käme es über Jahrzehnte zu einem schrittweisen Verdrängen der Privat- durch die Gemeinschaftsökonomie!

 

Abschließend einige Bemerkungen zu Ihrem „spirituellen Aspekt“. Auch ich bin mir aus eigenen Erfahrungen in der Nachwendezeit sicher, „dass es neben unserer materiellen Welt auch eine geistige gibt“. Mehr noch: Ich gehe von geistiger Führung, von gezielten Inspirationen aus, ohne die ich keinesfalls zu meinen Ergebnissen gekommen wäre. „Das geistige Wachstum des Einzelnen“ hat in der Tat „einen wichtigen Stellenwert“. „Wir alle sollten uns bei dieser Arbeit gegenseitig unterstützen.“ Mein Schreiben folgt Ihren Intentionen!

 

Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit und dass Sie in Ihrer beispielhaften Arbeit weiter gut vorankommen!

 

Bei Gelegenheit werde ich versuchen, Sie telefonisch zu erreichen, um sicher zu gehen, dass meine E-Mail und die beigefügte Datei Sie erreicht haben.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                                   Berlin, den 10.11.2009, 22:03 Uhr

 

 

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