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PotsdamPIKBWG.doc                abrufbare Veröffentlichung am 29.12.09

 

 

Werner Grundmann                          Berlin, den 22./23. Dezember 2009

wbgrundmann@online.de

 

Potsdam-Institut für

Klimafolgenforschung

z. H. von Chefökonom

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

Postfach 60 12 03

14412 Potsdam

 

 

Zu den grundlegenden Ursachen der ökologischen Krise und

des Klimawandels

 

Sehr geehrter Herr Edenhofer,

        in der Berliner Zeitung vom 21.12.2009 fand ich auf der Seite 2 das zwischen Ihnen und Jörg Michel geführte „Gespräch“ zum Titel „Die EU war politisch schwach“. Es betraf den Klimagipfel in Kopenhagen, dessen Ergebnisse Sie als „ein noch größeres Desaster“ bezeichnen, als Sie es sich vorher „vorstellen konnten“. Ihre offene Wertung dieser unzureichenden Ergebnisse hat mich ermutigt, mich an Sie zu wenden und Ihnen einige meiner Arbeitsergebnisse vorzustellen. Sie betreffen die gesellschaftlichen Ursachen der ökologischen Krise.

 

Um ein wenig mehr Verständnis für Ihre Position zu gewinnen, habe ich mir ausgewählte Web-Seiten der Homepage des PIK angeschaut und mich auch mit Ihrem Lebenslauf vertraut gemacht. Bei der kritischen Durchsicht der von Patrick Eickemeier erstellten Kernaussagen Ihres Instituts sowie der „Globalen Zielvereinbarung für die Große Transformation“ stieß ich auf eine grundlegende Frage: Wie soll es erreicht werden, den Klimawandel zu beherrschen, ohne seine tiefgründigen Ursachen zu erkennen?

 

Mein Unverständnis für das Herangehen des PIK an seine Forschungsarbeit beginnt bereits beim Namen des Instituts. Er ist ausschließlich auf das Kommende gepolt, obgleich doch ein „Institut für Klimaforschung“ sich sowohl mit den tieferen Ursachen der Veränderung des Klimas als auch mit den zu erwartenden Folgen befassen müsste. Ich gestehe, dass ich im Verlaufe der Jahre eine regelrechte Aversion gegen den 1992 gewählten Namen des Instituts entwickelt habe. Sie werden dies vielleicht nachvollziehen können, wenn Sie einige meiner theoretischen Forschungsergebnisse und meinen Entwicklungsweg unter den andersartigen gesellschaftlichen Bedingungen der DDR zur Kenntnis genommen haben.

 

Nach meinen Erfahrungen im Rahmen des Wissenschaftler-Integrations-programms in der Nachwendezeit am Institut für Soziologie an der Technischen Universität Berlin unter der Obhut von Prof. Dr. Rainer Mackensen kann es sehr nützlich sein, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus Ost und West als Grundlage der weiteren Arbeit genutzt werden. Dies zeigte sich insbesondere nach meinem Vortrag im Oberseminar von Rainer Mackensen Zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter marktwirtschaftlichen Bedingungen, den ich am 27.06.1996 hielt und über meine Homepage unter

http://www.bwgrundmann.de/Nichtbewaeltigung.htm

im Umfange von 28 Seiten veröffentlichte. Zu jener Zeit war ich auf der Suche nach einer ökologisch orientierten Ökonomie. Jahre später kam ich zum Ergebnis, dass zumindest nach zwei Ökonomien unterschieden werden muss – eine Erkenntnis, die auf Aristoteles zurückgeht und im „Kapital“, Bd. 1, von Karl Marx in einer umfangreicheren Fußnote zitiert wird.

 

Die Unterscheidung zwischen der gewinnorientierten „Privatökonomie“ (Friedrich Engels) im Sinne des Wirtschaftlichkeitsdenkens und einer bedürfnisorientierten Ökonomie im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung war der Schlüssel, um den Ursachen der ökologischen Krise und damit des Klimawandels auf den Grund zu gehen. Die bedürfnisorientierte Ökonomie ist für mich die wahre Ökonomie. Sie braucht nicht an Wertformen gebunden sein, ist unter gemeinschaftlichen Bedingungen am besten realisierbar und in der belebten Natur allgemein verbreitet. Deshalb stellte ich der Privatökonomie die Gemeinschaftsökonomie gegenüber.

 

Über die Gemeinschaftsökonomie fand ich zu ersten Grundgedanken für eine nachkapitalistische (und nachsozialistische) Gemeinschaftsordnung. Die konzeptionelle Begründung für diese Ordnung fasste ich auf 70 Seiten in den

Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

zusammen, die ich im Oktober 2007 über meine Homepage abrufbar unter

http://www.bwgrundmann.de/btorig1.htm

veröffentlichte, ebenso die meinem heutigen Schreiben beigefügten zehn Seiten der

Erkenntnisse aus den Berliner Thesen für eine nachkapitalistische

Gemeinschaftsordnung (vgl. http://www.bwgrundmann.de/erk_bt.htm ).

Die „Erkenntnisse …“ wurden ins Englische und ins Französische übersetzt. Beide Übersetzungen sind gleichfalls über meine Homepage abrufbar veröffentlicht.

 

Meinem Brief füge ich zwei weitere Internet-Veröffentlichungen bei, und zwar die dreiseitige

Kritik des Begriffes Nachhaltigkeit

vom 23. Februar 2008 sowie den vierseitigen Flyer vom 14.10.2008 über

Neue Energie für Frieden und Entwicklung auf der Basis einer „neuen“ Ökonomie.

 

In der erstgenannten Ausarbeitung versuche ich, in gedrängter Form nachzuweisen, dass "eine weltweite nachhaltige Entwicklung ... weder unter kapitalistischen noch unter sozialistischen Bedingungen erreicht werden [kann]".

 

Den genannten Flyer verbreitete ich am 17.10.2008 auf der Konferenz der Bundestagsfraktion DIE LINKE über „Neue Energie für Frieden und Entwicklung“. Ausgehend von den Begriffen Privatökonomie und Gemeinschaftsökonomie schlug ich vor, zwischen systemimmanenten und systemfremden Energiearten zu unterscheiden. Im Flyer werden die Energiegewinnung aus flüssigen Siliziumwasserstoffen und die Nutzbarmachung der Raumenergie unterstützt. Beide Energieformen wurden vermutlich in Kopenhagen nicht einmal erwähnt! Mit ihnen lässt sich zu wenig „Geld machen“!

 

Die heute vorherrschende Ökonomie ist im Wirtschaftlichkeitsdenken gefangen! Sie agiert zum eigenen Nutzen, auf Kosten anderer und zu Lasten unserer Lebenswelt. Damit will ich jedoch keineswegs die Bemühungen zur Reduzierung klimawirksamer Gase innerhalb der Wirtschaft verunglimpfen. Im Gegenteil: Weil es um die Weiterexistenz der Menschheit geht, sind derartige Anstrengungen auf allen Gebieten und von allen Menschen wichtig. Jedoch kann unsere Menschheit nach meiner Einsicht ohne die schrittweise Beseitigung privatökonomischer und nationalökonomischer Egoismen nicht überleben.

 

Ich bitte Sie als angesehener Klimaforscher, als Volkswirt und Philosoph, meine Ergebnisse kritisch zur Kenntnis nehmen, erwarte jedoch keine Stellungnahme, würde mich aber freuen, wenn Sie den Erhalt meines Briefes bestätigen.

 

Zu meiner Person: Ich bin Jahrgang 1937, Dipl.-Wirtschaftsmathematiker, studierte von 1955 bis 1960 an der Karl-Marx-Universität Leipzig und war von 1963 bis 1991 an der Bauakademie der DDR in Berlin tätig, zuletzt im Institut für Städtebau und Architektur.

 

Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010!

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Werner Grundmann

 

 

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