Zweiter Brief an Gregor Gysi                                                   Veröffentlichung am 10.06.2007

- E-Mail an Gregor.Gysi.MA01@bundestag.de vom 26.02.2007, 22:11 Uhr -

 

 

Von

Werner Grundmann

 

An

Büro Dr. Gregor Gysi

Persönlicher Referent

Dieter Liehmann

Platz der Republik 1

11011 Berlin

 

 

Betreff: Ihr Antwortschreiben vom 22.02.07

 

Sehr geehrter Genosse Liehmann,

                                                      herzlichen Dank für Ihre überaus schnelle Reaktion auf mein Schreiben vom 20.02.2007, in dem ich auf den Schlussabschnitt des Vortrags von Gregor Gysi  

„Über die Chancen eines modernen Sozialismus“

eingegangen war und in komprimierter Form erste eigenen Vorstellungen zur

                        „Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung“

unterbreitete.

 

Sie schreiben, dass sich mein „Beitrag … wohltuend von vielen anderen Beiträgen und Leserbriefen unterscheidet“. Das habe wohlwollend aufgenommen! Dennoch fürchte ich, dass ich es versäumte, einen meiner Grundgedanken hinreichend hervorzuheben.

 

Ich stimme Ihnen zu, dass es „um die Notwendigkeit einer völlig anderen Produktions- und Konsumtionsweise nach der fossilen Ära“ geht. Doch schließt dies nicht auch ein neuartiges ökonomisches Denken und Handeln ein? Wenn die nachkapitalistische Ordnung zur Sicherung unseres Überlebens eine qualitativ neuartige ökonomische Gesellschaftsformation im Marxschen Sinne sein müsste, dann folgt doch daraus, dass sich ihre neuartige Ökonomie von den „Privatökonomien“ (Engels) jener Gesellschaftsordnungen qualitativ unterscheidet, die vor allem auf Privateigentum und Privatbesitz basieren und sich über privates Gewinnstreben mittels des Wirtschaftlichkeitsprinzips entwickelt haben. Deshalb kam ich auf den Gedanken, nicht um eine „gemeinwohlorientierte Wirtschaftsweise“ geht, wie sie schreiben, sondern um das generelle Überwinden des Wirtschaftlichkeitsdenkens, weil Wirtschaften das Vorteilsdenken auf Kosten anderer und zu Lasten der Natur von vornherein einschließt.

 

Der Schlüssel, um die Tore zu einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung (nicht Gesellschaftsordnung!) zu öffnen, besteht deshalb meines Erachtens im Begreifen, Definieren und Realisieren jener „wahren“ Ökonomie, die offenbar als rationelle Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Lebensbedingungen zu verstehen ist. In diesem Sinne geht es um eine ökonomische, eine rationelle Lebensweise, die möglichst viel Produktion erspart. Ich spreche deshalb auch – bezogen auf die „neue“ Ökonomie – von Überlebensökonomie. Wenn ein hoher Anteil unserer Menschen begreift, was eigentlich unter Ökonomie im Unterschied zur Wirtschaftlichkeit zu verstehen ist, dann ebnet sich auch ein Weg, diese „neue“ Ökonomie über Basisdemokratie zu realisieren.

 

Doch weil meine Vorschläge über das ökonomische Denken und Handeln der Sozialisten weit hinausgehen, haben sie zurzeit kaum eine Chance, veröffentlicht zu werden. Ich hoffe deshalb, dass sich ein solch prominenter Politiker der Linken, wie Gregor Gysi, findet, der sich – selbstverständlich nach reiflicher Überlegung! – hinter meine Vorschläge stellt.

 

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn sie meine Darlegungen vom 20.02.2007 noch einmal kritisch prüfen würden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Werner Grundmann                               Berlin, den 26. Februar 2007, 22:10 Uhr