E-Mail vom 23.12.2007, 16:45 Uhr, an lothar.bisky@die-linke.de    

Veröffentlichung am 23.12.2007 

 

 

 

Von Werner Grundmann                                              Berlin, den 23. Dezember 2007

...

 

 

An den

Vorsitzenden der Europäischen Linkspartei

und

Vorsitzenden der Partei DIE LINKE

Professor Dr. Lothar Bisky

 

 

 

Stellungnahme zum Editorial im Neuen Deutschland vom 22./23.12.2007

 

Sehr geehrter Genosse Bisky,

                    am 26. November 2007 hatte ich Sie per E-Mail über meine Aktivitäten zur Information von Politikern und Wissenschaftlern der LINKEN über meine Vorschläge zum neuen Parteiprogramm sowie über die  "Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung" informiert. U. a. schlug ich in meinem Schreiben vor, die Aussage der Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit durch die Forderung zur weltweiten Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts zu ersetzen.

 

Die vier Vorschläge zum Parteiprogramm vom November 2007 hatte ich am 1. Dezember 2007 als "Vorschlag zum Programm der LINKEN" inhaltlich auf vier Seiten zusammengefasst und ab dem 17.12.2007 über meine Homepage abrufbar unter

            http://www.bwgrundmann.de/progrvorschlbw.htm 

veröffentlicht.

 

Heute spreche ich Sie als Verfasser Ihres Editorials im Neuen Deutschland vom 22./23.12.2007 an. Zu Ihren Ausführungen habe ich als langjähriger Leser des Neuen Deutschland grundsätzliche Bedenken. Bitte prüfen Sie meine Hinweise!

 

Sie schreiben von einer „Weltgemeinschaft“ und dies unter den Bedingungen der weltweiten Vorherrschaft des Kapitalismus, der immer mehr Individualismus erzeugt! Eine solche „Gemeinschaft“ gilt es meines Erachtens erst langfristig zu schaffen. Sie existiert nicht einmal ansatzweise. Sie kann auf der Basis dominanter Privatökonomie auch gar nicht entstehen. Der Zwang und der Wille zur Gemeinschaftlichkeit werden wohl erst aus den Überlebensinteressen der Menschheit auf der Grundlage einer neuen Ökonomie, einer Gemeinschaftsökonomie, entstehen. Wir sollten den Menschen keine falschen Hoffnungen machen, dass die Menschheit unter dem vorherrschenden System vor der Klimakatastrophe bewahrt werden kann. Ich fürchte deshalb auch, dass die bis 2015 angestrebten Milleniumsziele, etwa auf der Basis von Hilfsprojekten, nicht einigermaßen erreicht werden können. Wir sollten uns vielmehr bewusst machen, dass die aus dem Klimawandel resultierenden Fehlwirkungen die Situation weiter verschlimmern. Wenn wir nicht die grundsätzlichen Ursachen der Armut in den (Rück-) Entwicklungsländern benennen, werden wir als LINKE unglaubwürdig!  Die Verarmung ist vor allem Ergebnis der Ausbeutung durch Hungerlöhne, des subventionierten „freien“ Handels, des Verbrauchs von Natur für den Konsum in den reichen Ländern und zur Sicherung des eigenen Überlebens! Sollen die Armen in den verschuldeten „Entwicklungsländern“ weiterhin die Mehrung des Reichtums der Reichen bezahlen?! Wir leben zugleich in einer Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft, wobei auch die Natur immer mehr verarmt. Auch das Weihnachtsfest ist Ausdruck wachsenden Verbrauchs an Natur! Wann begreift die Mehrheit der Politiker der LINKEN, was sich hinter dem Rücken von kapitalistischem (und sozialistischem) Wachstum der Wirtschaft vollzieht? Man schaue sich die VR China an, die sich Schritt für Schritt auf dem Wege zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse befindet! Brauchen wir wirklich eine soziale oder gar sozialistische Marktwirtschaft zur ständig besseren Befriedigung vor allem der materiellen Bedürfnisse oder muss nicht vielmehr eine gegensätzliche Ökonomie angestrebt werden, mit deren Hilfe vor allem die Grundbedürfnisse weltweit befriedigt werden können, einschließlich des Bedürfnisses nach Arbeit und nach einer gesunden Lebenswelt? Was ist „ökonomisch“, wenn es kein Geld mehr gibt?

 

Je mehr ich über den Sozialismus nachdenke, umso fragwürdiger wird er mir angesichts der nahenden Klimakatastrophe! Wir waren lang genug in einem System verhaftet, dass uns in eine Sackgasse und andere zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse geführt hat. Sie sollten deshalb darüber nachdenken, Ihre „Sozialistische Tageszeitung“ in eine „Linke Tageszeitung“ umzubenennen!

 

Wir brauchen eine Ökonomie, die primär von den gemeinsamen und individuellen Bedürfnissen ausgeht, die auch unabhängig vom Geld funktioniert und rationell mit dem Verbrauch an Natur vorgeht! Das wichtigste unserer Bedürfnisse ist das Überlebensbedürfnis der Menschheit!

 

Ich habe versucht, erste Gedanken für die Schaffung einer solchen wahren Ökonomie in den „Berliner Thesen“ zu fixieren. Die entscheidenden Erkenntnisse aus den „Berliner Thesen“ finden Sie in zum Herunterladen unter

 

                           http://www.bwgrundmann.de/erk_bt.htm.

U. a. schlage ich die gezielte Schaffung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie vor. Bitte lassen Sie meine Ergebnisse kritisch prüfen!

 

Ich wünsche Ihnen für Ihre verantwortungsvolle Tätigkeit weiterhin beste Gesundheit und viel Erfolg!

 

Mit solidarischen Grüßen

 

Werner Grundmann                               Berlin, den 23.12.2007, 16:45 Uhr