Drucken          Öffnen als PDF          Öffnen als Word-Doc.

KritikSozBWG.doc                                     Veröffentlichung am 29.10.2008

 

Werner Grundmann                                                Berlin, den 29.10.2008

 

 

Zur Kritik der Grundidee des Sozialismus

Zur bewussten Eingrenzung der ökonomischen Lehre von Karl Marx

und ihren politischen Konsequenzen

(Entwurf)

 

0. Grundsätzliches Anliegen der Ausführungen

Die Grundidee zum Aufbau ausbeutungsfreier sozialistischer Gesellschaften betraf insbesondere die Lösung der sozialen Frage durch fortwährende Steigerung der Arbeitsproduktivität auf der Basis gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln. Diese grundlegende Zielstellung wurde gar zum „ökonomischen Gesetz“ erhoben, zum „ökonomischen Grundgesetz des Sozialismus“. Es implizierte, dass sich die gewählte Zielstellung unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen durch die Leistungen der Werktätigen tendenziell von sich aus erfüllt.

 

Das „ökonomische Grundgesetz des Sozialismus“ wurde 1975 wie folgt formuliert: „Sicherung der höchsten Wohlfahrt und der freien allseitigen Entwicklung aller Mitglieder der Gesellschaft auf dem Wege des ununterbrochenen Wachstums und der Vervollkommnung der gesellschaftlichen Produktion.“[1] Mit dem „ununterbrochenen Wachstum“ war das Wirtschaftswachstum gemeint, das am Zuwachs an Nationaleinkommen gemessen wurde – analog dem Anstieg des Bruttosozialprodukts unter kapitalistischen Bedingungen.

 

Doch die Theoretiker des „Wissenschaftlichen Sozialismus“ stehen heute vor einem Dilemma: Der Sozialismus ist weltweit nicht nur politisch, sondern vor allem ökonomisch gescheitert. Die von Lenin vorgegebene Zielstellung zur Erzielung „weit höherer Arbeitsproduktivität“ als „das allerwichtigste, das ausschlaggebende für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung“[2] erwies sich als nicht realisierbar! Sie führte darüber hinaus zu analogen Veränderungen, Belastungen und Zerstörungen unserer Lebenswelt wie unter kapitalistischen Bedingungen. Ich spreche bewusst von „unserer Lebenswelt“ und nicht vom egozentrischen Begriff „Umwelt“, weil wir als Menschheit zur irdischen Lebenswelt gehören und mit ihrer Zerstörung uns selbst vernichten würden.

 

Aus der Niederlage der Sozialismus ergeben sich mehrere grundlegende theoretische Fragen:

-          Erstens: Muss aus dem ökonomischen Scheitern des Sozialismus gefolgert werden, dass die Marxsche Lehre der historischen Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen fragwürdig ist?

-          Zweitens: Wurde dem Aufbau des Sozialismus eine hinreichend wissenschaftlich begründete ökonomische Lehre zugrunde gelegt?

-          Drittens: War es im Prozess der Lösung der sozialen Frage in Konkurrenz zum kapitalistischen System vertretbar, die ökologische Problematik derart weit zu vernachlässigen?

-          Viertens: War der Weg zur dominanten Lösung der sozialen Frage der objektiv richtige Weg zur Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung?

-          Fünftens: Ist die ökologische Krise primär fortschrittsbedingt oder gesellschaftlich bedingt?

-          Sechstens: Sind Revolutionen überhaupt das richtige Mittel zur schrittweisen Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems?

 

Da sich die Leninsche Strategie zum Aufbau einer nachkapitalistischen Ordnung offenbar als unzureichend oder gar als falsch erwiesen hat, stellt sich heute die Frage nach der Erweiterung der wissenschaftlichen Grundlagen für die anzustrebende neue Ordnung. Dies könnte auch erfordert, die ökonomische Lehre von Karl Marx neu einzuordnen! Schloss sie wirklich eine umfassende Kritik des kapitalistischen Systems ein? Bedarf die Marxsche ökonomische Lehre einer grundsätzlichen Erweiterung? Kann die Marxsche Lehre der historischen Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen auf neue Weise bestätigt werden? Was würde daraus für eine mögliche weltweite Ablösung des Kapitalismus und den schrittweisen Aufbau einer nachkapitalistischen Ordnung folgen? Welche Konsequenzen müssten für die Politik der linken Parteien daraus abgeleitet werden?

 

Ich möchte versuchen, einige dieser Fragen grundsätzlich zu beantworten. Grundlegende Voraussetzungen all meiner Betrachtungen sind

- erstens das Zurückweisen der Gleichsetzung von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit,

- zweitens die Einordnung der Ausbeutungs- in die Bereicherungsproblematik.

 

Das Erstere erfordert die Suche nach einer anderen, einer nicht gewinnorientierten Ökonomie. Doch eine derartige Definition des Begriffes Ökonomie findet sich weder bei Marx noch bei Engels und auch nicht bei Lenin. Ausgehend von Aristoteles (384-322 v. u. Z.) hat jedoch Karl Marx in einer ausführlichen Fußnote im ersten Band des „Kapital“ auf die notwendige Unterscheidung nach zwei Ökonomien hingewiesen.[3]

 

Die zweite Voraussetzung ist wesentlich für eine umfassendere Betrachtung aller bisherigen Gesellschaftsordnungen, einschließlich der sozialistischen Ordnung. Während der Begriff Ausbeutung auf Menschen zu beziehen ist, kann der Begriff Bereicherung umfassender und auch im nichtökonomischen Sinne angewandt werden. Neben der Bereicherung durch Ausbeutung, Diebstahl, Übervorteilung, Ausplünderung, Raub und Krieg kann von Bereicherung auf Kosten der Vorwelt, Mitwelt und Nachwelt gesprochen werden. Die öffentliche Verschuldung sowie die Zerstörung und Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen sind Bereicherung auf Kosten der Nachwelt. Daraus folgt, dass eine Gesellschaft ohne Ausbeutung dennoch eine Bereicherungsgesellschaft sein kann.

 

Karl Marx hat sich mit seinem Hauptwerk, dem „Kapital“, auf die Kernproblematik kapitalistischer Bereicherung konzentriert, auf den wissenschaftlichen Nachweis der Bereicherung durch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Ihm war jedoch die umfassendere Bereicherungsproblematik wohl bewusst, auch die nichtökonomische, die nicht an Arbeit bzw. nicht an Zeitaufwand gebundene Bereicherung. Sie bildete im Rahmen der so genannten ursprünglichen Akkumulation eine wesentliche Grundlage für die mögliche Entstehung des Kapitalismus.

 

Karl Marx hat sich darüber hinaus auch sehr früh der notwendigen Lösung der Naturfrage befasst. In den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844“ bezeichnete er den Kommunismus als „die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen“[4]. Dies kann heute im Sinne der einheitlichen Lösung der sozialen und der ökologischen Frage verstanden werden.

 

 

1. Zur bewussten Einschränkung der „Kritik der Politischen Ökonomie“ durch Karl Marx

 

Unsere Haltung als Linke zu Karl Marx wurde entscheidend von Lenin geprägt. Ich erinnere an einige markante Aussagen Lenins, die unter sozialistischen Bedingungen für viele Menschen zu einem weltanschaulich-politischen Glaubensbekenntnis wurden.

 

Lenin übernahm den Begriff „Marxismus“ und erhob das  „System der Anschauungen und der Lehre von Marx“[5] zu einer eigenständigen Lehre. Sie sei „allmächtig, weil sie wahr“ sei, „in sich geschlossen und harmonisch“[6]. Aus ihrer Allmächtigkeit wurde die Zwangsläufigkeit ihres Sieges abgeleitet und aus ihrer Geschlossenheit die Unterstellung, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“[7].

 

Man könnte fragen, was dies mit der Kritik an der Grundidee des Sozialismus zu tun hat. Der Zusammenhang besteht darin, dass sich das Nichtbehandeln, das Nichterkennen bzw. Negieren grundlegender ökonomischer Fragestellungen in der Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus auf die Schaffung der politischen Ökonomie des Sozialismus entscheidend auswirkte. Marx beschränkte sich bewusst – äußerst tiefgründig und wissenschaftlich kaum anfechtbar – auf die Kernproblematik, auf die Ökonomie der Produktion und Distribution und der damit verbundenen Ausbeutungsproblematik. Der zusammenfassende dritte Band des „Kapital“ trägt deshalb den Untertitel „Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion“.

 

Aus einem gesicherten Nachweis der prinzipiellen Unvollständigkeit der Marxschen Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie würden sich weit reichende Konsequenzen ergeben. Der Leninschen Deutung der Leistungen von Karl Marx müsste entgegengehalten werden, ob eine im Kern richtige, aber prinzipiell unvollständige Theorie als wahr bezeichnet und revolutionären Zielstellungen zugrunde gelegt werden darf.

 

Das rechtzeitige Erkennen der eingeschränkten Bedeutung der ökonomischen Lehre von Karl Marx hätte der Nachwelt den Begriff Marxismus offenbar erspart. Zumindest hätte der von Marx selbst abgelehnte Begriff Marxismus keine wissenschaftliche Bedeutung erlangt[8]. Lenin leistete mit dem Hervorheben dieses Begriffes – sicherlich ungewollt – dem Personenkult Vorschub, denn ohne den Begriff Marxismus hätte es wohl kaum die Begriffe Marxismus-Leninismus, Stalinismus und Maoismus gegeben.

 

Doch worin bestand die bewusste Beschränkung in der Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus durch Karl Marx? Das bewusste thematische Beschränken von Karl Marx in seinem Hauptwerk, dem „Kapital“, äußert sich – wie bereits angedeutet – vor allem in der Konzentration der Behandlung einer bestimmten Bereicherungsproblematik: auf die „Bereicherung durch Ausbeutung“. Sie ist bis heute die Kernproblematik geblieben. Sie war zugleich die dringendste und schwierigste wissenschaftlich zu bearbeitende ökonomische Problematik. Das bewusste Beschränken auf die Ausbeutungsproblematik spricht nicht gegen Karl Marx, wohl aber gegen jene, die seine Lehre verabsolutierten.

 

Detaillierter gesehen, befasste sich Karl Marx in seinem Hauptwerk mit der Analyse des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst, mit der schöpferischen Seite, mit der Schaffung von (an Gebrauchswerte gebundenen) Wert und Mehrwert. Es ging ihm um den Prozess der Wertschöpfung, um die „Bewegungsgrößen“, wie auch gesagt wird. Nur durch die Analyse des Prozesshaften konnte er dem Geheimnis der „Bereicherung durch Ausbeutung“ auf die Spur kommen. Das Anhäufen von Reichtum war für Marx ein übergeordneter Zusammenhang, eine neue Qualität, denn Bereicherung ist auch unabhängig von Ausbeutung möglich. Über den Begriff Bereicherung als ökonomische (und gesellschaftliche) Kategorie bzw. der Aneignung von Reichtum wird die vergegenständlichte Seite, werden die „Bestandsgrößen“ eines erweiterten Zusammenhangs erschlossen! Es war eine methodische Abgrenzung zwischen „Ausbeutung“ und „Bereicherung“ erforderlich, um einen wissenschaftlich sauberen Nachweis für das Entstehen von Mehrwert zu ermöglichen! Marx spricht deshalb auch von der „Aneignung von Arbeit“ im Ausbeutungsprozess[9] und nicht von der „Aneignung fremder Arbeitsergebnisse“, obgleich die letztgenannte Aussage präziser wäre. Es gibt folglich eine bewusste gewählte relative Enge im ökonomischen Herangehen innerhalb jenes riesigen geistigen Werkes, das als „Das „Kapital“ in die Geschichte einging. Nichtökonomische Bereicherung nahm Karl Marx nur insofern in sein Werk auf, als sie – in Form der so genannten ursprünglichen Akkumulation – eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des Kapitalismus war.

 

Im Nachhinein könnte man fragen, ob Karl Marx – ausgehend vom damaligen Erkenntnisstand – eine andere Abgrenzung zum Arbeitsgegenstand für „Das Kapital“ hätte vornehmen können. Die Frage ist deshalb gerechtfertigt, weil Friedrich Engels „auf anderm Wege … zu demselben Resultat“ wie Marx gelangt war. Marx führte dies zwar nicht weiter aus, bezeichnete aber im selben Zusammenhang Engels’ „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“[10] als eine „geniale Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“.[11] Weil für Marx „jede Vorwegnahme erst zu beweisender Resultate [bei näherem Nachdenken] störend“ schien, ging er den Weg des Aufsteigens „von dem einzelnen zum allgemeinen“.[12] Engels wählte in seiner „genialen Skizze“ den Weg „von oben nach unten“. Er setzte sich zunächst mit der „Nationalökonomie … als komplette Bereicherungswissenschaft“[13] in ihrer Gesamtheit auseinander, bevor er auf ihre spezifischen Kategorien einging. Marx’ Ergebnis erweist sich zwar bis heute als die gründlichste wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Ausbeutung; doch sie veranlasst die Marxisten noch heute, von „Ausbeutergesellschaften“ statt von „Bereicherungsgesellschaften“ zu sprechen.  Engels’ Ansatz „von oben“ sowie die Verarbeitung der eigenen frühen Erkenntnisse von Marx zur Naturfrage blieben in ihrem Alterswerk unbearbeitet, weil die Bereicherungsproblematik zu jener Zeit als abgeleitet, nachgeordnet und ohne eigenständige Bedeutung erschien. Die revolutionäre Entwicklung wäre während des 20. Jahrhunderts möglicherweise anders verlaufen, wenn Marx die Ausbeutungsproblematik weniger gründlich, dafür jedoch die Bereicherungsproblematik in ihren Grundzügen behandelt hätte. Doch dies entsprach nicht seiner Auffassung zur wissenschaftlichen Arbeitsweise. Es war das das bewusste Ausklammern der Bereicherungsproblematik in ihrer Gesamtheit, was dazu beitrug, dass Zerstörungen und Belastungen unseres Lebenssystems objektiv als Bereicherung auf Kosten der Nachwelt aufgefasst werden müssen, deren Beseitigung unseren Nachkommen enorme Lasten zuungunsten der Lösung der sozialen Frage aufbürdet.

 

Die Zuspitzung der sozialen Frage am Ende des 19. Jahrhunderts in den führenden kapitalistischen Ländern und das Nichterkennen der Bedeutung künftiger nichtökonomischer Bereicherung, insbesondere der möglichen Bereicherung auf Kosten der Natur, führten im 20. Jahrhundert zum Versuch der einseitigen Lösung der sozialen Frage durch die vermeintlichen geistigen Erben von Karl Marx und Friedrich Engels.

 

Karl Marx konnte zu seiner Zeit, den Widerspruch zwischen der Bewältigung der sozialen und der ökologischen Frage nicht einheitlich ökonomisch aufzulösen, obgleich er sich auch in seinem Spätwerk der Problematik näherte. Im dritten Band des „Kapital“ äußerte er, dass er in der „Verkürzung des Arbeitstags“ jene Möglichkeit sehe, um in „das wahre Reich der Freiheit“ zu gelangen. „Die Freiheit … kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assozierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen.[14] Er spricht von gemeinschaftlicher Kontrolle der Natur und orientiert auf den rationellen Umgang mit ihr!

 

 

2. Zur Entdeckung einer zweiten Ökonomie

Das Wissen um die prinzipielle Unvollständigkeit der Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus ebnet noch keinen Weg zur Suche nach jener Ökonomie, die der objektiv notwendigen und möglichen nachkapitalistischen Ordnung zugrunde gelegt werden kann.

 

Mein Weg zum Erkennen einer real existierenden anderen Ökonomie begann in den siebziger Jahren, als ich mich an der Bauakademie der DDR mit den Strukturen bürgerlicher mittelalterlicher Städte befasste. Es stellte sich die Frage, ob es objektiv eine Ökonomie in einem anderen Sinne als das Wirtschaftlichkeitsdenken gibt, etwa eine Ökonomie der rationellen Lebensweise. Ich kam darauf, weil ich gleichartige rationelle Strukturen bei den Bürgerstädten feststellte. Sie äußerten sich in der Form der Stadtmauer, in der Zentralität des Marktes, in den Straßenführungen, den funktionell unterschiedlichen Straßenbreiten sowie in der Zentralität benötigter gemeinschaftlicher Einrichtungen. Zudem bauten die Stadtbürger vor allem die gemeinsam benötigten Gebäude und Bauwerke in einer solchen Qualität, dass sie Jahrhunderte überdauerten. Auch dies entsprach einem vernünftigen ökonomischen Verhalten. Aus dem Gemeinsinn der Stadtbürger entstand die Kultur ihrer Städte. Das gemeinsame Vorgehen, auch im gesamtstädtischen Sinne möglichst rationell zu handeln, war vor allem existenziell, aber auch durch die beschränkt verfügbaren Mittel und Kapazitäten bedingt. Unter den damaligen gesellschaftlichen Bedingungen galt es, für möglichst viele Menschen auf engem Raum Lebensmöglichkeiten und Schutz gegen Übergriffe zu bieten, was sich insbesondere in der Dichte und Geschosshöhe der Bebauung sowie in der Qualität der Stadtmauern äußerte.

 

Erst nach der Wende fand ich zu einer Definition für die mittelalterliche bürgerliche Stadt. In ihrer Funktion als regionales Handelszentrum war eine solche Bürgerstadt ein lokales rationelles gemeinschaftliches Lebens- und Überlebenssystem auf der Basis handwerklicher Produktion.

 

Die in den Bürgerstädten intuitiv vorhandene gesamtstädtische ökonomische Denk- und Handlungsweise ging zwar mit fortschreitender Industrialisierung weitgehend verloren; doch es zeigte sich, dass über die Jahrhunderte zwei Ökonomien nebeneinander existierten und dass unter bestimmten historischen Bedingungen eine gemeinschaftlich geprägte Ökonomie das Wirtschaftlichkeitsdenken dominieren konnte. Die Entdeckung dieser „Doppelökonomie“ der Bürgerstädte erwies sich in der Folge als wesentlich.

 

Ausgehend von den Ergebnissen zur rationellen Lebensweise in den Bürgerstädten kam ich zur Gewissheit, dass die Aussage Lenins, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“, falsch ist. Es bestätigte sich jedoch die Unterscheidung von Aristoteles nach zwei Ökonomien, worauf bereits Karl Marx aufmerksam gemacht hatte.

 

Aristoteles unterschied nach der „Chrematistik“ als „Kunst …, Geld zu machen“ und der „Ökonomik“ als „Erwerbskunst“, die sich auf die „Verschaffung der zum Leben und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter“ beschränke. Für die „Chrematistik“ sei „die Zirkulation die Quelle des Reichtums“. Das Geld sei „ihr Anfang und das Ende“. Für die „Chrematistik“ scheine „keine Grenze des Reichtums und des Besitzes zu existieren“. Aristoteles fügte hinzu: „Die Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranlasst einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Endziel der Ökonomik zu betrachten.“[15] [16]

 

Die Grenzen der Vermehrung des Geldes sind heute in zweifachem Sinne erkennbar: Sie liegen zum einen in der Endlichkeit der möglichen Bereicherung aus dem Verbrauch und der Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen, zum zweiten in der riesigen Diskrepanz zwischen den vorgeblich in Geldform weltweit vorhandenen Werten und den von der Menschheit tatsächlich insgesamt geschaffenen nutzbaren Gebrauchswerten.

 

Die weltweite Finanzkrise des Jahres 2008 hat die Voraussicht von Aristoteles glänzend bestätigt. Die Verdrängung der von ihm genannten zweiten Ökonomie war durch die faktische Gleichsetzung von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit nahezu total gelungen. Dazu leistete die politische Ökonomie des Sozialismus ihren Beitrag! Unter kapitalistischen Bedingungen gab es aber eine Steigerung: Das Gewinnstreben der „Realwirtschaft“ wurde durch das Profitstreben der „Finanzwirtschaft“ abgelöst. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip mutierte innerhalb der „Geldwirtschaft“ zum reinen Bereicherungsprinzip, zur Gier nach vorgeblichen „Werten“! Die schrankenlose Anwendung des Bereicherungsprinzips schuf die riesige inzwischen geplatzte Billionen-Dollar-Blase!

 

Zu einer zweiten wichtigen Erkenntnis auf der Suche nach der „neuen“ Ökonomie kam ich, als ich mich Ende der siebziger Jahre im Rahmen eines Dissertationsentwurfs mit der einheitlichen ökonomischen Bewertung der Wohnungsbausubstanz befasste. Der Gegenstand meiner Untersuchungen war folglich eine ökonomische Problematik der so genannten Nichtproduktionssphäre. Die ökonomische Bewertung sollte sowohl die bestehende Bausubstanz, ihren Verschleiß als auch die Neubausubstanz einschließen. Ich kam zum Ergebnis, dass es notwendig sei, eine ökonomische Theorie der Reproduktion zu schaffen. Die Volkswirtschaftsplanung müsse in eine Planung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung eingeordnet werden. Als entscheidendes Kriterium zur Messung der Leistungen der Gesellschaft schlug ich vor, das erzielte Nationaleinkommen durch den Zuwachs an (reproduzierbarem) Nationalreichtum zu ersetzen. Dies hätte ermöglicht, neben den während eines Planungszeitraumes geschaffenen Werten auch den Wertverlust durch physischen und moralischen Verschleiß in einem Zusammenhang zu betrachten. Der im Juli 1980 bei der Fakultät Bauökonomie der Bauakademie eingereichte Dissertationsentwurf wurde scharf zurückgewiesen, vermutlich weil die vorgelegten Ergebnisse sowohl eine indirekte Kritik am Planungssystem und als auch am Wohnungsbauprogramm der  DDR darstellten, sich aber auch gegen bestimmte Positionen in der verbreiteten Theorie der politischen Ökonomie des Sozialismus richteten.

 

Den dritten wesentlichen Erkenntnisschritt auf der Suche nach der zweiten Ökonomie vollzog ich in den neunziger Jahren, als ich mich im Rahmen des Wissenschaftler-Integrationsprogramms an der Technischen Universität Berlin auf die Suche nach einer ökologisch orientierten Ökonomie begab. Es war der Versuch, von der als notwendig erkannten ökonomischen Theorie der Reproduktion zur verwandten ökonomischen Problematik der Renaturierung überzugehen.

 

Wichtig für die Betrachtungen war es, dass ich beim jungen Friedrich Engels den Begriff Privatökonomie[17] gefunden hatte. Es stellet sich die Frage, ob eine ökologisch orientierte Ökonomie gegensätzlich zur Privatökonomie eine Gemeinschaftsökonomie sein müsse.

Mir war klar geworden, dass die primär auf Gewinn und Profit orientierte gesellschaftlich vorherrschende Ökonomie tendenziell unsere Lebensgrundlagen zerstört. Das galt auch für die unter sozialistischen Bedingungen entstandene Ökonomie.

 

Die Ursache für die Beteiligung der politischen Ökonomie des Sozialismus an der Verschärfung der ökologischen Krise sehe ich heute darin, dass sie in Konkurrenz zum kapitalistischen System geschaffen und lediglich an die neuen Eigentumsverhältnisse angepasst wurde. Obgleich sie auf gesamtstaatlicher Ebene dominierte, blieb sie eine Konkurrenzökonomie. Infolge der Konkurrenz zum kapitalistischen Lager konnte dies auch gar nicht anders sein. Wir sehen jedoch am Beispiel der Volksrepublik China, dass diese Konkurrenz zur Rekapitalisierung und zu extremer Ausbeutung geführt hat. Und wir stellen mit Erschrecken fest, dass unter Hugo Chavéz in Venezuela Sozialisten aus Südamerikas auf neue Weise die soziale Frage dadurch zu lösen versuchen, dass sie den Erdölreichtum nutzen und sich damit an der weiteren Zerstörung und Belastung der irdischen Lebensgrundlagen in heute üblicher kapitalistischer Form beteiligen.

 

Es bedarf deshalb einer weltweiten gemeinschaftlichen ökonomischen Denk- und Handlungsweise, um unsere irdische Lebenswelt zu schützen und zu erhalten. Während es bei den Bürgerstädten des Mittelalters um den Schutz nach außen ging, geht es heute um unseren weltweiten Schutz von innen her. Es geht um eine Ökonomie, die die einheitliche Lösung der ökologischen und der sozialen Frage unter Sicherung des Überlebens der Menschheit ermöglicht. Das primäre Bedürfnis, dem sich heute alle progressiven Menschen stellen sollten, ist das Überlebensbedürfnis unserer Menschheit.

 

Wenn die Wirkungen aller Formen der Konkurrenzökonomien tendenziell unsere Lebensgrundlagen zerstören, dann sind alle vorherrschenden Ökonomien aller zurzeit existenten Gesellschaften unserer Menschheit historisch überfällig. Dann geht es im Prozess der Ablösung aller heutigen Gesellschaftssysteme nicht um die Suche nach einer neuen „politischen Ökonomie“, sondern um das Erkennen, Verbreiten und bewusste gemeinschaftliche Nutzen jener „zweiten Ökonomie“, die nichts weiter ist als die „Ökonomie im eigentlichen Sinne“, die „wahre Ökonomie“, die Überlebensökonomie! Der Gegenstand dieser Ökonomie als Wissenschaft sollte die rationelle individuelle Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Lebensbedingungen sein, heute insbesondere aller Grundbedürfnisse  und selbstverständlich auch solcher Bedürfnisse, die marktwirtschaftlich nicht relevant sind, wie das Überlebensbedürfnis der Menschheit und jedes einzelnen Menschen.

 

Der Gemeinschaftsgedanke schließt ein, dass wir uns als Menschen als Bestandteil der Natur sehen müssen, uns bewusst in sie einfügen, sie nicht überfordern und beitragen, um natürliche Ökosysteme wiederherzustellen. Auf diese Weise können die „Leistungen“ der Natur bewusst in die rationelle Bedürfnisbefriedigung einbezogen werden. Mehr noch: Wir lernen zu erkennen, dass sich alle Lebensformen entsprechend ihrer Ausprägung und ihren spezifischen Bedürfnissen bewusst oder unbewusst ökonomisch im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung verhalten. Die belebte Natur produziert keine Abfälle! Es wird nicht mehr verbraucht als benötigt und alles  „verwertet“. Die Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts hat in diesem Sinne selbst ökonomischen Charakter. Es ist Ausdruck der Gemeinschaftlichkeit zwischen den Arten in Wechselwirkung mit der unbelebten Natur. Zudem existiert Gemeinschaftlichkeit zur Arterhaltung, aber auch zur gemeinsamen Sicherung des Überlebens innerhalb der Arten. Naturwüchsiges ökonomisches Verhalten ist jedem Menschen angeboren. Es widerspricht deshalb der Natur des Menschen, nützliche Gebrauchswerte wegzuwerfen, nicht zu nutzen oder schnell zu verschleißen.

 

Die weltweite Durchsetzung des Primats der Gemeinschaftsökonomie kann unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen nur dann schrittweise und prinzipiell ohne Konkurrenz zu den vorherrschenden Konkurrenzökonomien gelingen, wenn wir auf vielfältige Weise gesellschaftlich akzeptierte Wege der Vergemeinschaftung eröffnen.

 

Aus historischer Sicht ist es nunmehr möglich, die Entwicklung von zwei Ökonomien gegenüberzustellen:

Die Privatökonomie hatte ihren Ausgangspunkt in den antiken Sklavenhaltergesellschaften. Sie nahm im Feudalismus ihren Weg in Form der Naturalwirtschaft auf der Basis von Privateigentum an Grund und Boden und von Leibeigenschaft, danach in Form der Wirtschaft und der Geldwirtschaft im Kapitalismus und schließlich – im Rahmen der Volkswirtschaft – unter sozialistischen Bedingungen. Auch unter den neuen nichtprivaten Eigentumsverhältnissen an Produktionsmitteln blieb die Ökonomie unter sozialistischen Bedingungen stets eine Konkurrenzökonomie!

 

Die andere historisch stets existente Ökonomie entwickelte sich unter der Dominanz des Gemeinschaftlichen. Sie geht von der Gesamtheit lebensnotwendiger Bedürfnisse und dient der rationellen Bedürfnisbefriedigung. Sie ist nicht an Wertformen gebunden und misst sich an den gesamten Zeitaufwendungen zur Befriedigung der Gesamtheit gemeinschaftlich anerkannter Bedürfnisse. Weil ihren Anforderungen in Gemeinschaften am besten entsprochen werden kann, sollte sie als Gemeinschaftsökonomie bezeichnet werden. Sie existiert, solange es Menschen gibt. Sie existiert auch in der belebten Natur unabhängig vom Menschen. Gemeinschaftsökonomie erfährt der Mensch in allen Gesellschaftsordnungen zuerst in der Familie. Sie war in den Urgemeinschaften ausgeprägt und sie ist noch heute bei den Naturvölkern existent. Sie gab es wohl auch schon in den Stadtstaaten der Antike zum Schutz nach außen wie später in den Bürgerstädten des Mittelalters. Die Verbreitung der Existenz dieser vorgeblich neuen Ökonomie und ihre schrittweise zunehmende Nutzung etwa in Zellen der Gemeinschaftsökonomie sind unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen zum Überlebensproblem für die Menschheit geworden. Die Gemeinschaftsökonomie sollte zur Grundlage der Funktionsweise einer weltweiten schrittweise aufzubauenden nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung werden.

 

Wir können konstatieren, dass seit Jahrtausenden zwei Ökonomien nebeneinander und miteinander vermischt existierten und dass uns erst im Prozess der existentiellen Gefährdung der Menschheit jene zweite Ökonomie bewusst geworden ist, die sich als wahre Ökonomie, als Überlebensökonomie erweisen dürfte. Wir vermerken weiterhin, dass die objektive Berechtigung und die Notwendigkeit einer nachkapitalistischen Ordnung ohne ein qualitativ neues ökonomisches Denken und Handeln wissenschaftlich nicht begründet werden kann. Es bleibt zu fragen, woher Aristoteles bereits vor über 2300 Jahren von der Existenz beider Ökonomien wusste.

 

Warum hat Karl Marx den Begriff Ökonomie niemals definiert? Es war wohl weniger die seine Gründlichkeit, sondern seine generelle Arbeitsweise, die ihn davon abhielt. Ausgehend von seiner Lehre der historischen Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen hätte er sich eingehend mit den ökonomischen Grundlagen der nachkapitalistischen Ordnung befassen müssen. Doch er lehnte „jede Vorwegnahme erst zu beweisender Resultate“ ab und ging den äußerst mühsamen Weg des Aufsteigens vom „einzelnen zum allgemeinen“.[18] Es kam hinzu, dass ihm seit den vierziger Jahren bewusst war, dass die nachkapitalistische Ordnung die soziale Frage und die Naturfrage gemeinsam zu lösen hatte. Er verhielt sich deshalb bei der Charakterisierung dieser neuen Ordnung sehr zurückhaltend. In der „Vorbemerkung zur französischen Ausgabe“ von Engels’ „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ bezeichnete er den theoretischen Teil der Arbeit von Engels im Jahre 1880 zögerlich als „gewissermaßen eine Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus“.[19]

 

Friedrich Engels ging in seinen  „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“[20], die Karl Marx als eine „geniale Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“ bezeichnete[21],  den Weg „von oben nach unten“. Er setzte sich zunächst mit der „Nationalökonomie … als komplette Bereicherungswissenschaft“[22] auseinander, fand aber meines Wissens zeitlebens keinen Zugang zur Einordnung der Naturfrage. Auf diese Weise blieben der frühen Erkenntnisse von Karl Marx zur Naturfrage in ihrem Alterswerk unbearbeitet

 

Marx’ Ergebnis hat sich zweifellos als die gründlichste und unangreifbarste aller wissenschaftlichen Analysen der kapitalistischen Ausbeutung erwiesen; doch gerade dies veranlasst die Marxisten bis heute, von einer „Ausbeutergesellschaft“ zu sprechen statt von „Bereicherungsgesellschaft“ – trotz der Erkenntnisse von Friedrich Engels in seiner „genialen Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“. Die kapitalistische Gesellschaft ist aber zugleich mehr als eine Bereicherungsgesellschaft. Sie ist auch eine Verarmungsgesellschaft. In dem Maße, wie sie sich bereichert, verarmt sie auf vielfältige Weise, insbesondere an den eigenen natürlichen Existenzgrundlagen.

 

 

3. Zur Beantwortung von Ausgangsfragen

Die Marxsche Lehre der historischen Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen konnte prinzipiell bestätigt werden. Die weltweite Ausdehnung der kapitalistischen Gesellschaftsformation im Prozess der Globalisierung und die damit verbundene tendenzielle Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen erfordern jedoch den schrittweisen Aufbau einer weltweiten Gemeinschaftsformation, einer Gemeinschaftsordnung auf der Basis der qualitativ neuen Denkweise der Gemeinschaftsökonomie. Die ökonomische Überlegenheit der nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung  wird in der rationelleren Befriedigung insbesondere aller Grundbedürfnisse aller Menschen bestehen. Ihre gesellschaftliche Überlegenheit äußert sich in der möglichen Befriedigung auch jener Bedürfnisse, die keinen Warencharakter besitzen und die deshalb marktwirtschaftlich nicht relevant sind. Das wichtigste dieser Bedürfnisse ist das Überlebensbedürfnis der Menschheit!

 

Die historische Niederlage des Sozialismus resultierte aus seiner ungenügenden wissenschaftlichen Fundierung, aus der Verabsolutierung des von Karl Marx und Friedrich Engels erreichten Erkenntnisstandes, vor allem aus dem unzureichenden Erkennen der kapitalistischen Ordnung als Bereicherungsordnung im umfassende Sinne sowie aus der damit verbundenen einseitigen Orientierung auf die Lösung der sozialen Frage. Insbesondere wurde nicht erkannt, dass sich die Bewältigung der ökologischen Krise zur Hauptaufgabe bei der Überwindung der kapitalistischen Ordnung entwickeln könnte.

 

Indem zur Ablösung der kapitalistischen Ordnung von den Sozialisten der Weg über Revolutionen gewählt wurde, entstand beim Aufbau des Sozialismus im „ökonomischen“ Wettbewerb der Systeme der Zwang, im Wesentlichen die kapitalistische Konkurrenzökonomie zu übernehmen. Dieser Weg führt letztlich zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse, wie das Beispiel der Volksrepublik China in extremer Form zeigt. Er erzeugte unter sozialistischen Bedingungen analoge Fehlwirkungen für das irdische Lebenssystem wie unter kapitalistischen Bedingungen. Es „siegte“ jene Konkurrenzökonomie mit den größten historischen Erfahrungen und der größten Skrupellosigkeit! Fortwährendes Wirtschaftswachstum bedingt immer mehr Natur- und Energieverbrauch und bewirkt, dass immer weniger Natur wachsen kann! Dies bedeutet, dass die ökologische Krise primär gesellschaftlich bedingt ist und im Wesentlichen durch die weltweit vorherrschende Konkurrenzökonomie beider Gesellschaftssysteme verursacht wird.

 

Eine Überwindung der ökologischen Krise kann es nur geben, wenn erkannt wird, dass die Konkurrenzökonomien schrittweise durch eine Gemeinschaftsökonomie abgelöst werden müssen, die bedürfnisorientiert ausgerichtet ist und eine rationelle Befriedigung vor allem der Grundbedürfnisse aller Menschen anstrebt. Ein solcher Weg kann jedoch nur im Innern der bestehenden Gesellschaften durch die gezielte (von der Gesellschaft akzeptierte) Schaffung von Gemeinschaften beschritten werden, die bewusst nach den Erfordernissen der Gemeinschaftsökonomie leben wollen. Wir sollten von Zellen der Gemeinschaftsökonomie sprechen, die zur Grundlage für den schrittweisen Aufbau einer weltweiten Gemeinschaftsordnung werden könnten.

 


 

[1] A. M. Rumjanzew (Hg.), Politische Ökonomie des Sozialismus – erste Phase der kommunistischen Produktionsweise (russisch), Moskau 1975, S. 92

[2] Vgl. W. I. Lenin: Die große Initiative. In: Werke, Bd. 29, S. 412/413

[3] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 167, Fußnote 6

[4]  Vgl. Karl Marx; Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, Berlin 1968, S. 536

[5] W. I. Lenin; Karl Marx. Kurzer biographischer Abriß mit einer Darlegung des Marxismus, Ausgewählte Werke in drei Bänden“, Bd. I, Berlin 1970, S. 30

[6] W. I. Lenin; Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 77

[7] Vorwort zu W. I. Lenin: Ausgewählte Werke in drei Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 7

[8] Im Brief von Friedrich Engels an Paul Lafargue vom 27.8.1890 überliefert Engels den folgenden Ausspruch von Karl Marx: „Alles, was ich weiß, ist, daß ich kein Marxist bin!“ MEW, Bd. 37, S. 450

[9] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW, Bd. 23, S. …

[10] Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, S. 499-524

[11] Vgl. Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie, Vorwort, MEW, Bd. 13, S. 10

[12] Vgl. ebd., S. 7

[13] Friedrich Engels, a. a. O., S. 499

[14] Vgl. Karl Marx; Das Kapital. Dritter Band,  MEW, Bd. 25, Berlin 1968, S. 828

[15] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 167, Fußnote 6

[16] Es ist bemerkenswert, dass Aristoteles zu diesen klaren Aussagen fand, war er doch Lehrer des größten Eroberers der Antike, von Alexander dem „Großen“ (356-323 v. d. Z)!

[17] Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, S. 499-524

[18] Vgl. ebd., S. 7

[19]  Vgl. Karl Marx; [Vorbemerkung zur französischen Ausgabe] von Friedrich Engels „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 185

[20] Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, S. 499-524

[21] Vgl. Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie, Vorwort, MEW, Bd. 13, S. 10

[22] Friedrich Engels, a. a. O., S. 499

 

zurück zum Anfang