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BWEb2Gem-Ordn.doc                                    Veröffentlichung: 13.05.2007

 

Werner Grundmann                                        Bearbeitungsstand: 02.04.2007

 

Zur notwendigen Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung

 

In den nachfolgenden Ausführungen werden erste Vorstellungen zur Begründung und Schrittweisen Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung auf der Basis von Gemeineigentum, Gemeinbesitz und Gemeinschaftsökonomie zur Diskussion gestellt.

 

Eine Alternative zum Sozialismus?

Die Linke ist auf der Suche nach dem „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, nach einem modernen, einem demokratischen Sozialismus. Sie sucht nach sozialistischen Alternativen zum untergegangenen Staatssozialismus. Es stellt sich jedoch auch die Frage nach einer Alternative zum Sozialismus! Sie stellt sich deshalb, weil erstens bisher kein sozialistischer Weg gefunden werden konnte, der eine ökonomische Überlegenheit zur kapitalistischen Ordnung verspricht. Zweitens blieb unbeantwortet, wie auf sozialistische Weise die ökologische Krise bewältigt werden kann, nachdem der Staatssozialismus zu ihrer Verschärfung beitrug und postsozialistische Staaten diese unselige „Tradition“ in gesteigertem Maße fortsetzen. Es ist offen, ob es überhaupt einen sozialistischen Weg gibt, um die Menschheit vor der Klimakatastrophe zu bewahren.

 

Hinter der angedeuteten Problematik verbirgt sich die Frage nach der primär fortschrittsbedingten oder der primär gesellschaftlich verursachten ökologischen Krise. Eine hinreichend schlüssige Antwort auf diese Frage gibt es meines Wissens nicht. Doch falls es sich nachweisen ließe, dass die Verschärfung der ökologischen Krise primär an die vorherrschenden Gesellschaftssysteme gebunden war und ist, wenn wir zudem vom weitgehenden Verdrängen des Ökologischen durch die Sozialisten ausgehen und die gesamte Linke keine Orientierung aus der existenziellen Gefährdung der Menschheit geben kann, dann müssen auch die grundlegenden Ziele des Sozialismus in Frage gestellt werden. Dies wäre schon deshalb erforderlich, weil der Versuch, trotz der Überbevölkerung der Erde weltweit zuallererst die soziale Frage lösen zu wollen, die ökologische Katastrophe bereits nach sich ziehen könnte. Es kommt hinzu, dass die Meinungen und Ansprüche, was unter der Lösung der sozialen Frage zu verstehen ist, sehr weit auseinander gehen. Für viele Menschen der Dritten Welt dürfte heute die Sicherung ihres Überlebens gleichbedeutend mit der Lösung der sozialen Frage sein. Die Linke sollte deshalb differenzieren und unterschiedliche Strategien wählen, um sowohl ökologischen als auch sozialen Anforderungen national und weltweit zu entsprechen. Letztlich muss es aber um die einheitliche Lösung der ökologischen und der sozialen Frage gehen, wobei für längere Zeit die Existenzerhaltung der Menschheit den Vorrang hat.

 

Wenn die Linke in ihrer ökologischen und sozialen Politik entscheidende Fortschritte erzielen will,

sind offenbar Veränderungen im ökonomischen Denken und Handeln zwingend erforderlich. Dies lehrt uns insbesondere die marktwirtschaftliche Entwicklung in der Volksrepublik China. Die weltweite Konkurrenz zu den kapitalistischen Staaten führte zur zunehmenden Privatisierung, zu starker Ausbeutung und zu gewaltigen Schädigungen unserer Lebenswelt, und dies trotz „kommunistischer“ Führung. Aus dieser Fehlentwicklung leitet sich die Frage ab, ob die Linke überhaupt eine ökonomische Überlegenheit gegenüber der kapitalistischen Ordnung anstreben sollte. Die Frage wäre falsch gestellt, wenn sich nachweisen ließe, dass die auf Wirtschaftswachstum gerichtete kapitalistische Entwicklung zum Verbrauch und zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen führt. Wenn dies zuträfe, müsste die marktwirtschaftliche Entwicklung allgemein als Negativentwicklung eingestuft werden. Doch dann wäre auch der Versuch der Linken, eine wirtschaftliche Überlegenheit gegenüber dem Kapitalismus anzustreben, selbstzerstörerisch! Dann müsste die Linke bekennen, dass sie bis heute in der bürgerlichen Ökonomie verhaftet ist, vor allem weil sie die faktische Gleichsetzung von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit übernommen hat. Es bliebe die grundlegende Frage zu beantworten, was unter Ökonomie in einer nachkapitalistischen Ordnung objektiv zu verstehen ist.

 

Bisher habe ich vergeblich nach einer Definition des Begriffes Ökonomie bei Marx, Engels und Lenin gesucht. Marx hat sich im „Kapital“ mit der „Kritik der politischen Ökonomie“ auseinandergesetzt. Die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachkapitalistische Ordnung in Form der „politischen Ökonomie des Sozialismus“ entstanden erst nach der Oktoberrevolution unter den Bedingungen weltweiter wirtschaftlicher Konkurrenz. Lenin hatte es versäumt, sich bereits vor der Oktoberrevolution mit der ökonomischen Funktionsweise der nachkapitalistischen ökonomischen Formation zu befassen. Was Marx – vermutlich aus Zeitgründen – nicht geschafft hatte, nahm Lenin gar nicht erst in Angriff! Dies war deshalb äußerst fragwürdig, weil erst aus der theoretischen Fundierung der neuen ökonomischen Formation überhaupt zu beantworten war, in welcher Weise der Übergang zum Sozialismus bzw. Kommunismus vollzogen werden kann: ob in Konkurrenz zum Kapitalismus, ob durch eine „Weltrevolution“ oder von innen heraus.

 

Es gibt jedoch bei Marx und Engels eine Reihe von Hinweisen, die bezeugen, dass ihnen die notwendige Abgrenzung nach zwei unterschiedlichen Ökonomien bewusst war. So

verwies Marx in einer Fußnote im ersten Band des „Kapital“ ausführlich auf Aristoteles, der zwischen der „Chrematistik“ und der „Ökonomik“ unterschied. Die „Chrematistik“ sei die „Kunst …, Geld zu machen“, die „Ökonomik“ beschränke sich als „Erwerbskunst“ auf die „Verschaffung der zum Leben und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter“. Wir bewegen uns heute – auch als Linke – in den Bahnen der „Chrematistik“![1]

 

Friedrich Engels hat bereits in den „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“ aus den Jahren 1843/44 die Ökonomie seiner Zeit als Privatökonomie bezeichnet: „Die Wissenschaft sollte unter den jetzigen Verhältnissen Privatökonomie heißen, denn ihre öffentlichen Beziehungen sind nur um des Privateigentums willen da.“[2] Wir sagen zu dieser „Privatökonomie“ heute „Wirtschaftswissenschaften“ und meinen, dass die Begriffsinhalte von Wirtschaftlichkeit und Ökonomie synonym verwandt werden dürfen. Die späteren Theoretiker des „wissenschaftlichen Sozialismus“ haben den Begriff des Wirtschaftens über den Begriff Volkswirtschaft auf die staatliche Ebene gehoben, aber den privatkapitalistischen Inhalt insgeheim bewahrt: Nur ging es um den gesellschaftlichen Gewinn in Form des Zuwachs an Nationaleinkommen. Im Rahmen der „Planwirtschaft“ wurde jedoch analog zu Lasten der „Umwelt“ „gewirtschaftet“ wie durch die Privatwirtschaft. Und analog wie unter kapitalistischen Bedingungen entstanden Satellitenstädte auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, wurde Natur zerstört, weil die Masse des neu Gebauten zählte und nicht die Erhaltung und Nutzung des Vorhandenen. Das Ergebnis war ein schlimmer Verfall und Verlust an nutzbarer innerstädtischer Bausubstanz. Nach einer Ökonomie der Reproduktion sucht man in der politischen Ökonomie des Sozialismus vergebens. Weil es diese nicht gab, gab es auch kein ökonomisches Denken im Sinne der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. An diese andere Ökonomie wäre die Anforderung zu stellen, dass sie zugleich sozial und ökologisch orientiert sein muss, dass sie es folglich erlaubt, die soziale und die ökologische Frage auf einheitlicher ökonomischer Basis zu lösen.

 

Karl Marx hätte konnte nicht er erahnen, dass seine theoretischen Nachfolger sich um die Klärung der fundamentalen Problematik zur Konzipierung der ökonomischen Funktionsweise der nachkapitalistischen Ordnung nicht rechtzeitig bemühen würden! Er konnte nicht wissen, dass seine (vor allem in ökonomischer Hinsicht) unvollendet gebliebene Lehre von einem seiner Nachfolger als „allmächtig“ bezeichnet werden würde, „weil sie wahr“, „in sich geschlossen und harmonisch“ sei und deshalb „den Menschen eine einheitliche Weltanschauung“ vermittle.[3]

 

Die Theoretiker und Praktiker der Linken sollten sich heute fragen, inwieweit sie zu einer eigenständigen ökonomischen Denk- und Handlungsweise gefunden haben, die den Anforderungen einer nachkapitalistischen Ordnung entspricht. Sie sollten die Erkenntnis von Albert Einstein beherzigen, wonach die „Probleme, die es in der Welt gibt, nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen [sind], die sie erzeugt haben.“ 

 

Über Privatökonomie und Gemeinschaftsökonomie

Seit der Antike, mit Beginn der Sklavenhaltergesellschaften, wird die Menschheitsentwicklung von privaten und staatlichen ökonomischen Interessen dominiert. In den Bürgerstädten des Mittelalters gab es jedoch eine herausragende Ausnahme. Auf der Basis privatökonomischer Interessen war bei der Gestaltung diese Städte eine andere Ökonomie bestimmend, die als Gemeinschaftsökonomie bezeichnet werden könnte. Bürgerstädte entwickelten sich über Jahrhunderte – durch äußere Bedingungen erzwungen – zu rationell gestalteten Lebens- und Überlebenssystemen.[4] Die Erfolge der Privatökonomie führten zunächst zur Schaffung von Manufakturen innerhalb der Städte. Doch als sich die Städte für die Industrialisierung als zu eng erwiesen, wurden ihre Stadtmauern schrittweise „gesprengt“. Es folgte die Zersiedelung unserer Landschaften, die bis heute anhält.

 

Die Untersuchungen zur ökonomischen Entwicklung von Bürgerstädten waren die Basis, um unter Nutzung der zitierten Erkenntnisse von Marx und Engels zur Unterscheidung zwischen Privatökonomie und Gemeinschaftsökonomie zu finden. Der bisherige Stand der Forschungsarbeiten führt zusammengefasst zu folgenden Ergebnissen:

 

Alles bewusst und unbewusst existente Leben, jedes Individuum, strebt nach rationeller Bedürfnisbefriedigung. Wir werten es als ökonomisch, wenn ein einzelnes Individuum sein spezifisches Ziel auf rationelle Weise erreicht hat.

 

Ökonomie ist im allgemeinen Sinne die Wissenschaft von der rationellen Bedürfnisbefriedigung. Jedoch ist die Möglichkeit, sich ökonomisch zu verhalten, meist an Gemeinschaftlichkeit gebunden. Deshalb ist Ökonomie im vertieften Sinne als Wissenschaft von der rationellen individuellen Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Bedingungen zu verstehen. Um die große Bedeutung des gemeinschaftlichen Aspektes zu betonen und um gemeinsame Bedürfnisse von vornherein mit zu berücksichtigen, sollte zudem von Gemeinschaftsökonomie gesprochen werden – dies auch zur bewussten Unterscheidung von der Privatökonomie. Gemeinschaftsökonomie ist die eigentliche Ökonomie, ihre natürliche Form. Sie tritt auch in der unbewusst lebenden Natur auf und sollte dann als Naturökonomie bezeichnet werden.

 

Ökonomie kann unter bestimmten historischen Bedingungen anteilig als Privatökonomie auftreten. Von Privatökonomie sollte dann gesprochen werden, wenn – auf der Basis von Privatbesitz und Privateigentum – das allgemeine Streben nach rationeller Bedürfnisbefriedigung zur weiteren privaten Bereicherung genutzt wird.

 

Die Wirtschaftswissenschaften haben privatökonomischen Charakter, weil sie unter Nutzung von Privateigentum und Privatbesitz im Prozess der rationelleren Bedürfnisbefriedigung durch die Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips zur weiteren Aneignung privaten Reichtums beitragen. Die Übertragung des Wirtschaftlichkeitsprinzips auf Bereiche außerhalb der privaten Wirtschaft führt zum allgemeinen Bereicherungsprinzip. Die Wirtschaftswissenschaften sind Bereicherungswissenschaften.

 

Gemeinschaftsökonomie und Privatökonomie unterscheiden sich allgemein darin,

-          von wessen und welchen Bedürfnissen ausgegangen bzw. nicht ausgegangen wird,

-          unter welchen gesellschaftlichen bzw. gemeinschaftlichen Bedingungen der ökonomische Fortschritt erzielt wird,

-          im Auftrage welcher Interessenten ökonomische bzw. privatökonomische Ziele angestrebt werden,

-          woran ökonomischer Fortschritt  gemessen wird,

-          in welcher Weise sich der Einfluss der dominierenden Ökonomie äußert.

 

Im Besonderen unterscheiden sich beide Ökonomien wie folgt:

-          Während sich die Privatökonomie auf die marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnisse beschränkt, d. h. auf Waren und Leistungen, die auf dem Markt einen Preis erzielen, geht die Gemeinschaftsökonomie vor allem von den grundlegenden individuellen und gemeinsamen Bedürfnissen allen Lebens des gesamten gemeinschaftlichen Lebenssystems aus.

-          Privatökonomie basiert auf Privateigentum insbesondere an Produktionsmitteln und dem privaten Besitz an Natur; Gemeinschaftsökonomie basiert auf Gemeineigentum und persönlichem Eigentum und schränkt den Besitz an Natur auf das unbedingt Notwendige ein.

-          Privatökonomie agiert im Auftrag privater Interessenten außerhalb demokratischer Entscheidungen; Gemeinschaftsökonomie wird nach demokratisch beschlossenen Entscheidungen angestrebt.

-          Privatökonomie ist primär am Wert orientiert und misst sich am privat erzielten Gewinn in einem Zeitabschnitt; Gemeinschaftsökonomie geht primär vom Gebrauchswert aus und misst sich an der Reduzierung des gemeinschaftlich notwendigen (zeitlichen) Arbeitsaufwands zur Befriedigung insbesondere der grundlegenden individuellen und gemeinsamen Bedürfnisse während eines Zeitabschnitts.

-          Der Einflussbereich von Privatökonomie wird – in Konkurrenz zu anderen Privatinteressenten – durch private Bereicherung jedweder, auch gewaltsamer Form ausgedehnt; der erweiterte Einfluss und die verbesserte Wirkung von Gemeinschaftsökonomie basiert auf dem Prinzip freiwilliger Zusammenarbeit und freiwilligem Zusammenschluss einzelner Menschen zu Gemeinschaften oder von Gemeinschaften niederer zu Gemeinschaften höherer Komplexität.

 

Zur gesellschaftlichen Problematik der notwendigen Unterscheidung zwischen Privatökonomie und Gemeinschaftsökonomie

Hinter der Unterscheidung nach den beiden Ökonomien verbirgt sich eine weit reichende gesellschaftliche und wissenschaftliche Problematik:

-          Die kapitalistische Gesellschaft ist nicht nur eine Ausbeutergesellschaft, sondern eine Bereicherungsgesellschaft im umfassenden Sinne. Sie schließt Bereicherung auf Kosten der Vorwelt, der Mitwelt und der Nachwelt ein. Ihre Ergebnisse werden privat und gesellschaftlich vererbt. Ausbeutung ist nur eine Form privater Bereicherung – wenn auch die grundlegende. Zur Bereicherung im nichtökonomischen Sinne, die nicht oder nur geringfügig an Arbeit gebunden ist, gehören die Aneignung von fremdem Eigentum und Besitz durch Kriege, Raub, Tribute und Versklavung. Marx sprach von der „sogenannten ursprünglichen Akkumulation“.[5] Heute geht es neben der Aneignung fremder Territorien und Bodenschätze sowie der Ausbeutung und Fremdausbeutung um das Aneignen u. a. von fremdem Geld durch Betrug, überhöhte Mieten, Gebühren und Preise. Es gibt gemeinsame Ursachen für die ökologische und die soziale Krise und gemeinsame Quellen der Aneignung von riesigem privatem und gesellschaftlichem Reichtum!

 

-          Eine besondere Form privater und gesellschaftlicher Bereicherung besteht im Verbrauch, in der Belastung und Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Sie führt zum ökologischen Ungleichgewicht zwischen dem Anteil an menschlichem und tierischem Leben auf der einen sowie dem Anteil an pflanzlichem Leben auf der anderen Seite. Weil unter kapitalistischen und anderen gesellschaftlichen Bedingungen Bereicherung zu Lasten der Natur möglich ist und durch Konkurrenz erzwungen wird, weil ein großer Teil der Ausgebeuteten zur Existenzerhaltung Natur verbraucht, zerstört die derzeitige menschliche Gesellschaft tendenziell und gesetzmäßig ihre eigenen Existenzgrundlagen. Verarmung wird nicht nur durch Ausbeutung erzeugt. Wir verarmen als Menschheit an unseren natürlichen Lebensgrundlagen. Diese Form der Bereicherung, an der der größte Teil der Menschheit und alle Gesellschaftsordnungen beteiligt waren bzw. sind, erfolgt auf Kosten und zu Lasten der Mitwelt und Nachwelt.

 

-          Mit fortschreitender Entwicklung insbesondere der kapitalistischen Gesellschaft gewinnt die weltweite Lösung der ökologischen Frage aus existenziellen Gründen die Dominanz gegenüber der Lösung der sozialen Frage. Die Lösung der sozialen Frage kann nur noch in dem Maße vorangetrieben werden, wie es das Überleben der Menschheit zulässt, d. h., die Forderung zur primären Lösung der ökologischen Frage bedeutet, die Erhaltung der Existenz der Menschheit über die Lösung der sozialen Frage zu stellen. Es kann deshalb nur eine einheitliche Lösung der ökologischen und sozialen Frage unter der Dominanz des Ökologischen, also des Existenziellen, geben.

 

-          Der erste generelle Hinweis zur gesellschaftlichen Bedeutung der Lösung der ökologischen Frage findet sich bei Karl Marx. In den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844“ ist für Marx der „Kommunismus … die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen“.[6] Ich deute dies im Sinne der einheitlichen Lösung der sozialen und der ökologischen Frage. Wenige Jahre später schrieben Marx und Engels das Kommunistische Manifest. Marx blieb sein Leben lang äußerst zögerlich in der Verwendung des Begriffes Sozialismus.

 

-          Wenn die Dominanz des Ökologischen gegenüber dem Sozialen im Prozess des Übergangs zu einer nachkapitalistischen Gesellschaft aus Gründen der Existenzerhaltung bewiesen werden kann, würde der Begriff des „wissenschaftlichen Sozialismus“, wie ihn Friedrich Engels geprägt hat, seine Existenzberechtigung verlieren! Der aus dem Begriff des „Sozialen“ abgeleitete dominante Begriff des „Sozialistischen“ bekäme wegen der Verdrängung des Primats des Ökologischen einen überzogenen Inhalt!

 

-          Weil in den sozialistischen Ländern auf der Basis einer gleichartigen Ökonomie vergleichbare „Umweltsünden“ begangen wurden wie in den kapitalistischen Ländern, konnten die gesellschaftlichen Ursachen der ökologischen Krise von den Marxisten-Leninisten nach der Oktoberrevolution nicht erkannt werden. Hinter dem Bemühen, die soziale Frage unter sozialistischen Bedingungen lösen und den Sozialismus in den Systemauseinandersetzungen verteidigen zu wollen, vollzog sich – parallel zu den kapitalistischen Ländern – die immer stärkere Belastung und Zerstörung unserer Lebenswelt, jener Welt, die unsere Wissenschaft immer noch als „Umwelt“ bezeichnet, als gehörten wir nicht zu ihr.

 

-          Wenn heute linke Politiker und Wissenschaftler verkünden, dass es in absehbarer Zeit nicht möglich sei, eine Theorie zur Ablösung des Kapitalismus vorzulegen, dann bedeutet dies – in Anbetracht der uns noch verfügbaren Zeit zur Bewältigung der ökologischen Krise – die Selbstaufgabe der Menschheit. Dann besteht die „Strategie“ der Linken darin, für die Ausgebeuteten und Abgezockten noch einige soziale Verbesserungen zu erreichen – bis die Klimakatastrophe über uns hereinbricht. Sie könnte in einem Weltbrand enden. So wie der einzelne Mensch bei einer Körpertemperatur von 42° Celsius kollabiert, gibt es eine Temperaturgrenze für den Zusammenbruch des Lebenssystems der Erde!

 

-          Weil in den „realsozialistischen“ und in den „kommunistischen“ Ländern das erforderliche Gemeinschaftliche durch das staatlich Administrative sowie durch das Politische und Ideologische ersetzt und weil wahre Demokratie nicht entwickelt wurde, war Machtmissbrauch von Seiten der Partei- und Staatsführungen bis hin zum Repressiven und Diktatorischen möglich. Auf diese Weise wurde auch der Begriff des Kommunismus fragwürdig.

 

-          Der Begriff des Staates schließt – unabhängig von der Gesellschaftsordnung – den vollen Besitzanspruch über das eigene Territorium und den eigenverantwortlichen Umgang mit den jeweiligen natürlichen „Ressourcen“ ein – bis zum Verkauf der vorgeblich „eigenen“ Wälder an Konzerne der Papierindustrie. Allein schon dieses gesellschaftliche Besitzdenken ermöglicht in großem Maßstab private und gesellschaftliche Bereicherung durch die Ausplünderung unserer gemeinsamen Lebenswelt, wobei infolge der Technisierung die Formen der Ausbeutung von Menschen nachgeordnet sind. Es gilt deshalb, dem gesellschaftlichen das gemeinschaftliche Denken und Handeln gegenüberzustellen.

 

-          Gesellschaftsordnungen basieren vor allem auf der Dominanz von gesellschaftlichem sowie privatem Eigentum und Besitz, was zu unermesslichem privatem Reichtum führen kann. Gemeinschaftsordnungen im umfassenden Sinne schließen das Gemeinschaftliche im Zusammenleben mit anderen Lebensformen und die weitgehende Erhaltung bzw. Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen ein. Gemeinschaften von Menschen (Familien, Sippen, Kommunen etc.) brauchen nur das unbedingt Notwendige als Naturbesitz zu beanspruchen, wobei sie nicht an staatliche Grenzen gebunden sein müssen. Sie können Gemeinschaftsökonomie nicht nur innerhalb ihrer Gemeinschaften und zwischen ihnen nutzen, sondern auch im Rahmen der Einordnung in ihr natürliches Lebenssystem, etwa zur Energiegewinnung.

 

-          Die Verbreitung und Akzeptanz der (fast banal erscheinenden) Erkenntnis, Ökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung unter gemeinschaftlichen Lebensbedingungen zu verstehen, erfordert Zeit. Sie muss den Interessierten und Beteiligten als etwas Neues, Vernünftiges und Selbstverständliches erst bewusst werden und ihre Nützlichkeit beweisen. Sie sollte jedoch in der Tagespolitik propagiert werden und viele Menschen zu neuartiger Kreativität anregen, damit sich das „Neue“ in der gesellschaftlichen Praxis „von unten nach oben“ durchsetzen kann. Die Gemeinschaftsökonomie wird sich als alternativlos, als Überlebensökonomie, erweisen – auch wenn von den etablierten Wissenschaftlern eine massive Gegenwehr zu erwarten ist. Es wäre jedoch unsinnig, eine Revolution anzustreben, um der „neuen“ Ökonomie zum Durchbruch zu verhelfen.

 

Zur Strategie der Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung

Die Strategie, um über die einheitliche Lösung der ökologischen und der sozialen Frage mittels der Gemeinschaftsökonomie schrittweise weltweit einen Übergang zu einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung zu ermöglichen, könnte zusammengefasst in Folgendem bestehen:

1.) Ablösen des Gesellschaftlichen und des Privaten durch das Gemeinschaftliche sowie des Individualistischen durch das Individuelle im Rahmen der allmählichen Ablösung aller bestehenden Gesellschaftsordnungen durch eine weltweit hierarchisch strukturierte Gemeinschaftsordnung;

2.) Orientierung der Linken sowohl auf Parteiarbeit im Rahmen der bürgerlichen Demokratie als auch auf alle Übergangsbewegungen und Übergangsformen, mit denen die Schaffung von Gemeinschaften lokal, regional, über die einzelnen Kulturen und global angestrebt werden soll, wobei es eine neue demokratische Basis zu schaffen gilt und der Übergangsprozess theoretisch und praktisch begleitet werden sollte;

3.) allmähliches fortschreitendes Ersetzen des gesellschaftlichen und privaten Eigentums durch Gemeineigentum unter weitgehender Beibehaltung von persönlichem und familiärem Eigentum;

4.) schrittweise abgestimmte Übernahme des gesellschaftlichen (staatlichen) sowie des privaten Besitzes an Natur in gemeinschaftliche Verantwortung zur Erhaltung und Renaturierung sowie in (eingeschränkten) Gemeinbesitz unter weitgehender Beibehaltung von persönlichem und familiärem Besitz;

5.) allmähliches Ablösen der Privat- und Gesellschaftsökonomie (der Finanzwirtschaft, der Wirtschaft und der Volkswirtschaft) durch Gemeinschaftsökonomie, wobei statt dem gegenseitigen Verdrängen der Unternehmen unter Konkurrenzbedingungen das gegenseitige Unterstützen und der Informationsaustausch im Sinne des gemeinsamen Vorankommens angestrebt wird;

6.) Realisierung weltweit abgestimmter Maßnahmen zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts und zur gezielten Reduzierung des Anteils an Treibhausgasen in der Erdatmosphäre;

7.) Einleitung eines Prozesses zur weltweit abgestimmten Reduzierung der Überbevölkerung der Erde in Verbindung mit der eingeschränkten Lösung der sozialen Frage.

 

Der Prozess der Ablösung der weltweit dominierenden Gesellschaftsordnungen durch eine  hierarchisch strukturierte Gemeinschaftsordnung wird sich über Jahrzehnte erstrecken und in Stufen vollziehen. In der ersten Stufe sollte das Ziel gestellt werden, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass das Streben nach Wirtschaftlichkeit die falsche Ökonomie ist, dass das Gewinnstreben in Konkurrenz zu anderen Unternehmen und Staaten, zu Lasten der „Umwelt“ sowie auf Kosten der Mitwelt und Nachwelt tendenziell zur Klimakatastrophe führt. Zugleich sind allen verantwortungsbewussten Menschen Wege aufzuzeigen, wie die Privat- und die Gesellschaftsökonomie durch die Gemeinschaftsökonomie schrittweise abgelöst werden kann. Ein erster Weg sollte dazu führen, den von der Marktwirtschaft Ausgegrenzten, den Arbeitslosen, den vorgeblich Überflüssigen, neue Arbeit zu vermitteln. Sie könnte darin bestehen, das „Unwirtschaftliche“ der Wegwerfgesellschaft sinnvoll zur rationellen Bedürfnisbefriedigung zu nutzen:

-          In möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen und an möglichst vielen Standorten sollten Zellen der Gemeinschaftsökonomie gebildet werden, also Gemeinschaften, deren Mitglieder bei der Schaffung und Erhaltung nützlicher Gebrauchswerte sowie bei der Ausführung von Dienstleistungen die Gemeinschaftsökonomie bewusst anwenden, um weitgehend unabhängig von der Privatökonomie Bedürfnisse für den Eigenbedarf und den Bedarf von Mitgliedern anderer Zellen zu befriedigen. Der Austausch der nutzbaren Gebrauchswerte und der Dienstleistungen sollte zunächst unendgeldlich erfolgen, später – nach (vorübergehender) Einführung von Währungen, die nur im eigenen Bereich gültig sind – auf der Basis des eigenen zeitlichen Arbeitsaufwands.

 

-          Erste Zellen der Gemeinschaftsökonomie könnten ihre Tätigkeit insbesondere auf die (mietfreie) Nutzung „überflüssiger“ erhaltungswürdiger Bausubstanz konzentrieren, die für den Abriss vorgesehen ist, andere auf das Wiederbestellen still gelegter „unwirtschaftlicher“ Agrarflächen oder auf die Nutzbarmachung ausgesonderter technischer Geräte, auf die mögliche weitere Verwendung abzugebender Medikamente usw. Die für den Abriss von Bausubstanz und für die Stilllegung von Agrarflächen staatlich vorgesehenen Mittel könnten zumindest teilweise für die erneute Nutzbarmachung der „überflüssigen“ Bausubstanz und still gelegter Flächen eingesetzt werden. Ein Ziel sollte es sein, möglichst vielen Obdachlosen mietfrei Wohnraum zu vermitteln.

 

-          Die Linke könnte Vorbildprojekte für Zellen der Gemeinschaftsökonomie organisieren. Bei der Gründung der Gemeinschaften sollte – unter Beachtung der Gemeinnützigkeit – das bürgerliche Vereinsrecht genutzt werden, wobei darauf geachtet werden müsste, dass im Ergebnis Steuerausgaben für den Staat erspart werden, etwa indem die Wohngeldzahlung entfällt. Doch damit würden die staatlichen Pflichten für die offiziell Arbeitslosen der Gemeinschaften nicht aufgehoben werden! Sie brauchten weiterhin Unterstützung, um etwa die „zweite“ Miete zu bezahlen. Entscheidend für die gesellschaftliche und staatliche Akzeptanz der Gemeinschaften dürfte es sein, dass sie keine zusätzlichen Mittel erfordern.

 

-          Über die Landesgrenzen hinaus sollten die Linken insbesondere jenen Menschen und Völkern in unterschiedlicher Form Hilfe zur Selbsthilfe unter Anwendung der Gemeinschaftsökonomie gewähren, die durch die globalisierten Märkte sowie durch erschwerte Produktionsbedingungen infolge des Klimawandels zunehmend ausgegrenzt wurden.

 

-          Aus den Zellen der Gemeinschaftsökonomie können durch Zusammenschluss später Organe der Gemeinschaftsökonomie gebildet werden und aus diesen über einen weiteren Zusammenschluss arbeitsteilig organisierte lokale und regionale Systeme der Gemeinschaftsökonomie, die sich weitgehend selbst versorgen. Letztlich geht es um die Schaffung einer nicht an Staaten und Landesgrenzen gebundenen Weltgemeinschaftsordnung. Es geht um eine World Community Order, die von gewählten Repräsentanten geistig geführt, jedoch nicht geleitet wird.

 

-          Über die Zellen, Organe und Systeme der Gemeinschaftsökonomie entsteht eine neue demokratische Basis, die volle Demokratie für jede Ebene ermöglicht. Alle hierarchisch geordneten Gemeinschaften können ausgehend von Empfehlungen der geistigen Führungen in Verantwortungsabgrenzung zu anderen Gemeinschaften eigenständig über ihre Ziele und Aufgaben entscheiden.

 

-          In die zweite Stufe der Schaffung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie sollten jene Kleinbetriebe einbezogen werden, die in Konkurrenz zu den Großbetrieben vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen. Es ginge darum, deren weitere Bereitschaft zu sinnvoller Arbeit unter Anwendung der erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen sowie unter Einsatz der verfügbaren Technik zu nutzen. Derartige ehemalige Kleinunternehmen wären auch in der Lage, lernwillige Jugendliche mit auszubilden, die keinen offiziellen Ausbildungsplatz finden konnten.

 

Schlussbemerkungen

Die bürgerliche Demokratie zwingt über die bei den Menschen vorhandene Dominanz sozialer Interessen, die Grundorientierung auf das Soziale bzw. das Sozialistische zu legen. Damit wird das Existenzielle in Form des Ökologischen verdrängt. Wenn sich die Linke voll in das Fahrwasser der von der kapitalistischen Gesellschaft vordergründig erzeugten sozialen Frage begibt, wird sie mitschuldig an der existenziellen Gefährdung der Menschheit. Das aber heißt auch, dass mittels der bürgerlichen Demokratie das kapitalistische System nicht abgelöst werden kann, eben weil die meisten Menschen nach sozialen Fortschritten streben und die existenzielle Problematik, vor der unsere Menschheit steht, höchstens erahnen. Doch die sozialen „Fortschritte“, die das Wirtschaftswachstum ermöglicht, gehen nicht nur einher mit der weiteren Verschuldung der öffentlichen Haushalte, sondern auch mit einer zunehmenden Verschuldung gegenüber der Natur, was die sozialen Spielräume künftiger Generationen extrem einschränkt, wenn sie überleben wollen.

 

Dennoch können und sollten die Linken weitaus mehr als bisher das kapitalistische Bereicherungsgeschehen bloß stellen und seine Auswüchse bekämpfen. Dies müsste vor allem dort geschehen, wo es die Masse der Menschen am meisten trifft. Als ein eklatantes Beispiel betrachte ich die kontinuierlich möglichen Mietsteigerungen, die vom deutschen Gesetzgeber gesetzlich abgesichert wurden. Wenn es gelänge, die derzeit bestehende Gesetzgebung zugunsten der Mieter wenigstens sehr weit abzuschwächen, könnte dies zu einem bedeutsamen Ansehensgewinn für die Linken führen.

 

Der Weg „von unten“ auf der Grundlage der positiven Nutzung des von der Marktwirtschaft erzeugten „Negativen“ sollte durch den Weg „von oben“ ergänzt werden, der auf die Beschneidung der Verwertungsmöglichkeiten von Kapital zu richten wäre, indem über die Parlamente insbesondere das Privatisierungsgeschehen gestoppt und rückgängig gemacht wird, was weltweite Steuererhöhungen auf private „Erträge“ und eine extreme Reduzierung etwa der Rüstungsausgaben erfordern würde. Zugleich sollte ein erheblicher Teil der Mittel zur Realisierung internationaler und weltweiter Projekte eingesetzt werden. Mittels solcher Projekte könnten viele Menschen der Dritten Welt unmittelbar gerettet werden und die Menschheit zu einer gemeinschaftlichen Denk- und Handlungsweise finden, wenn die Parlamente vieler Länder Mittel zum Erreichen gemeinsamer Ziele zur Verfügung stellen und die Mittel im Sinne der rationellen Durchführung gemeinsamer Projekte eingesetzt werden.

 

Weil das Bereicherungs- und Verarmungsgeschehen allseitig soweit vorangeschritten ist, dass die ökologische Krise die Existenz der Menschheit bedroht, wird ein Bruch mit dem traditionell eingeschränkten sozialistischen Denken und Handeln der Linken erforderlich werden. Dieser objektiv notwendige Bruch ist wohl gegenwärtig das Schwierigste für die Linke. Es sollte deshalb ein Weg gefunden werden, um diesen Bruch schrittweise vorzubereiten, etwa indem die Linke in ihrer nationalen Politik weiterhin das Soziale favorisiert, aber zugleich international eine Bewegung zur gemeinsamen Bekämpfung der ökologischen Krise organisiert. Dieser Bewegung sollte der Gedanke der Suche nach gemeinschaftlichen Lösungen und ihrer Realisierung zugrunde gelegt werden. Es reicht z. B. nicht aus, wenn die Industrie- und die „Schwellenländer“ ihren Kohlendioxidausstoß reduzieren; vielmehr geht es um gemeinschaftliche internationale Projekte zur gezielten Reduzierung des in der Atmosphäre bereits gespeicherten Kohlendioxids.

 

Was macht das Ökologische in der Ökonomie der rationellen Bedürfnisbefriedigung aus?

Die Ökonomie der rationellen Bedürfnisbefriedigung geht vom Primat der Befriedigung objektiv gegebener Bedürfnisse aus. Dazu gehören neben der Befriedigung der Grundbedürfnisse von vornherein auch eine gesunde Lebenswelt und die Befriedigung des Bedürfnisses nach Arbeit. Die Produktivität selbst kann im Rahmen der Gemeinschaftsökonomie höchstens zweitrangig sein. Eines ihrer generellen Ziele ist es, unnütze Arbeit zu ersparen, um das Lebensnotwendige auf jeden Fall abzusichern. Dies schließt die Herstellung von notwendigen Gebrauchswerten langer Nutzungsdauer mit einem geringen Aufwand für die Erhaltung und Nutzung sowie den Verzicht auf die Produktion von Unnützem ein!

 

Es geht nicht nur um eine ökologisch orientierte Produktionsweise, sondern auch um eine entsprechende Lebensweise, etwa durch rationelle Flächennutzung beim Bauen und durch zentralisiertes Bauen, um die Wege weitgehend zu verkürzen und den Verkehr so weit wie möglich zu reduzieren. Alle grundlegenden Bedürfnisse der Menschen sollten möglichst in Wohnortnähe bzw. regional befriedigt werden können.

 

Ökonomie im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung ist nicht als Konkurrenz zur Privatökonomie zu betrachten. Sie wird es aber ermöglichen, uns Schritt für Schritt von den Systemzwängen der Privatökonomie zu befreien.

 


 

[1] Vgl. MEW, Bd. 23, S. 167

[2] MEW, Bd. 1, S. 499

[3] Vgl. W. I. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, in: Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 77

[4] Vgl. Werner Grundmann: Zur ökonomischen Entwicklung von Bürgerstädten, in: Rainer Mackensen (Hg.): Handlung und Umwelt. Beiträge zu einer soziologischen Lokaltheorie, Leske + Budrich, Opladen 2000, S. 165-191

[5] Vgl. MEW, Das Kapital, Bd. 23, S. 741ff

[6] Vgl. MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, Berlin 1968, S. 536

 

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