Erster Postbrief an die Berliner Umweltsenatorin Katrin Lompscher vom 16.03.2007

Veröffentlichung am 21.06.2007

 

Anmerkung: Auf den Postbrief erhielt ich in keiner Form Antwort.

Ich weiß deshalb auch nicht, ob der Brief Frau Lompscher erreicht hat.

 

 

 

Werner Grundmann                                                                   Berlin, den 16. März 2007

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an           

Senatsverwaltung für Gesundheit,

Umwelt und Verbraucherschutz

Senatorin Katrin Lompscher persönlich

Oranienstraße 106

 

10969 Berlin

 

 

Betrifft: Brief an Genossen Gregor Gysi vom 20.02.2007

 

Liebe Katrin,

                  wir kennen uns aus der gemeinsamen Parteiarbeit am Institut für Städtebau und Architektur. In dieser Zeit habe ich Dich in Deiner offenen, konstruktiven Art schätzen gelernt. Es freut mich deshalb, dass Du nach der Wende Deinen Weg gegangen bist, ohne Dich zu verbiegen.

 

Vor meiner Berentung am 1. Januar 2000 hatte ich im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms die Möglichkeit, noch einige Jahre am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin unter Prof. Dr. Rainer Mackensen tätig zu sein. Er ließ mir die Freiheit, meine an der Bauakademie der DDR begonnenen Forschungsarbeiten fortzusetzen. Doch auch nach meiner Berentung blieb ich aktiv. Ausgehend von meinen früheren Arbeiten über die Ökonomie der Stadtentwicklung und zur ökonomischen Bewertung des Wohnungsbestandes interessierte mich zunächst die Problematik einer ökologisch orientierten Ökonomie, später die Frage der möglichen Bewältigung der ökologischen Krise unter marktwirtschaftlichen Bedingungen sowie die ökonomische Funktionsweise der nachkapitalistischen Gesellschaftsordnung. Nach einer Reihe von Schritten kam ich – aufbauend auf Marx und Engels – über die Unterscheidung von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit zu einem ersten Vorschlag zur Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung auf der Basis einer neuen ökonomischen Funktionsweise. Ökonomie verstehe ich heute als Gemeinschaftsökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Bedingungen, Wirtschaftlichkeit im Sinne von gewinnorientierter Privatökonomie. Die „neue“ Ökonomie ermöglicht ein einheitliches ökonomisches Herangehen an die Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Insofern passen meine Ergebnisse in die heutige Zeit und in die derzeitige Diskussion. Infolge der notwendigen Bewältigung der ökologischen Krise und der Dominanz der Lösung der ökologischen gegenüber der Lösung der sozialen Frage muss nunmehr allerdings an der objektiven Berechtigung der Grundideen des „wissenschaftlichen Sozialismus“ gezweifelt werden.

 

Wenn sich meine Ergebnisse als prinzipiell richtig erweisen, könnten die neuen Erkenntnisse die künftige Politik der Linken wesentlich verändern. Deshalb hatte ich mich nach der am 3./.4. Februar 2007 erfolgten Teilveröffentlichung seines Vortrags „Über die Chancen eine modernen Sozialismus“ auch an Genossen Gregor Gysi gewandt. Sein persönlicher Referent, Genosse Dieter Liehmann, empfahl mir, meine Ergebnisse der Redaktion von „Utopie konkret“ zur Veröffentlichung unterbreiten. Bisher habe ich mich noch nicht entschieden, ob und in welcher Form ich einen Beitrag einreiche.

 

Beigefügt sende ich Dir zur Information eine Kopie des Briefes an Gregor Gysi. Weil Deine Zeit extrem ausgefüllt sein dürfte und es Zeit erfordert, meine Ergebnisse zu verstehen und zu akzeptieren, erwarte ich auf diesen Brief keine inhaltliche Antwort. Ich bitte jedoch um eine kurze Bestätigung (auch als E-Mail), ob mein Brief wohlbehalten bei Dir eingetroffen ist.

 

Den Brief an Gregor Gysi habe ich inzwischen auch an den Genossen André Brie (Europa-Büro Schwerin) sowie an die Genossen Manfred Wolf und Götz Brandt von der Ökologischen Plattform gesandt. Die drei Genossen kennen meine Ausarbeitungen seit dem Jahre 2005. Sie zeigten eine bedingte Aufgeschlossenheit für meine Ergebnisse, aber vermutlich gehe ich ihnen mit meinen Konsequenzen zu weit.

 

Dem Brief an Gregor Gysi hatte ich als Anlage die zweiseitige Ausarbeitung „Kapitaldienst“ beigefügt. Sie betraf den Kapitaldienst der Wohnungsgenossenschaft Weißensee. Nach den Ergebnissen der Berliner Abgeordnetenhauswahlen war die Ausarbeitung als Leserbrief für das Neue Deutschland gedacht. Den Leserbrief hatte ich, beigefügt an eine E-Mail, zugleich an die Genossen Lothar Bisky und Harald Wolf gesandt. Sowohl vom Neuen Deutschland als auch von den Genossen Bisky und Wolf erhielt ich keine Antwort. Ich lege Dir Kopien vom „Kapitaldienst“ und von den beiden E-Mails mit bei, weil sie für Deine politische Arbeit im Senat nützlich sein könnten.

 

Erwähnen möchte ich noch, dass ich am 6. März 2007 – ergänzend zu meinem Brief vom 20.02.2007 – auch einen am 27. Juni 1996 an der Technischen Universität gehaltenen Vortrag im Umfange von 27 Seiten an Gregor Gysi gesandt habe. Er ist hinreichend beweiskräftig und heißt

   „Zur Nichtbewältigung der ökologischen Krise unter marktwirtschaftlichen Bedingungen“.

Der Vortrag löste seinerzeit ein Schock bei den Zuhörern aus. Wenn Du Dir diese heilsamen Erkenntnisse auch „zumuten“ möchtest, würde ich sie Dir zu gegebener Zeit per E-Mail übersenden.

 

Mit solidarischen Grüßen

 

 

Werner Grundmann

 

 

Anlagen:

- Brief vom 20. Februar 2007, an Genossen Gregor Gysi zur

   „Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung“

- „Kapitaldienst“ vom 21. September 2006

- E-Mail an das „Neue Deutschland“ vom 21. September 2006, 00:51

- E-Mail an lothar.bisky@linkspartei.de vom 21. September 2006, 14:41 Uhr