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BT2010.doc                                    abrufbare Veröffentlichung: 22.04.2010           

 

Werner Grundmann                                              Berlin, den 20. April 2010

 

 

Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

- erweiterte Fassung von 2010 -

 

 

Gliederung

 

0.    Vorbemerkungen (S. 2)

 

1.    Einleitung (S. 2)

 

2.    Hauptthese (S. 6)   

 

3.    Ökonomische Verhaltensweisen (S. 8)

 

4.    Zur historischen Entwicklung der Ökonomie (S. 14)

4.1. Zur gespaltenen Entwicklung der Ökonomie (S. 14)

4.2. Zur Entwicklung der neuzeitlichen ökonomischen Wissenschaften (S. 24)

4.3. Zur fragwürdigen Dominanz des Wirtschaftlichen (S. 29)   

 

5.    Zum Staat als Herrschaftsinstrument über die Natur (S. 41)

5.1. Zum heutigen staatlichen Besitzanspruch über die Natur (S. 41)

5.2. Zur historischen Entwicklung des staatlichen Besitzanspruchs über

       die Natur (S. 42)

5.3. Besitzanspruch über die Natur auf neuer theoretischer Position (S. 44)

 

6.    Zum Kapitalismus als Gesellschaftssystem  (S. 46)

6.1. Zu den Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin  (S. 46)

6.2. Zum Kapitalismus als Bereicherungssystem (S. 52)

6.3. Naturwissenschaftliche Aspekte spätkapitalistischer Entwicklung (S. 58)

6.4. Ein neues dialektisches Gesetz der gesellschaftlichen Entwicklung? (S. 62)

6.5. Anforderungen an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung (S. 64)

 

7.   Zur Problematik der Ablösung des kapitalistischen Gesellschafts-

      systems (S. 69)

7.1. Zur notwendigen Ablösung des Kapitalismus als System (S. 68)

7.2. Zur Dominanz des Ökologischen gegenüber dem Sozialen bei der Ablösung

       des kapitalistischen Gesellschaftssystems (S. 71)

7.3. Zum Versuch der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus (S. 73)

7.4. Zur notwendigen Verdrängung der Privatökonomie durch die

       Gemeinschaftsökonomie (S. 76)

7.5. Zum Kommunismus  (S. 81)

 

8. Schlussbemerkungen (S. 82)

 

 

 

 

 

0. Vorbemerkungen

 

Die Fassung der Berliner Thesen vom Jahre 2010 ist eine Erweiterung der „Endfassung“ vom 4. Oktober 2007.[1] Sie enthält neben Ergänzungen zur Vertiefung bisheriger Aussagen einen weitreichenden Vorschlag zur „umweltneutralen“ Energiegewinnung durch die allgemeine Nutzbarmachung der Raumenergie. Raumenergie ist jene kosmische Ursprungsenergie, die zu jeder Zeit überall auf der Erde kostenlos und unbegrenzt genutzt werden könnte, wenn Konverter verfügbar sind, die die Raumenergie aus der Umgebung „aufsaugen“ und in elektrische Energie umwandeln. Jeder Betrieb, jedes Flugzeug, jedes Fahrzeug und jeder Haushalt könnte unter Nutzung von Konvertern die benötigte Energie dauerhaft selbst erzeugen, ohne dass Belastungen für die Umgebung entstehen.

 

Die Nutzbarmachung der Raumenergie ist jene bisher unterdrückte Form rationeller Energiegewinnung, die der bedürfnisorientierten Ökonomie der nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung am besten entspricht. Sie könnte zur Überlebensenergie für unsere Menschheit werden. Doch ihre gewaltigen Vorteile sprechen unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen gegen ihre Nutzung. Sie ist nicht profitabel und deshalb systemfremd. Ihre durchgängige Nutzung würde die Existenz der Energie-, Erdöl- und Erdgaskonzerne in relativ kurzer Zeit „untergraben“! Deshalb schweigen die Medien zur Existenz der Raumenergie sowie zu den Fortschritten ihrer Erforschung und ihrer Nutzung mithilfe von Raumenergie-Technik (RET)![2] Es gilt folglich, die Überlebensinteressen der Menschheit gegen die Profitinteressen der Konzerne durchzusetzen! So wie in Form der Privatökonomie und Gemeinschaftsökonomie nach systemimmanenten und systemfremden Ökonomien unterschieden werden muss, gilt dies auch für die Formen der Energiegewinnung!

 

 

1. Einleitung

 

Die „Berliner Thesen für eine nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung“[3] sollen beitragen, die zwingende Notwendigkeit und die Möglichkeit der schrittweisen Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems durch eine weltweite Gemeinschaftsordnung generell wissenschaftlich zu begründen. Zum Erreichen dieses Ziel erwies es sich u. a. als erforderlich,

-          bisher unzureichend genutzte Erkenntnisse von Karl Marx und Friedrich Engels zu berücksichtigen und sie in einen übergreifenden Zusammenhang einzuordnen,

-          die unter den Marxisten verbreitete These abzuweisen, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“[4],

-          die Identität von Ökonomie und Wirtschaftlichkeit zu widerlegen,

-          das kapitalistische System als selbstzerstörerisch nachzuweisen,

-          die zu schaffende nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung als eine ökonomische Formation neuer Qualität zu erkennen.

 

Die generelle Beweiskraft der Berliner Thesen erwächst aus der einheitlichen ökonomischen Herangehensweise und der wechselseitigen Abstimmung aller wesentlichen Zusammenhänge, die in die komplexen Betrachtungen einbezogen wurden. Die Berliner Thesen sind vor allem an Wissenschaftler gerichtet. Sie besitzen konzeptionellen wissenschaftlichen Charakter. Mit Hilfe von Anmerkungen wird jedoch versucht, jede einzelne Thesen zu begründen. Darüber hinaus wurden in die Gesamtheit der Thesen weithin bekannte wissenschaftliche Erkenntnisse so eingeordnet und mit den neuen Erkenntnissen abgestimmt, dass die neuen und die bereits bekannten Aussagen möglichst eine Einheit bilden.

 

Bei der Erarbeitung der Berliner Thesen wurde von einem gegenüber dem Marxschen Vorgehen erweiterten Zusammenhang ausgegangen. Die komplexere Betrachtung besteht insbesondere darin, alle Ausbeutergesellschaften zugleich als Bereicherungsgesellschaften aufzufassen. Dies ermöglicht, neben der Bereicherung durch Ausbeutung auch die Bereicherung durch die Ausplünderung und Belastung der Natur in die Untersuchungen einzubeziehen und den Kapitalismus als Bereicherungs- und Verarmungssystem zu verstehen. Ausbeutung ist zwar die grundlegende Form privater und gesellschaftlicher Bereicherung; doch weil Bereicherung zulasten unserer Lebenswelt möglich ist und durch Konkurrenz erzwungen wird, weil die Menschen der Dritten Welt zur Sicherung ihres Überlebens ihre umgebende Natur verstärkt verbrauchen und weil die Lebensweise in den „reichen“ Ländern die eigene Lebenswelt immer mehr belastet, zerstört die Menschheit tendenziell die eigenen Lebensgrundlagen. In diesem Sinne wird die Entstehung und Verschärfung der ökologischen Krise als primär gesellschaftlich bedingt nachgewiesen, woraus sich ableitet, dass letztlich nur die Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftssystems das Überleben der Menschheit ermöglicht.

 

An der Verschärfung der ökologischen Krise waren und sind die sozialistischen Länder wesentlich beteiligt. Die Ursache dafür ist in der primären Ausrichtung auf die Lösung der sozialen Frage, in der Verdrängung der ökologischen Problematik und in der Konkurrenz zum kapitalistischen Wirtschaftssystem zu suchen. Heute zeigt es sich, dass sowohl das forcierte Wirtschaftswachstum unter kapitalistischen wie auch das Wirtschaften zulasten der Natur unter sozialistischen Bedingungen zur schleichenden Verarmung, Belastung und Vergiftung unserer gesamten Lebenswelt geführt haben. Deshalb darf die Lösung der sozialen Frage weltweit nur in dem Maße vorangetrieben werden, dass die Existenz der Menschheit gesichert bleibt. Der einseitig auf die Lösung der sozialen Frage ausgerichtete sozialistische Weg in Konkurrenz zum kapitalistischen System hat sich als historische Sackgasse erwiesen!

 

Auch unabhängig von der Existenz und Konkurrenz sozialistischer Volkswirtschaften und Nachfolgestaaten ist jedoch die weltweit vorherrschende kapitalistische Privatökonomie[5] das grundlegende Übel der heutigen Zeit. Aus ihrer Dominanz resultiert jener Bereicherungsdrang nach Ausbeutung der Menschen und Ausplünderung der Natur, der die Existenz unserer Menschheit extrem gefährdet. Um die kapitalistische Gesellschaftsordnung weltweit ablösen zu können, muss deshalb die Privatökonomie schrittweise durch die Gemeinschaftsökonomie verdrängt werden.

 

Ökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung wird nachfolgend als wahre Ökonomie, als grundlegende Form aller Ökonomie, verstanden. Sie kann innerhalb von Gemeinschaften als Gemeinschaftsökonomie am besten realisiert werden und ermöglicht ein einheitliches ökonomisches Denken und Handeln sowohl in der Produktions- als auch in der Lebensweise. Weil ökonomisches Verhalten auch zum Verhalten des unbewussten Lebens gehört, ist die höchste Form einer (hierarchisch aufgebauten) Gemeinschaftsordnung jene, die sich in die Gemeinschaft des irdischen Lebens bewusst einordnet und ökonomisches Verhalten anderer Lebensformen im gemeinsamen Interesse nutzt. Damit erfüllt die Gemeinschaftsökonomie die Anforderungen einer Überlebensökonomie!

 

Die Notwendigkeit rationeller Bedürfnisbefriedigung existierte und existiert – unabhängig von den Eigentums- und Besitzverhältnissen sowie unabhängig von Gewinninteressen – für jede Gesellschaft, insbesondere bei der Realisierung von solchen Vorhaben, die für die ganze Gesellschaft bedeutsam sind, so z. B. für die Bildung und Erziehung, für kulturelle Einrichtungen, für den Verkehr sowie die technische Versorgung und Entsorgung. Diesen Anforderungen wurde über Jahrhunderte in den Bürgerstädten und auch später in den bürgerlichen und sozialistischen Staaten prinzipiell entsprochen. Es entstanden spezifische und verallgemeinerte ökonomische Disziplinen, wie die Stadtökonomie, die Territorialökonomie, die Sozialökonomie, die Nationalökonomie und die politische Ökonomie. Sie könnten zusammengefasst als Gesellschaftsökonomien bezeichnet werden.

 

Während die Gesellschaftsökonomien von jenen Bedürfnissen der Menschen ausgehen, denen die Gesellschaft als Ganzes entsprechen muss und die Gemeinschaftsökonomie von der Gesamtheit der Bedürfnisse irdischen Lebens, nutzt die Privatökonomie unter Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips die Befriedigung marktrelevanter Bedürfnisse zur privaten Bereicherung. Doch privates Gewinn- und Profitstreben, Konkurrenz und privater Überlebenskampf sowie das Beschränken der Marktwirtschaft auf Waren und Dienstleistungen führen zu einem immer stärkeren Verbrauch unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Durch das tendenzielle Abnehmen des Anteils an pflanzlichem Leben wird das Lebenssystem der Erde aus dem ökologischen Gleichgewicht gebracht, was zunächst einen Klimawandel sowie Klimakatastrophen verursacht und letztlich – in Form eines Weltbrandes – in einem Klimakollaps endet. Diese Entwicklung verläuft gesetzmäßig zum Negativen, falls die Fehlwirkungen der Anwendung der Privatökonomie und anderer Konkurrenzökonomien nicht rechtzeitig gestoppt werden können.

 

Das Verdrängen der Privatökonomie wird dadurch ermöglicht werden, dass immer mehr Menschen erkennen, was unter wahrer Ökonomie zu verstehen ist, welche Möglichkeiten sie eröffnet und welche ökonomischen Ursachen der Negativentwicklung der menschlichen Gesellschaft zugrunde liegen. In geeigneten Bereichen der Gesellschaft werden zunächst Zellen der Gemeinschaftsökonomie entstehen, die – relativ unabhängig von der Privatökonomie – eine eigenständige Lebens- und Produktionsweise entwickeln. Diese Zellen können sich zu selbstständigen Strukturen der Gemeinschaftsökonomie verbinden. Darüber hinaus gilt es, mit Hilfe der bürgerlichen Institutionen sowie unter der Nutzung der bürgerlichen Demokratie den von der Privatökonomie weitgehend verdrängten Gesellschaftsökonomien ihre Bedeutung wieder zu sichern, entsprechende Reprivatisierungen vorzunehmen und den Verwertungsspielraum der Privatökonomie Schritt für Schritt einzuengen.

 

Das schrittweise Verdrängen der Privatökonomie wird zur Realität werden, wenn in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Menschen aller Kulturen und Völker auf kreative Weise beginnen, entsprechend den Erfordernissen der Gemeinschaftsökonomie und der Gesellschaftsökonomien rationell zu leben, ihre Lebenswelt zu erhalten, sich abzustimmen, einander zu helfen, dezentral „umweltneutrale“ Energie zu erzeugen, rationell zu produzieren und Gebrauchswerte auszutauschen, und wenn sie zudem bewusst einen Teil ihrer Arbeitskraft einsetzen, um ihre und die gemeinsame Lebenswelt zu renaturieren.

 

Entscheidende Voraussetzungen für die Gestaltung der gemeinschaftlichen Lebensweise unter Nutzung der Gemeinschaftsökonomie sind demokratische Entscheidungen über alle wesentlichen Belange, die die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft betreffen. Während unter privatökonomischer Dominanz demokratische Entscheidungen über die Produktionsweise, über den Produktionsumfang und den Austausch der Erzeugnisse ausgeschlossen sind, wird unter gemeinschaftlichen Bedingungen volle Demokratie praktiziert werden. Sie zu realisieren, schließt ein, sich weitgehend unabhängig von den Einflüssen der Privatökonomie zu machen – bis zur Einführung eigener Währungen, die zum Austausch in den Gemeinschaften bestimmt sind.

 

Sich für Gemeinschaftsökonomie unter voller Demokratie zu entscheiden, bedeutet zugleich, den Einflussbereich der Privatökonomie einzuengen. Indem die Gemeinschaften die „Verlierer“ der Privatökonomie integrieren, indem sie die „nicht verwertbaren“ Gebrauchswerte, wie z. B. leer stehende Gebäude, nutzbar machen, gewinnen sie an Kraft und Einfluss, zeigen sie an Beispielen die ökonomische Unsinnigkeit des Abrisses tausender Wohnungen trotz tausender Obdachloser.

 

Das wohl Schwierigste am Gestalten des Prozesses der weltweiten Vergemeinschaftung der Völker und Kulturen unter Nutzung der Gemeinschaftsökonomie ist wohl das Überwinden der nationalen Sichtweisen, also das Suchen nach nationalen und regionalen Lösungen, die zugleich kompatibel sind mit den globalen Anforderungen sowie den grundlegenden Lebensinteressen jener Gemeinschaften und Gesellschaften, die unter völlig anderen nationalen und natürlichen Bedingungen leben. Ich fürchte, dass wir dem Überlebensinteresse der Menschheit nicht entsprechen können, wenn es nicht gelingt, Übereinstimmungen zwischen den Interessen der Nationen, Völker und Kulturen über alle trennenden nationalen und geistigen Grenzen hinweg herzustellen, wenn keine gemeinsamen Strategien entwickelt und abgestimmte Wege eröffnet werden.

2. Hauptthese

 

Die Menschheit wird seit Jahrtausenden von einem verengten ökonomischen Denken und Handeln beherrscht, das sie tendenziell in eine ökologische Katastrophe treibt, weil es private und gesellschaftliche Bereicherung zulasten der Natur und durch die Ausbeutung von Menschen ermöglicht, weil es den natürlichen Reichtum verarmt und durch die Verschärfung der sozialen Gegensätze eine Überbevölkerung provoziert. Das verengte ökonomische Denken basiert auf der breiten Akzeptanz von Privateigentum, Privatbesitz und privater Bereicherung als den vorgeblich entscheidenden Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist vor allem auf privaten Gewinn und Profit orientiert und äußert sich heute insbesondere in der Gleichsetzung von ökonomischem und Wirtschaftlichkeitsdenken. Es impliziert, dass es historisch kein anderes ökonomisches Denken gab und dass ökonomisches Verhalten nur an intelligentes Leben gebunden ist. Die Menschheit wird nur überleben, wenn sie rechtzeitig einen Weg findet, um weltweit gemeinschaftliches ökonomisches Denken und Handeln im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung zu erlernen, wenn es ihr gelingt, die Privatökonomie sowie andere Formen von Konkurrenzökonomien durch Gemeinschaftsökonomie zu verdrängen, wenn ihr die breite dezentralisierte Nutzbarmachung der Raumenergie gelingt und wenn sie es mit den Mitteln voller Demokratie vermag, die privat dominierten Gesellschaftsordnungen durch eine weltweite hierarchische Gemeinschaftsordnung abzulösen.

 

Erläuterungen zur Hauptthese:

Eine Aufgabe der Berliner Thesen soll es sein, die tendenziellen Wirkungen des wirtschaftlichen Denkens und Handelns aufzuzeigen und die Leser auf das andere, das vorgeblich nicht vorhandene ökonomische Denken hinzuführen, welches jedem von uns naturwüchsig gegeben ist und auch von jedem persönlich praktiziert wird. Es existiert parallel zum wirtschaftlichen Denken und Handeln. Die Ursache für das wissenschaftliche Negieren des naturgegebenen ökonomischen Denkens und Verhaltens ist gesellschaftlich bedingt. Doch bereits beim jungen Friedrich Engels und bei Karl Marx finden sich Hinweise, die eine grundsätzliche Kritik des wirtschaftlichen Denkens einschließen und auf die Notwendigkeit des auf die Bedürfnisbefriedigung gerichteten ökonomischen Denkens orientieren.

 

Während Friedrich Engels die ökonomischen Wissenschaften seiner Zeit als Privatökonomie kennzeichnete[6] und sich damit auf indirekte Weise für eine nichtprivate Ökonomie aussprach, verwies auch Karl Marx auf jene andere Ökonomie, ohne sie ausdrücklich zu definieren. Er ging von „gemeinschaftlicher Produktion“, von den „Gesamtbedürfnissen“ der Gesellschaft und „einer planmäßigen Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiednen Zweige der Produktion“ aus. Auch „der Einzelne“ müsse „seine Zeit richtig einteilen, um … den verschiednen Anforderungen … Genüge zu leisten.“ „Ökonomie der Zeit“ ist für ihn „erstes ökonomisches Gesetz auf der Grundlage gemeinschaftlicher Produktion.“ Dies sei „jedoch wesentlich verschieden vom Messen der Tauschwerte … durch die Arbeitszeit.“[7] Er stellte fest, dass sich „schließlich alle Ökonomie [in Ökonomie der Zeit auflöst]“. Marx’ Gegenüberstellung verweist auf den qualitativen Unterschied zwischen den beiden Ökonomien.

 

Die langfristigen Fehlwirkungen jener Ökonomie, die auf Privateigentum und Privatbesitz basiert, erwachsen aus den Konkurrenz- und Gewinnzwängen, denen die Unternehmen auf dem Markt ausgesetzt sind. Diese Zwänge führen zu Problemen in der Befriedigung von marktwirtschaftlich nicht relevanten Grundbedürfnissen, was die ökologische Krise tendenziell verschärft. Hingegen hat eine Gemeinschaft, die auf der Grundlage von Gemeineigentum und Gemeinbesitz produziert, die Möglichkeit, die Arbeit so zu verteilen, dass der Befriedigung zumindest aller Grundbedürfnisse all ihrer Menschen entsprochen wird.

 

Um sich dem Verstehen des anderen, des verdrängten ökonomischen Denkens zu nähern, hilft die Frage, was unter der Bedingung der Nichtexistenz von Geld als ökonomisch bezeichnet werden sollte. Die Aussagen von Karl Marx zur Ökonomie der Zeit tragen bei, diese Frage zu beantworten. Im persönlichen Bereich kann bereits die Wahl einer Wegeabkürzung als ökonomisches Verhalten bezeichnet werden, ebenso das gleichzeitige Besorgen aller innerhalb einer Woche benötigten Lebensmittel, auch das Ersparen unnötigen Verbrauchs an Energie und Wasser sowie das Verhindern von Abfall. Als ökonomisch darf auch die bewusste Arbeitsteilung im Haushalt bezeichnet werden, wenn sie es ermöglicht, die regelmäßigen Pflichten rationeller und schneller zu erledigen.

 

In der Natur hat sich eine generelle Arbeitsteilung durch das Herausbilden der Geschlechter entwickelt, was ein Überleben vieler Arten und ihre rationelle Lebensweise erst ermöglicht. Auch Insekten verhalten sich ökonomisch, indem sie als Volk arbeitsteilig leben und sich vermehren. Selbst Bäume zeigen ein ökonomisches Verhalten, etwa wenn sie zur maximalen Energieaufnahme in Richtung der stärksten Sonneneinstrahlung wachsen oder wenn Bäume an der Stelle der maximalen Beanspruchung auch das größte Dickenwachstum entwickeln.

 

Die Fähigkeit zum ökonomischen Verhalten im Sinne des rationellen Einsatzes an Zeit, Kraft und Material sowie der aus Fortschritten in der Rationalität erwachsenden neuen Möglichkeiten zur effizienten Nutzung der gegebenen Entwicklungs- und Überlebensbedingungen ist offenbar eine grundlegende Eigenschaft allen Lebens![8] Es fragt sich deshalb, ob wir an der Schwelle der Entdeckung oder Wiederentdeckung der „wahren“ Ökonomie und der geistigen Befreiung von den Fesseln des Wirtschaftlichkeitsdenkens stehen. Der Schritt zum möglichen und notwendigen Unterscheiden zwischen Ökonomie und Wirtschaftlichkeit könnte die wichtigste Voraussetzung für das Gewinnen der Menschen zur weltweiten Ablösung des Kapitalismus als Gesellschaftssystem und zur Schaffung einer Gemeinschaftsordnung auf neuer ökonomischer Basis sein.

 

Die Denkweise, die mit jener „wahren“ Ökonomie verbunden ist, wird auch in der (bereits zitierten) Erkenntnis von Karl Marx deutlich, dass es der „gemeinschaftlichen Produktion“ bedarf und notwendig ist, von den „Gesamtbedürfnissen“ der Gesellschaft auszugehen, also nicht nur von den marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnissen! Das aber bedeutet, dass selbst wohlgemeintes individuelles ökonomisches Verhalten ökonomisch schaden kann, wenn es sich unzureichend in die gesamtgesellschaftlichen Zielstellungen einordnet. Jeder Einzelne sollte deshalb die Dominanz des Gesellschaftlichen bzw. des Gemeinschaftlichen über das Individuelle verinnerlichen und sich gegen die weit verbreitete Auffassung wenden, wonach das Gewähren privaten Gewinns letztlich allen nützt. Es gilt, das ökonomische Denken und Handeln vom Kopf auf die Füße zu stellen!

 

3. Ökonomische Verhaltensweisen

 

These zum natürlichen ökonomischen Verhalten: Ökonomisches Verhalten ist eine Eigenschaft allen Lebens. Es ist an Arbeit sowie an Leistung gebunden. Bei allen Lebensformen äußert sich natürliches ökonomisches Verhalten im Streben der einzelnen Individuen nach rationeller[9] Bedürfnisbefriedigung.

 

Anmerkungen:

- Jedes Einzelwesen einer jeden Lebensform[10] hat – in Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen – eigene Bedürfnisse, weil es etwas Ganzheitliches darstellt, ein System – ganz gleich, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Es muss sich ernähren, um als System weiter zu existieren. Keines von ihnen kann stellvertretend den Hunger einer anderen Lebensform stillen. Auch in Symbiose mit anderen Lebewesen existiert es relativ selbständig. Etwas anderes ist es, ob die einzelnen Individuen für sich allein in der Lage sind, für Nahrung und das Überleben der Art zu sorgen.

 

- Jedes Einzelwesen einer jeden Lebensform muss zum gemeinschaftlichen Leben mit gleichartigen Lebensformen und zum Überleben seiner Art beitragen. Es bedarf dafür (genetisch programmierter) Eigenschaften und Fähigkeiten, wie etwa eine Biene zum Bauen von Waben.

 

- Naturwüchsiges ökonomisches Verhalten gibt es bei jedem Menschen. Es widerspricht an sich seiner Natur, nützliche Gebrauchswerte wegzuwerfen, nicht zu nutzen oder schnell zu verschleißen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Bedürfnisse von Menschen und der Umgang mit Nützlichem manipuliert werden, um wirtschaftliche Gewinne zu erzielen.

 

These zum gemeinschaftlichen ökonomischen Verhalten: Die Individuen vieler Lebensformen vermögen nur gemeinschaftlich und unter Arbeitsteilung, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Lebensweise sowie ihr Überleben als Art zu sichern. Dabei sind Art und Umfang der Arbeitsteilung objektiv Ausdruck unbewusster rationeller gemeinschaftlicher Bedürfnisbefriedigung. Bewusste Gemeinschaftlichkeit begann während der Urgesellschaft.[11] Sie wurde im Überlebenskampf der Sippen erforderlich und basierte auf Gemeineigentum, persönlichem Eigentum und Gemeinbesitz.

 

Anmerkungen:

- In den Urgemeinschaften, den Sippen, wurden die auf rationelle Weise individuell, gemeinschaftlich oder arbeitsteilig geschaffenen und die aus der Natur angeeigneten Produkte unter den Angehörigen der Sippe aufgeteilt. Gemeineigentum der Sippen waren vor allem die gemeinschaftlich geschaffenen Wohnstätten; als Gemeinbesitz können die gemeinschaftlich erschlossenen natürlichen Flächen und bearbeiteten Böden betrachtet werden. Die selbst hergestellten Werkzeuge und Waffen stellten persönliches Eigentum dar. In ihrer Lebens- und Produktionsweise entsprachen die Sippen den Anforderungen von Gemeinschaftsökonomie. Steigende Produktivität ermöglichte den Sippen, Gebrauchswerte untereinander auf der Basis der aufgewandten Arbeitszeit zu tauschen. Damit entstand Naturalhandel.[12]

 

- Der Besitzanspruch der Sippen über Teile der Natur in Konkurrenz zu anderen Sippen begann mit dem Anwachsen der Anzahl ihrer Angehörigen, wodurch neuer Siedlungsraum und neue eigene Jagdreviere beansprucht wurden.

 

These zum gesellschaftlichen ökonomischen Verhalten: Unabhängig von den spezifischen Eigentums- und Besitzverhältnissen hat jede Gesellschaft gemeinsame Bedürfnisse, deren Befriedigung gesellschaftliche Entscheidungen, gemeinsamen Arbeitsaufwand und gemeinsame Mittel zur Realisierung der Beschlüsse erfordert. Ökonomisch im Sinne der jeweiligen Gesellschaft ist es, wenn die Bedürfnisse in der vereinbarten Qualität unter Beachtung aller Aufwendungen und der zu erwartenden Folgeaufwendungen mit möglichsten geringem Aufwand befriedigt werden.

 

Anmerkungen:

- Wenn die Gesellschaft nicht in der Lage ist, eine Maßnahme mit eigenen Kapazitäten auf rationelle Weise zu realisieren, kann es im Sinne der Gesellschaft zweckmäßig sein, spezialisierte Produzenten zu beauftragen. Dabei bleibt aus gesellschaftlicher Sicht die mögliche rationelle Befriedigung der gemeinsamen Bedürfnisse entscheidend.

 

- Innerhalb von Gesellschaften existieren als Folge unterschiedlicher Eigentums- und Besitzverhältnisse unterschiedliche Eigeninteressen, die auf die Entscheidungen der Gesellschaft – auch unter Verletzung der Gesamtinteressen – Einfluss nehmen können.

 

- In entwickelten Gesellschaften ist die Realisierung vereinbarter Maßnahmen zur Befriedigung gemeinsamer Bedürfnisse an die Existenz von Wertformen (Gold, Geld, etc.) gebunden.

 

Zum persönlichen ökonomischen Verhalten: Vernünftige Menschen sind täglich bemüht, belastende Tätigkeiten auf rationelle Weise mit möglichst geringem Aufwand an Zeit, Material und Energie zu erledigen sowie schonend mit ihren Gebrauchsgegenständen umzugehen – auch unabhängig von finanziellen Überlegungen.

 

Zum privaten ökonomischen Verhalten: Privates ökonomisches Verhalten ist unter Einsatz fremder Arbeit auf persönlichen oder gemeinsamen Gewinn in Natural- oder in Wertform ausgerichtet. Der Gewinn wird zulasten der arbeitenden Menschen und der gemeinsamen Lebenswelt unter Nutzung des Wirtschaftlichkeitsprinzips erzielt. Auch Gesellschaften können sich privatökonomisch verhalten, wenn sie gewinnorientiert arbeiten lassen. Von der Anwendung des Bereicherungsprinzips, vom nichtökonomischen Bereichern, von Profit und vom Profitieren sollte dann gesprochen werden, wenn zwischen Aufwand und Ergebnis kein rationales Verhältnis hergestellt werden kann.

 

Anmerkungen:

- Privates ökonomisches Verhalten schließt direkt oder indirekt rationelles Verhalten zur Befriedigung von Bedürfnissen mit ein. Es kommt jedoch darauf an, woran ökonomische Ergebnisse gemessen werden.

 

- Das Aneignen von Werten, Gebrauchswerten oder gar von Menschen außerhalb des Arbeitsprozesses der Realwirtschaft ist nichtökonomische Bereicherung. Sie existiert in privater, gesellschaftlicher und nationaler Form seit Jahrtausenden in großer Vielfalt und reicht vom Spielbetrug, Raub, von der Versklavung, Zuhälterei, Erbschleicherei, von Börsenmanipulationen bis zu den Eroberungskriegen. Die Weltwirtschaftskrise des Jahres 2009 war das Ergebnis des weltweiten Profitstrebens in der „Finanzwirtschaft“ durch nichtökonomische Bereicherung.

 

- Nichtökonomisches Bereichern schuf historisch vielfach die Voraussetzungen für ökonomisches Bereichern durch Ausbeutung. Die ursprüngliche Akkumulation erfolgte überwiegend durch nichtökonomische Bereicherung.[13]

 

Zum ökonomischen Produzieren: Als bewusste menschliche Tätigkeit ist ökonomisches Produzieren in allen Formationen seit der Urgesellschaft auf die rationelle Herstellung von Gebrauchswerten gerichtet.

 

Anmerkung:

- Auch der kapitalistische Produktionsprozess ist auf die rationelle Herstellung von Gebrauchswerten gerichtet. Es muss jedoch erstens gefragt werden, ob aus der Sicht des Produzenten die Produktion der Gebrauchswerte primär der Befriedigung von Bedürfnissen oder primär seinen Gewinninteressen dient, ferner ob die hergestellte Menge dem Bedarf entspricht. Zweitens ist zu fragen, inwieweit über die Produktion der Gebrauchswerte und ihre Nutzung die Befriedigung anderer Bedürfnisse von Menschen und von anderen Lebensformen eingeschränkt oder belastet werden. D. h., um den spezifischen Anteil der betrachteten Produktion an der gesamten rationellen Bedürfnisbefriedigung einordnen zu können, gilt es stets, den Gesamtzusammenhang in der Produktions- und Lebensweise zu berücksichtigen.

 

These zum ökonomischen Reproduzieren:[14] Seit der Urgesellschaft dient ein wesentlicher Anteil menschlicher Arbeit der rationellen Erhaltung bzw. dem rationellen Ersatz jener Gebrauchswerte, die über längere Zeit genutzt werden können.

 

Anmerkung:

- Die Denkweise des ökonomischen Reproduzierens ist konträr zum Verhalten einer Wegwerfgesellschaft. Die Wegwerfideologie ist eine Folge vorgeblich notwendigen Wirtschaftswachstums. Ökonomisches Reproduzieren reduziert Naturverbrauch und führt zur Denkweise der ökonomischen Renaturierung, d. h. zur Suche nach den rationellsten Wegen, um zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts und zur Einheit des Menschen mit der Natur auf höherer Ebene beizutragen.

 

Ökologisch nachhaltiges ökonomisches Verhalten: Ein Teil der Naturvölker lebt noch heute in Urgemeinschaften. Sie sichern durch rationelles Produzieren und Reproduzieren ihre Lebensweise, erhalten aber zugleich ihre Lebenswelt, so dass von einem ökologisch nachhaltigen ökonomischen Verhalten gesprochen werden kann.

 

Anmerkungen:

- Das ökonomische Verhalten dieser Naturvölker ist primär auf das rationelle Herstellen und Erhalten sowie auf das Aneignen von Gebrauchswerten gerichtet. Obgleich sie über kein Geld verfügen, sind sie nicht arm![15] Sie sind reicher als jene Bewohner von Elendsvierteln in der so genannten Dritten Welt, die mit wenigen Dollars im Monat auskommen müssen. Die Naturvölker verarmen jedoch dann, wenn sie mit ihrer Lebenswelt in den Strudel der Globalisierung geraten, wenn ihnen ihre Existenzbedingungen genommen werden und ihnen „Entwicklungshilfe“ zuteil wird.

 

- Obwohl die Naturvölker die Denkweise des Wirtschaftens weder kennen, noch anstreben, noch brauchen, wird ihr naturwüchsiges ökonomisches Verhalten fälschlicherweise – im Sinne der Selbsterhaltung – als Subsistenzwirtschaft[16] bezeichnet oder als Naturalwirtschaft und diese als Wirtschaftsstufe[17]. Die Berechtigung, vom Wirtschaften zu sprechen, ist erst dann gegeben, wenn aus der Ausbeutung von Menschen, von Sklaven oder Leibeigenen, (in Naturalform) ein Mehrprodukt erwächst, das sich der Sklavenhalter bzw. der Feudalherr oder anteilig die Kirche als Zehnt[18] aneignet. Marx unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft.

 

These zur Unterscheidung von Gemeinschaftsökonomie, Gesellschaftsökonomien und Privatökonomien: Gemeinschaftsökonomie, Gesellschaftsökonomien und Privatökonomien unterscheiden sich darin, im Auftrage welcher Interessenten welche ökonomische Ziele verfolgt werden, von wessen und welchen Bedürfnissen ausgegangen und woran ökonomischer Fortschritt  gemessen wird.

 

Anmerkungen:

- Die Gemeinschaftsökonomie und die Gesellschaftsökonomien gehen von Bedürfnissen aus, um sie rationell zu befriedigen, während die Privatökonomie Bedürfnisse mittelbar nutzt, um Gewinne zu erzielen. Dabei beschränkt sich die Privatökonomie auf die marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnisse, d. h. auf jene, die auf dem Markt einen Preis erzielen. Zu ihnen gehören auch das Bedürfnis nach Geld, das in Form von Krediten angeboten wird, sowie das Bedürfnis nach dem Wechsel von Geld in andere Währungen. Aus den reinen Geldgeschäften entstand eine eigene Privatökonomie, die heutige „Finanzwirtschaft“. Es ist deshalb gerechtfertigt, von Privatökonomien zu sprechen.

 

- Gesellschaftsökonomien orientieren auf ausgewählte Bedürfnisse, deren rationelle Befriedigung von den gesellschaftlichen Repräsentanten unter den jeweiligen Bedingungen für notwendig und möglich betrachtet wird.

 

- Der Gegenstand der Gemeinschaftsökonomie ist die rationelle Befriedigung der zur jeweiligen Zeit gemeinschaftlich anerkannten individuellen und gemeinsamen Bedürfnisse in ihrer Gesamtheit und in wechselseitigem Zusammenhang mit der Befriedigung der Bedürfnisse der anderen Lebensformen.

 

- Privatökonomien basieren auf privatem Reichtum jeglicher Form, der zur weiteren privaten Bereicherung genutzt werden kann. Dazu können neben den Produktionsmitteln u. a. Immobilien, Geld, Aktien sowie der Besitz an Grund und Boden und letztlich alle verwertbaren Reichtümer der Natur gehören. Gemeinschaftsökonomie geht von Gemeineigentum und persönlichem Eigentum aus. Der Besitz an Natur wird jedoch auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. Die Gesellschaftsökonomien schließen die Möglichkeit ein, die Interessen aus unterschiedlichen Formen an Eigentum und Besitz zu berücksichtigen.

 

- Privatökonomische Ziele haben eigenständigen, egozentrischen oder gar egoistischen Charakter, die im Auftrag privater Interessenten außerhalb demokratischer Entscheidungen verfolgt werden. Gemeinschaftsökonomie und Gesellschaftsökonomien sind Mittel, um bestimmte Ziele auf rationellste Weise anzustreben, die ausgehend von demokratischen Entscheidungen unterschiedlicher Form realisiert werden sollen.

 

- Privatökonomien sind primär am Wert orientiert. Ihre Ergebnisse werden vor allem mittels eines kumulativen Kriteriums gemessen. Das Maß ist der erzielte Gewinn oder Profit während eines Zeitabschnitts. Gemeinschaftsökonomie und die Gesellschaftsökonomien messen ökonomischen Fortschritt über ein Differenzkriterium, d. h. über die Reduzierung des Arbeitsaufwands zur Befriedigung der betrachteten Bedürfnisse im Verlaufe eines Zeitabschnitts. Die Gemeinschaftsökonomie schließt im fortgeschrittenen Entwicklungsstand jene Maßnahmen mit ein, die die Menschheitsgemeinschaft sowie die regional lokalisierten Gemeinschaften für den jeweiligen Zeitabschnitt für notwendig und möglich halten, um zur Lösung der ökologischen Frage und zur Erhaltung der Lebenssysteme beizutragen.

 

- Die Existenz von Geld als rationelles Mittel zum Austausch von Gebrauchswerten und zur Entlohnung der Arbeit ist nicht ausreichend, um die genannten Ökonomien zu unterscheiden, sofern der Austausch auf der Basis vergleichbarer Arbeitszeit für die Herstellung und Erhaltung der Gebrauchswerte erfolgt.

 

- Privatökonomische Akteure dehnen ihren Einflussbereich – in Konkurrenz zu anderen Akteuren – nach Möglichkeit immer weiter aus, unter Umständen auch in rechtlich unzulässiger oder gewaltsamer Form. Dies schränkt den Wirkungsbereich der Gesellschaftsökonomien mit fortschreitender Entwicklung immer weiter ein. Die ständig verbesserte Wirkung der Gemeinschaftsökonomie erwächst hingegen aus freiwilliger Zusammenarbeit und freiwilligem Zusammenschluss von Menschen zu Gemeinschaften höherer Ebenen.

 

These zum Verhältnis von Politik und Ökonomie: Gemeinschaftlicher bzw. gesellschaftlicher Fortschritt wird wesentlich davon bestimmt, worauf ökonomisches Verhalten ausgehend von politischen Entscheidungen gerichtet wird.

 

Anmerkungen:

- Wenn ökonomisches Verhalten dazu führen soll, Bedürfnisse rationeller zu befriedigen, wodurch die Befriedigung neuer Bedürfnisse ermöglicht werden kann, dann ist es offenbar für den gemeinschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Fortschritt entscheidend, welchen Bedürfnissen entsprochen wird. Sollten die Kapazitäten und Mittel aufgewandt werden, um die Machtpositionen der weltlichen und geistlichen Herrscher zu erhalten und zu erweitern, dann behindert dies den allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt, etwa wenn weniger Mittel für die Bildung und Forschung zur Verfügung stehen sowie wenn sich aus den subjektiven Entscheidungen der Herrschenden Folgeaufwendungen für Jahrhunderte ergeben.

 

- Worauf sich ökonomisches Verhalten im Verlaufe der historischen Entwicklung richtete, war in hohem Maße von den gesellschaftlichen und ideologischen Verhältnissen abhängig, insbesondere von den Eigentums- und Besitzverhältnissen und damit von den politischen Entscheidungen der Geistlichen, der Mächtigen und der Reichen. Doch als sich der Mensch über andere Menschen erhob, versuchte er auch, die Natur zu beherrschen und sich vom vermeintlichen Besitzer seiner Welt zu ihrem Beherrscher und Eigentümer zu erheben.

 

- Wer historisch zurückblickt, muss konstatieren, dass in den verschiedenen Kulturen in der Tat die Sicherung der Macht der weltlich und geistlich Herrschenden extrem viel Arbeitskraft und Mittel erforderte. Was heute als Ergebnis der Leistungen unserer Vorfahren in Form der Herrschersitze und Sakralbauten als Kulturdenkmäler bewundert wird, war ausgehend von den objektiven Bedürfnissen der damals beteiligten Menschen und durch die Maßlosigkeit vieler Bauten eine riesige Verschwendung an geistiger Potenz und Arbeitskraft, die den gesellschaftlichen Fortschritt extrem behinderte. Die riesigen mittelalterlichen Ausgaben für die Sakralbauten im Vergleich zu jenen für weltliche Bauten, den „Profanbauten“, können mit den ungeheuer großen Aufwendungen in der heutigen Zeit für die Erhaltung und den Ausbau der Mobilität verglichen werden. Die Mobilität ist eine Art Religion der heutigen „Spaßgesellschaft“ geworden!

 

- Unter den Bedingungen theologisch gestützter Autokratie und der regelrechten Verschwendung abhängiger Arbeitskraft zur Realisierung der gewaltigen Bauvorhaben, deren Fertigstellung sich teils über mehrere Generationen hinzog, war es nicht möglich, Ökonomie im Sinne von rationeller Bedürfnisbefriedigung zu begreifen und danach zu handeln. Die Chance, bei der Entscheidung über die wichtigsten Bauvorhaben von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen der Bewohner auszugehen, ergab sich erst mit der Entstehung der mittelalterlichen Bürgerstädte. Diese Chance wurde trotz der beschränkt verfügbaren Mittel wegen des Sicherheitsbedürfnisses der Stadtbürger im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung bestmöglich intuitiv genutzt, wodurch eine noch heute bewunderte städtische Kultur entstand.

 

- Für den Fortschritt bzw. die Stagnation einer Gesellschaft sind somit die politischen Entscheidungen bzw. Fehlentscheidungen, die dem Einsatz der Kräfte und Mittel für Baumaßnahmen vorausgehen, von entscheidender Bedeutung.

 

- Eine analoge Bedeutung hatte das Nichterkennen notwendiger gesellschaftlicher Entscheidungen zur Befriedigung unterschätzter gemeinsamer Bedürfnisse, woraus sich Fehlwirkungen für künftige Generationen ergeben konnten. Einschneidend waren die fehlende Absicherung der Entsorgung in den Bürgerstädten sowie der unzureichende Feuerschutz, wodurch sich Seuchen und Feuer sehr schnell über die ganze Stadt ausbreiten konnten.

 

- Die Grenzen für politisch fragwürdige Entscheidungen sind dann gegeben, wenn sich als Konsequenz aus dem ökonomischen Verhalten Fehlwirkungen für künftige Generationen ergeben und die Menschheit in Gefahr gerät, ihren natürlichen Reichtum so weit zu verbrauchen und zu schädigen, dass ihre eigene Existenz gefährdet wird. Dann gilt es weltweit politisch zu entscheiden, welchen Bedürfnissen überhaupt noch entsprochen und worauf ökonomische Tätigkeit im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung weiterhin gerichtet werden darf, damit die Menschheit überlebt.

 

 

4. Zur historischen Entwicklung der Ökonomie

 

4.1. Zur gespaltenen Entwicklung der Ökonomie

 

These zur historischen Spaltung der ökonomischen Entwicklung: Mit der Herausbildung der Sklaverei in den entstandenen antiken Stadtstaaten spaltete sich die ökonomische Entwicklung. Neben dem gesellschaftlich erforderlichen ökonomischen Verhalten entstand das auf Naturalwirtschaft und Sklaverei basierende privatökonomische Verhalten. Doch die Ausbeutung von Sklaven war nur die eine Seite privater und gesellschaftlicher Bereicherung; die andere Seite bildete die nichtökonomische Bereicherung mittels Raub, Kriegen, Vertreibung und weiterer Versklavung. Sie wurde zu einer wesentlichen Grundlage, um den Einflussbereich der Privatökonomie auszudehnen.

 

Anmerkungen:

- Der Entstehung der Privatökonomien, die bis heute primär wertgebunden sind, ging im vorderen Orient eine fast zweitausend Jahre währende Periode kriegerischer nichtökonomischer und an Naturalwirtschaft gebundener Bereicherung voraus. Erste Kriege sind aus der „Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.“ historisch überliefert. Die Herrscher handelten vorgeblich im „göttlichen Auftrag, hinter dem … eigene Machtansprüche und Eroberungsgier“ verborgen waren.[19] „Die sumerischen Königsgräber in Ur beweisen uns außerdem, dass die Stadtkönige jener Zeit ihren göttlichen Auftrag auch im Jenseits fortführen wollten und deshalb viele Soldaten“ und Bedienstete „mittels Gift mit in den Tod nahmen“.[20] Verschiedene Assyrerkönige ließen Berichte über ihre Schandtaten in Stein meißeln.[21] Es ist wichtig zu wissen, dass derlei Grausamkeiten von den Herrschern mehrerer Völker ausgingen und dass sich das Berufen auf höhere Mächte als Ideologie über die Jahrtausende bis heute nicht nur in den Köpfen von Fundamentalisten und Extremisten erhalten hat.

 

- Die Berechtigung, von wirtschaftenden Einheiten und von Naturalwirtschaft als der Produktionsweise der antiken Sklavenhaltergesellschaften zu sprechen, resultiert aus der Erzeugung des Mehrprodukts durch die Sklaven, was eine weitgehende Selbstversorgung der wirtschaftenden Einheiten ermöglichte. Die rechtlosen Sklaven wurden nicht nur als Privatbesitz, sondern auch im Sinne von fixem Kapital betrachtet[22], dessen Einsatz sich während der Lebenszeit der Sklaven nicht nur für den Eigenbedarf der Sklavenhalter lohnen musste, sondern auch z. B. zur Ernährung und Ausrüstung von Kriegern, die für weiteren Sklavenzuwachs zu sorgen hatten. Karl Marx bindet den Begriff Naturalwirtschaft an „jedes Hörigkeitssystem (Leibeigenschaft eingeschlossen)“, aber auch an „mehr oder weniger primitive Gemeinwesen, ob diese nun mit Hörigkeits- oder Sklavereiverhältnissen versetzt seien oder nicht.“[23]

 

- Eine erste primär wertgebundene Privatökonomie entstand innerhalb der antiken Sklavenhaltergesellschaften zum Ende des 6. Jahrhunderts v. u. Z., nachdem seit dem 7. Jahrhundert Münzen eingeführt worden waren.[24] Die entscheidende ökonomische Basis war der angeeignete Privatbesitz an Grund und Boden. Die Machtmittel der Herrschenden ermöglichten es, „fremde Arbeitskraft durch direkten physischen Zwang“ zu versklaven.[25] Die Quellen privater und gesellschaftlicher Bereicherung zu antiker Zeit waren der massenhafte Einsatz von Sklaven in Hauswirtschaften, großen Werkstätten und Latifundien zum Abschöpfen des erzeugten Mehrprodukts, das Anhäufen von Edelmetallen, die mittels Sklavenarbeit in Erzbergwerken gewonnen und zum Kauf weiterer Sklaven benötigt wurden[26], ferner die nichtökonomische Bereicherung durch Raub, Versklavung, Kriege und den Verbrauch von Wäldern in der Nähe der Siedlungsgebiete und Produktionsstätten.

 

Zur Spaltung der Ökonomie als Wissenschaft: Das mögliche getrennte Anhäufen von Geld, das als Äquivalent und rationelles Mittel zum Warenaustausch und Sklavenhandel eingeführt worden war, führte in wissenschaftlicher Verallgemeinerung zur Entstehung zweier Ökonomien. Auf der Basis von Privateigentum und Privatbesitz entstanden die auf Gebrauchswerte orientierte Ökonomik und die spezifisch wertorientierte Chrematistik. Damit spaltete die antike Klassengesellschaft die entstehende Ökonomie als Wissenschaft!

 

Anmerkungen:

- Auf die Existenz von zwei in der Antike bekannten ökonomischen Wissenschaften verwies bereits Aristoteles (384-322 v. u. Z.), worauf Karl Marx im ersten Band des „Kapital“ aufmerksam macht. Danach beschreibt Aristoteles die „Chrematistik“ als „Kunst …, Geld zu machen“ und die „Ökonomik“ als „Erwerbskunst“, die sich auf die „Verschaffung der zum Leben und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter“ beschränke. Für die „Chrematistik“ sei „die Zirkulation die Quelle des Reichtums“. Das Geld sei „ihr Anfang und das Ende“. Für die „Chrematistik“ scheine „keine Grenze des Reichtums und des Besitzes zu existieren“. Aristoteles fügte hinzu: „Die Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranlasst einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Endziel der Ökonomik zu betrachten.“[27] [28]

 

- Elmar Altvater bezog sich in seiner Abschiedsvorlesung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin auf die Unterscheidung von Aristoteles. Doch er deutete sie auf seine Weise, so dass sie sich in das Identifizieren von Wirtschaft und Ökonomie prinzipiell einordnet: „Diese Maßlosigkeit ist seit Aristoteles Thema und hat ihn veranlasst, zwischen maßvoller (und natürlicher) Hauswirtschaft und maßloser (und daher unnatürlicher) Geldwirtschaft zu unterscheiden.“[29] Die Deutung von Altvater wird dann problematisch, wenn Wirtschaften zum Zwecke des Erzielens von Gewinn definiert wird. Es bleibt dann offen, wie ökonomisches Verhalten im Sinne von Haushaltung im familiären, städtischen und staatlichen Rahmen einzuordnen und wie ökonomisch zu charakterisieren ist, wenn Handel ohne Gewinninteresse ausgehend von der aufgewandten Arbeitszeit erfolgt oder wenn eine Gemeinschaft die von ihr in Arbeitsteilung produzierten Gebrauchswerte auf ihre Mitglieder verteilt.

 

- Seit der griechischen Antike bildete sich also jene erste primär wertorientierte Ökonomie in Form der Chrematistik als Wissenschaft heraus. Sie wurde zur Basis der Wirtschaftswissenschaften, die heute unser ökonomisches Denken weitgehend beherrscht, als gäbe es die andere (primär von den Bedürfnissen und Gebrauchswerten ausgehende) Ökonomie überhaupt nicht! Es scheint deshalb auch so, als hätten sich die primär auf Wertformen gerichteten Ökonomien im Verlaufe der Jahrtausende in der „zivilisierten“ Welt als „höhere“ Entwicklungsform ausnahmslos durchgesetzt. Doch es gab stets jenes von Aristoteles erwähnte „ineinander Überspielen“ zwischen den Ökonomien. Die Gemeinschaftsökonomie, die Gesellschaftsökonomien und die Privatökonomien existierten innerhalb einer Gesellschaft stets zugleich, wobei die Privatökonomien im Verlaufe der historischen Entwicklung immer stärker dominierten. Eine wesentliche Ausnahme entwickelte sich im Verlaufe von Jahrhunderten in den europäischen mittelalterlichen bürgerlichen Städten.

 

 

These zu den Bürgerstädten des Mittelalters: Die mittelalterlichen bürgerlichen Städte waren lokale rationelle gemeinschaftliche Lebens- und Überlebenssysteme auf der Basis handwerklicher Produktion. Sie entstanden aus gemeinsamen existentiellen und wirtschaftlichen Interessen vor allem unter Einsatz der Abgaben der Kaufleute und Handwerker. Die gleichartige Struktur dieser Städte ergab sich aus dem Schutzbedürfnis ihrer Bewohner, aus ihren Funktionen als Handels- und kulturelle Zentren sowie aus dem rationellen Einsatz der eingeschränkt verfügbaren Mittel. Sie entsprach den Anforderungen von Gemeinschaftsökonomie.[30]

 

Anmerkungen:

- Die im Sinne aller Einwohner rationelle Struktur der Bürgerstädte äußerte sich in der Form der Stadtmauer, in der Zentralität des Marktes, in den Straßenführungen, den funktionell unterschiedlichen Straßenbreiten sowie in der Zentralität benötigter gemeinschaftlicher Einrichtungen. Zudem wurden insbesondere die gemeinsam genutzten Gebäude und Bauwerke in einer solchen Qualität errichtet, dass sie Jahrhunderte überdauerten. Auch dies entsprach einem vernünftigen ökonomischen Verhalten. Es ermöglichte bei relativ geringen Erhaltungsaufwendungen, den notwendigen Abriss und Ersatz von Gebäuden möglichst weit in die Zukunft zu verschieben oder ganz zu ersparen. Im heutigen Sinne kann dieses Herangehen als ökonomisches Reproduzieren bezeichnet werden. Aus dem Gemeinsinn der Stadtbürger erwuchs die Kultur ihrer Städte.

 

- Das gemeinsame Vorgehen, auch im gesamtstädtischen Sinne möglichst rationell zu handeln, erwuchs aus der Größe der Aufgaben und den beschränkt verfügbaren Mitteln und Kapazitäten. Es galt, für möglichst viele Menschen auf engem Raum Lebensmöglichkeit und Schutz zu bieten, was sich insbesondere in der Dichte und Geschosshöhe der Bebauung sowie in der Qualität der Stadtmauern äußerte.

 

- Das Bemühen des sich entwickelnden städtischen Bürgertums, gemeinsam zu handeln, erwuchs aus der Notwendigkeit, sich gegenüber dem damals mächtigen Feudaladel (und gegenüber konkurrierenden Städten) zu schützen. Das von außen erzwungene gemeinsame Handeln schloss konkurrierendes Verhalten innerhalb der Städte um die Vormachtstellung oder gar gewaltsame Auseinandersetzungen nicht aus. So z. B. wurden innerhalb der Bürgerstädte der Toskana besonders befestigte bis zu 42 Meter hohe Wohntürme errichtet. Wesentlich für den betrachteten Zusammenhang ist jedoch das über Jahrhunderte dominierende ökonomische Verhalten der Stadtbürger.

 

Allgemeine Bereicherungsthese: Ein Volk, das Privateigentum an Produktionsmitteln, Privatbesitz an Natur und das Ausbeuten abhängiger Menschen zum privaten Vorteil als erstes zulässt, kann den Keim für die Entstehung von weltweit expandierenden Bereicherungsgesellschaften bilden. Private Bereicherung kann sich auf gesellschaftliche und nationale Bereicherung sowohl ökonomischer als auch nichtökonomischer Formen ausdehnen und schließt persönliche Bereicherung[31] nicht aus. Ein entstandener Bereicherungsprozess führt in Eigenentwicklung bis zur möglichen existenziellen Gefährdung der gesamten Menschheit.

 

Anmerkungen:

- Bereichern im dargestellten Sinne ist gewaltsames oder legales Aneignen von fremden Arbeitsergebnissen, von fremdem Eigentum und Besitz, auch von Besitz an Grund und Boden und von Reichtümern der Natur. Zur Bereicherung gehören damit auch der Raubbau, die Ausplünderung, die Zerstörung, der Missbrauch und die Belastung der Natur, wenn die Renaturierung der Nachwelt überlassen wird.

 

- Bereichern zulasten der Natur begann bereits in der Antike mit der „Ausrottung“ von Wäldern.[32] Insofern war die Sklavenhaltergesellschaft nicht nur wegen der zahllosen Kriege weitaus mehr als eine Ausbeutergesellschaft; sie war auch eine Bereicherungsgesellschaft auf Kosten der Nachwelt.

 

- Diese Entwicklung hat sich heute potenziert. So geht aus dem ersten „Alternativen Waldschadensbericht“ deutscher Umweltorganisationen hervor, dass die Bundesrepublik viertgrößter Verbraucher von Papier und Zellstoff ist. „Durchschnittlich [werden] 235 Kilogramm pro Kopf hierzulande konsumiert. Etwa 590'000 Hektar Wald müssen jedes Jahr gerodet werden, um diese Massen zu produzieren – eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland. >>Wir verbrauchen mehr Papier als Afrika und Südamerika zusammen<< … Nicht einmal jedes zweite benutzte Blatt sei Recyclingpapier. … Deutschland importiert Papier und Zellstoff aus insgesamt 130 Ländern. Die dort vernichteten Waldbestände werden nicht selten durch schnell wachsende Monokultur-Plantagen … ersetzt.“[33] „6,5 Millionen Bäume sind laut Londoner >>Times<< für die weltweite Verbreitung der bisherigen fünf Harry-Potter-Bände gefällt worden.“[34]

 

- Solange die Menschen in ihren Protesten gegen private Bereicherung allein von ihrer sozialen Lage ausgehen, bleibt die mögliche Bereicherung zulasten der Natur. Sie ist es, die letztlich jene von Aristoteles genannte scheinbar nicht vorhandene Grenze möglicher weltweiter Bereicherung setzt!

 

- Die entscheidende ökonomische Form der Bereicherung ist die an den Wertbildungsprozess gebundene Ausbeutung von Menschen im Rahmen wirtschaftender Einheiten. Nichtökonomische Formen der Bereicherung sind nicht oder nur bedingt an den Wertbildungsprozess gebunden.

 

- Nichtökonomische Bereicherung kann zur Basis ökonomischer Bereicherung ausgedehnt werden und umgekehrt. Was Karl Marx unter der „sogenannten ursprünglichen Akkumulation“ als „[Ausgangspunkt] der kapitalistischen Produktionsweise“ ausführlich beschrieb, waren Prozesse und Beispiele vor allem nichtökonomischer Bereicherung.[35] [36] „Die Gewalt“ war „selbst ... eine ökonomische Potenz“ geworden![37]

 

- Karl Marx schrieb im „Kapital“, Bd. 1, zur Bereicherungsproblematik: „Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst durch ihre verschiedne Zirkulationsform. Die unmittelbare Form der Warenzirkulation ist W-G-W, Verwandlung von Ware in Geld und Rückverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen. Neben dieser Form finden wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedne vor, die Form G-W-G, Verwandlung von Geld in Ware und Rückverwandlung in Geld, kaufen, um zu verkaufen. Geld, das in seiner Bewegung diese letztre Zirkulation beschreibt, verwandelt sich in Kapital, wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach Kapital.“[38] (…) „Die einfache Warenproduktion – der Verkauf für den Kauf – dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos.“[39] (…) Als „Verwertung des Werts“ ist Kapital „wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums“. „Der Gebrauchswert ist … nie als unmittelbarer Zweck des Kapitalisten zu behandeln. Auch nicht der einzelne Gewinn, sondern nur die rastlose Bewegung des Gewinnens. Dieser absolute Bereicherungstrieb“ schließt „die rastlose Vermehrung des Werts“ ein.[40]

 

- Und weiter: „Von Tag zu Tag wird somit klarer, … daß in denselben Verhältnissen, in denen der Reichtum produziert wird, auch das Elend produziert wird; … daß diese Verhältnisse den bürgerlichen Reichtum … nur erzeugen unter fortgesetzter Vernichtung des Reichtums einzelner Glieder dieser Klasse und unter Schaffung eines stets wachsenden Proletariats.“[41]

 

These zur kolonialen Bereicherung: Nach Beginn der Neuzeit wurde von westeuropäischen Staaten eine Strategie der kolonialen Bereicherung eingeleitet und realisiert. Sie implizierte die Ausdehnung der Ideologie, den erweiterten Besitz- und Machtanspruch, Fremdausbeutung und die Übertragung der ökonomischen Systeme. Die Kolonialisierung ermöglichte das Akkumulieren größerer Mengen von Edelmetallen als Voraussetzung zur Schaffung eines europäischen Wirtschaftssystems und zur Kapitalisierung. Das gewaltsame Aneignen des erarbeiteten und des natürlichen Reichtums fremder Kulturen sowie die Fremdausbeutung wurden zu einer entscheidenden Basis für den heutigen privaten, gesellschaftlichen und nationalen Reichtum der industrialisierten Länder Europas und Nordamerikas.

 

Anmerkungen:

- Die ersten Anfänge aggressiver Bereicherungsbestrebungen der vom Papsttum beherrschten europäischen Handelsvölker gehen bis in die Zeit der Kreuzzüge zurück. Unter dem Schlachtruf „Gott will es“ wurden im Jahre 1099 beim „Kreuzzug des Adels“ die „Heilige Stadt“ Jerusalem von „Juden und Mohammedanern [gesäubert]“ und „innerhalb von drei Tagen nach Schätzungen 40’000 bis 70'000“ Menschen umgebracht. Doch es gab einen „wirtschaftspolitischen Hintergrund“ für den Aufruf von Papst Urban II. aus dem Jahre 1095 zum ersten Kreuzzug gegen die „Ungläubigen“ im „Heiligen Land“. „Die handelstüchtigen Mohammedaner hatten bereits vor dem ersten Kreuzzug ihren Seehandel bis nach Spanien hineingetragen und von dort aus einen regelrechten Handelskrieg gegen die aufstrebende Wirtschaftsmacht der … italienischen Umschlaghäfen angefangen.“ Im Ergebnis der Kreuzzüge entstand für „200 Jahre … für die westliche Christenheit ein Brückenkopf im Osten“, der den „italienischen Seehandelsstädten Venedig, Genua und Pisa“ im Gewürzhandel riesige Gewinne brachte. Sie sorgten zugleich auch „für den Nachschub“ für den Brückenkopf.[42] 

 

- Die ab 1537 bis 1888 betriebene Ausplünderung des mexikanischen Bergsilbers soll „mehr als drei Milliarden mexikanische Pesos“ in Talergröße erbracht haben. Sie wurden „nach 1535 … in 11 Münzstätten … hergestellt“. Dies ermöglichte ab 1548 die Einführung der allgemeinen europäischen Geldwirtschaft. „In ganz Amerika wurde der Peso zur Hauptwährung, in Nordamerika … Vorbild des USA-Dollars“.[43]

 

- Der bereits ab 1507 von Kaiser Karl V. legalisierte „Sklavenhandel nach Spanisch-Westindien“, an dem sich auch das westeuropäische Großbürgertum beteiligte[44], entwickelte sich zur brutalsten Bereicherungsform der Neuzeit. Bis zum Jahre 1888 wurden rund 15 Millionen afrikanische Sklaven nach Amerika deportiert, wobei etwa 10 Millionen Afrikaner auf dem Transport starben. Es war die größte Zwangsdeportation in der Geschichte. Im so genannten Dreieckhandel brachte sie „Gewinne“ von 800 Prozent ein![45] [46]

 

- Zur nichtökonomischen Bereicherung mittels der „Englisch-Ostindischen Kompanie“ äußerte sich Karl Marx: „Große Vermögen sprangen wie die Pilze an einem Tage auf, die ursprüngliche Akkumulation ging vonstatten ohne Vorschuß eines Schillings.“[47]

 

- Unter dem Vorwand der Christianisierung wurde die Religion als Ideologie zur Rechtfertigung der Inbesitznahme fremder Länder missbraucht. Den überfallenen Völkern nahmen die Eroberer so viel von ihrem Eigentum und Besitz, dass sie in ökonomische Abhängigkeit gerieten. Der Inbesitznahme folgten zur Sicherung, Festigung und Ausdehnung der Macht die Schaffung von Militärstützpunkten und das Einsetzen von Vizekönigen oder Gouverneuren. Um die eroberten Länder nach deren Ausplünderung als Standorte zur Bereicherung durch Ausbeutung weiterhin nutzen zu können, setzten die kolonialen Mächte nach dem „Verbrauch“ der einheimischen Bevölkerung Millionen versklavter Afrikaner insbesondere zur Arbeit in der Landwirtschaft ein. Schließlich erließen die Kolonialherren nach dem Vorbild der „Mutterländer“ im Kampf gegen das bestehende ökonomische System[48] Gesetze und Verordnungen und führten Währungen ein, die die neuen Besitz- und Machtverhältnisse dauerhaft als Mittel fortwährender privater und nationaler Bereicherung sichern sollten.

 

These zur Entstehung der Dominanz des Privaten in der Entwicklung der Bürgerstädte: Trotz ursprünglicher Dominanz des Gemeinschaftlichen trugen die mittelalterlichen bürgerlichen Städte von Anfang an den Keim zur möglichen Dominanz des Privaten in sich. In dem Maße, wie das städtische Bürgertum wirtschaftlich erstarkte und die Stadtmauern gegenüber der Waffentechnik immer weniger Schutz boten, bestimmten die privaten Interessen des Bürgertums immer stärker die extensive bauliche Entwicklung ihrer Städte.

 

Anmerkungen:

- Den Keim der Dominanz des Privaten in den Bürgerstädten des Mittelalters bildeten das wohlhabende städtische Bürgertum, das die Umbauung der attraktiven Märkte geschaffen hatte, sowie die an den Hauptstraßen ansässigen Kaufleute und Handwerker. Ein Teil der Gewerbetreibenden errichtete später innerhalb der Stadtmauern Manufakturen. Nachdem die Stadtmauern ihre Bedeutung verloren hatten, entstanden private Industrieanlagen, privater Massenwohnungsbau, Siedlungshäuser und Villenviertel außerhalb der bisherigen klaren Stadtbegrenzungen.

 

- Heute äußert sich in den reichen Ländern die städtische Dominanz des Privaten in zentralisierten Bankenviertel, Industriezentren, Handelszentren, Konsumtempeln, in der Zersiedelung und in den entsprechend erforderlichen technischen und Verkehrsnetzen; in den armen Ländern finden sich hingegen bauliche Extreme in Form privat abgeschotteter Stadtteile der Reichen auf der einen und vielen Slums in den urbanen Ballungsräumen auf der anderen Seite.

 

These zum Haushaltsprinzip: Das Haushaltsprinzip war das entscheidende ökonomische Arbeitsmittel zur Verwaltung einer Bürgerstadt. Im Interesse aller Stadtbewohner diente es vor allem dem rationellen Einsatz der Mittel aus den Steuern und Zöllen zur Entwicklung und Erhaltung der Stadt als Ganzes. Mit zunehmender Dominanz privater ökonomischer Interessen wurden immer mehr Mittel aus den städtischen und später aus den Staatshaushalten zur Realisierung privater Zielstellungen innerhalb und außerhalb der Stadt und des Landes sowie zum Ausgleich von Fehlwirkungen der Marktwirtschaft verwandt.

 

Anmerkungen:

- Es ist zu unterscheiden zwischen den Quellen und dem Einsatz der Mittel. Das Ergebnis im Sinne der rationellen Befriedigung gesamtstädtischer Bedürfnisse lässt sich am Ergebnis erkennen: an der Art und der Qualität der geschaffenen gemeinsam benötigten Bauwerke.

 

- Die Wandlung des Einsatzes der ursprünglich für gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Zwecke verfügbaren Haushaltsmittel zur immer stärkeren Unterstützung privater Interessen und zum Ausgleich ihrer Fehlwirkungen ist ein Beispiel der sich verstärkenden Dominanz des Privaten allgemein.

 

These zur kapitalistischen Industrialisierung: Die Industrialisierung unter Nutzung von akkumuliertem Kapital erforderte Nutzflächen außerhalb der Stadtmauern. Sie ging einher mit der Proletarisierung sowohl von städtischer Bevölkerung als auch der von ihrem Grund und Boden verjagten Kleinbauern. Im globalen Rahmen war sie verbunden mit der Schaffung von Kolonien durch die Unterwerfung fremder Länder und mit der Versklavung fremder Völker.  

 

Anmerkungen:

- „Man sah: die Expropriation der Volksmasse von Grund und Boden bildet die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise.“[49] Die in Europa entstandene „relative Übervölkerung und industrielle Reservearmee“[50] war nach massenhafter Auswanderung zugleich das Ausbeutungspotential für die Industrialisierung Nordamerikas.

 

- „Die direkte Sklaverei ist der Angelpunkt der bürgerlichen Industrie … Ohne Sklaverei keine Baumwolle; ohne Baumwolle keine moderne Industrie. Nur die Sklaverei hat den Kolonien ihren Wert gegeben; die Kolonien haben den Welthandel geschaffen; und der Welthandel ist die Bedingung der Großindustrie. So ist die Sklaverei eine ökonomische Kategorie von der höchsten Wichtigkeit.“[51]

 

 

These zur Zersiedelung: Das Aufgeben der baulichen und territorialen Begrenzungen der Bürgerstädte, das Zersiedeln der städtischen Umgebung und das Entstehen von Agglomerationen war vor allem das Ergebnis der zunehmenden territorialen Dominanz privater Verwertungsinteressen im Zuge der Industrialisierung. Der Prozess ging einher mit dem Bau von Mietskasernen für die räumlich entwurzelte proletarisierte Bevölkerung und ihrem Anwachsen infolge fehlender sozialer Absicherung.

 

Anmerkungen:

- Das Durchbrechen der traditionellen Stadtstrukturen vieler Bürgerstädte ergab sich aus einem komplexen Entwicklungsprozess, der jedoch von den privaten Bereicherungsinteressen des städtischen Großbürgertums dominiert wurde. Das Großbürgertum begann, die eigenen wirtschaftlichen Interessen über die gemeinschaftlichen Interessen der anderen Stadtbewohner zu stellen.

 

- Die Voraussetzungen für diese Entwicklung ergaben sich erstens dadurch, dass das Großbürgertum, aber auch Teile des Feudaladels, ausreichend Werte für Großinvestitionen angesammelt hatten, für die es innerhalb der Städte keine Verwertungsmöglichkeit gab. Zweitens waren durch den Fortschritt der Waffentechnik die Stadtmauern weitgehend überflüssig geworden. Drittens ermöglichte und erforderte der wissenschaftlich-technische Fortschritt Großinvestitionen. Viertens waren durch das Bauernlegen und aus der gewachsenen städtischen Bevölkerung hinreichend viele Arbeitskräfte als Lohnarbeiter für die industrielle Produktion außerhalb der bisherigen Stadtmauern verfügbar.

 

- Die Zersiedelung begann an jenen Standorten, die über die besten Verwertungsbedingungen verfügten, vor allem in der Nähe der Kohle- und Eisenerzlagerstätten sowie im Bereich der Überseehäfen zur Verarbeitung der importierten Rohstoffe und Halbfabrikate. Zur Ansiedelung von Lohnarbeitern wurden in großem Umfange Mietskasernen errichtet.

 

- Die Erfindung der Dampfmaschine revolutionierte das Transportwesen und führte zur Schaffung erster Schienennetze.

 

- Die extreme Ausbeutung erzeugte ein bisher nicht gekanntes Bevölkerungswachstum bei der proletarisierten Bevölkerung. Obgleich die lohnabhängigen Arbeiter ihre Familien kaum hinreichend versorgen und ernähren konnten, blieben als soziale Absicherung bei Krankheit, Invalidität und im Alter nur die eigenen Familienangehörigen, insbesondere die eigenen Kinder. Zudem unterstützte die hohe Kindersterblichkeit die Einstellung, mehr Kinder zu zeugen.

 

- Nach der Erfindung des Diesel- und Benzinmotors verbesserten sich die Transportmöglichkeiten auf den Straßen außerordentlich, was – zusammen mit den Schienennetzen – zur verstärkten Vernetzung und Landschaftszerstörung der industrialisierten Länder führte.

 

- Der Ausweitung der Verkehrsnetze folgte das Errichten von privaten Wohngebäuden, von Wohngebieten, von weiteren Industriebauten sowie von Handels- und Gewerbeeinrichtungen außerhalb der bisherigen Stadtbegrenzungen. Das Ergebnis war die weitgehend unbegrenzte Inanspruchnahme der umgebenden Natur, über die sich der Mensch entsprechend seinen privaten und persönlichen Interessen vom Besitzer zum Eigentümer erhob.

 

 

These zur effektiven Baugrundnutzung: Auch das Entstehen der mehr- und vielgeschossigen Bebauung war vor allem das Ergebnis privater Verwertungs- und Bereicherungsinteressen.

 

Anmerkung: Attraktive erschlossene städtische Standorte, deren Nutzung aus der Sicht vieler privater Interessenten hohe Gewinne versprachen, erzielten infolge des Konkurrenzverhaltens unter kapitalistischen Bedingungen hohe Bodenpreise. Die Gewinne kamen dadurch zustande, indem die Nutzfläche, die dem gekauften Boden entsprach, durch den Bau adäquater unter- und oberirdischer Geschossflächen vervielfacht, selbst genutzt oder vermietet wurde.

 

 

These zur Globalisierung: Die Globalisierung ist der Prozess der fortschreitenden Privatisierung und Verwertung der natürlichen und der nationalen Reichtümer der Erde. Nationaler Besitz wird schrittweise in Privatbesitz überführt. Die Globalisierung geht einher mit der Internationalisierung der Ausbeutung fremder Völker. Weil die Profite dieses Bereicherungs- und Verarmungsprozesses privatisiert und die Fehlwirkungen „sozialisiert“ werden, kommt es zur staatlichen Verschuldung selbst der „reichsten“ Länder. Im Ergebnis ist die Globalisierung Bereicherung heutiger Gesellschaften zulasten künftiger Generationen durch die Verarmung, Belastung und Zerstörung der natürlichen irdischen Lebensgrundlagen.

 

Anmerkungen:

- Für den Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, „ist Globalisierung zum Stichwort für den totalen Weltmarkt eines schrankenlosen Kapitalismus geworden“. Es gehe um eine „tendenziell vollständige Entgrenzung der Wirtschaftsprozesse“. „Globalisierung ist zum Albtraum einer Ökonomie geworden, die sich durch keine öffentlichen, sozialen und ökologischen Werte und Ziele mehr einbinden lässt.“[52]

 

- Oskar Lafontaine schlug am 14. Januar 2006 auf der XI. internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin vor, das „Wort … Globalisierung … durch das Wort Kapitalismus [zu ersetzen] … Wenn man das nämlich macht, … dann stellt man fest, dass der Kontext wieder stimmt. Es wird dann deutlich, dass ein solches System auf Expansion drängt, dass es grenzüberschreitend ist …, was allgemein als negative Begleiterscheinung der Globalisierung von uns und von vielen anderen beklagt wird.“[53]

 

- Zur Globalisierung gehören die Verlagerung der Produktion in Billiglohn-Länder bei bewusster Nutzung unzureichender nationaler „Umweltstandards“, die Ausplünderung der Natur im globalen Rahmen, das Provozieren kriegerischer Handlungen zur Sicherung der weltweiten politischen und privatökonomischen Dominanz unter Inkaufnahme von Belastungen und Zerstörungen territorialer Lebensgrundlagen, das Übertragen der die Natur belastenden Konsumtionsweise auf die Länder der Dritten Welt als Absatzmärkte, das Hintergehen von Steuerzahlungen trotz verschuldeter nationaler Arbeitslosigkeit und unkontrollierte internationale Finanzspekulationen.

 

- Waren es vordem Konzerne und Banken auf nationaler Ebene, die durch internationale Aktivitäten zur Bereicherung ihrer Nationen beitrugen, so haben heute die Kapitalvereinigungen multinationalen Charakter. Sie agieren weltumspannend und dominieren das Nationale über die Ländergrenzen hinweg und innerhalb der Länder!

 

 

4.2. Zur Entwicklung der neuzeitlichen ökonomischen Wissenschaften

 

These zu den bürgerlichen ökonomischen Wissenschaften: Die Nationalökonomie, die (bürgerliche) politische Ökonomie und die heutigen Wirtschaftswissenschaften sind Bereicherungswissenschaften, die von der Akzeptanz privaten Reichtums ausgehen und mit ihren Theorien und Methoden private, nationale und gesellschaftliche Bereicherung über Jahrhunderte mit wissenschaftlichen Methoden untersuchten und förderten. Sie sollten zusammengefasst als Disziplinen der Privatökonomie bezeichnet werden.

 

Anmerkungen:

- In den „Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie“ wertet Friedrich Engels die „Nationalökonomie“ als „ein ausgebildetes System des erlaubten Betrugs“ und als „eine komplette Bereicherungswissenschaft.“ Er wendet sich gegen die Ausdrücke „Nationalökonomie, politische, öffentliche Ökonomie. Die Wissenschaft sollte unter den jetzigen Verhältnissen Privatökonomie heißen, denn ihre öffentlichen Beziehungen sind nur um des Privateigentums willen da.“[54]

 

- Im „Anti-Dührung“ gibt Friedrich Engels eine verallgemeinerte Definition der politischen Ökonomie. Sie sei „im weitesten Sinne … die Wissenschaft von den Gesetzen, welche die Produktion und den Austausch des materiellen Lebensunterhalts in der menschlichen Gesellschaft beherrschen.“ Zugleich bezeichnet er sie als „eine historische Wissenschaft“[55]. Doch Engels schränkt seine Aussage zur politischen Ökonomie an anderer Stelle selbst ein. Wie „sie geschichtlich aufgetreten“, ist sie „in der Tat nichts anderes … als die wissenschaftliche Einsicht in die Ökonomie der kapitalistischen Produktionsperiode“[56]. Letztlich kommt er zur Aussage: „Die politische Ökonomie als Wissenschaft … in dieser Ausdehnung soll jedoch erst geschaffen werden.“[57]

 

- Auch die politische Ökonomie des Sozialismus wurde aus der historisch überkommenen (als Bereicherungswissenschaft gekennzeichneten) politischen Ökonomie abgeleitet. Deshalb bedarf auch sie einer kritischen Überprüfung und einer neuen historischen Einordnung.

 

 

These zu den Gesellschaftsökonomien: Gesellschaftsökonomien[58] dienen der rationellen Befriedigung von gesellschaftlich akzeptierten Bedürfnissen und der rationellen Wahrung privater Interessen innerhalb von Gesellschaften, in denen sich Privateigentum, Privatbesitz und privates Bereicherungsstreben entwickeln. Die Ergebnisse von Gesellschaftsökonomien werden an den geschaffenen und nutzbaren Gebrauchswerten sowie an den erzielten und nutzbaren Leistungen gemessen, also am Zuwachs bzw. am Verlust an gesellschaftlichem Reichtum.

 

Anmerkungen

- Menschen, die in einem abgegrenzten Siedlungsgebiet unter unterschiedlichen Eigentums- und Besitzverhältnissen leben, bilden eine Gesellschaft, wenn das Gebiet eine ökonomisch und politisch eigenständige territoriale Einheit darstellt. Die territoriale Einheit kann etwa eine Stadt, ein Land, ein Staat oder ein Zusammenschluss von Ländern bzw. Staaten sein. Maßgeblich dafür, ob für die Gesamtheit der Menschen von einer Gesellschaft im Unterschied zu einer Gemeinschaft gesprochen werden kann, sind die unterschiedlichen Eigentums- und Besitzverhältnisse. Gemeinschaften können zu Gesellschaften gehören.

 

- Gesellschaftlicher Reichtum entstand im Rahmen der Entwicklung von Gesellschaften über Jahrhunderte. Zum Reichtum einer Gesellschaft gehören auch der gesellschaftliche, private und persönliche Besitz sowie der Besitz von Gemeinschaften an Natur innerhalb der territorialen Grenzen.

 

- Die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaftsökonomien hatte ihren Ausgangspunkt im Prozess des Übergangs von Gemeinschaften zu Gesellschaften in den Bürgerstädten, als die privaten Interessen der reichen Stadtbürger die Gesamtinteressen der städtischen Gemeinschaft immer stärker dominierten.

 

- Eine Gesellschaftsökonomie geht sowohl von (gesellschaftlich prinzipiell akzeptierten) persönlichen, gemeinschaftlichen (familiären) und gemeinsamen Bedürfnissen als auch von privaten und gesellschaftlichen Interessen aus. Deren mögliche Befriedigung bzw. deren mögliche Wahrung wird auf dem Markt oder von den Repräsentanten der Gesellschaften entschieden. Mit der Zunahme privaten Reichtums und der Verschuldung von Gesellschaften an private Geldgeber wuchs auch der private Einfluss auf gesellschaftliche Entscheidungen zum privaten Vorteil – auch gegen gesellschaftliche und gemeinschaftliche Interessen.

 

- Im Sinne der Suche nach Wegen zur rationellen Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse und der rationellen Wahrnehmung privater Interessen haben die Stadtökonomie, die Territorialökonomie und die Nationalökonomie als Gesellschaftsökonomien und bürgerliche Wissenschaften ihre objektive Berechtigung.

 

- Unter Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips dient die Wirtschaft einer Gesellschaft einerseits der rationellen Produktion und Reproduktion von Gebrauchswerten, anderseits der Mehrung privaten, gesellschaftlichen und nationalen Reichtums. Die Mehrung privaten Reichtums rückte jedoch – auch durch Übernahme öffentlicher Aufträge und bei starkem Überziehen der vereinbarten Mittel – immer mehr in den Vordergrund.

 

- Die Gesellschaftsökonomien und die Wirtschaftswissenschaften, einschließlich der (bürgerlichen) Volkswirtschafts- und der Betriebswirtschaftslehre, sind die beiden Zweige der Privatökonomie als Wissenschaft.

 

- Die (bürgerliche) politische Ökonomie befasste sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Gesellschaftsökonomien und der Wirtschaftswissenschaften.

 

- Durch das Erheben von Steuern und Zöllen hat eine Gesellschaft die Möglichkeit, auch Bedürfnisse zu befriedigen und privaten Interessen zu entsprechen, die marktwirtschaftlich nicht relevant sind. Das Anwachsen privaten Reichtums und die zunehmende Verschuldung der Gesellschaften an private Geldgeber schränken jedoch diese Möglichkeiten immer mehr ein. Dies führt auch zum Zurückdrängen der Gesellschaftsökonomien selbst.

 

- Hinter dem Zurückdrängen der Begriffe und Inhalte der Gesellschaftsökonomien verbirgt sich, dass das Wirtschaften immer mehr zum Selbstzweck wurde, dass nicht die Ergebnisse aus der Produktion und die nichtmateriellen Leistungen im Vordergrund stehen, sondern jenes in Wertform dargestellte „Wirtschaftswachstum“.

 

These zur Ökonomie als Wissenschaft: Der Gegenstand der Ökonomie als Wissenschaft ist für alle Lebensformen zuallererst die rationelle Befriedigung ihrer für das Leben und Überleben wichtigen Bedürfnisse innerhalb ihres jeweiligen Lebenssystems. Rationelle Befriedigung von Bedürfnissen ist die grundlegende Form allen bewussten und unbewussten ökonomischen Verhaltens. Ihren Erfordernissen kann je nach Lebensform individuell, gemeinschaftlich oder gesellschaftlich entsprochen werden. Arbeitsgegenstand der Ökonomie sind darüber hinaus alle höheren Formen ökonomischen Verhaltens und Fehlverhaltens. Sie entstanden unbewusst im Verlaufe der natürlichen Entwicklung oder bewusst im Verlaufe der Entwicklung menschlicher Gemeinschaften und Gesellschaften in Abhängigkeit von den jeweiligen Eigentums- und Besitzverhältnissen.

 

Anmerkungen:

- Die Ökonomie als Wissenschaft ordnet sowohl die Disziplinen der Privatökonomie, der sozialistisch geprägten ökonomischen Disziplinen als auch die Gemeinschaftsökonomie in sich ein, ohne sich mit den Ergebnissen jeder dieser Disziplinen zu identifizieren. Sie erklärt, inwiefern diese Disziplinen mit ihren Theorien und Lehren in der Lage waren und sind, dem Anspruch nach rationeller Befriedigung insbesondere der Grundbedürfnisse aller Lebensformen in den jeweiligen Lebenssysteme zu entsprechen.

 

- Indem sie das Entstehen, den Gegenstand und die Ergebnisse der einzelnen ökonomischen Disziplinen aus der Sicht der rationellen Bedürfnisbefriedigung im Gesamtzusammenhang untersucht, wertet und einordnet, ist die Ökonomie eine historische Wissenschaft.

 

- Die Privatökonomien gehen als wissenschaftliche Disziplinen von der Akzeptanz des Privateigentums, des Privatbesitzes sowie privater Gewinn- und Profitinteressen als notwendige Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklung aus. Weil die vielen unterschiedlichen privaten Interessen weder ausreichend erkannt noch in ihren Wirkungen und Fehlwirkungen beherrscht werden können, sind Privatökonomien nur bedingt in der Lage, Vorschläge zur Verhinderung von Überproduktion zu unterbreiten. Gebrauchswerte im benötigten Umfange und der erforderlichen Qualität zu erzeugen und über längere Zeit im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung bereitzuhalten, stellt ein eigenständiges ökonomisches Problem dar.

 

- Die gegebene und akzeptierte Dominanz privater Gewinninteressen führt auch zur Unfähigkeit der privatökonomischen Disziplinen, Maßnahmen zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit und zur Verteilung der Arbeit auf alle Arbeitsfähigen vorzuschlagen, obgleich Produktivitätssteigerungen prinzipiell die allgemeine Senkung der Arbeitszeiten ermöglichen. Die weltweite Arbeitslosigkeit, die Hunderte Millionen Menschen betrifft, ist im ökonomischen Sinne nicht nur die ungeheuerlichste Verschwendung an Arbeitskraft; sie behindert darüber hinaus die geistige Entwicklung dieser Menschen und ihrer Angehörigen. Was die Religionen als „Krone der Schöpfung“ bezeichnen, bleibt in ihren schöpferischen Fähigkeiten millionenfach ungenutzt!

 

- Das unzureichende Beherrschen der Überangebotsproblematik, das unter kapitalistischen Bedingungen immer wieder Wirtschaftskrisen auslöste, und die damit verbundene Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen führte die Theoretiker der politischen Ökonomie des Sozialismus zur staatlichen Planung der Art und des Umfangs der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen sowie zum Planen der Ausbildung und des Einsatzes der Arbeitskräfte. Im Ergebnis entstand die Planwirtschaft. Doch nicht das Planen erwies sich im Nachhinein als problematisch, sondern das (unter Konkurrenzbedingungen von außen erzwungene) Wirtschaften selbst, aber auch das nicht notwendige Übertragen des Wirtschaftlichkeitsdenkens auf Bereiche, wie dem Wohnungsbau und dem Städtebau, die kapitalistischer Konkurrenz nicht unmittelbar unterlagen. Nicht die Planung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung wurde zum Primat erhoben, sondern die Volkswirtschaftsplanung! Städtebau und Wohnungsbau sollten sich mit ihren Zielen zur gesellschaftlichen Bedürfnisbefriedigung in das Mittel, in die „Volkswirtschaft“; einordnen – weitgehend unabhängig vom Umfang und der Qualität des vorhandenen Bestandes! Es ging z. B. primär um die Suche nach „wirtschaftlichen Standorten“ des komplexen Wohnungsbaus und nicht vor allem um die rationelle Erhaltung und verbesserte Ausstattung der verfügbaren Bausubstanz! Folgen dieser Denkweise waren die Fortsetzung der unter kapitalistischen Bedingungen begonnenen Zersiedelung der städtischen Umgebung und das Negieren ökologischer Probleme. Im Ergebnis war auch die politische Ökonomie des Sozialismus in ihrer historischen Ausprägung durch die einseitige Ausrichtung auf die Lösung der sozialen Frage nicht in der Lage, der Menschheit einen vorgezeichneten Weg in eine gesunde Lebenswelt zu weisen.

 

- Ökonomie im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung verhilft im Verlaufe der historischen Entwicklung mit sinkendem Aufwand für die Befriedigung der Grundbedürfnisse nicht nur zur Möglichkeit, andere (gemeinschaftlich anerkannte) Bedürfnisse zu befriedigen, sondern auch die frei werdende Arbeitszeit auf andere Weise kreativ zu nutzen: „Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbestimmung natürlich wesentlich. Je weniger Zeit die Gesellschaft bedarf, um Weizen, Vieh etc. zu produzieren, desto mehr Zeit gewinnt sie zu andrer Produktion, materieller oder geistiger. Wie beim einzelnen Individuum, hängt die Allseitigkeit ihrer Entwicklung, ihres Genusses und ihrer Entwicklung von Zeitersparung ab.“[59] Doch genau diesen Zusammenhang verletzen die Lehren der Privatökonomie, indem die Möglichkeit drastischer Senkung der Arbeitszeiten aus der Diskussion ausgeschlossen wird. Während der eine Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung durch lange Arbeitszeiten, hohe Arbeitsintensität, Überstunden und lange Arbeitswege an geistiger Entwicklung gehindert wird, sind Arbeitslose und deren Angehörige durch Ausgrenzung, unzureichende Mittel und Depressivität verurteilt dahinzuvegetieren.

 

- Den privatökonomischen Disziplinen ist es aus ihrer eingeschränkten Sicht gleichfalls unmöglich, die primär aus den privaten Gewinninteressen resultierenden, tendenziell zunehmenden Belastungen unserer Lebenswelt verhindern zu helfen. Vorrang hat für sie nicht der Berg an abzutragenden Schulden gegenüber der Natur, sondern das Begleichen von Schulden an Banken und private Geldgeber, also die Sicherung der weiteren Bereicherung der Reichen und Vermögenden! Damit fehlen diesen privatwissenschaftlichen Disziplinen die Voraussetzungen, Vorschläge für die berechtigten Erwartungen der Menschen auf Befriedigung wesentlicher Grundbedürfnisse überhaupt zu erarbeiten. Unter diesen Prämissen kann von ihnen auch dem Überlebensbedürfnis unserer Menschheit nicht entsprochen werden!

 

- Die bisherige Kennzeichnung ökonomischer Wissenschaften als politische Wissenschaften, als politische Ökonomien, entsprach den Interessen der jeweils ökonomisch bzw. politisch herrschenden Klasse und Kräfte. Diese Kennzeichnung entfällt, wenn der Gegenstand der Ökonomie alles Leben, alle Gemeinschaften und alle Gesellschaften umfasst.

 

 

4.3.   Zur fragwürdigen Dominanz des Wirtschaftlichen

 

These zum Wirtschaftlichkeitsprinzip: Privatökonomie äußert sich heute vor allem in der Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips. Es impliziert ein verengtes, zumindest egozentrisch dominiertes ökonomisches Denken, weil es die Fehlwirkungen der Produktion und der Nutzung der produzierten Gebrauchswerte sowie die Nichtbefriedigung von Bedürfnissen, die marktwirtschaftlich nicht relevant sind, weltweit außer Acht lässt. Vielfach erfolgt das Wirtschaften sogar zulasten der Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse. Seine Anwendung führt deshalb tendenziell zu immer stärkeren Zerstörungen und Belastungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das verengte ökonomische Denken resultiert aus der Haltung der wirtschaftenden Unternehmen, die Befriedigung von Bedürfnissen lediglich als Mittel zur Gewinnmaximierung zu betrachten, wobei im Rahmen der Gegenüberstellung von Aufwand und Ergebnis versucht wird, die gesamten aufgewandten Kosten möglichst gering zu halten, für die gesamten Erzeugnisse aber einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Mit dem Entstehen der Finanzwirtschaft ging dieser Bezug weitgehend verloren. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip mutierte zur Erzielung maximalen Profits zum reinen Bereicherungsprinzip.

 

Anmerkungen:

- Die Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips bedeutet, dass die eingesetzten Mittel als Kapital und damit vorrangig zum Anstreben von Gewinnen verwandt werden.  Infolge der Beschränkung auf Waren und Dienstleistungen wird weder von allen Grundbedürfnissen noch vom erreichten Stand in der Befriedigung der marktwirtschaftlich relevanten Bedürfnisse ausgegangen. Durch die ungleiche Verteilung des erarbeiteten, erwirtschafteten und privat angeeigneten Reichtums schafft die Marktwirtschaft Überfluss an den Standorten der Nachfrage, lässt selbst neue Märkte entstehen und ignoriert den Mangel an Standorten unzureichender Nachfrage. Der Überfluss an Waren in den reichen Ländern erscheint als weltweite Überproduktion und als Ergebnis der Leistungen in den „reichen“ Ländern. Er resultiert jedoch in hohem Maße aus der Ausbeutung in der Dritten Welt, aus der weltweiten Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und der extremen Belastung unserer Lebenswelt.

 

- Die Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips birgt von vornherein in mehrfacher Hinsicht die Möglichkeit des Missbrauchs in sich, etwa indem zur Kostensenkung die Löhne extrem niedrig gehalten, Steuern „gespart“, natürliche „Ressourcen“ kostengünstig geplündert sowie Abfälle und Gifte in die Natur unbearbeitet „entsorgt“[60] oder indem zum Erzielen von Extragewinnen die Preise überhöht werden.

 

- Zunehmende Konkurrenz und die sich immer stärker ausdehnende Geldgier können in allen gesellschaftlichen Bereichen zur Kriminalisierung des wirtschaftlichen Geschehens führen. Die Kreativität eines zunehmenden Anteils von Menschen äußert sich in krimineller Energie. Sie reicht von Bestechung, Betrug, Hinterziehung, Diebstahl, Doping bis zum Menschenhandel und zur Versklavung[61].

 

- Das Wirtschaftlichkeitsprinzip führt nur insoweit zu einer rationelleren Bedürfnisbefriedigung, als es – in isolierter Betrachtung für die jeweiligen Gebrauchswerte – innerhalb und außerhalb des Produktionsprozesses beiträgt, diese rationeller zu produzieren, zu lagern, zu transportieren und zu verteilen.

 

- Um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben, ergibt sich für die privaten „Investoren“ die Notwendigkeit, die erzielten Gewinne wiederum als Kapital einzusetzen. Ist die Verwertung von Kapital eingeschränkt, werden neue Möglichkeiten zum „Anlegen“ der Geldvermögen erschlossen. Dies führte zum Übertragen des Wirtschaftlichkeitsprinzips auf nicht produzierende Bereiche, insbesondere in Form der Gründung von Banken.[62] Auf diese Weise entstand die so genannte Finanzwirtschaft und mit ihr der offizielle Geldverleih sowie die Möglichkeit der unmittelbaren privaten Bereicherung ohne direkte Ausbeutung. Im Bankenwesen  wurde das nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsprinzip zum reinen Bereicherungsprinzip. Der sachliche Zusammenhang zwischen „Aufwand“ und „Ergebnis“ ging verloren! Nichtproduzenten erzielen die höchsten „Gewinne“, die als neue Qualität privater Bereicherung zutreffender als „Profite“ bezeichnet werden, obgleich die Banken die Möglichkeit schufen, sich über den Kauf von Aktien anteilig an Gewinn versprechenden größeren Vorhaben der „Realwirtschaft“ zu beteiligen.

 

- Das massenhafte Anwachsen privater Geldvermögen in den „reichen“ Ländern hat zum weiteren Ausdehnen der Anwendung des Wirtschaftlichkeitsprinzips geführt, insbesondere auf das Gesundheitswesen, auf die Energie- und Wasserversorgung, auf die Abwasserbeseitigung sowie auf den Güter- und Personenverkehr. Die angesammelten privaten Geldvermögen sind inzwischen so riesig und die finanziellen Möglichkeiten selbst der „reichen“ Staaten so weit eingeschränkt, dass in der Bundesrepublik Deutschland eine staatliche und kommunale Verschuldung an die Banken und an die privaten Vermögensbesitzer im Gesamtumfang von mehr als eine Billion Euro entstand.[63] Da zudem die Schulden auch anderer Staaten kaum noch abgetragen werden können, die private Bereicherung über Zinsen und Aktiengewinne im Rahmen der „Finanzwirtschaft“ jedoch weiterhin toleriert wird, sind Staats-, Wirtschafts- und Finanzkrisen letztlich nicht zu vermeiden. Dies belegt die jüngste Weltwirtschaftkrise des Jahres 2009.

 

 

These zum Nationalreichtum und zur nationalen Bereicherung: Das Aneignen, Erwerben und Erarbeiten nationaler Reichtümer war in den „reichen“ westeuropäischen Staaten ein relativ eigenständiger historischer Prozess, der unter Konkurrenzbedingungen in mehreren Etappen verlief und von der Schaffung, Entwicklung sowie Ausdehnung kapitalistischer Eigentums-, Besitz- und Produktionsverhältnisse dominiert wurde. Er schloss innere und äußere (koloniale) nichtökonomische und ökonomische Bereicherung ein. Nationalreichtum entstand unter diesen Bedingungen zunächst vor allem als Gesamtheit privater Reichtümer, die im Prozess der so genannten ursprünglichen Akkumulation angeeignet und über die Versklavung von Millionen Afrikanern sowie durch Ausbeutung im eigenen Land vermehrt wurden. Erst nach Schaffung eines hohen Produktivitätsniveaus, nach jahrzehntelangen Klassenkämpfen, nach Kriegen und in Konfrontation mit dem sozialistischen System wurde ein hoher Anteil der Bevölkerung der „reichen“ Nationen im Rahmen der „sozialen Marktwirtschaft“ an den Ergebnissen „wirtschaftlichen Fortschritts“ stärker beteiligt.

 

Anmerkungen:

- Wenn die Menschen der „reichen“ westeuropäischen Nationen und der „reichen“ Staaten Nordamerikas heute davon ausgehen, sie hätten die Grundlagen ihres Reichtums selbst erarbeitet, dann sollten sie kritisch in ihre eigene Geschichte blicken! Schon Hermann Fürst von Pückler (1785-1871), ein bedeutender Gartengestalter und Schriftsteller, schrieb: „Die Geschichte lehrt uns leider, daß die Nationen, welche am konsequentesten und rücksichtslosesten dem Egoismus gehuldigt haben, bisher stets am besten gediehen sind, ihre Macht am längsten behauptet haben.“[64]

 

- Wenn sich heute die Menschen „reicher“ Länder der Vorzüge der „sozialen Marktwirtschaft“ erinnern, wenn sie sich noch an ihrer sozialen Absicherung und großzügigen Lebensweise erfreuen, dann sollten sie sich fragen, in welch hohem Maße sie auf Kosten der Menschen der Dritten Welt und unserer Lebenswelt lebten und heute noch leben. Das (zeitweilige) „Soziale“ in den „reichen“ Ländern wurde auch durch das weltweit dominant Unsoziale und Unökologische ermöglicht!

 

- Der schottische Nationalökonom Adam Smith befasste sich als erster Wissenschaftler umfassend mit dem „Wesen und den Ursachen des Reichtums der Nationen“.[65] Er ging davon aus, dass sich die „Politische Ökonomie ... mit der Frage“ beschäftigt, „wie man Wohlstand und Reichtum eines Volkes und Staates erhöhen kann“.[66]

 

- Friedrich Engels und Karl Marx setzten sich kritisch mit den Erkenntnissen von Adam Smith auseinander. Engels schrieb: „Der Ausdruck Nationalreichtum ist erst durch Verallgemeinerungssucht der liberalen Ökonomen aufgekommen. Solange das Privateigentum besteht, hat dieser Ausdruck keinen Sinn. Der ‚Nationalreichtum‘ der Engländer ist sehr groß, und doch sind sie das ärmste Volk unter der Sonne. Man lasse entweder den Ausdruck ganz fallen, oder man nehme Voraussetzungen an, die ihm einen Sinn geben.“[67] Marx stellte fest: „Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist – ihre Staatsschuld.“[68]

 

- In den „reichen“ Ländern äußert sich „Reichtum“ in vielen Haushalten in einer großen Anzahl überflüssiger Gegenstände.[69] Karl Marx warnte uns: „Das Privateigentum hat uns so dumm und einseitig gemacht, dass ein Gegenstand erst der unsrige ist, wenn wir ihn haben. … An die Stelle aller  physischen und geistigen Sinne ist daher die einfache Entfremdung aller dieser Sinne, der Sinn des Habens getreten.“ „Mit der Masse der Gegenstände wächst … das Reich der fremden Wesen in uns, denen der Mensch unterjocht ist.“ „Die Aufhebung des Privateigentums ist daher die vollständige Emanzipation aller menschlichen Sinne und Eigenschaften.“[70] Rationelle Bedürfnisbefriedigung in diesem Sinne heißt wohl nicht nur Nichtbesitz des nicht oder nur bedingt Benötigten, sondern auch Nichtproduktion des Überflüssigen!

 

These zum Wachsen oder Schrumpfen der Wirtschaft: Die Frage, ob eine Wirtschaft im Sinne des „nachhaltigen Wirtschaftens“ „wachsen“ darf oder „schrumpfen“ muss, ist eine irreführende Fragestellung. Sie ist an marktwirtschaftliches Denken gebunden, führt auf eine falsche Fährte und verkennt die grundlegende Ursache der ökologischen Krise. Ein starkes „Schrumpfen“ der Wirtschaft kann den ökologischen Kollaps zwar hinauszögern, hebt jedoch die verengte privatökonomische Ausrichtung der Wirtschaft auf marktrelevante Bedürfnisse nicht auf.

 

Anmerkungen:

- Wenn die Frage gestellt wird, auf welche Weise jene Leistungen zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts unter kapitalistischen Bedingungen finanziert werden sollen, die nicht marktwirtschaftlich relevant, die nicht gewinnbringend sind, dann bleibt unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nur eine Antwort: Die benötigten Mittel müssten aus den Gewinnen der Marktwirtschaft abgezweigt werden! Doch wie soll dies zum Erfolg führen, wenn z. B. die Gewinne der Autoindustrie anteilig für Maßnahmen zur Sicherung der „Nachhaltigkeit“ genutzt werden, wenn etwa zur Automobilisierung Chinas Arbeitsplätze geschaffen und hohe Gewinne erzielt werden, um sie hinterher für Maßnahmen zum Klimaschutz anteilig einzusetzen? Was für ein Widersinn! Doch selbst wenn die Produktion der Autoindustrie um 50 % „schrumpft“ und die Fahrzeugnutzung sehr weit eingeschränkt werden kann, schreitet die Klimaerwärmung weiter voran, eben weil sich der Anteil an klimawirksamen Gasen in der Atmosphäre weiter anreichert. Dazu trägt auch in hohem Maße der weltweite Flugverkehr bei. Offensichtlich geht es um eine vollkommen neue weltweit organisierte Verteilung der Arbeit und ihren rationellen Einsatz unabhängig vom Gewinndenken! Das aber ist im Rahmen der Marktwirtschaft nicht möglich! Letztlich stellt sich tatsächlich die Frage, was wir unter ökonomischem Handeln in den nächsten Jahrzehnten verstehen möchten: entweder ab einem bestimmten Zeitpunkt zumindest unsere Grundbedürfnisse auf rationelle Weise zu befriedigen oder weiter gewinnorientiert zu wirtschaften, um den Warenüberfluss so weit zu mehren, bis unsere „Ressourcen“ erschöpft sind und unsere Lebenswelt so weit geschädigt ist, dass die Katastrophe über uns kommt.

 

- Die fragwürdige Denkweise der Wachstumsfetischisten beginnt bereits beim Begriff Wirtschaftswachstum selbst: Wachstum ist prinzipiell an Leben gebunden, an bewusst oder unbewusst lebende sich eigenständig entwickelnde Organismen, an Pflanzen, Tiere und Menschen. „Wirtschaftswachstum“ bedeutet tendenziell eine immer stärkere Zerstörung vor allem von pflanzlichem Leben als Existenzgrundlage allen anderen Lebens. Es ist deshalb eine Beleidigung der Schöpfung in gröbster Form, wenn der Begriff Wirtschaftswachstum als dominanter Ausdruck heutiger gesellschaftlicher Entwicklung mit dem genetisch bedingten Wachstum in Verbindung gebracht wird!

 

- Je mehr die Wirtschaft „wächst“, umso mehr entstehen als Repräsentanten privaten Reichtums neue Arten von „Bäumen“: Gebäude aus Beton, Stahl und Glas, die wir – ob ihres gehorteten Reichtums – ehrfurchtsvoll als Banken bezeichnen. Zutreffender wäre in der Sprache der „wachsenden“ Marktwirtschaft wohl die Bezeichnung „Bereicherungsbäume“. In ihnen wird das Wunder vollbracht, nichts zu produzieren, aber dennoch hohe „Erträge“ abzuwerfen. Sie sind teils weitaus höher als die höchsten Bäume der Erde und bilden in bestimmten Städten regelrechte „Bereicherungswälder“! Ihre Nahrung besteht allein aus Wertsubstanz, die sie aufsaugen, um auf geheimnisvolle Weise in Form von „Erträgen“ die weitere private Bereicherung der Wohlhabenden und Reichen zu ermöglichen. Das Ergebnis erfahren wir tagtäglich in den weltweit verbreiteten Börsennachrichten und empfinden dieses Bereicherungsgeschehen schon fast als normal. Doch eines ist sicher: Je mehr es ertragreiche „Bereicherungsbäume“ gibt, umso mehr verschwinden natürliche Bäume und unsere Wälder!

 

- Was machen wir, wenn es genug „Bereicherungsbäume“ gibt, aber kaum noch Bäume wachsen? Dann freuen wir uns alle, wie reich doch die Menschheit geworden ist, müssen allerdings feststellen, dass uns die vielen neuartigen Bäume nichts Essbares bieten und dass all die angehäufte Wertsubstanz nichts wert ist! Dann sterben auch die Bereicherungsbäume, weil ihre Wertsubstanz von der Inflation aufgefressen wird! Dann haben wir uns zwar die Erde untertan gemacht. Dann gehören uns nicht nur die Produktionsmittel: Wir besitzen fast die gesamte Natur – die allerdings keine mehr ist! Und wir fragen uns: Haben wir die Privatökonomie beherrscht oder diese uns? Vielleicht sehnen wir uns dann nach einer Ökonomie, die nur auf die Gebrauchswerte gerichtet ist! Die Natur macht es uns vor: Sie funktioniert ohne Wertsubstanz, ohne Abfall und ohne Menschen – wenn man sie sich selbst überlässt!

 

These zur Schizophrenie weiteren Wirtschaftswachstums: Die Behauptung, dass unter den heutigen Bedingungen die Wirtschaft in den „reichen“ Ländern weiter „wachsen“ müsse, um Arbeitsplätze schaffen zu können, widerspricht jeglicher Logik und Vernunft.[71]

 

Anmerkungen:

- Das abgehobene Gerede über ein vorgeblich notwendiges „Wirtschaftswachstum“, um wieder Arbeitsplätze schaffen zu können, geht zumindest an drei Fragen vorbei. Erstens müsste beantwortet werden, ob ausgehend von den Bedürfnissen der Menschen und vom bisherigen Angebot der Wirtschaft überhaupt die Notwendigkeit und Möglichkeit besteht, gewinnbringend zu „investieren“. Wo besteht in den „reichen“ Ländern ein Mangel, der über neue Warenproduktion beseitigt werden sollte? Zweitens wird verschwiegen, dass ja die hohe Arbeitslosigkeit vor allem Ergebnis gestiegener Produktivität ist und dass es die Leistungssteigerungen an sich ermöglichen müssten, die Arbeitszeiten stark zu reduzieren und zugleich allen Arbeitslosen Arbeit zu geben. Drittens bleibt unerwähnt, dass es die gestiegene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit an sich ermöglichen müsste, weltweit jene sozialen Grundbedürfnisse verstärkt zu befriedigen und ökologische Maßnahmen einzuleiten, die von vornherein keinen Gewinn versprechen. Gerade das Nichtwirtschaftliche, der „Nonprofit-Sector“, wird heute immer bedeutsamer! Dass dem unzureichend entsprochen wird, resultiert aus den privaten Gewinninteressen.

 

- Dass die Arbeitszeiten nicht drastisch reduziert und nicht alle Menschen beschäftigt werden, ist durch die anteiligen Sozialausgaben der „Arbeitgeber“ für die „Arbeitnehmer“ bedingt. Zwei Beschäftigte mit je 4 Stunden Arbeitszeit erfordern für den jeweiligen „Arbeitgeber“ die doppelten Sozialabgaben gegenüber einem mit 8 Stunden Arbeitszeit. Um den privaten Gewinn nicht zu beschneiden, bleiben folglich – zulasten der Gesellschaft – die langen Arbeitszeiten erhalten. Doch selbst im Falle der vollen Übernahme der sozialen Absicherung der Arbeitslosen durch die Gesellschaft, bleibt die Frage, wie sie es verantworten kann, die Arbeitskraft von Millionen Menschen ungenutzt zu lassen und die Persönlichkeitsentwicklung so vieler Menschen zu behindern! Was für eine „Ökonomie“!

 

- „Wirtschaftswachstum“ bedeutet heute in den „reichen“ Ländern, noch mehr Warenüberfluss, der für viele Menschen in den großen Warenhäusern bereits erdrückend wirkt. Er bedeutet noch mehr Lebensmittel für jene Länder, in denen es schon viel zu viele dicke Menschen gibt. In den „reichen“ Ländern werden viele Menschen krank, weil sie übergewichtig sind; in den armen Ländern erkranken sie infolge von Unterernährung oder verhungern! Doch sowohl der überzogene Lebensmittelverbrauch als auch die notwendige medizinische Versorgung der Übergewichtigen tragen zum „Wirtschaftswachstum“ bei!

 

- „Wirtschaftswachstum“ konzentriert sich in den „reichen“ Ländern sehr stark auf technische Konsumgüter. Es gibt ein Überangebot an Fahrzeugen, an Haushaltstechnik und Elektronik mit bewusst begrenzter Nutzungsdauer. Was soll im Sinne der „Verbraucher“ vorgeblich ökonomisch sein, wenn technische und elektronische Gebrauchswerte relativ früh funktionell oder moralisch verschleißen, um die „Verbraucher“ zu neuem Kauf anzuregen? Die eigene Qualifizierung wird von vielen Jugendlichen und Technikfreaks darin gesehen, neue Technik zum Spielen beherrschen zu lernen! In ihrer geistigen Entwicklung werden sie, ohne dass dies ihnen bewusst wird, vom Markt beherrscht und falsch orientiert!

 

- Auch die enormen Aufwendungen der Wirtschaft, um mittels Werbung ihren Absatz zu sichern und der dafür erforderliche riesige Papierverbrauch gehören zum „Wirtschaftswachstum“! Doch was für eine Vergeudung an geistiger Arbeitskraft und was für eine Schädigung unserer Lebenswelt, wenn für Druckerzeugnisse, die zum größten Teil sofort im Müll landen, Wälder abgeholzt werden!

 

- „Wirtschaftswachstum“ heißt heute in hohem Maße auch Steigerung der Autoproduktion. Doch entgegen seinem Zweck ist das Auto zum größten Verkehrshindernis geworden! Jedem, der ein Auto hat, wäre es recht, wenn weniger Autos auf den Straßen fahren. Nur auf sein eigenes möchte er nicht verzichten! Massenindividualismus! Der Automobilismus ist zu einer der größten Gefahren für die Menschheit geworden. Aber was für eine Vernichtung an Arbeitsplätzen wäre die Aufgabe der Autoproduktion und was für eine Wirtschaftskrise würde dies auslösen! Doch der Menschheit bleibt heute offenbar nur die Wahl zwischen einer weltweiten Wirtschaftskrise oder einer Existenzkrise! Bald werden wir auf (fast) alle Autos und Flugzeuge verzichten müssen, wenn wir überleben wollen – es sei denn, es gelingt der Durchbruch in der Nutzbarmachung der Raumenergie, worauf ich im Abschnitt 6.5. eingehe!

 

- Nicht nur die Autoabgase und die Autoproduktion schaden unserer Lebenswelt, sondern auch die schlichte Existenz der Autos durch ihren Bedarf an Verkehrsflächen und an Freiflächen für den so genannten ruhenden Verkehr. Was für unsinniges „Wirtschaftswachstum“ verbirgt sich hinter der Schaffung von immer mehr Autostraßen, Parkflächen und Parkhäusern! Die vielen neuen Asphalt- und Betonflächen verdrängen nicht nur Natur; sie sorgen auch dafür, dass wertvolles Regenwasser der umgebenden Natur entzogen wird, in Abwasserkanälen verschwindet und als „Abwasser“ behandelt wird. Doch auch diese von den Anwohnern zu bezahlende „Abwasserbehandlung“ trägt rechnerisch zum Wirtschaftswachstum bei, ferner das Sinken des Grundwasserspiegels und das damit erforderliche Heranführen von Trinkwasser über große Rohrnetze!

 

- Auch die Steigerung der Waffenproduktion gehört zum „Wirtschaftswachstum“! Sicherlich hätten viele reiche Länder ein „Minuswachstum“, würden sie sich mit den verfügbaren Waffen begnügen! Doch das würde ja jene „wertvollen“ Arbeitsplätze kosten, die in anderen Zweigen ohne Bedenken wegrationalisiert oder in Billiglohnländer verlegt werden! Gibt es nichts Sinnvolleres zu tun, als Waffen zu produzieren und weltweit zu „vermarkten“? Gibt es gar Beispiele, dass Kriege deshalb provoziert oder verschärft wurden, um Waffen und Munition zu „verbrauchen“ und den Rüstungskonzernen neue Aufträge zuzuschanzen? Könnte es zutreffen, dass in den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945 trotz der bevorstehenden Niederlage in Deutschland vor allem deshalb so viele Städte durch Flächenbombardements zerstört wurden, um die immensen britischen und amerikanischen Bombenreserven zu „verbrauchen“? Und war das „Wirtschaftswunder“, jener enorme Wirtschaftsaufschwung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg, insbesondere deshalb möglich, weil so viel durch den Krieg zerstört worden war? Sind also unter kapitalistischen Bedingungen Kriege auch Ausdruck der Wegwerfgesellschaft im Großen?

 

- Die Denkweise der Fetischisten fortwährenden „Wirtschaftswachstums“ äußert sich am folgenden charakteristischen Beispiel: In einem Beitrag über „Uns ist nichts zu billig“ machte uns unlängst Oliver Marquart auf eine an die Deutschen gerichtete Frage eines amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers aufmerksam.[72] Mit „dem Blick auf die deutsche Sparsamkeit“ äußerte der amerikanische Wissenschaftler sinngemäß, „wie denn ein Volk Wirtschaftswachstum zu Stande bekommen wolle, das beim Duschen sich erst nass mache und dann zum Einseifen das Wasser abdrehe.“ Der Hinweis des Amerikaners ist höchst bedenkenswert. Ihm geht es im Interesse steigender Gewinne – ganz gleich zu wessen Lasten – um das „Wirtschaftswachstum“ an sich! Die andere Sichtweise des „Verbrauchers“, der seine eigenen ökonomischen Vorstellungen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser hat und Wasservergeudung scharf abweist, ist außerhalb der Denkmöglichkeiten dieses „Wissenschaftlers“!

 

- Es bleibt also, generell zu fragen, ob im Rahmen der Marktwirtschaft und des immer wieder geforderten „Wirtschaftswachstums“ die Bedürfnisse der Menschen und der Gesellschaft das Primat besitzen, oder ob sie nur ein Mittel sind, um vordergründigen privatwirtschaftlichen Interessen zu entsprechen. Wie wollen uns die „Wirtschaftswissenschaftler“ oder gar die „Wirtschaftsweisen“ noch davon überzeugen, dass es in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft primär um wahre Ökonomie geht, also um die rationelle Befriedigung existenzieller menschlicher Bedürfnisse?

 

These zur miserablen Ökonomie der Marktwirtschaft: Das primär am Gewinn orientierte marktwirtschaftliche Handeln führt zu einer extremen Vergeudung ökonomischer Potenzen im Sinne der rationellen Bedürfnisbefriedigung.

 

Anmerkungen:

- Die generelle Ursache für diese Vergeudung ökonomischer Potenzen liegt in der Umkehr von Mittel und Zweck: Obgleich der Sinn ökonomischen Handelns in der (rationellen) Befriedigung aller (gesellschaftlich akzeptierten) Bedürfnisse liegt, sind unter marktwirtschaftlichen Bedingungen die Bedürfnisse nur Mittel zum Erzielen von möglichst großem Gewinn, was zudem auf solche Bedürfnisse eingeschränkt ist, die marktwirtschaftlich relevant sind.

 

- Ein großer Gewinn kann bei möglichst niedrigen Löhnen und möglichst hohen Preisen erzielt werden, ferner bei möglichst hoher Auslastung der Kapazitäten und langen Arbeitszeiten. Niedrige Löhne mindern die Kaufkraft. Hohe Kapazitätsauslastungen senken die spezifischen Kosten für die hergestellten Waren. Lange Arbeitszeiten ermöglichen, den Einsatz zusätzlicher Arbeitskräfte zu ersparen. Zugleich können bei weniger Arbeitskräften die Sozialabgaben reduziert werden. Doch wenn die Arbeitskräfte nicht entsprechend ihren Leistungen bezahlt werden, kommt es zur Überproduktion von Erzeugnissen. Zu lange Arbeitszeiten im Vergleich zur Produktivität bewirken hohe Arbeitslosigkeit. Die Vergeudung ökonomischer Potenzen besteht einerseits in einer (über die Nachfrage hinausgehenden) Überproduktion, die teils vernichtet oder zweckentfremdet genutzt wird; andererseits wird extrem viel Arbeitskraft vergeudet, die sinnvoll für die Befriedigung marktwirtschaftlich nicht relevanter Bedürfnisse eingesetzt werden könnte, wenn die Arbeit bezahlbar wäre. Die Anwendung einer nicht primär am Gewinn orientierten Ökonomie ermöglicht es, die Arbeitskräfte zur Befriedigung aller gesellschaftlich akzeptierten Bedürfnisse einzusetzen, wenn das Produktivitätsniveau zur Sicherung der Grundbedürfnisse ausreichend weit vorangeschritten ist.

 

- Zur Vergeudung ökonomischer Potenzen kapitalistischer Lebensweise gehört es, dass die so genannte Wegwerfgesellschaft noch nutzbare Gebrauchswerte aussondert, dass beispielsweise nutzbare Wohnungen in großem Umfange trotz Obdachlosigkeit vieler Menschen abgerissen werden. Die Ursache liegt in der unzureichenden Verteilung der Arbeit sowie der ungerechten Verteilung des Gesamteinkommens der Gesellschaft.

 

- Vergeudung von Arbeitskraft ist es gleichfalls, wenn jene Menschen, die Arbeit gefunden haben, durch Arbeitsüberlastung erkranken, während die Arbeitslosen infolge der Ausgrenzung psychisch erkranken können.

 

- Zur extremen Vergeudung gesellschaftlicher Arbeitskraft gehören die Mehrfachentwicklung und das Vielfachangebot von gleichartig wirkenden Medikamenten, ferner die Vielzahl nicht notwendiger Krankenkassen.

 

- Zur Vergeudung von Arbeitskraft gehört der Transport von Gebrauchswerten über Tausende von Kilometern und die Schaffung von Transportnetzen zu jenen Standorten der Nachfrage, wo infolge der territorial ungleichmäßigen kapitalistischen Entwicklung die höchsten Löhne gezahlt werden.

 

- Als außerordentlich verwerfliche marktwirtschaftliche Praxis muss betrachtet werden, wenn Erfindungen, die zur rationelleren Bedürfnisbefriedigung beitragen könnten, nicht genutzt oder „aufgekauft“ werden, um die bisherigen privaten Gewinne zu sichern, oder wenn Entwicklungsarbeiten behindert werden, die eine geringere Belastung der Natur versprechen.

 

- Völlig inakzeptabel ist die Produktion und der Einsatz von gewinnträchtigen Waffen, etwa von Personenminen, wodurch nicht nur unschuldiges Leben getötet oder schwer verletzt wird, die zudem einen unverhältnismäßig hohen Bergungsaufwand erfordern.

 

- Vergeudung von Arbeitskraft in großem Umfange wird es sein, wenn zerstörte Natur wieder renaturiert werden muss, weil über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Raubbau in großem Umfange betrieben wurde, anstatt durch schonende Eingriffe auf die Selbstheilungskräfte der Natur zu setzen.

 

 

These zum privatökonomischen Missbrauch der Befriedigung von Grundbedürfnissen: Insbesondere in den „reichen“ Ländern werden bestimmte Grundbedürfnisse der Menschen missbraucht, um über die Privatisierung kommunaler Dienstleistungen dauerhaft hohe private Extragewinne zu ermöglichen. Zu diesen Bedürfnissen gehören das Wohnbedürfnis, die Wasser-, Abwasser-, Energie- und Arzneimittelversorgung.

 

Anmerkungen:

- Obgleich auf allen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit die Produktivität steigt und damit im Konkurrenzkampf die Kosten sinken müssten, wie etwa bei den technischen Konsumgütern, steigen tendenziell die Wohnungsmieten, die „zweite Miete“ sowie die Arzneimittelpreise. Von den privaten Unternehmen wird ausgenutzt, dass sich die Betroffenen aus existenziellen Gründen nicht hinreichend wehren können. Die hohen Mieten und Preise werden teils gesetzlich sanktioniert, teils gebremst, um den Missbrauch in Grenzen zu halten, jedoch kontinuierliche Mietsteigerungen gesetzlich ermöglicht! Teils müssen die Mieten und Kosten für den ärmeren Bevölkerungsanteil staatlich übernommen werden.

 

- Die Preisunterschiede für gleiche Leistungen und Erzeugnisse zwischen den Ländern ergeben sich vor allem aus dem unterschiedlichen Lohnniveau, d. h., die Menschen werden in dem Maße „abkassiert“, wie ihre finanziellen Möglichkeiten gegeben sind. Die Gewinne aus der Vermietung sind im Allgemeinen so hoch, dass selbst relativ hoher Wohnungsleerstand in Kauf genommen wird, um die Preise zu „halten“.

 

- Oskar Lafontaine forderte am 14. Januar 2006 auf der XI. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, „den Prozess der Privatisierung kommunaler Dienstleistungen wieder umzukehren“. Bezogen auf die Privatisierung von Wasser, äußerte er, dass es „pervers“ sei, „ein solches Grundelement der menschlichen Versorgung zu privatisieren.“[73]

 

- Auch hinsichtlich der Befriedigung anderer Grundbedürfnisse, wie der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder der Preise für Backwaren, gibt es die Tendenz, sich an der jeweiligen Bevölkerung privat zu bereichern, ohne dass die Menschen ausreichend Chancen haben, dem zu entgehen.

 

 

These zur Nachhaltigkeit: Der Versuch, unter kapitalistischen Bedingungen eine nachhaltige Entwicklung zu sichern, kann nicht mehr erbringen, als die tendenzielle Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen zu verzögern. Der Versuch, über einen sozialistischen Weg weltweit Nachhaltigkeit zu erreichen, ist nach den historischen Erfahrungen infolge der wirtschaftlichen Konkurrenz zum kapitalistischen System unrealistisch. Er führte zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse. Zudem zeigt die Tendenz der heute wahrnehmbaren Gesamtentwicklung, dass infolge der Überbevölkerung der Erde die weltweite Lösung der sozialen Frage im sozialistischen Sinne das irdische Lebenssystem überfordert. Die dominante Lösung der ökologischen gegenüber der Lösung der sozialen Frage würde aber dem Grundgedanken des Sozialismus widersprechen. Eine weltweite nachhaltige Entwicklung kann wegen der Fehlwirkungen der vorherrschenden Konkurrenzökonomien und der heutigen Produktions- und Lebensweise folglich weder unter kapitalistischen noch unter sozialistischen Bedingungen erreicht werden. Um das Überleben der Menschheit zu ermöglichen, müssen wir deshalb eine neuartige Entwicklung einleiten, die von einer anderen ökonomischen Denkweise ausgeht.

 

Begründung:

- Die Bestätigung der „These zur Nachhaltigkeit“ leitet sich erstens aus der Beantwortung der Frage ab, ob die ökologische Krise primär systembedingt oder fortschrittsbedingt ist, zweitens aus der Antwort auf die Frage, ob das kapitalistische System weltweit beherrschbar ist oder ob die kapitalistische Entwicklung tendenziell zur Zerstörung der Existenzgrundlagen der Menschheit führt.

 

- Kapitalistische Entwicklung ist Eigenentwicklung, die sich unter der Dominanz des Kapitals im Rahmen des Weltwirtschaftsystems auf der Basis von privatem Eigentum und Besitz unter Konkurrenzbedingungen vollzieht. Diese Eigenentwicklung führt zur Mehrung von privatem und gesellschaftlichem Reichtum, zugleich aber zur weltweiten Verarmung. Sie kann zwar mit eigenen Mitteln durch Eingriffe beeinflusst, aber als Gesamtentwicklung tendenziell nicht aufgehoben werden. Damit ist die Eigenentwicklung des kapitalistischen Systems prinzipiell nicht beherrschbar. Im Gegenteil: Die als „frei“ gepriesene, sich über den Markt regulierende Weltwirtschaft erzeugt einen Bumerang! Weil sich wirtschaftende Unternehmen auf marktrelevante Erzeugnisse und Leistungen beschränken, weil sie zugleich auf Kosten der nicht marktgebundenen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens agieren, weil sie Natur verbrauchen und durch die Individualisierung der Menschen eine die Natur belastende Lebensweise erzeugen, weil sich die Unternehmen zulasten der Natur bereichern, ohne dass dies weltweit verhindert werden kann, zerstören sie durch ihr Profit- und Gewinnstreben tendenziell die eigenen Existenzgrundlagen und die der gesamten Menschheit. Auf diese Weise wird das Kapital auch ohne Diktatoren zum nahezu absoluten Herrscher über die Menschheit.

 

- Wer davon ausgeht, dass die ökologische Krise allgemein fortschrittsbedingt ist, schaue sich die derzeitige Entwicklung in der chinesischen Volkswirtschaft an, die in Konkurrenz zur kapitalistischen Markwirtschaft nicht nur zur Kapitalisierung und zu starker Ausbeutung geführt hat, sondern zugleich zu extremer Schädigung und Belastung der eigenen und der irdischen Lebenswelt. Insofern schließt der große Wirtschaftsaufschwung der Volksrepublik China zugleich eine Bereicherung zulasten der Nachwelt ein. Die Volksrepublik China entwickelt sich schleichend von einer vorgeblich „kommunistischen“ zu einer Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft im umfassenden Sinne – so wie dies kapitalistische Staaten weltweit vorleben!

 

- Das Scheitern des „real existierenden“ Sozialismus in Europa und Asien zeigt, dass die sozialistische Planwirtschaft in Konkurrenz zur kapitalistischen Marktwirtschaft auf unterschiedliche Weise zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse zurückführt. Die Ursache liegt in der besseren Konkurrenzfähigkeit der „freien“ globalisierten Marktwirtschaft. Zum Zwecke privater und gesellschaftlicher Bereicherung ermöglicht sie weltweit die Ausbeutung von Menschen, die Ausplünderung natürlicher „Ressourcen“ und die Belastung der irdischen Lebenswelt.

 

- Durch die an die kapitalistische Wirtschaft angepasste Ökonomie geriet auch die sozialistische Planwirtschaft in eine ökologische Falle. Heute wird dies insbesondere in Russland deutlich. Machterhalt und Reichtum sind in Russland in hohem Maße an die Erschließung und Verwertung eigener Erdöl- und Erdgasvorkommen gebunden. Auch Hugo Chávez nutzt in Venezuela die Erdölressourcen des Landes, um seine sozialistischen Ziele durchzusetzen - trotz Verschärfung der ökologischen Krise.

 

- Wer den sozialistischen Weg weitergehen oder auf neue Weise beschreiten will, muss sich beantworten, ob für ihn weiterhin das „ökonomische Grundgesetz“ im Sinne der „ständig besseren Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse“ gelten soll und wie er gedenkt, das Primat der Lösung der sozialen Frage trotz der fortgeschrittenen Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen weltweit aufrecht zu erhalten. Er sollte sich fragen, ob auf der Basis der heutigen Produktionsweise bereits die weltweite Lösung der sozialen Frage zum ökologischen Kollaps führen könnte. Er sollte sich auch fragen, wie die Sozialisten in Konkurrenz zur Marktwirtschaft zu besseren Lösungen finden könnten als ihre gescheiterten Vorgänger und welche Stellung die Lösung der ökologischen im Vergleich zur Lösung der sozialen Frage einnehmen müsste. Ist mit der Lösung der sozialen Frage bereits der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ erreicht? Welche „sozialistische“ Ökonomie kann zum Ziel führen, ohne dass sich die Sozialisten weiter an der Verschärfung der ökologischen Krise beteiligen? Und was unternehmen die Sozialisten in den kapitalistischen Ländern, damit die Klimakatastrophe noch verhindert werden kann? 

 

- Von welchem theoretischen Fundament gehen die „Sozialisten des 21. Jahrhunderts“ aus? Setzen sie bei Lenin neu an oder bei Marx? Oder wird an einem neuen theoretischen Fundament gearbeitet? Ist die Marxsche Lehre der historischen Abfolge von ökonomischen Gesellschaftsformationen ad acta gelegt? Oder ist der Weg, jener Kampf um die „Nachhaltigkeit“, das Ziel?

 

- Die Nachhaltigkeit könnte sich als verzögerte Negativentwicklung erweisen! Wir bremsen so lang und so stark, damit uns heute Lebenden die apokalyptische Katastrophe nicht mehr betrifft! Nach uns die Sintflut oder richtiger: nach uns der Weltbrand! Der Gedanke, unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen eine nachhaltige Entwicklung tatsächlich erreichen zu können, ist in höchstem Maße fragwürdig! Er resultiert offenbar aus einer prokapitalistischen oder auch aus einer prosozialistischen Denkweise. Doch Konkurrenzökonomien jeglicher Form verschärfen tendenziell die ökologischen Krise!

 

- Wenn Konkurrenzökonomien mit der Sicherung von Nachhaltigkeit unvereinbar sind, wenn zudem der sozialistische Weg unter Nutzung einer Konkurrenzökonomie zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse führt, wird auch der Grundgedanke des Wissenschaftlichen Sozialismus fragwürdig. Dies ist aber insofern nicht verwunderlich, weil die Sozialisten die Existenz der ökologischen Krise von Anfang an und während des gesamten 20. Jahrhunderts verdrängt haben und stattdessen von der Beherrschbarkeit der Natur sprachen.

 

- Von der Sicherung der Nachhaltigkeit unter den Bedingungen des dominanten Wirkens von Konkurrenzökonomien und im Wissen um die tendenzielle Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu sprechen, hat demagogischen Charakter. Nicht die Formen des Eigentums und Besitzes, nicht die Staatsformen und die Entwicklung der Demokratie sind letztlich für den Trend der negativen Gesamtentwicklung ausschlaggebend, sondern die angewandten Ökonomien, die den jeweiligen Trend bestimmen.

 

- Um den selbstzerstörerischen Trend aus dem Wirken der Konkurrenzökonomien zu vermindern, sind Gegenmaßnahmen im Sinne von Dekapitalisierung erforderlich. Zu diesen Maßnahmen gehören das Aufheben von Besitz an Natur zum Zwecke privater Bereicherung, die Verstaatlichung bzw. Kommunalisierung von Betrieben der öffentlichen Daseinsfürsorge sowie von Banken, die durch Spekulationen die Gesellschaft geschädigt haben, ferner die Änderung von Gesetzen, die bisher Privatinteressen bevorzugten, und das Verbot von Waffenexporten.

 

- Die geäußerte grundsätzliche Kritik ist eine Kritik am Begriff Nachhaltigkeit und nicht an den Bemühungen von Menschen, den Anforderungen „nachhaltiger“ Lösungen zu entsprechen. Inwiefern Aktivitäten zur Nachhaltigkeit den Überlebensinteressen der Menschheit dienen, bedarf jeweils besonderer Untersuchungen.

 

 

Überlebensthese: Die Menschheit wird trotz aller Bemühungen um Nachhaltigkeit nicht überleben, wenn es ihr nicht gelingt, eine zur vorherrschenden wachstumsorientierten Produktions- und Lebensweise gegensätzliche Entwicklung einzuleiten, die es schrittweise ermöglicht, insbesondere die Grundbedürfnisse aller Menschen und ihren Energiebedarf ohne wesentliche Belastungen für unsere Lebenswelt rationell zu befriedigen.

 

Anmerkung:

- Die Notwendigkeit, eine gegensätzliche Entwicklung zu initiieren, erwächst aus der Einsicht vieler Menschen, dass neuartige Lösungen erforderlich sind, um die Menschheit vor einer Klimakatastrophe zu bewahren. Sie müssen von vornherein ökologisch orientiert sein und unabhängig von bisherigen Vorgehensweisen eingeleitet werden.

 

- Die gegensätzliche Entwicklung wird durch viele engagierte Menschen mit dem Willen zur lokalen Eigenversorgung weltweit an vielen Standorten auf der Basis voller Demokratie initiiert werden.

 

- Sie wird durch die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und solcher neuartiger Technologien Unterstützung finden, die den Erfordernissen zum Überleben der Menschheit entsprechen und natürliche Kreisläufe nutzen.

 

- Im Kern geht es um das Herstellen einer gleichartigen nichtprofitablen Denk- und Handlungsweise zwischen rationeller Grundversorgung und „umweltneutraler“ Energieversorgung aller Menschen.

 

 

5. Zum Staat als Herrschaftsinstrument über die Natur

 

5.1. Zum heutigen staatlichen Besitzanspruch über die Natur

 

These zum heutigen Staat: Als Herrschaftsinstrumente politisch organisierter Gesellschaften sind heute alle Staaten innerhalb ihrer Landesgrenzen auch Ausdruck des historisch erworbenen Besitz- und Herrschaftsanspruchs über die Natur. In Abhängigkeit von den jeweiligen nationalen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ist es heute keinem Staat verwehrt, ökonomische und nichtökonomische Bereicherung – auch zulasten der Natur – zu gewähren, zu unterstützen, zu fördern oder selbst zu praktizieren.

 

Anmerkungen:

- Das Problematische an dem staatlich sanktionierten und rechtlich gesicherten Besitzdenken über die Natur ist es, dass dieser Anspruch allgemein für berechtigt gehalten wird. Wenn etwa die russische Regierung große Waldbestände der Taiga an japanische Konzerne zum Abholzen für die Papiergewinnung verkauft, gibt es keinerlei national oder international wahrnehmbare Proteste, obgleich das Nachwachsen der Wälder unter den gegebenen klimatischen Bedingungen 400 Jahre dauert! Der Ausverkauf der irdischen Lebensgrundlagen zur privaten und nationalen Bereicherung ist in vielen Staaten in unterschiedlicher Ausprägung zur Normalität geworden! Karl Marx schrieb, dass Reichtum nicht für den Staat geschaffen wird, wie dies die Ökonomen des 17. Jahrhunderts unterstellten, sondern dass der Staat letztlich „nur noch als Mittel zur Produktion des Reichtums betrachtet“ wird.[74]

 

- Im Prozess der Industrialisierung mussten Urwälder auf riesigen Flächen zur Gewinnung von Acker- und Weideland weichen. Die Wälder wurden abgeholzt oder durch Brandrodung beseitigt. Diese Praxis wird bis heute in vielen Regionen, auch in europäischen Ländern, fortgeführt. Finnland hat 90 % seiner Wälder zur Papiergewinnung abgeholzt! Die Schweden haben begonnen, Treibstoffe für ihre Autos aus dem Holz ihrer Wälder herzustellen! Das vorgeschobene Argument, dass wieder aufgeforstet wird und die Wälder somit nachwachsen, übergeht vollkommen den Zeitfaktor, der zur Sicherung des Überlebens der Menschheit entscheidend werden dürfte.

 

- Je mehr die Industrie eines Staates Produktivitätsrückstand hat, umso größer ist die Gefahr, dass zur Sicherung der Konkurrenzfähigkeit zulasten der eigenen Lebenswelt produziert wird – wie es heute in der Volksrepublik China noch der Fall ist!

 

- Auf dem XV. UNO-Gipfeltreffen über den Klimawandel in Kopenhagen äußerte der Präsidenten Boliviens, Evo Morales, am 17. Dezember 2009 in seiner Rede „Unsere Völker erwarten Ergebnisse“:

>> Die Erde ist unsere Mutter, die Mutter ist etwas Heiliges, die Mutter bedeutet unser Leben. Die Mutter wird nicht vermietet, wird nicht verkauft, wird nicht vergewaltigt, sie muss respektiert werden. Die Mutter Erde ist unsere Heimstatt. Wenn die Mutter Erde all dies ist, wie kann es dann eine Politik der Zerstörung der Mutter Erde geben, der Vermarktung der Mutter Erde? Wir haben tief greifende Differenzen zum westlichen Modell. Dies steht im Augenblick zur Debatte. Und deshalb, so möchte ich Ihnen, liebe Präsidenten, sagen, haben wir die Verpflichtung, die Mutter Erde vom Kapitalismus zu befreien (...). Wenn wir die Versklavung der Mutter Erde nicht beenden, werden wir die Fragen des Lebens, der Menschheit, des Planeten niemals lösen können. <<[75]

 

- Die von Karl Marx für die nachkapitalistische Bedingungen vorausgesehene Auflösung des Staates schließt ein, den Besitz- und Herrschaftsanspruch von Nationen über die Natur in den Ländergrenzen aufzugeben und stattdessen Verantwortungsbereiche für die Erhaltung der Natur zu vereinbaren.

 

 

5.2. Zur historischen Entwicklung des staatlichen Besitzanspruchs über

       die Natur

 

Zum Sklavenhalterstaat: Der Staat als Sklavenhalterstaat entstand mit dem Anspruch, durch Kriege und Raub in den privaten und gesellschaftlichen Besitz von Land, Gebrauchswerten, Werten und Menschen zu gelangen, um mittels des angeeigneten Reichtums sowie durch Ausbeutung die gewonnene private und staatliche Macht zu festigen und weiter auszudehnen.

 

Anmerkungen:

- Weil der Mensch von der Natur lebt, ist die gewaltsame Inbesitznahme von bewohnten Gebieten die ursprüngliche historische Form nichtökonomischer Bereicherung. Sie ermöglichte die Herrschaft über Menschen und damit ökonomische Bereicherung durch Versklavung und Ausbeutung.

 

- Bereits während der Antike setzte in der Nähe der besiedelten Gebiete das Abholzen von Wäldern ein.

 

Zum Feudalstaat: Die Grundlage für den Feudalstaat war der Besitz von besiedeltem Land. Grund und Boden wurde als Lehen durch einen Feudalherren für Gegenleistungen (Hofdienste, Kriegsdienste, Abgaben) einem Lehnsmann (Leibeigenen) zur Nutzung übergeben. Feudale Staatsmacht bedeutete insbesondere die Verfügungsgewalt über die auf dem Privatbesitz des Feudalherren an Grund und Boden lebenden (leibeigenen) Menschen.

 

Anmerkung:

- Zur Brennstoffgewinnung, zum Schiffs-, Häuser- und Bergbau wurden während des Feudalismus über die Jahrhunderte große Waldflächen vernichtet. Die teilweise Wiederaufforstung begann erst im 18. Jahrhundert.

 

Zum kapitalistischen Staat: Die USA sind das herausragende Beispiel eines religiös „fundierten“, auf private und gesellschaftliche Bereicherung ausgerichteten kapitalistischen Staatswesens, insbesondere durch die weltweite Ausplünderung und Belastung der Natur. Zur ideologischen Grundlage des Bereicherungsdenkens und Bereicherungsstrebens wurde für viele Amerikaner die Ende des 19. Jahrhunderts unter Missbrauch des christlichen Glaubens entstandene „Theorie“ von Andrew Carnegie: das „Evangelium des Reichtums“.

 

Anmerkungen:

- Das „Evangelium des Reichtums“ wird von Ralph Henry Gabriel, Professor für amerikanische Geschichte an der Yale-Universität, beschrieben.[76] Er geht von dem bekannt gewordenen Beitrag von Andrew Carnegie über den „Reichtum“ aus, den dieser im Juli 1889 in der North American Review als „Philosophie der neuen Zeit“ veröffentlichte.[77] Nach der „Theologie des Eigentums, die die Präsidenten McCosh und Porter begründet hatten“[78], war die Carnegiesche Theorie „die christliche Form des Evangeliums des Reichtums“. Sie hatte „vier Grundlagen“: „Individualismus, Privateigentum, das ‚Gesetz der Anhäufung von Reichtum’ und das „Gesetz der Konkurrenz’. Nach diesen Gesetzen fällt der Reichtum denen zu, bei denen die größere Energie und Fähigkeit zu seiner Erzeugung liegt. Diese vier Grundlagen‚ sind das höchste Ergebnis menschlicher Erfahrung, der Boden, auf dem die Gesellschaft die bisher besten Früchte getragen hat. Wenn sich diese Gesetze manchmal vielleicht auch ungleichmäßig und ungerecht auswirken und dem Idealisten unvollkommen zu sein scheinen, so sind sie doch … die besten und wertvollsten von allen, die die Menschheit bisher zustande gebracht hat …’.“[79]

 

- Das „Evangelium des Reichtums“ hat die USA im materiellen Sinne in der Tat zur reichsten Nation werden lassen! Das „Gesetz der Anhäufung von Reichtum“ von Carnegie erwies sich in seinem Sinne als richtig! „Gott“ hatte sogar „nachgeholfen“: „Wenn Gott einen Menschen auffordert, in seinem irdischen Beruf Geld zu machen, so hält er den erworbenen Reichtum als Treuhänder des Herrn.“ Auch der fromme Baptist John D. Rockefeller war davon überzeugt, dass der „liebe Gott“ ihm sein Geld gab.[80] Wir sollten uns deshalb nicht über den ehemaligen amerikanischen Präsidenten G.W. Bush wundern, der vorgab, weltweit im Auftrage von „Gott“ zu handeln.

 

- Das meiste Geld und Gold wird 120 Jahre nach Andrew Carnegie mitten in New York gehortet. Während Alexander „der Große“ noch selbst unterwegs war, um den größten Goldschatz der Antike zusammenzuraffen, haben die Banken von Manhattan Zehntausende Helfer, die über das Internet in Sekundenschnelle Werte aus aller Welt aufsaugen, um sie weiter zu vermehren. Nur das Gold muss wirklich transportiert werden. Inzwischen sind es „550'000 Barren. Gewicht: 8000 Tonnen – der Eifelturm wiegt fast 1000 Tonnen weniger!“ Als „größter Goldschatz der Menschheit“ im Wert von „90 Milliarden Dollar“ liegt es in der Federal Reserve Bank (FED), Liberty Street 33.[81] Die Menschheit sollte sich wahrlich nicht wundern, dass die USA gemäß ihrem „Evangelium des Reichtums“, bis 2009 geführt von einem Präsidenten mit christlichem Sendungsbewusstsein, auf der ganzen Welt die „besten Früchte“ zusammenrafften und „Geld machten“.

 

- Während sich die Vereinigten Staaten von Amerika als „Reich“ mit gottesfürchtiger Führung zur „Demokratie“ entwickelten, besser gesagt zur größten Diktatur des Kapitals ohne Diktatoren, entwickelte sich die „gottlose“ UdSSR auf dem Boden der ehemaligen Zarendiktatur vorgeblich zur „kommunistischen“ Diktatur – obgleich der Diktator und vorgebliche Kommunist Stalin fast alle führenden Kommunisten und Millionen ihrer Anhänger umbringen ließ.

 

Zum sozialistischen Staat: Auch die sozialistischen Staaten gingen und gehen vom unbeschränkten Besitz- und Nutzungsanspruch der natürlichen „Ressourcen“ ihrer Territorien aus, was gleichfalls zu Belastungen des gesamten irdischen Lebenssystems führte.

 

 

5.3. Besitzanspruch über die Natur auf neuer theoretischer Position

 

Am 22. Juli 2009 veröffentlichte die Wochenzeitung „Neue Solidarität“, Nr. 30/2009, in einer Sonderausgabe die umfangreiche Schrift des amerikanischen Ökonomen Lyndon LaRouche zum Titel „Volkswirtschaft für Wissenschaftler: Wirtschaftswissenschaft kurz gefasst“. „In dieser Schrift erläutert Lyndon LaRouche die Grundzüge seiner wirtschaftspolitischen Methode.“ Unter  Nutzung dieser Methode habe LaRouche „als einziger prominenter Ökonom seit Jahren vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems und der Realwirtschaft gewarnt“.[82]

 

 

These zur physischen Ökonomie von Lyndon LaRouche: Lyndon LaRouche bewegt sich mit seiner „physischen Ökonomie“ bzw. „physischen Wirtschaft“ in einer höheren ökonomischen Ebene. Er lässt sich von „höheren universellen Naturprinzipien“ bzw. von „universellen physikalischen Prinzipien“ leiten, obgleich die Sicherung des Fortbestandes der Menschheit in der heutigen Zeit das genaue Gegenteil erfordert, nämlich ökonomisches Basisdenken und entsprechendes Handeln. Er begibt sich in eine abgehobene „schöpferische“ Position im Sinne der „Schaffung qualitativer Verbesserungen in der Biosphäre“ statt den Menschen ökonomische Erkenntnisse einfacher Art zu vermitteln, wie sie die irdische Schöpfung bewahren können.

 

Anmerkungen:

- Lyndon LaRouche schreibt: „Auch wenn lebende Prozesse … im Vergleich zu nichtlebenden Prozessen eine schöpferische … Kraft haben, haben auch sie ihre Grenzen, da sich die von ihnen genutzten Ressourcen erschöpfen. Daraus ergab sich, daß nur die Entstehung höherer Lebensformen als jene, die bisher vorherrschten, einen relativ fixen, höheren Entwicklungsstand der Biosphäre sicherstellen konnte. Doch nur die Menschheit ist durch vorsätzliche Eingriffe, die der Entdeckung höherer universeller Naturprinzipien entsprechen, in der Lage, sich willentlich über das relativ fixe Potential nicht-menschlicher Lebewesen zu erheben. Hier liegt das Fundament jedes kompetenten Ökonomiebegriffs.“

 

- Mit seiner Aussage geht LaRouche die Gefahr ein, dass seine hoch gezüchtete „physische Ökonomie“ für jene zur geistigen Falle wird, die nach einem ökonomischen Weg aus der existenziellen Krise der Menschheit suchen. Es ist zu befürchten, dass sich seine Schüler und nicht nur diese in „seiner Ökonomie“ verlieren könnten. Wieweit LaRouche von der irdischen Realität abhebt, zeigt sich bereits im ersten Satz des Kapitels I mit dem Titel „Die Wissenschaft der physischen Ökonomie“. Bevor er auf Details von Wirtschaftssystemen eingeht, müsse er „zunächst die grundlegenden physischen Funktionen von Volkswirtschaften innerhalb der wesentlichen, existentiellen Beziehung der menschlichen Gattung zu dem von uns bewohnten Planeten (und Sonnensystem) beleuchten“.

 

- Als anspruchsloser Erdenmensch schlage ich jeder erwachsenen Person mit gesundem Menschenverstand vor, Ökonomie zuallererst im Sinne der rationellen Befriedigung insbesondere aller Grundbedürfnisse zu verstehen, einschließlich des Bedürfnisses nach einer gesunden Lebenswelt. Zur Erhaltung unserer Existenz sollten wir ferner solche gesellschaftlichen bzw. gemeinschaftlichen Bedingungen schaffen, innerhalb deren dieser bedürfnisorientierten Ökonomie am besten entsprochen werden kann.

 

- Lyndon LaRouche enthält sich einer Definition seines Ökonomiebegriffs. Auch in seinen spezifischen Ausführungen über „Das Prinzip der Ökonomie“ konnte ich keine klare Aussage erkennen. Es fehlt zudem sein Bezug zum Wirtschaftlichkeitsprinzip. LaRouche setzt – wie heute üblich – Ökonomie und Wirtschaft gleich, obwohl ihm nach „einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Marx’ Kapital“ im Jahre 1975 bekannt sein müsste, dass Marx mit Verweisen auf Aristoteles die Unterscheidung nach zwei Ökonomien unterstützt hat.

 

- Lyndon LaRouches „physische Ökonomie“ schließt nicht aus, „Wirtschaftssysteme als soziale Systeme“ zu kennzeichnen, obgleich derartige Systeme tendenziell unsozial sind, nahezu unbeschränkte private und nationale Bereicherung ermöglichen und zugleich Verarmung produzieren – auch in unserer „Umwelt“! Er sieht seine Initiativen seit 1971 als Beiträge „für eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung“. Doch kann es überhaupt eine „gerechte Weltwirtschaftordnung“ geben, wenn jeder Unternehmer und jedes Land zum Eigennutz, auf Kosten anderer und zulasten unserer Lebenswelt unter Konkurrenzbedingungen „wirtschaftet“, nicht nur, um Gewinne zu erzielen, sondern auch um die private Existenz zu erhalten?

 

- Zum Umweltschutz hat sich LaRouche sehr früh positioniert. 1972 griff er „die Nullwachstumsideologie des Club von Rom an“ und warnte „vor einer neumalthusianischen, faschistischen Bewegung gegen Technik und industrielle Entwicklung“, und 1983 veröffentlichte er „das Buch Es gibt keine Grenzen des Wachstums gegen die Ideologie und Wirtschaftspolitik des Neomalthusianismus und der Umweltschutzbewegung“. Doch die Grenzen des „Wirtschaftswachstums“ werden wir dann erreichen, wenn die „Ressourcen“ unserer Biosphäre weitgehend verbraucht sind![83]

 

 

6. Zum Kapitalismus als Gesellschaftssystem

 

6.1. Zu den Erkenntnissen von Marx, Engels und Lenin

 

These zu Karl Marx und Friedrich Engels: Marx und Engels erkannten sowohl die gesellschaftlichen Ursachen der Entstehung der ökologischen Krise als auch die Notwendigkeit einer auf die Bedürfnisbefriedigung und auf Gebrauchswerte gerichteten Ökonomie als Basis für die Funktionsweise der nachkapitalistischen Ordnung; doch sie vermochten es nicht, die Dominanz des sich im Spätkapitalismus entwickelnden, unsere Lebenswelt zerstörenden nichtökonomischen Bereicherungsprozess vorauszusehen. Deshalb blieb es ihnen versagt, den Widerspruch zwischen der Bewältigung der sozialen Frage und der ökologischen Frage einheitlich ökonomisch aufzulösen sowie die Ziele für die Gestaltung der neuen Ordnung und den Weg zu ihrer Durchsetzung präzise zu beschreiben.

 

Anmerkungen:

- Das gesellschaftlich verursachte Entstehen der ökologischen Krise war Karl Marx zu einer Zeit bewusst, als der Begriff Ökologie noch gar nicht geprägt war: „Die kapitalistische Produktion … entwickelt nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“[84]

 

- Karl Marx verwies darauf, dass für eine „auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft die Produzenten ihre Produkte nicht [austauschen]; ebenso wenig erscheint hier die auf die Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte … im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft“.[85] Damit wollte er wohl auf das Verteilungsprinzip verweisen, wodurch die Ziele der neuen Ordnung auf die Bedürfnisbefriedigung und auf Gebrauchswerte ausgerichtet werden.

 

- Unterschiedliche Zitate von Karl Marx zur nachkapitalistischen Ordnung lassen vermuten, dass er sich keine klare Position zu ihrem primären Charakter erarbeiten konnte. In den „Ökonomisch-philosophischen Manuskripten aus dem Jahre 1844“ ist für ihn der Kommunismus „die wahrhafte Auflösung des Widerstreites zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen“[86], was im Sinne der einheitlichen Lösung der sozialen und der ökologischen Frage verstanden werden kann. In der „Kritik des Gothaer Programms“ aus dem Jahre 1875 spricht er von der „ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft“ sowie von „einer höheren Phase“.[87] Doch in der „Vorbemerkung zur französischen Ausgabe“ von Engels’ „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ bezeichnet Marx im Jahre 1880 den theoretischen Teil der Arbeit von Engels zögerlich als „gewissermaßen eine Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus“.[88]

 

- Marx und Engels erkannten die positive Seite der Produktivkraftentwicklung, die zur weiteren Vergesellschaftung der Produktion führt und damit auf die Ablösung der vorhandenen Produktionsverhältnisse drängt;[89] sie sahen aber auch ihre negative Rolle, indem durch sie „Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte“,[90] d. h., ihnen war bewusst, dass vorgeblicher Entwicklungsfortschritt auch zerstörerisch sein kann.

 

- Friedrich Engels ging an anderer Stelle davon aus, dass mit der Überwindung der „kapitalistischen Produktionsweise … die einzige Vorbedingung einer ununterbrochenen, stets rascher fortschreitenden Entwicklung der Produktivkräfte und damit einer praktisch schrankenlosen Steigerung der Produktion selbst“ gegeben ist.[91] Es muss jedoch gefragt werden, inwieweit diese Steigerung notwendig, möglich, ökologisch vertretbar und erstrebenswert ist. Karl Marx sieht in der „Verkürzung des Arbeitstags“ jene Möglichkeit, um in „das wahre Reich der Freiheit“ zu gelangen. „Die Freiheit … kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch … diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell“ regelt.[92]

 

- Um zu verstehen, warum die Ausplünderung der Natur zur Bereicherung missbraucht werden kann, ist eine Aussage von Karl Marx hilfreich: „Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit“.[93] Betrachtet man als hervorstechendes Beispiel die wundersame Vermehrung des Reichtums aus der Förderung und Verarbeitung von Erdöl, so ergibt sich folgende einfache Erklärung: Da es dem „Verbraucher“ um die Gebrauchswerte geht, etwa um Treibstoff für sein persönliches Fahrzeug, ist es für die Ölstaaten und die Erdölkonzerne ein Leichtes, sich durch hohe Rohöl- und Benzinpreise – weitgehend unabhängig vom Arbeitsaufwand – auf Kosten der Käufer, der Natur und der Nachwelt auf nichtökonomische Weise zu bereichern! Doch nur ein Teil dieses Reichtums, der an anderer Stelle erarbeitet wurde, wird den Käufern des Treibstoffes aus der Tasche gezogen und „umverteilt“; den anderen Teil „bezahlen“ die Nachgeborenen, die die fortschreitende Verarmung der Natur und die steigende Belastung der Erdatmosphäre mit Treibhausgasen rückgängig zu machen versuchen!

 

- Es bleibt zu beantworten, warum es Marx nicht gelang, den Widerspruch zwischen der Bewältigung der sozialen und der ökologischen Frage einheitlich ökonomisch aufzulösen. Eine Erklärung könnte die folgende sein: Marx befasste sich in seinem Hauptwerk, dem „Kapital“, mit der Analyse des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst, mit der schöpferischen Seite, mit der Schaffung von (an Gebrauchswerte gebundenen) Wert und Mehrwert. Es ging ihm um den Prozess der Wertschöpfung, um die kumulative Seite, um die „Bewegungsgrößen“, wie auch gesagt wird. Nur durch die Analyse des Prozesshaften konnte er dem Geheimnis der „Bereicherung durch Ausbeutung“ auf die Spur kommen. Das Anhäufen von Reichtum war für Marx ein übergeordneter Zusammenhang, eine neue Qualität, denn Bereicherung ist auf vielfältige Weise auch unabhängig von Ausbeutung möglich. Über den Begriff Bereicherung als ökonomische Kategorie bzw. der Aneignung von Reichtum wird die vergegenständlichte Seite, werden die „Bestandsgrößen“ eines erweiterten ökonomischen Zusammenhangs erschlossen! Es war eine methodische Abgrenzung zwischen „Ausbeutung“ und „Bereicherung“ erforderlich, um einen wissenschaftlich sauberen Nachweis für das Entstehen von Mehrwert zu ermöglichen! Marx spricht deshalb auch von der „Aneignung von Arbeit“ im Ausbeutungsprozess[94] und nicht von der „Aneignung fremder Arbeitsergebnisse“, obgleich die letztgenannte Aussage präziser wäre. Sie bliebe selbst dann noch richtig, wenn sich der Arbeiter die Produktionsmittel und Materialien ausborgen müsste. Jedoch würde die präzisere Aussage aus dem Prozesshaften herausführen! Es gibt folglich eine bewusste relative Enge im ökonomischen Herangehen innerhalb jenes riesigen geistigen Werkes, das als „Das „Kapital“ in die Geschichte einging. Nichtökonomische Bereicherung nahm Karl Marx nur insofern in sein Werk auf, als sie – in Form der so genannten ursprünglichen Akkumulation – eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des Kapitalismus war. Doch gerade das bewusste Ausklammern der Bereicherungsproblematik in ihrer Gesamtheit führte zum Nichterkennen, dass Zerstörungen und Belastungen unseres Lebenssystems objektiv als Bereicherung auf Kosten der Nachwelt aufgefasst werden müssen, deren Beseitigung unseren Nachkommen enorme Lasten zuungunsten der Lösung der sozialen Frage aufbürdet.

 

- Im Nachhinein könnte man fragen, ob Karl Marx – ausgehend vom damaligen Erkenntnisstand – eine andere Abgrenzung zum Arbeitsgegenstand für „Das Kapital“ hätte vornehmen können. Die Frage ist deshalb gerechtfertigt, weil Friedrich Engels „auf anderm Wege … zu demselben Resultat“ wie Marx gelangt war. Marx führte dies zwar nicht weiter aus, bezeichnete aber im selben Zusammenhang Engels’ „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“[95] als eine „geniale Skizze zur Kritik der ökonomischen Kategorien“.[96] Weil für Marx „jede Vorwegnahme erst zu beweisender Resultate [bei näherem Nachdenken] störend“ schien, ging er den Weg des Aufsteigens „von dem einzelnen zum allgemeinen“.[97] Engels wählte in seiner „genialen Skizze“ den Weg „von oben nach unten“. Er setzte sich zunächst mit der „Nationalökonomie … als komplette Bereicherungswissenschaft“[98] in ihrer Gesamtheit auseinander, bevor er auf ihre spezifischen Kategorien einging. Marx’ Ergebnis erweist sich zwar bis heute als die gründlichste wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Ausbeutung; doch sie veranlasst die Marxisten heute noch, von „Ausbeutergesellschaften“ statt von „Bereicherungsgesellschaften“ zu sprechen. Engels’ Ansatz „von oben“ sowie die Verarbeitung der eigenen frühen Erkenntnisse von Marx zur Naturfrage blieben in ihrem Alterswerk unbearbeitet, weil die Bereicherungsproblematik zu jener Zeit als abgeleitet, nachgeordnet und ohne eigenständige Bedeutung erschien. Die revolutionäre Entwicklung wäre während des 20. Jahrhunderts sicherlich anders verlaufen, wenn Marx die Ausbeutungsproblematik weniger gründlich, dafür jedoch ihre Einordnung in die Bereicherungsproblematik mit vorgenommen hätte.

 

- Die Zuspitzung der sozialen Frage am Ende des 19. Jahrhunderts in den führenden kapitalistischen Ländern und das Nichterkennen der Bedeutung künftiger nichtökonomischer Bereicherung, insbesondere der möglichen Bereicherung auf Kosten der Natur, führten im 20. Jahrhundert zum Versuch der einseitigen Lösung der sozialen Frage durch die vermeintlichen geistigen Erben von Karl Marx und Friedrich Engels.

 

 

These zum Studium der Werke von Karl Marx: Das Studium der Werke von Karl Marx, vor allem des „Kapital“, ist heute nur bedingt sinnvoll, weil sich der Kern notwendiger Kritik am kapitalistischen System von der Ausbeutung, der Hauptform privater Bereicherung des 19. Jahrhunderts, im Prozess der Globalisierung verlagert hat. Nicht die kritikwürdige Ausbeutung von Menschen gefährdet unsere Existenz, sondern die Profitgier durch Ausplünderung und Verwertung der natürlichen „Ressourcen“ der Erde sowie die ungezügelte individualistische Lebensweise in den reichen Ländern des Nordens.  

 

Anmerkungen:

- Insbesondere jüngeren Lesern ist zu empfehlen, Karl Marx aus seiner Zeit heraus zu begreifen, um seine Erkenntnisse heute entsprechend einordnen zu können. In seinem Hauptwerk, dem „Kapital“, gelang Marx der wissenschaftliche Nachweis des Mehrwerts und damit der kapitalistischen Ausbeutung. Der Mehrwert wird vom Arbeiter geschaffen und vom Kapitalisten zur privaten Bereicherung angeeignet. Ausgehend davon sprechen die Marxisten seitdem vom Kapitalismus als einer Ausbeuterordnung. Der im „Kapital“ erbrachte Beweis, dass sich hinter der Ausbeutung von Menschen die Erzeugung von Mehrwert verbirgt, war wohl die schwierigste und zugleich folgenreichste wissenschaftliche Leistung von Karl Marx. Mit der Entdeckung des Mehrwerts gelang Marx der Nachweis der entscheidenden ökonomischen Form privater Bereicherung. Gegenüber der Bewältigung dieser wissenschaftlichen Aufgabe war jedoch die Lösung jener Aufgabe geradezu banal, die den Nachweis erbrachte, dass erst über die so genannte ursprüngliche Akkumulation durch das Zusammenraffen von Werten mittels nichtökonomischer Bereicherung die entscheidenden Voraussetzungen zur Errichtung großer Industrien geschaffen wurden.  

 

- Unter den Bedingungen der Globalisierung ist weit mehr zu beachten: Es geht um die Kritik eines weltweiten Bereicherungsgeschehens, das es einerseits ermöglicht, sich durch Fremdausbeutung, durch die Ausplünderung und Belastung der Natur, andererseits durch spekulative Transaktionen in ungeheurem Umfange und vielfältiger Form privat zu bereichern.

 

- Unabhängig von alldem besteht die Gefahr, sich beim Studium des „Kapital“ wegen der überaus schwierigen logisch-dialektischen Beweisführung festzubeißen. Doch gerade diese Akribie von Karl Marx war es, seine Leistungen zu verabsolutieren, was zu einer grundsätzlichen Lähmung der „marxistischen“ ökonomischen Grundlagenforschung im 20. Jahrhundert führte.[99]

 

 

These zu Wladimir Iljitsch Lenin: Lenin ist als Theoretiker und Revolutionär maßgeblich dafür verantwortlich, dass die linke Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Große Sozialistische Oktoberrevolution in eine Fehlentwicklung, in eine Sackgasse geführt wurde. Es war ein unvertretbar großes Wagnis, als revolutionärer Führer die erste sozialistische Revolution einzuleiten und durchzuführen, obgleich als Grundlage für die notwendige bewusste Gestaltung der angestrebten neuen ökonomischen Gesellschaftsformation keine ausreichend begründete ökonomische Theorie vorlag und ohne eine Antwort auf die zentrale Frage der ökonomischen Funktionsweise der neuen Gesellschaftsordnung offen bleiben musste, ob die Revolution überhaupt, in einem Land, zum gegebenen Zeitpunkt, mit dem gestellten Ziel objektiv berechtigt war und dauerhaft erfolgreich sein würde.

 

Anmerkungen:

- Lenin dogmatisierte die wissenschaftlichen Ergebnisse von Karl Marx und Friedrich Engels in Form des „Marxismus“ als „System der Anschauungen und der Lehre von Marx“[100] zu einer eigenständigen Lehre. Sie sei „allmächtig, weil sie wahr“ sei, „in sich geschlossen und harmonisch“[101]. Aus der Allmächtigkeit der „wahren“ Lehre wurde die Zwangsläufigkeit ihres Sieges abgeleitet und aus ihrer Geschlossenheit die Unterstellung, Marx habe „den Kapitalismus als gesellschaftlich-ökonomische Formation erschöpfend analysiert“[102]. Doch obgleich Lenin die „ökonomische Lehre“ von Karl Marx als „tiefgründigste, umfassendste und detaillierteste Bestätigung und Anwendung“ von dessen Theorie bezeichnete[103], schaffte es Karl Marx infolge seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Gründlichkeit weder die über die Ausbeutung hinausgehende Bereicherungsproblematik noch die bedeutsame ökologisch-ökonomische Problematik in geschlossener Form zu bearbeiten und erst recht nicht die ökonomische Problematik der bürgerlichen Lebensweise. Es muss deshalb der Leninschen Deutung der Leistungen von Karl Marx entgegengehalten werden, ob eine in der Beantwortung grundlegender Fragenstellungen offene ökonomische Theorie als „wahr“ bezeichnet werden darf!

 

- Durch die Akzeptanz und das verstärkte Hervorheben des von Karl Marx abgelehnten Begriffes Marxismus [104] leistete Lenin – sicherlich ungewollt – dem Personenkult Vorschub, denn ohne den Begriff Marxismus hätte es wohl kaum die Begriffe Marxismus-Leninismus, Stalinismus und Maoismus gegeben.

 

- Aus dem zum Dogma erhobenen Marxismus und aus eigenen unzureichend begründeten Erkenntnissen leitete Lenin die (einseitige) Lösung der sozialen Frage ab. Indem er aber die in Russland notwendige und mögliche soziale Revolution zu einer sozialistischen Revolution ausdehnte und damit die Machtfrage stellte, indem er die nachzuholende Industrialisierung Russlands zu einem wesentlichen Inhalt des Aufbaus des Kommunismus erklärte[105], wurde ein Prozess der jahrzehntelangen Konfrontation und des an höherer Arbeitsproduktivität gemessenen „ökonomischen Wettbewerbs“ zweier gegensätzlicher Gesellschaftssysteme provoziert.

 

- Die Denkweise, die diesem Wettbewerb zugrunde lag, äußerte sich im „ökonomischen Grundgesetz des Sozialismus“, das 1975 wie folgt formuliert wurde: „Sicherung der höchsten Wohlfahrt und der freien allseitigen Entwicklung aller Mitglieder der Gesellschaft auf dem Wege des ununterbrochenen Wachstums und der Vervollkommnung der gesellschaftlichen Produktion.“[106] Mit dem „ununterbrochenen Wachstum“ war das Wirtschaftswachstum gemeint, das am Zuwachs an Nationaleinkommen gemessen wurde – analog dem Anstieg des Bruttosozialprodukts unter kapitalistischen Bedingungen.

 

- Die Leninsche Orientierung, unter sozialistischen Bedingungen im ökonomischen Wettbewerb eine höhere Arbeitsproduktivität zu erzielen sowie die generelle primäre Ausrichtung der sozialistischen Volkswirtschaftsplanung auf neu zu schaffende Gebrauchswerte vernachlässigte insbesondere die vorhandenen Gebrauchswerte langer Nutzungsdauer, was sich dramatisch im Städtebau und Wohnungsbau auswirkte, zur Vernachlässigung der Erhaltung vor allem der innerstädtischen Bausubstanz, zum massenhaften Bauen auf der „grünen Wiese“, zur Erweiterung der technischen und Verkehrsnetze und zur verzerrten Ausrichtung der Bauproduktion auf Neubaukapazitäten führte. Die Frage nach dem Umgang mit der vernachlässigten innerstädtischen Bausubstanz als Bestandteil des Nationalreichtums blieb bis zur politischen Wende der Jahre 1989/90 offen. Eine Baupolitik im Sinne der rationellen weitgehend innerstädtischen Befriedigung der Wohnbedürfnisse über den Weg ökonomischer Reproduktion wäre aber unter sozialistischen Bedingungen trotz der politischen und ökonomischen Konkurrenzsituation möglich gewesen.

 

- Dem überragenden Wissenschaftler W. I. Lenin hätte auffallen müssen, dass Marx bewusst auf die Behandlung der Reichtums- bzw. Bereicherungsproblematik weitgehend verzichtete, obwohl es jenes Werk von Adam Smith gab, das Marx wohlbekannt war und erstmalig die Problematik des Nationalreichtums als vergegenständlichte Arbeit grundlegend behandelte. Eine Erweiterung der Marxschen ökonomischen Theorie durch Lenin hätte diese Problematik nicht ausschließen dürfen!

 

- Der „ökonomische Wettbewerb“ scheiterte letztlich am Konkurrenten und verursachte in der eigenen sozialistischen Lebenswelt vergleichbare ökologische Schäden, wie es für das heutige kapitalistische System weltweit als fast „normal“ gilt. Der falsche Versuch, gegen den Kapitalismus mit den ihm eigenen, über Jahrhunderte bewährten Mitteln zu konkurrieren, führte zur Verschärfung der ökologischen Krise und zum Nichterkennen ihrer gesellschaftlichen Verursachung durch die marxistischen Theoretiker.

 

- Das Verdrängen der aus der ökologischen Krise erwachsenden existenziellen Gefahren für die Menschheit, die Nichtlösung der sozialen Frage und das sehr späte Erkennen der grundlegenden Ursachen der ökologischen Krise haben die Lage so weit zugespitzt, dass nur die baldige weltweite Ablösung des Kapitalismus und der Übergang zu einer dem Ökologischen adäquaten ökonomischen Denk- und Handlungsweise das Überleben der Menschheit sichern werden.

 

 

6.2. Zum Kapitalismus als Bereicherungssystem

 

These zum existenziellen Grundwiderspruch des Kapitalismus: Der innerhalb des ökonomischen Systems des Kapitalismus unauflösbare existenzielle Grundwiderspruch besteht darin, dass sich hinter der Fassade der wissenschaftlich-technischen Höherentwicklung schleichend eine Negativentwicklung vollzieht, die zur Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschheit führt. Wenn die Menschheit den Kapitalismus als Gesellschaftssystem nicht rechtzeitig ablöst, geht sie mit ihm unter.

 

Anmerkungen:

- Der innerhalb des ökonomischen Systems des Kapitalismus unauflösbare existenzielle Grundwiderspruch resultiert insbesondere aus dem privatökonomisch verursachten unbeschränkten Streben nach Bereicherung einerseits und der beschränkten Verfügbarkeit natürlicher Reichtümer andererseits. Er basiert auf den privaten und gesellschaftlichen Eigentums- und Besitzverhältnissen, die eine privatkapitalistische Produktions- und Aneignungsweise ermöglichen sowie eine individualistische Lebensweise erzeugen. Die private und gesellschaftliche Bereicherung erfolgt auf Kosten und zulasten der Vorwelt, Mitwelt und Nachwelt. Die Ergebnisse der gesamten Gesellschaftsentwicklung geraten in Widerspruch zur Belastbarkeit der natürlichen Lebensgrundlagen. Sie zerstören tendenziell weltweit unser gesamtes Lebenssystem.

 

- Die Formulierung des genannten existenziellen Grundwiderspruchs unterscheidet sich grundsätzlich von jener Aussage, die zum festen Bestandteil der Lehre des Marxismus-Leninismus gehörte, wonach der „Grundwiderspruch des Kapitalismus … zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten kapitalistischen Aneignung“ besteht.[107] Der Begriff Grundwiderspruch stammt jedoch weder von Marx noch von Engels, wurde aber aus bestimmten ihrer Aussagen abgeleitet.[108] Der wesentliche inhaltliche Unterschied zwischen beiden Formulierungen zum „Grundwiderspruch“ besteht in seiner Überwindbarkeit: Während die bisherige Formulierung die positive Nutzbarkeit der Zuspitzung des Widerspruchs durch die Überführung des Privat- in gesellschaftliches Eigentum unterstellt, geht die neue Formulierung davon aus, dass die extreme Zuspitzung dieses Widerspruchs aus existenziellen Gründen von vornherein verhindert werden muss.

 

- Es sind die Auswüchse privater Bereicherung und die Konkurrenz, die in der Spätphase des Kapitalismus – unter Nutzung des im Ausbeutungs- und Umverteilungsprozess angeeigneten Kapitals – die „Investoren“ dazu treiben, sich auch die gewinnträchtigen Naturreichtümer, wie Holz, Erdöl und andere Bodenschätze, weltweit anzueignen und zu „verwerten“.

 

- Zu den gewinnträchtigen Naturreichtümern gehört auch das Wasser. Infolge der Verschuldung der Kommunen wird auch die Wasserversorgung immer stärker privatisiert. Doch die „schlichten Privatisierungen kommunaler Versorger liefern die Bürger den Privaten zum Plündern aus.“[109] Privatisieren ermöglicht das Aneignen von fremdem Eigentum und Besitz mit Mitteln, die aus der Aneignung von fremdem Eigentum und Besitz resultierten. Privater Reichtum schließt heute nicht nur Privateigentum an Produktionsmitteln, Geldvermögen und Privatbesitz an Natur ein, sondern auch das Privateigentum an „verwertbaren“ Konsumtionsmitteln, wie an Wohnimmobilien, ferner an technischer und sozialer „Infrastruktur“.

 

- Es muss allerdings auch von persönlicher Bereicherung gesprochen werden, etwa wenn sich viele Menschen der „reichen“ Länder durch die Nutzung eigener Fahrzeuge eine Lebensweise leisten, die unser Lebenssystem infolge der klimawirksamen Abgase nicht dauerhaft verträgt.

 

- Selbst das Aneignen von Land durch die verarmte einheimische Bevölkerung in den „Entwicklungsländern“ mit dem Ziel, es nach der Brandrodung durch Urbarmachen zum Überleben zu nutzen, gehört zum persönlichen und gemeinsamen Bereichern, obgleich dies nicht einigermaßen vergleichbar ist mit der nach der Naturzerstörung auf Maximalgewinn orientierten landwirtschaftlichen Produktionsweise der Großgrundbesitzer dieser Länder.

 

- Letztlich ist es die gesamte Menschheit, die auf der Basis der Privatökonomie als Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft zugleich auf Kosten der Nachwelt lebt! Was in Form vielfältiger Waren und massenhaften Angebots als Fortschritt erscheint, trägt zum Untergang der Menschheit bei! Die Menschheit kann aus dieser Eigenentwicklung, die ihre Existenz gefährdet, nur ausbrechen, wenn sie rechtzeitig, also noch vor der maximalen Zuspitzung des existenziellen Grundwiderspruchs, erkennt, dass sie nur durch die Überführung des privaten und gesellschaftlichen Eigentums in Gemeineigentum und (eingeschränkten) Gemeinbesitz sowie nach der Ablösung der Privat- durch die Gemeinschaftsökonomie eine Zukunft hat.

 

 

These zur Charakterisierung der kapitalistischen Gesellschaft: Die kapitalistische Gesellschaft ist eine Bereicherungs-, Ausbeutungs-, Verarmungs-, Zerstörungs- und letztlich Selbstvernichtungsgesellschaft. Sie teilt die Menschheit nicht nur in Reiche und Arme; sie verarmt und zerstört zugleich ihre eigene, unsere Lebenswelt.

 

Anmerkungen:

- Die vorgeschlagene Charakterisierung soll das Wesentliche des privatökonomischen Entwicklungsprozesses in seiner Gesamtheit erfassen: Nach jahrtausendelanger dominanter Entwicklung in Form privater, gesellschaftlicher und nationaler Bereicherung durch die Ausbeutung von Menschen und zulasten unserer Lebenswelt bereits während der Sklavenhaltergesellschaft und des Feudalismus findet das Bereicherungsgeschehen heute im Kapitalismus mit der drohenden Selbstvernichtung der Menschheit seine existenzielle Zuspitzung: Wenn dieses Geschehen nicht als gesetzmäßige Negativentwicklung erkannt und ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, führt es tendenziell zur Selbstvernichtung der Menschheit!

 

- Auf dem XV. UNO-Gipfeltreffen über den Klimawandel in Kopenhagen äußerte der Präsident Boliviens, Evo Morales, am 17. Dezember 2009 in seiner Rede über „Unsere Völker erwarten Ergebnisse“:

>> Nachdem ich einige Beiträge von Präsidenten aus der ganzen Welt gehört habe, bin ich überrascht. Sie haben nur die Auswirkungen und nicht die Gründe des Klimawandels behandelt. Es tut mir sehr leid sagen zu müssen, dass wir offenbar aus Feigheit nicht die Gründe für die Umweltzerstörung auf dem Planeten Erde berühren möchten. Deswegen möchten wir von dieser Stelle aus bekräftigen, dass die Ursachen im Kapitalismus liegen. Wenn wir nicht feststellen, wovon die Zerstörung der Umwelt und folglich des Lebens und der Menschheit ausgeht, werden wir dieses Problem, das alle und nicht nur einen Kontinent, nur eine Nation, nur eine Region angeht, sicherlich niemals lösen können. Deshalb ist es unsere Pflicht, die Gründe für den Klimawandel auszumachen und ich möchte Ihnen vor meinem Volk und vor der Weltbevölkerung sagen, dass die Ursachen für all dies im Kapitalismus begründet sind. Selbstverständlich haben wir von Präsident zu Präsident, von Regierung zu Regierung tief greifende Differenzen. Worin aber liegen diese Differenzen? Wir haben zwei verschiedene Lebensweisen. Es stehen zwei verschiedene Lebenskulturen zur Debatte: die Kultur des Lebens und die Kultur des Todes. Die Kultur des Todes, das ist der Kapitalismus oder wie wir als indigene Völker sagen, die Kultur des Lebens auf Kosten des Anderen; und die Kultur des Lebens aber, das ist der Sozialismus, das gute Leben. … Zu Beginn meiner Aktivitäten in der UNO war ich sehr darüber besorgt, dass es offensichtlich keine Präsidenten gibt, die diese Wahrheit aussprechen. Alle lamentieren über den Klimawandel – aber niemand protestiert gegen den Kapitalismus, gegen den übelsten Feind der Menschheit. <<[110]

 

- Hugo Chávez, der Präsident von Venezuela, sagte in seiner Rede auf dem XV. UNO-Gipfeltreffen über den Klimawandel am 16. Dezember 2009 in Kopenhagen unter dem Titel „Der Kapitalismus ist der Weg ins Verderben“:

>> Lasst uns nicht das Klima ändern! Lasst uns das System ändern! Als Schlussfolgerung daraus fangen wir an, den Planeten zu retten. Der Kapitalismus, das Modell der zerstörerischen Entwicklung, macht das Leben zunichte. Er droht, die Gattung Mensch endgültig zu vernichten. << [111]

 

- Die kapitalistische Gesellschaft charakterisiert sich über ihre Sprache in vielfältiger Weise als Bereicherungsgesellschaft selbst, und zwar nicht nur in der Umgangssprache, wenn vom Abkassieren, Abzocken, Absahnen und dergleichen gesprochen wird; es gibt auch eine Gewinnwarnung statt Verlustwarnung, ein Nullwachstum statt Stagnation und eben jenes „ertragreiche“ Wirtschaftswachstum.

 

- Die kapitalistische Gesellschaft hat sich selbst entblößt, nachdem das bürgerliche Recht auch für die „bürgerliche Ehe“ die Bereicherungsmentalität unterstellt und vom „Güterstand der Zugewinngemeinschaft“[112] ausgeht. Damit wurde die Ehe von einer Lebens- und Wertegemeinschaft zur Wert“gemeinschaft“ degradiert, d. h., die Ehepartner sollen ihr erworbenes Geld nunmehr gemeinsam zur (weiteren) Bereicherung „anlegen“. Sie sind dann – wie es im deutschen Steuerrecht so „schön“ heißt – „gemeinsam veranlagt“!

 

 

These zur Herrschaftsweise des kapitalistischen Gesellschaftssystems: Die Macht des kapitalistischen Gesellschaftssystems resultiert aus dem Wirken der Privatökonomie. Sie bedient sich des internationalen Währungs- und Finanzsystems, insbesondere der so genannten Leitwährungen. Die Privatökonomie herrscht in Eigenentwicklung aus sich selbst heraus und dominiert tendenziell die Entwicklung der gesamten Menschheit. Deshalb braucht sie in ihrer am „höchsten“ entwickelten Form keine Diktaturen. Im Prozess der Globalisierung dehnt sie ihre Dominanz nach außen aus, im Prozess der Privatisierung nach innen. Was als Demokratie erscheint, unterliegt letztlich dem Diktat der Privatökonomie.

 

Anmerkungen:

- Das System der Privatökonomie ist in Wirklichkeit ein riesiges Netz, an dem sie überall auf unserer Welt wie eine Spinne webt. Dort, wo ihre Leitwährungen akzeptiert werden, beginnt sie zu herrschen, um die Beherrschten und deren Lebenswelt in den Bereicherungssog einzuverleiben und an die bereits Eingewebten anzuschließen. Die Menschen aller Länder sind an die Wertformen der Privatökonomie, an Geld, Edelmetall, Aktien usw., gebunden und zusammen verbunden. Die Fäden des Netzes führen insbesondere zu den Großbanken, die heute mittels des Internets die angeeigneten Werte zum Zwecke privater, gesellschaftlicher, nationaler, staatlicher und persönlicher Bereicherung aufsaugen, konzentrieren und wieder verbreiten, um die Bereicherungsspirale weiter voranzutreiben. Es bewahrheitet sich der Spruch aus der Umgangssprache: „Geld regiert die Welt!“

 

- Es handelt sich um ein ideelles Spinnennetz, das in der Überzeugung seiner Nutzer existiert und von allen Ecken und Enden der Welt Wertsubstanz aufsaugt und den „Investoren“ weiteren Wertzuwachs verspricht. Tagtäglich werden wir durch die Medien über die Ergebnisse der Bereicherungsmechanismen informiert und sollen in Unruhe versetzt werden, wenn die Bereicherungsspirale ins Stocken gerät. Tagtäglich werden per Knopfdruck Milliarden Dollar über das Bereicherungsnetz des Internet transferiert. Fehler an einer Stelle können innerhalb weniger Minuten zu riesigen Verlusten und zu großen Gewinnen an anderer Stelle führen.[113] Doch jeder „Erfolg“ der „Anleger“ ist ein kleiner Schritt weiter zur Selbstvernichtung der Menschheit!

 

- Dem ideellen Netz entsprechen verschiedenartige materielle Netze, die es ermöglichen, die den Wertsubstanzen entsprechenden Gebrauchswerte lokal, regional, national, international oder weltweit zu transportieren. Es sind dies die Handels- und Verkehrsnetze für den Schiffs- und Flugverkehr, die Straßen- und Schienennetze, die Rohrnetze usw. Der Tauschwert der Gebrauchswerte ist es, der es den Händlern und Anlegern ermöglicht, sich Wertsubstanz über die Datennetze anzueignen. Doch es gibt auch Spekulanten, die ausschließlich mit Wertsubstanz, etwa mit Währungen, „handeln“.

 

- Indem sich das Spinnennetz der Privatökonomie immer ausgedehnter und dichter über alle Länder der Erde spannt, werden die lokalen und regionalen Lebenssysteme, die uns das Leben ermöglichen, ausgesaugt, verarmt, belastet, vergiftet und zerstört.

 

- Wer im Fortschrittsglauben den Begriff Vernetzung fast als Zauberwort betrachtet, sollte prüfen, welchem Hauptziel die Schaffung neuer Netze unter kapitalistischen Bedingungen dient. Geht es primär um weltweiten Informations- und Warenaustausch oder um die Ausdehnung von Macht und Bereicherungsmöglichkeiten? Dient nicht auch das Schaffen dieser Netze vor allem privater Bereicherung? Es stellt sich deshalb die Frage, was mit den Netzen geschehen sollte, um die Bereicherungsspirale zu stoppen oder gar aufzulösen.

 

 

These zur Schaffung einer solidarischen und gerechten Gesellschaft: Die politischen Bestrebungen zur Schaffung einer solidarischen und gerechten Gesellschaft sind im Rahmen der existenziellen irdischen Gesamtproblematik fragwürdig, weil sie sich lediglich auf Menschen beziehen. Sie entsprechen einer egozentrischen Denkweise auf hoher Ebene, die den Besitzanspruch der Menschen über die Natur einschließt. Wenn wir nicht von vornherein der Bewahrung des irdischen Lebenssystems das Primat geben, insbesondere der Wiederherstellung des weltweiten ökologischen Gleichgewichts, scheitert die Menschheit an der eingeengten Zielstellung der „solidarischen“ und „gerechten“ Verteilung der letzten natürlichen „Ressourcen“ – auch wenn sie vor der Klimakatastrophe bis zum bitteren Ende zusammenstehen sollte.

 

Anmerkungen:

- Am 31. Januar 2010 wurde der Gründungsaufruf des Vereins „Institut Solidarische Moderne“ in Berlin verabschiedet. Darin wird auf der Suche nach „solidarischen und emanzipatorischen Alternativen zur herrschenden Politik“ und gegen die „neoliberale Hegemonie“ auf „die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns für eine solidarische Gesellschaft“ orientiert, „in der alle Menschen gleichberechtigt in Freiheit und Selbstbestimmung leben können“. „Der Verein bringt politische Menschen aus gesellschaftlichen Organisationen und aus politischen Parteien, aus akademischer Wissenschaft und aus sozialen Bewegungen zusammen, die Impulse für alternative Programme und eine alternative Politik geben wollen. Er versteht sich als Denkwerkstatt“.[114]

 

- Den Autoren des Aufrufs sind sich der „existenziellen gesellschaftlichen Gefahren“, der „Probleme unserer Welt“, und ihrer dramatischen Zuspitzung bewusst: „von den ökologischen und wirtschaftlichen Grenzen des bisherigen ressourcenvernichtenden Wachstums bis zum gravierenden Gefälle zwischen individueller Reichtumsanhäufung und um sich greifender Armut, von der alltäglichen Missachtung der Menschenrechte bis zu vielen neuartigen Konflikten und Friedensgefährdungen.“ Sie vertreten die Auffassung: „Die politische Alternative zum Neoliberalismus muss die untrennbaren Wirkungszusammenhänge von Ökologie und Wirtschaft sowie von sozialen und kulturellen Bedürfnissen der Menschen beachten. Sie muss den Grundwerten der freiheitlichen Selbstbestimmung und der grenzüberschreitenden Solidarität verpflichtet sein. Diese Alternative entsteht nicht von selbst. Sie muss erdacht, entwickelt und erprobt werden.“[115]

 

- Weiter heißt es im Aufruf: „Die neue Zeit braucht den politischen Kampf um eine ökologische Ökonomie, die sich auf erneuerbare Ressourcen stützt und die sozialen Kosten von Klima- und Umweltschäden vermeidet, den Kampf für eine gerechte Welt, in der niemand zu Lasten anderer lebt und in der Konflikte friedlich gelöst werden, in einem Geist kosmopolitischer Solidarität.[116]

 

- Die Verfasser des Gründungsaufrufs streben einen „substanziellen politischen Gegenentwurf zur Ideologie des Neoliberalismus“ an. Doch die Zielstellung zur Schaffung einer solidarischen und gerechten Gesellschaft krankt am Weg, wie sie erreicht werden soll. Es bleibt zu beantworten, ob ein Gesellschaftssystem unter Beibehaltung seiner ökonomischen Basis, unter Beachtung der etablierten Machtmittel und Strukturen auf politischem Wege überhaupt demokratisch revolutioniert werden kann und ob die Gesellschaft insgesamt in ihrem ökonomischen System gefangen ist, weshalb die angestrebten Ziele idealisiert sein könnten. Kann es in einer von privatem Profitstreben und Konkurrenz beherrschten Gesellschaft zwischen Reich und Arm eigentlich gerecht und solidarisch zugehen? Dürfen wir erwarten, dass unter den Bedingungen weltweiter Konkurrenz eine „ökologische Ökonomie“ eine Chance hat? Geht es um einen neuen Politikentwurf oder um einen neuen Gesellschaftsentwurf auf neuer ökonomischer Basis?

 

- In den „Überlegungen zur Systemveränderung“ äußert sich Friedrich W. Sixel zu einer grundlegenden Schwäche der derzeitigen Denk- und Herangehensweise: „Unser Verhältnis zur Natur ist verdreht. Und das ist ein kollektives Phänomen. … Als ob die Natur nur um uns herum, also da draußen, existiere, bloß ‚Umwelt’ sei und wir nicht selbst auch das sind, was wir bedrohen, nämlich Natur. Wortmonster wie die allerorts zitierten ‚Umwelt’-Schäden, ‚Umwelt’-Zerstörung … belegen unser verdrehtes und damit falsches Begreifen der Natur. … Richtige Politik kann nur betreiben, wer … den vorherrschenden Umgang mit der Natur in und um uns als Leid erlebt hat und deswegen der Natur das Primat gibt. … Dieses teuflisch sich immer mehr aufschaukelnde System kann nur überwunden werden, indem dort angesetzt wird, wo das System seine Grundlage hat: am verdrehten Verhältnis des Menschen zur Natur.“[117]

 

- Wenn wir Friedrich Sixel folgen und der Natur das Primat geben, dann erfordert dies, vom irdischen Lebenssystem in seiner Gesamtheit auszugehen sowie Vorstellungen zu entwickeln und Wege zu eröffnen, dass das weltweite ökologische Gleichgewicht durch „gerechten Ressourcenverbrauch“ nachwachsender Rohstoffe nicht weiter untergraben, sondern wiederhergestellt wird. Dann bedeutet solidarisches Handeln, dass die reichen Länder des Nordens den Menschen der armen Länder des Südens ihre natürlichen Existenzbedingungen sichern helfen, dass die reichen Länder aber ihre eigene Welt und damit die irdische Lebenswelt weniger belasten und vergiften, dass der Besitz an Natur zur profitablen Verwertung weltweit untersagt wird. Es geht letztlich um die Schaffung einer weltweiten Menschengemeinschaft, die sich bewusst in das irdische Lebenssystem einordnet und sich als ein Teil von ihm begreift!

 

 

6.3. Naturwissenschaftliche Aspekte spätkapitalistischer Entwicklung

 

Zur globalen ökologischen Krise: Die globale ökologische Krise resultiert insbesondere aus der Störung des globalen ökologischen Gleichgewichts, also des natürlich entstandenen Verhältnisses zwischen dem Anteil an pflanzlichem Leben einerseits und dem Anteil an tierischem sowie menschlichem Leben andererseits. Wenn das ökologische Gleichgewicht tendenziell zuungunsten des pflanzlichen Lebens stark gestört wird, kommt es über einen verstärkten Treibhauseffekt zu einem weiteren Aufheizen der Erdatmosphäre. Der zusätzliche Treibhauseffekt entsteht, weil die Gesamtheit an pflanzlichem Leben nicht mehr ausreicht, um den vergrößerten Anteil an Kohlendioxyd aus der Atmosphäre zu binden, der durch die privatökonomisch dominierte Produktions- und Lebensweise der Menschheit erzeugt sowie vom menschlichen und tierischen Leben insgesamt abgegeben wird. Werden die gesellschaftlichen Ursachen für das Entstehen der globalen ökologischen Krise nicht rechtzeitig erkannt und beseitigt, „kippt“ das Klima nach dem Überschreiten eines kritischen Wertes der Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre, was zu einem Weltbrand und zur weitgehenden Vernichtung unserer Zivilisation führt.

 

Anmerkungen:

- Im Verlaufe von Jahrmillionen hat sich auf der Erde ein Gleichgewicht zwischen dem tierischen und dem pflanzlichen Leben entwickelt, so dass tierisches Leben ohne Pflanzen nicht existieren kann und umgekehrt. Man spricht von einem ökologischen Gleichgewicht. Das auf der Erde entstandene Leben wird durch die fortwährende Aufnahme von Sonnenenergie ermöglicht, die die unteren Luftschichten auf durchschnittlich minus 18 Grad Celsius „aufheizen“ würde, wenn in der Atmosphäre keine Treibhausgase vorhanden wären.[118] Dank solcher Treibhausgase, wie vor allem Wasserdampf, Kohlendioxid und Methan, aber auch von anderen Gasen, die die von der Erde abgestrahlte Energie teilweise absorbieren, entsteht ein Treibhauseffekt von 33 Grad zusätzlicher Erwärmung, so dass auf der Erde eine durchschnittliche Lufttemperatur in Bodennähe von plus 15 Grad Celsius erreicht wird.[119] Erst dieser für uns normale Treibhauseffekt ermöglicht die Vielfalt des Lebens auf der Erde.

 

- Die Höhe des Beitrags der einzelnen Gase zum Treibhauseffekt ist extrem unterschiedlich. Während z. B. Wasserdampf mit einem Volumenanteil von bis zu 3 Prozent in der Atmosphäre mit 20,6 Grad am normalen Treibhauseffekt beteiligt ist, beträgt er beim Kohlendioxid 7,2 Grad, obgleich es in der Atmosphäre mit 0,03 Prozent nur als Spurengas nachgewiesen werden kann. Beim bodennahen Ozon sind die Verhältnisse noch extremer: Sein Beitrag zum normalen Treibhauseffekt beträgt 2,4 Grad Celsius, obgleich sein Volumenanteil in der Atmosphäre lediglich drei Millionstel Volumenprozente ausmacht.[120] Es gibt weitere Gase, die – für die Chemieindustrie bedeutsam – als Spurengase in der Atmosphäre vorhanden und als Treibhausgase wirksam sind.

 

- Bei möglichen künftigen Veränderungen der Zusammensetzung der Erdatmosphäre und damit auch bei der Ausbildung eines zusätzlichen Treibhauseffektes spielt das Kohlendioxid die dominierende Rolle. Die Schätzungen, wie weit mögliche Temperaturerhöhungen der unteren Luftschichten von den einzelnen Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten bewirkt werden könnten, liegen für Kohlendioxid zwischen 2 und 4 Grad Celsius.[121]

 

- Der Anteil an Kohlendioxid in der Atmosphäre erhöht sich erstens dann, wenn pflanzliches Leben in seiner Gesamtheit, etwa zur Papier- und Energiegewinnung sowie zur veränderten Flächennutzung, in großem Umfange und schneller zerstört wird, als es wieder nachwachsen kann, zweitens wenn fossile Stoffe, wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die seit Millionen von Jahren Kohlenstoff fest binden, zur Energiegewinnung verbrannt werden, drittens wenn die Gesamtheit an menschlichem und tierischen Leben zunimmt.

 

- Aus den Darlegungen geht hervor, dass das Einschränken des Ausstoßes an Kohlendioxyd zur Abwendung einer Klimakatastrophe keinesfalls ausreicht. Kritisch sind der Grad der Störung des globalen ökologischen Gleichgewichts, die historisch bereits verursachte Anreicherung von Kohlendioxyd und der anderen klimawirksamen Gase in der Erdatmosphäre sowie die bereits erfolgte Erderwärmung der Luft, der Ozeane und Meere.

 

- Welche Belastung das historische Erbe des bereits gestörten globalen ökologischen Gleichgewichts darstellt, zeigen neuere Untersuchungen: „Auch wenn die Menschheit von sofort an keinerlei Kohlendioxid mehr in die Erdatmosphäre abgeben würde, könnte das den Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten nicht stoppen. Mindestens 20 Jahre lang stiege die Durchschnittstemperatur auf der Erde noch um mehrere Zehntelgrad an; das Treibhausgas Kohlendioxid wäre dennoch erst im Jahre 2100 wieder auf das Niveau von 1975 gesunken. Dieses >>Generationen-Erbe des Klimawandels<< haben der französische Umweltforscher Pierre Friedlingstein und seine US-Kollegin Susan Solomon errechnet und in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift >>Proceedings<< der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. … >>Unsere Kalkulationen machen deutlich, wie jede Generation einen von CO2-Emissionen bewirkten, wesentlichen Klimawandel von früheren Generationen erbt<<, halten Friedlingstein und Solomon fest. >>Die derzeitigen Emissionen werden also erheblich zum Klimawandel für künftige Generationen beitragen. <<“[122] Die Ergebnisse der beiden Forscher erklären sich u. a. dadurch, weil die bereits erfolgte Erwärmung der Ozeane und Meere erst nach Jahrzehnten klimawirksam wird.

 

- Dass die Stärke des zusätzlichen Treibhauseffekts sehr schwierig voraussehbar ist, zeigt sich am Treibhausgas Methan. Es ist in großer Menge in Meeresböden gebunden, entsteht bei Fäulnisprozessen u. a. beim Reisanbau, aber auch in vermehrtem Umfange, wenn die Dauerfrostböden der nördlichen Hemisphäre auftauen. Deshalb könnten es sekundäre oder tertiäre Wirkungen sowie zeitliche Fernwirkungen sein, die letztlich zum Kollaps führen.

 

- Die Untersuchung des bis vor wenigen Jahren von den Klimaforschern unzureichend erforschten Einflusses der Verschmutzung der Erdatmosphäre zeigt, dass der Treibhauseffekt bereits heute schon weitaus stärker wirksam wäre, wenn die Sonneneinstrahlung nicht durch Verschmutzung, durch die so genannte Schwarze Sonne, gebremst würde. Als es nach dem 11. September 2001 für drei Tage zu einem absoluten Flugverbot über die USA kam, stieg die Durchschnittstemperatur für das gesamte Land um ein Grad! Unter Berücksichtigung der Wirkungen der Schwarzen Sonne wird davon ausgegangen, dass der tatsächliche Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche innerhalb von 50 Jahren um 5 Grad und innerhalb von 100 Jahren um 10 Grad betragen wird! Dies wäre für das irdische Leben in der Tat tödlich! Als Konsequenz bleibt nur die notwendige Reduzierung sowohl der Luftverschmutzung als auch des Kohlendioxydanteils aus der Erdatmosphäre.[123] Nach kürzlich vorgestellten Untersuchungen von Andreas Kerschbauer von der Freien Universität Berlin kann sich die bereits hohe Belastung der Berliner Luft mit Feinstaub in Abhängigkeit von den Windverhältnissen durch zusätzlich herangetragene Rauchfahnen „von Braunkohle-Kraftwerken, die sich in der Lausitz, in Südpolen und in Tschechien befinden“ um das Doppelte erhöhen.[124] Eine solche zusätzliche Verschmutzung könnte sich insofern als außerordentlich problematisch erweisen, weil es ernst zu nehmende Hinweise dafür gibt, dass sich der Schmutz der Luft unter besonders extremen Bedingungen über einer Stadt entzünden und die Stadt in Schutt und Asche legen kann.[125]

 

- Es könnte irgendwann eine einzige wesentliche Aktivität zulasten unseres Lebenssystems sein, die unser Klima zum „Kippen“ bringt und die weltweite Katastrophe auslöst. Die riesigen in vielen Gebieten der Erde in den vergangenen Jahren teils natürlich entstandenen Waldbrände sind Vorboten jenes alles verheerenden Weltbrandes. Der Kollaps tritt ein wie bei einem einzelnen Lebewesen, dessen Körpertemperatur eine bestimmte Grenze überschreitet.

 

- Das Streben der Privatökonomie ist tendenziell gegen die Erfordernisse der Wahrung des ökologischen Gleichgewichts gerichtet. Wirtschaftswachstum orientiert auf massenhaften Verbrauch, um den Umsatz zu erhöhen und die Gewinne zu maximieren. Zeitungsverlage streben zum Beispiel möglichst große Auflagen ihrer Zeitungen mit möglichst vielen Seiten an, um durch gut bezahlte Werbung und Annoncen zusätzlich Gewinne zu erzielen. Auf anderen Gebieten werden dem Mehrverbraucher je verbrauchter Einheit finanzielle Vorteile eingeräumt, wie z. B. beim Verbrauch an Erdgas und an Elektrizität. Doch besonders krass ist das Fehlverhalten der Automobilindustrie, die nicht nur die Produktion von Autos mit geringem Spritverbrauch hinauszögert, sondern dabei ist, den in den „reichen“ Ländern üblichen Individualverkehr auf andere Staaten auszudehnen. Im Jahre 1996 fand ich eine Zeitungsnotiz, nach der "der italienische Konzern Fiat ... ein Auto" konstruiert hat, "das ausschließlich in Entwicklungsländern verkauft werden soll." Der Autor führte dazu aus: "Erst will man Brasilien und Argentinien, dann Indien und China mit dem neuen Kleinwagen 'Palio' beglücken. Jeder weiß: Die Übertragung westlicher Autodichte auf die ganze Welt führt zum Klimakollaps. … Die Fiat-Manager versuchen gar nicht, das zu bestreiten. Stumm sind sie auch nicht. Der Vizepräsident des Konzerns sagt: 'Wenn wir das nicht tun, machen es andere.'" Und weiter schrieb der Autor: "Da ist ein Markt, der Gewinn verspricht, also wird der Gewinn auch geholt, also kann man ihn sich auch selbst holen. Darin steckt eine Regel: Wenn etwas möglich ist, muss man es tun; einige erliegen dem Zwang bestimmt, also darf auch Fiat schwach werden. ... Man kann daraus nur schließen, dass … Autoverkehr, …selbst wenn er beliebig steigt, gerechtfertigt ist. Mit dem Autoverkehr ist auch der Klimakollaps gerechtfertigt."[126] Es bleibt zu ergänzen, dass es das kapitalistische System ist, dass derlei „Zwänge“ erzeugt und dass uns folglich nur seine Ablösung vor der Selbstvernichtung bewahrt.

 

- Welche Folgen hätte ein Weltbrand für das Leben auf der Erde? Es gab einen Weltbrand „vor 250 Millionen Jahren“. Er wurde vom „größten Vulkanausbruch“ ausgelöst, „den die Erde je erlebt hat“, und zwar im heutigen Sibirien. „Der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre schnellte hoch, der Treibhauseffekt explodierte. Die Erde überhitzte, saurer Regen tötete die Pflanzen. Die Welt brach zusammen.“ Es wurde „kaum noch Biomasse produziert“. Der „Sauerstoffgehalt fiel und fiel … von etwa 30 Prozent auf 15 oder gar nur 13 Prozent. Und die Luft blieb ‚stickig’, fünf Millionen Jahre lang. Das hatte Auswirkungen auf die Organismen. … Organismen, die wenig Sauerstoff brauchten, profitierten von dieser Welt. Die ersten Saurier tauchen vor 230 Millionen Jahren auf, als der Sauerstoffgehalt am geringsten war.“[127] Der Sauerstoffgehalt der Luft liegt heute bei 20,93 Prozent.[128] Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das allmähliche Absinken des Sauerstoffgehalts der Erdatmosphäre auf das menschliche Leben hätte und ob Menschen nach einem Weltbrand infolge unzureichender Sauerstoffversorgung irgendwo auf der Erde überhaupt überleben könnten.

 

 

Zur Überbevölkerung: Eine wesentliche Verschärfung der ökologischen Krise kann – relativ unabhängig vom gesellschaftlichen Geschehen – allein aus einer unkontrollierten Bevölkerungsentwicklung entstehen. Eine solche Entwicklung stört das ökologische Gleichgewicht dann, wenn die Gesamtheit des menschlichen und tierischen Lebens im Missverhältnis zur Gesamtheit des pflanzlichen Lebens steht, wenn die Menge an abgegebenem Kohlendioxid die Aufnahmemöglichkeiten der gesamten Pflanzenwelt übersteigt. Jede Gesellschaft müsste in diesem Falle – unabhängig von der Verursachung der Überbevölkerung – ihre Bevölkerungsanzahl langfristig zielgerichtet reduzieren.

 

Anmerkungen:

- Das zielgerichtete Reduzieren der Überbevölkerung setzt das Wissen voraus, wie viele Menschen die Erde zu tragen und zu ernähren vermag, ohne ihrem Lebenssystem in seiner Ganzheit zu schaden. Es ist anzunehmen, dass bereits heute viel zu viele Menschen auf der Erde leben, so dass die Überbevölkerung als ökologische Falle wirken kann. Es sind folglich Strategien zu entwickeln, wie die Reduzierung der Überbevölkerung erreicht werden kann.

 

- Wesentlich ist auch die Kenntnis, ob es im Rahmen des kapitalistischen Gesellschaftssystems überhaupt möglich ist, die Bevölkerungsanzahl in kontrollierter Form weltweit zu reduzieren. Sollte sich dies als unmöglich erweisen, wäre das allein schon ein ausreichender Grund, das System abzulösen!

 

- Die Akzeptanz der Erkenntnis, dass die Menschheit durch die Verschärfung der ökologischen Krise in ihrer Existenz durch das gemeinsame Wirken von Gesetzmäßigkeiten der Natur und der Gesellschaft bedroht ist, wird sich als überaus schwierig erweisen. Doch erst aus dieser Erkenntnis leitet sich die Möglichkeit ab, die existenzielle Krise der Menschheit zu überwinden. Dies wird nur dann möglich sein, wenn die Völker der Erde im globalen Rahmen über alle politischen, nationalen, ideologischen und religiösen Schranken hinweg gemeinschaftlich denken und handeln lernen.

 

 

6.4.   Ein neues dialektisches Gesetz der gesellschaftlichen Entwicklung?

       

These zur Entwicklung des Gesellschaftlichen: Infolge von Konkurrenz und privatem Überlebenskampf erzeugen private Bereicherungsbestrebungen individualistisch dominierte Gesellschaften. Auf der Basis von privatem Reichtum setzt sich das Individualistische weltweit schrankenlos durch und zerstört tendenziell das Gemeinschaftliche. In Form des Nationalismus können Gesellschaften auch individualistische Züge auf „höherer“ Ebene annehmen. Hinter einem spezifischen Nationalismus können sich Absichten und Bestrebungen nach gesellschaftlicher Bereicherung verbergen, die sich im Bemühen nach internationaler wirtschaftlicher Dominanz äußern, aber auch im Überlegenheits- und Herrschaftsanspruch über andere Nationen, im Annektieren fremder Territorien sowie in der Unterjochung und Versklavung anderer Völker.

 

Anmerkungen:

- Das Bestreben nach privatem Eigentum und Besitz jedweder Form erzeugte im Verlaufe der historischen Entwicklung Bereicherungsgesellschaften. Heute dominiert innerhalb dieser Gesellschaften verstärkt das Individualistische und im Rahmen des Individualistischen das Privatökonomische. Dies reicht bis in die Familien hinein, etwa bei Erbschaftsstreitigkeiten.

 

- Karl Marx spricht von Selbstentfremdung: Der Mensch als Gemeinschaftswesen entfremdet sich von sich selbst, indem er seinen Erfolg am finanziellen und materiellen Ergebnis misst, nicht aber am angeeigneten geistigen Reichtum, nicht an der erreichten Gemeinschaftlichkeit selbst. Nach Marx ist es „größter Reichtum, … den andren Menschen als Bedürfnis“ zu „empfinden“[129]

 

- Das Zerstören des Gemeinschaftlichen bezieht sich sowohl auf Gemeinschaften zwischen den Menschen als auch auf Gemeinschaften in der Natur. Es bewirkt das Nichteinordnen von Menschen in natürliche Lebenssysteme und den Versuch von Gesellschaften zur Naturbeherrschung.

 

- Im Kampf um das private Überleben im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf steht der Einzelne bzw. das einzelne Unternehmen letztlich gegen die gesamte Menschheit und gegen sich selbst. Ein Einzelner bzw. ein einzelnes Unternehmen kann durch eine Aktivität letztlich die weltweite ökologische Katastrophe auslösen, wenn die Schwelle des Erträglichen für das irdische Lebenssystem überschritten wird.

 

 

These zum dialektischen Gesetz der Vereinigung oder der Divergenz: In Abhängigkeit von den Eigentums- und Besitzverhältnissen und ihren Veränderungen kann gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Entwicklung tendenziell entweder zu immer höheren Formen gewollter Gemeinschaftlichkeit oder zur Zunahme ungewollter Divergenz führen.

 

Anmerkungen:

- Private Eigentums- und Besitzverhältnisse erlauben nur eine eingeschränkte gesellschaftliche Entwicklung. Sie schließen tendenziell eine Negativentwicklung unter Verstärkung der gesellschaftlichen Ungleichheit und Gegensätzlichkeit ein, führen zur gegenseitigen Bekämpfung, zur geistigen Kluft zwischen den ungleich Betroffenen, zu nicht übereinstimmenden Auffassungen, zu unterschiedlichen Ideologien, unauflösbaren Antagonismen und letztlich zur möglichen gegenseitigen Vernichtung – falls die materiellen Grundlagen der gegensätzlichen Entwicklung nicht beseitigt werden.

 

- Damit sind private Eigentums- und Besitzverhältnisse auch die entscheidende Grundlage für die Ausbreitung gesetzwidrigen Verhaltens von einzelnen Menschen, des Missbrauchs von Menschen gegen Menschen, des organisierten Verbrechens bis hin zum Provozieren von Kriegen.

 

- Die politischen Parteien sind das Ergebnis gesellschaftlicher Divergenz. Ihre Vertreter agieren als Repräsentanten der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, der Klassen und Schichten, die unter eingeschränkter Demokratie versuchen, die Interessen ihrer Gruppen zur Aufrechterhaltung bzw. Bekämpfung der unsozialen Verhältnisse wahrzunehmen. Die Einschränkung der Demokratie ergibt sich aus der fehlenden direkten Einflussnahme auf das wirtschaftliche Geschehen sowie aus dem Lobbyismus.

 

- Negative Wirkung des genannten Gesetzes können sich – auch unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen – bereits beim vereinzelt lebenden Menschen ergeben, etwa wenn er sich bewusst gegen die Ehe entscheidet. Über die Ehe und Familie kann der Mensch zuerst den Sinn und die Nützlichkeit gemeinschaftlichen Lebens und Handelns erlernen.

 

- Die Möglichkeit zu allseitiger menschlicher Entwicklung in immer höheren Formen der Gemeinschaftlichkeit setzt Gemeineigentum und Gemeinbesitz voraus; die Möglichkeit und Notwendigkeit zu neuer gemeinschaftlicher Vereinigung erwächst aus neuer dauerhafter Kommunikation und Kooperation.

 

 

6.5. Anforderungen an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung

 

Gemeinschaften im engeren Sinne: Gemeinschaften der nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung im engeren Sinne sind Menschen, die in ihrem Lebensraum zur Vervollkommnung ihrer geistigen Entwicklung ihre eigenen Lebens- und Produktionsbedingungen im Sinne der rationelleren Befriedigung sich entwickelnder geistiger, kultureller und materieller Bedürfnisse auf der Basis voller Demokratie gemeinschaftlich reproduzieren. Das schließt ein, dass auch das Bedürfnis nach Arbeit von der Gemeinschaft möglichst im eigenen Lebensbereich erfüllt wird.

 

Anmerkung:

- Gemeinschaften im engeren Sinne sind Ehepartner, Familien, Dorfgemeinschaften, Hausgemeinschaften, Siedlungsgemeinschaften etc. bis zur Menschheitsgemeinschaft.

 

Gemeinschaften im weiteren Sinne: Unter den Bedingungen einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung sind Gemeinschaften im weiteren Sinne Lebensgemeinschaften, die sich aus der bewussten Einordnung der Menschen in ihre natürliche Lebenswelt entwickeln, wobei Menschengemeinschaften Verantwortung für die Erhaltung und Gesundung von Lebensgemeinschaften der Natur übernehmen können.

 

Anmerkung:

- Im diesem Sinne sollte auch eine Weltgemeinschaft für das gesamte irdische Lebenssystem angestrebt werden.

 

These zum eingeschränkten Anspruchsdenken: Eine grundlegende Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung ist die Reduzierung des Anspruchsdenkens aller Menschen an Eigentum und Besitz über die gemeinschaftlich vorgegebene Orientierung hinaus. Keinem Menschen darf es weiterhin ermöglicht werden, sich durch sein Eigentum bzw. seinen Besitz  auf Kosten anderer Menschen und zulasten der Natur zu bereichern. Auch das persönliche Eigentum und der persönliche Besitz sollten auf ein sinnvolles Maß beschränkt bleiben.

 

These zur Aufhebung staatlicher Grenzen: Die Reduzierung des Anspruchsdenkens heißt auch, dass Staaten und Nationen „ihre“ Territorien mit dem natürlichen Reichtum an Bodenschätzen, Wäldern, Böden, Seen, Uferzonen usw. nicht mehr als ihren Besitz betrachten und nicht mehr nach eigenen Vorstellungen und Zielen mit diesem Reichtum umgehen. Die Natur ist der Lebensraum allen irdischen Lebens. Es bedarf der gleichberechtigten Abstimmung zwischen allen betroffenen Völkern und Kulturen, wie mit dem Reichtum der Natur umgegangen wird und wer für die Erhaltung welcher Bereiche der Natur künftig Verantwortung übernimmt. Inhalt dieser Abstimmung muss es sein, den Völkern und Kulturen gemeinsam zu bestätigen, was künftig ihr Siedlungsgebiet und ihr nutzbarer Naturbesitz sein wird.

 

These zur vollen Demokratie: Volle Demokratie bedeutet, dass auf Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz die Menschen eines Gemeinwesens über alle wesentlichen Belange ihrer Entwicklung, ihrer Lebens- und Produktionsweise eigenständig entscheiden, wobei sie von den Empfehlungen der weltweit verantwortlichen geistigen Führung, der Führungen ihrer Kultur und ihrer Region in Abstimmung mit den kooperierenden Völkern ausgehen.[130]

 

These zur nachkapitalistischen Produktionsweise: Die Zielstellung, möglichst alle gemeinschaftlich anerkannten Bedürfnisse, also auch das Bedürfnis nach anspruchsvoller Arbeit auf rationelle Weise zu befriedigen, erfordert eine weitgehend dezentralisierte Produktion und ihre Einordnung in die Siedlungsgebiete. Dabei ist es wesentlich, dass Fortschritte in der Produktionsweise an einem Standort über ein weltweites Informationsnetz möglichst schnell zu anderen Standorten auf der Erde übertragen werden.

 

These zur nachkapitalistischen Lebensweise: Infolge der Überbevölkerung der Erde erfordert die Sicherung des Überlebens der Menschheit unter nachkapitalistischen Bedingungen eine bewusste Vergemeinschaftung der Lebensweise, d. h. eine solche Veränderung der Siedlungsstruktur und Bauweise, dass die Menschen alle wesentlichen Lebensbedürfnisse im Sinne rationeller Bedürfnisbefriedigung mit möglichst geringem Verkehrsaufwand unmittelbar in ihren Siedlungen und Siedlungsgebieten befriedigen können. Das schließt den weitgehenden Verzicht auf den motorisierten Individualverkehr ein.

 

Anmerkung:

- Es geht um das Beenden der Zersiedelung der Lebensräume. Es geht auch um den Rückbau vieler Verkehrstrassen, die durch das individualistische Verkehrsverhalten erforderlich wurden, und um den Rückbau der Versiegelung von Böden für den „ruhenden Verkehr“.

 

These zur generellen Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung: Die generelle Anforderung an die nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung ist die einheitliche Lösung der ökologischen und der sozialen Frage unter der Dominanz der Wiederherstellung einer gesunden irdischen Lebenswelt. Sie kann auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz sowie unter Anwendung der Gemeinschaftsökonomie erreicht werden.

 

Anmerkungen:

- Eine einheitliche Lösung anzustreben, bedeutet eine gleichartige ökonomische Denkweise im Sozialen und im Ökologischen zu realisieren.

 

- Die Dominanz in der Wiederherstellung einer gesunden irdischen Lebenswelt erfordert eine adäquate Lebens- und Produktionsweise.

 

- Die Basis für eine einheitliche ökonomische Denkweise und für die mögliche Dominanz des Ökologischen sind adäquate Besitz- und Eigentumsverhältnisse, also Gemeinbesitz und Gemeineigentum.

 

 

These zur breiten Nutzbarmachung der Raumenergie: Den beiden Formen von Ökonomie, der Privatökonomie und der Gemeinschaftsökonomie, entsprechen adäquate Formen systemimmanenter und systemfremder Energiegewinnung. Während unter kapitalistischen Bedingungen trotz tendenzieller Gefährdung der Menschheit aus Profitgründen primär der Verbrauch fossiler Energieträger praktiziert und die Existenz der Raumenergie negiert wird, belegen langjährige Forschungen und technologische Entwicklungen, dass die Nutzbarmachung der Raumenergie zur rationellsten Form allgemeiner Energiegewinnung werden könnte. Unter Nutzung entsprechender Technik ist Raumenergie mit geringem Aufwand überall und zu jeder Zeit dauerhaft verfügbar. Sie muss nicht „erneuert“ werden. Doch sie ist nicht profitabel! Deshalb wird ihre Anwendbarkeit seit Jahrzehnten extrem behindert. Die Raumenergie könnte für die Menschheit zur Überlebensenergie und zu einem entscheidenden Mittel für den Aufbau einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung werden!

 

Anmerkungen:

- Die Raumenergie ist die Energie des „leeren Raumes“. Sie existiert überall im Universum und ist ständig verfügbar, auch bei vollständiger Abwesenheit von Elementarteilchen. Sie wurde experimentell nachgewiesen und mit Hilfe unterschiedlicher Raumenergie-Technik (RET) bereits nutzbar gemacht. Raumenergie wird synonym auch als Vakuumenergie, Freie Energie, Orgonenergie und Nullpunktenergie bezeichnet. Ihre Nutzbarmachung geht davon aus, dass jeder Raum mit „Äther“ gefüllt ist. Die Wellen und Strömungen des Äthers sind riesige, unerschöpfliche Energiequellen. Um Energie aus dem umgebenden Raum zu absorbieren, muss man auf dem Wege der Ätherwellen und Ätherströmungen Barrieren errichten. Konverter verwandeln die Raumenergie in elektrische Energie. Dies geschieht ohne Verbrennungsprozesse und ohne Belastung der Umgebung. Zur Energiegewinnung sind RET-Geräte faktisch überall unabhängig voneinander jederzeit einsetzbar, so z. B. in Fahrzeugen, Flugzeugen, Betrieben und Haushalten. RET-Geräte können ununterbrochen arbeiten. Sie brauchen einen sehr geringen Wartungsaufwand. Wenn sie einmal verfügbar sind, arbeiten sie faktisch kostenlos!

 

- Weil die Nutzbarmachung der Raumenergie nicht profitabel ist, wird ihre Existenz verschwiegen, obgleich hunderte Spezialisten in Deutschland, den USA, Russland, Österreich und der Schweiz erfolgreich an ihrer Erforschung und Anwendung arbeiten und eine erste sehr wichtige Erfindung zu ihrer Nutzung bereits 80 Jahre zurückliegt. Die Deutsche Vereinigung für Raumenergie (DRV) besteht seit fast 30 Jahren!

 

- Eine Fülle an Hinweisen zum Stand der Entwicklung und Anwendung der Raumenergie-Technik (RET) findet sich im Buch „Raumenergie-Technik. Weltweit der vorteilhafteste Weg zur Nachhaltigkeit der Energieversorgung“ von Josef Gruber. Die Flut an Informationen in diesem Buch steht im Gegensatz zur verbreiteten Unkenntnis des Begriffes Raumenergie![131]

 

- Aus einer zuverlässigen Quelle ist bekannt, dass es Nikola Tesla (1856-1943) bereits im Jahre 1930 gelang, auf der Basis eines früheren Patents ein Auto umzubauen, das unter der Nutzung von „Ätherenergie“ (Raumenergie) eine Fahrtgeschwindigkeit von 135 km/h erreichte. Er führte sein „Tesla-Auto“ dem deutschen Erfinder Heinrich Jebens bei dessen Besuch am 9.12.1930 in den USA vor. Dem Auto war der Benzinmotor und der Benzintank entnommen worden. Ein Monteur befestigte auf der Beifahrerseite einen Konverter und steuerte im Beisein von Nikola Tesla und Heinrich Jebens das umgebaute Auto von der Montagehalle am Rande von Buffalo im Bundesstaat New York zu den Niagarafällen und zurück.[132] Die geniale Erfindung von Nicola Tesla wird seit 80 Jahren offiziell verschwiegen und verfälscht. Der Konverter verschwand. Ein Nachbau des Tesla-Autos wurde bisher verhindert.[133] Wenn er gelingen würde, wäre das Tesla-Auto ein herausragendes Beispiel, das weltweit für die allgemeine Nutzbarmachung von Raumenergie zum Vorbild werden könnte. Es bestünde in relativ kurzer Zeit die Möglichkeit, die Energieversorgung der Menschheit klimaneutral umzustellen und zu dezentralisieren. Selbst auf die Gewinnung „erneuerbarer Energien“ könnte durch die ständig verfügbare Raumenergie in absehbarer Zeit verzichtet werden! Nikola Tesla, der Erfinder des Wechselstroms, schrieb bereits im Jahre 1900: „Ehe viele Generationen vergehen, wird unsere Maschinerie durch Energie angetrieben werden, die an jedem Punkt im Universum erhältlich ist – es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Mensch seine Maschinerie erfolgreich an das Räderwerk der Natur selbst angeschlossen haben wird.“[134]

 

- Die größte Breitenanwendung zur Nutzung von Raumenergie erzielte bisher die 1985 entwickelte Raumenergie-Technologie zur Gebäudetrockenlegung. Sie wurde auf dem Ersten Raumenergie-Kongress im Juni 2007 in Wien vorgeführt. Der Erfinder des Mauertrockenlegungssystems AQUAPOL ist der österreichische Ingenieur Wilhelm Mohorn. Für seine „funktionale Grundlagenforschung“ wurde er 1995 mit der Kaplanmedaille ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung für Forscher und Erfinder in Österreich. AQUAPOL hat zur Mauerwerkstrockenlegung bisher 43.000 Geräte eingesetzt, u. a. für einen Trakt des ungarischen Parlaments. Das Mauerwerk wird weder durchgeschnitten, nicht chemisch injiziert, noch wird Fremdstrom verwendet.[135]

 

- Die Antwort auf die Frage, ob die Energiekonzerne in die breite Nutzbarmachung der Raumenergie investieren, kann unter den Bedingungen kapitalistischer Konkurrenz und Profitgier nur negativ ausfallen. Dies aber bedeutet, dass private Profitinteressen über existenzielle Menschheitsinteressen gestellt werden! Die Nutzbarmachung der Raumenergie ist damit zu einem Politikum ersten Ranges geworden – auch wenn heute die meisten politisch aufgeschlossenen Menschen hinsichtlich der Existenz, Akzeptanz und Bedeutung der Raumenergie unbewusst nach der Devise handeln: Es kann nicht sein, was – aus der Sicht der Energiekonzerne – nicht sein darf!

 

- Weil wir in den vor uns stehenden Jahrzehnten das Überleben der Menschheit sichern wollen, sind alle progressiven Kräfte der Menschheit aufgefordert, die derzeitigen Entwicklungstendenzen und Entwicklungsmöglichkeiten neu einzuschätzen sowie alle konstruktiven Gedanken aufzugreifen, um eine Überlebensordnung aufzubauen. Wir sollten uns bemühen, eine konzertierte Aktion von Fachleuten der Raumökonomie, von progressiven Unternehmern und Politikern sowie von Praktikern der Gemeinschaftsökonomie anzustreben, um mit oder ohne staatliche Unterstützung Projekte zu realisieren, die zu technologischen Lösungen der Nutzbarmachung der Raumenergie für den täglichen Gebrauch führen und vielfach genutzt werden können.

 

 

7. Zur Problematik der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems

 

7.1. Zur notwendigen Ablösung des Kapitalismus als System

 

These zur Systemablösung: Der Prozess der Globalisierung hat dazu geführt, dass die Menschen fast aller Länder über das weltweite Netz der Privatökonomie im kapitalistischen System gefangen sind oder als „Verlierer“ ausgesondert wurden. Das Gefangensein betrifft sowohl die Reichen als auch die Armen. Keiner kann sich den Systemwirkungen der Privatökonomie und ihren Fehlwirkungen entziehen. Im Rahmen der Eigenentwicklung dieses Systems können zwar Veränderungen erkämpft werden, ohne jedoch die Entwicklungstendenz zur Zuspitzung der Widersprüche und zur Selbstaufhebung des Systems durch Selbstzerstörung zu verhindern. Der einzige Weg, um der apokalyptischen Gefahr der Selbstvernichtung zu entgehen, besteht in der rechtzeitigen weltweiten Ablösung der kapitalistischen Ordnung durch eine weltweite Gemeinschaftsordnung.

 

Anmerkungen:

- Die Reichen und Wohlhabenden sind infolge der Konkurrenz, die minder Bemittelten und die Armen über Ausbeutung und Arbeitslosigkeit an das kapitalistische System gebunden. Wer sich von den Reichen und Wohlhabenden nicht weiter bereichert, wer mit seinem Unternehmen nicht weiter „wächst“, wer mit Massen- und Billigangeboten auf dem Markt keinen Erfolg hat, dem droht die Insolvenz und Verarmung. Wer jedoch von den Armen die Billigangebote ausschlägt, gerät letztlich in existenzielle Gefahr, weil er steigende Miet- und Energiekosten, Steuern und Kinderbetreuung nicht mehr bezahlen kann.

 

- Alle Menschen insbesondere der „reichen Länder“ leben bewusst oder unbewusst auf Kosten der Nachwelt und der Dritten Welt. Dies äußert sich in der finanziellen Verschuldung der Staaten sowie in Belastungen und Zerstörungen unserer Lebenswelt. Was als „soziale“ Marktwirtschaft in den „reichen Ländern“ erscheint, erwächst nicht zuletzt aus dem unsozialen Verhalten gegenüber der Dritten Welt und aus Verletzungen weltweiter ökologischer Erfordernisse.

 

- Der Einzelne lernt, wenn er selbst betroffen ist, sowohl aus dem Negativen als auch aus dem Positiven. Er neigt, sich an Streiks gegen das Unsoziale oder gar an politischen Auseinandersetzungen zu beteiligen, wenn er selbst unter den gesellschaftlichen Verhältnissen leidet; er verteidigt unter den Bedingungen der „sozialen Marktwirtschaft“ sein Lebensniveau, ohne zu übersehen, ob und auf wessen Kosten er sich bereichert. Er wird jedoch zusammen mit vielen anderen Menschen neue Wege gehen wollen, wenn er sie kennt und wenn er spürt, dass die „Überflussgesellschaft“ durch fortwährendes „Wirtschaftswachstum“ Naturzerstörung und Naturbelastung nach sich zieht, dass sie verstärkt Naturkatastrophen und letztlich eine Klimakatastrophe provoziert.

 

- Die kapitalistische Gesellschaft hat mit dem Internet ein elektronisches System geschaffen, um den weltweiten privaten und gesellschaftlichen Bereicherungsprozess mit elektronischen Mitteln zu stützen, zu beschleunigen und zu perfektionieren. Zur Ablösung des Kapitalismus als weltumspannendes privatökonomisches System wird letztlich auch die Ablösung des Internet als elektronisches Bereicherungsnetz gehören und seine Nutzung als ein Informationsnetz, das der weltweiten Verbreitung und Nutzung neuer Erkenntnisse und Lösungen dient.

 

- Weil es ein System ist, dass die Menschheit unabhängig vom Willen des Einzelnen beherrscht und tendenziell in die Katastrophe führt, weil dieses Gesellschaftssystem durch das innere Wirken der Privatökonomie auf Konkurrenz, auf massenhaften Verbrauch von Natur und auf unbeschränkter privater Bereicherung ausgerichtet ist, muss ein neues System gegensätzlichen Charakters, ein Gemeinschaftssystem, initiiert werden. Das Gegensätzliche schließt ein

erstens der Konkurrenz die Kooperation und den Erfahrungsaustausch entgegenzustellen,

zweitens das Individualistische durch das Gemeinschaftliche auszutauschen,

drittens das unbeschränkte private Eigentum und den privaten Besitz durch das persönliche und das Gemeineigentum sowie durch eingeschränkten Gemeinbesitz zu ersetzen,

viertens die Ökonomie statt auf maximalen Gewinn auf die rationelle Bedürfnisbefriedigung zu orientieren,

fünftens die Maximalbelastung unserer Lebenswelt durch den profitablen Verbrauch fossiler Brennstoffe durch die Minimalbelastung unter Nutzbarmachung der kostenlosen Raumenergie abzulösen,

sechstens statt die Natur beherrschen zu lernen das Bemühen um ihre Erhaltung und die Suche nach der Geborgenheit innerhalb der Schöpfung zu entwickeln.

 

 

These zur weltweiten Förderung des Gemeinschaftlichen: Gemeinschaftlichkeit ist eine Grundbedingung allen Lebens. Sie setzt für ein einzelnes Lebewesen die Existenz gleichartigen und andersartigen Lebens in der umgebenden Natur voraus. Sie schließt uneigennütziges Verhalten und Leistungen gleichartigen Lebens sowie unverzichtbare Wechselwirkungen mit andersartigem Leben ein. Gemeinschaftlichkeit beginnt in der Familie. Alle Menschen sind befähigt, Gemeinschaftlichkeit als subjektiv und objektiv notwendig zu erkennen. Sie vermögen jedoch auch einzuschätzen, inwieweit individualistisches, egozentrisches und egoistisches Handeln anderem Leben, dem eigenen Leben und letztlich der gesamten Menschheit schaden kann. In Anbetracht der existenziellen Gefährdung unserer Menschheit sollte deshalb der Gedanke notwendiger und sinnvoller Gemeinschaftlichkeit weltweit verbreitet und in vielfältiger Form lokal verstärkt gelebt werden, zum einen um die Erhaltung und Entstehung natürlicher Lebensgemeinschaften auf der Basis von Gemeinschaftsökonomie zu sichern, zum anderen um Voraussetzungen zur Schaffung von natürlichen Lebensgemeinschaften höherer Form zu ermöglichen, die zur Grundlage für den  schrittweisen Aufbau eines weltweiten Gemeinschaftssystems werden können.

 

Anmerkungen:

- Der globalen Dominanz privater Interessen gilt es, weltweit den Prozess der Bildung lokaler Gemeinschaften und fortschreitender Vergemeinschaftung auf eigenständiger ökonomischer Basis entgegenzustellen, und zwar über alle Kulturen, Landesgrenzen, Parteien und sozialen Unterschiede der Menschen hinweg! Es ist dies der Anfang eines Weges, um das kapitalistische System im Verlaufe von Jahrzehnten von innen her abzulösen. Dabei ist das Wissen zur Existenz der wahren Ökonomie, der Gemeinschaftsökonomie, entscheidend für den Erfolg der Bildung und Entwicklung lokaler Gemeinschaften.

 

- Die Vorgehensweisen und Ziele zur Schaffung lokaler Gemeinschaften werden sich in den „Entwicklungsländern“ wesentlich von jenen in den reichen Ländern des Nordens unterscheiden. Während ihre Entstehung in den armen Ländern aus Mangel an möglicher Versorgung zu erwarten ist, auch an Mangel an vorhandenem Leben in der Natur, werden in den reichen Ländern sich Gemeinschaften zur Nutzung des materiellen nicht mehr verwertbaren Überflusses bilden.

 

- Die Schaffung eines gegensätzlichen Systems, eines Gemeinschaftssystems, einzuleiten und voranzubringen, sollte nicht dazu führen, sich im Sinne revolutionärer Aktivitäten gegen das alte System zu wenden. Vielmehr geht es darum, von der Eigengesetzlichkeit des kapitalistischen Systems auszugehen, seine inneren Zwänge zu erkennen und Wege zu finden, diese im existenziellen Interesse aller Menschen Schritt für Schritt gemeinschaftlich überwinden zu helfen. Es geht um organisierte Selbsthilfe durch das Einbeziehen möglichst vieler Menschen, um die Fehlwirkungen des alten Systems abzuschwächen, zurückzudrängen, aufzulösen und zugleich die gemeinschaftliche Lebens- und Arbeitsweise zu entwickeln. Wer sich gegen bestimmte Fehlwirkungen des kapitalistischen Systems stellt, sollte nicht vergessen, sich selbst zu beantworten und helfen zu organisieren, auf welche Weise die Stärkung und Effizienz des Gemeinschaftlichen erreicht werden kann.

 

- Die inneren Zwänge des kapitalistischen Systems betreffen in hohem Maße die Verschuldungsproblematik, die die staatlichen Organe und die Kommunen zu unsozialen Einschnitten zwingt, wenn den Ansprüchen der Gläubiger entsprochen wird. Ein Weg, um in der ersten Phase des gesellschaftlichen Wandels Diskrepanzen auszugleichen, sollte darin bestehen, dass von den staatlichen und kommunalen Organen überschüssige, nicht verwertbaren Gebrauchswerte, Flächen und Kapazitäten an interessierte Ausgegrenzte mit dem Ziel übergeben werden, das sowieso Verfügbare im Eigeninteresse rationell zu nutzen, um zugleich die notwendige soziale Unterstützung zumindest anteilig zu ersparen.

 

- Gemeinschaftliches Vorgehen ist dem solidarischen Handeln überlegen, weil das Gemeinschaftliche das Gleichberechtigte einschließt und damit Kreativität fördert, während das Solidarische von sozialen Unterschieden ausgeht.

 

 

7.2. Zur Dominanz des Ökologischen gegenüber dem Sozialen bei der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems

 

These zur primären Lösung der ökologischen Frage: Unabhängig vom beschrittenen Weg zur Ablösung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung führt jedes Zurückstellen der primären Lösung der ökologischen Frage als Folge der bisherigen und der nicht mehr vermeidbaren weiteren Schädigung des irdischen Lebenssystems sowie durch die Überbevölkerung der Erde in die Klimakatastrophe.

 

Anmerkungen:

- Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung der Menschheit hat in den vergangenen Jahrhunderten zur Schädigung und Überbevölkerung der Erde geführt, so dass die Möglichkeiten des irdischen Lebenssystems nicht mehr ausreichen, um alle Menschen wesentlich über die soziale Grundsicherung hinaus zu versorgen. Zudem verstärkt die Masse an Menschen und der zur Ernährung benötigten Tiere den Ausstoß an Treibhausgasen direkt und indirekt über die Zunahme an notwendiger Industrie und Landwirtschaft, an Verkehr sowie durch den zusätzlichen Energie- und Rohstoffverbrauch.[136]

 

- Der Kampf um soziale Verbesserungen unter kapitalistischen Bedingungen ist von vornherein trotz der Zuspitzung der Gegensätze zwischen Reich und Arm deshalb problematisch, weil er die Bestrebungen zur weiteren privaten Bereicherung zulasten der Natur und zur tendenziellen Zerstörung unseres Lebenssystems nicht aufhebt.

 

- Analoge Fehlwirkungen sind beim erneuten Herausbrechen sozialistischer Länder aus dem kapitalistischen System zu erwarten. Dies würde zu einer erneuten ökonomischen und politischen Konkurrenzsituation oder gar zu einer Konfrontation einschließlich der möglichen Entstehung neuer Kriege führen.

 

 

These zu ökologisch zulässigen sozialen Fortschritten: Das Durchsetzen sozialer Fortschritte verschärft die ökologische Krise, wenn nicht zugleich die privatökonomischen Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft geschmälert werden.

 

Anmerkungen:

- Der Kampf um soziale Fortschritte bzw. gegen den Abbau sozialer Errungenschaften birgt deshalb die Gefahr der Verschärfung der ökologischen Krise in sich, weil die Gewinne privater Unternehmen sowohl durch Ausbeutung als auch zulasten unserer Lebenswelt zustande kommen. Käme es also nach sozialen Auseinandersetzungen im Sinne der Einschränkung von Ausbeutung zu einer teilweisen Umverteilung der Gewinne „von oben nach unten“, so bliebe dennoch offen, inwieweit die sozialen Verbesserungen durch Bereicherung auf Kosten unserer Lebenswelt ermöglicht wurden. Bei sozialen Auseinandersetzungen gilt es deshalb, alle wesentlichen objektiven Erfordernisse unserer gesamten Lebensweise zu berücksichtigen und nicht nur darauf zu orientieren, den Unternehmern Anteile aus ihren Gewinnen abzutrotzen.

 

- Das Beschränken privatökonomischer Bereicherungsbestrebungen könnte damit beginnen, nach nationalen demokratischen Entscheidungen die Zunahme der staatlichen Verschuldung zunächst dadurch zu beenden, dass die Zinstilgung bis auf den Ausgangskredit zurückgenommen wird. Jene Mittel, die nach bisherigen Gepflogenheiten zur Zinstilgung verwandt worden wären, würden für notwendige öffentliche Investitionen sowie für ökologische und soziale Maßnahmen frei werden, ohne dass die Reichen und Wohlhabenden verarmen!

 

- Ein weiterer wesentlicher Schritt zur Einschränkung von privatökonomischer Abhängigkeit wären Entscheidungen zur Rückführung der privaten Wasser- und Energieversorgung, der Abwasserbehandlung und der Müllentsorgung in die Verantwortung der Kommunen, der Länder und des Staates. Wegen ihrer außerordentlichen Bedeutung könnte damit begonnen werden, diese öffentliche Daseinsvorsorge auf rationellste Weise unter Anwendung von Gemeinschaftsökonomie bei kostendeckenden Preisen sowie unter möglichst geringen Belastungen der „Umwelt“ zu sichern.

 

- Privatbesitz an Natur, an Wäldern, natürlichen Flächen und Seen, sollte nach nationaler bzw. internationaler demokratischer Beschlussfassung beseitigt werden, wenn er der privaten Bereicherung dient, insbesondere jener, der mit der Ausplünderung von Rohstoffen, wie Erdöl, Erdgas, Holz und Erzen, verbunden ist. Staaten, die mit Waffen, kriegerischen oder anderen aggressiven Mitteln die private Bereicherung auf Kosten unserer Lebenswelt in anderer Ländern unterstützen, sind weltweit zu ächten.

 

- Internationale Verschuldung heißt auch, dass national hinreichend „flüssiges“ Kapital vorhanden ist, das national nicht gewinnträchtig eingesetzt werden kann. Es spricht für die Existenz von national überflüssigem privatem Reichtum in Wertform und könnte mit hohen nationalen Steuern belegt werden.

 

- Die eingeleiteten Maßnahmen werden die Menschen befähigen zu erkennen, dass bereits das staatlich verordnete Abschaffen der nationalen Zinswirtschaft sowie das Beseitigen von Privateigentum an Betrieben der öffentlichen Versorgung und Entsorgung zumindest beitragen, den weiteren sozialen Abstieg vieler Menschen zu mindern oder gar zu verhindern, aber auch um soziale Verbesserungen anzustreben. Es gilt zu begreifen, dass – auch unabhängig vom Privateigentum an Produktionsmitteln – allein die Zinswirtschaft dazu führt, den Gegensatz zwischen Arm und Reich zu verschärfen.

 

- Wir brauchen eine wissenschaftlich begründete neue Strategie, die das Anstreben und Durchsetzen sozialer Ziele in das Überlebensziel der Menschheit einordnet und die verengte Sichtweise der meisten Menschen der reichen Länder überwinden hilft.

 

 

7.3. Zum Versuch der Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus

 

These zum Scheitern des Sozialismus: Der Sozialismus scheiterte als Gesellschaftssystem, weil er die notwendige Ablösung der kapitalistischen Ordnung im Wesentlichen auf die Lösung der sozialen Frage einengte und die gesellschaftliche Verursachung der ökologischen Krise weitgehend negierte. Aus den Versuchen, die soziale Frage zunächst national zu lösen, ergab sich der Zwang zur Übernahme der Konkurrenzökonomie, was zum weltweiten Wettbewerb der beiden Gesellschaftssysteme führte. Daran mussten die sozialistischen Volkswirtschaften scheitern, weil die kapitalistische Gesellschaft in der Anwendung der Privatökonomie als Konkurrenzökonomie über Jahrhunderte Erfahrungen besaß und weil sie durch die Ausbeutung der Dritten Welt sowie durch die weltweite Ausplünderung der irdischen „Ressourcen“ von vornherein im „Vorteil“ war. Der Versuch, den Kapitalismus als Gesellschaftssystem mit dessen eigenen ökonomischen Mitteln zu „besiegen“, führte auf ihn selbst zurück, führte zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse.

 

Anmerkungen:

- Das Scheitern des Sozialismus war insofern auch theoretisch bedingt, weil der Marxismus-Leninismus die kapitalistische Gesellschaft einengend als Ausbeutergesellschaft kennzeichnete und die gesellschaftliche Verursachung der ökologischen Krise nicht erkannte. Es wurde verdrängt, dass sich im Rücken des gesellschaftlichen Fortschritts des Kapitalismus eine Negativentwicklung vollzieht, die tendenziell die irdischen Lebensgrundlagen zerstört.

 

- Im Kern scheiterte der „wissenschaftliche Sozialismus“ am Fehlen einer ökonomischen Theorie zur einheitlichen Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Eine solche Theorie hätte voreilige „sozialistische Revolutionen“ und Erkenntnisschranken für die Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems verhindern können!

 

- Der Sozialismus als Theorie und als Gesellschaftssystem scheiterte in dreifacher Hinsicht an der Vernachlässigung der ökologischen Problematik:

  Zum Ersten erkannten und beschrieben die Theoretiker des Marxismus-Leninismus die kapitalistische Gesellschaft nicht im umfassenden Sinne als Bereicherungsgesellschaft, wodurch es ihnen nicht möglich war, die ökologische Krise als Bereicherung auf Kosten der Nachwelt einzuordnen.

  Zum Zweiten wurde ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen der Lösung der sozialen Frage und der Bewältigung der ökologischen Krise nicht erkannt: Während die Möglichkeit bestand, die soziale Frage anteilig national zu lösen, kann die ökologische Krise nur weltweit überwunden werden, d. h., es ging von vornherein um die Suche nach einer Strategie zur Ablösung des kapitalistischen Systems im Weltmaßstab.

  Zum Dritten begaben sich die Marxisten-Leninisten mit ihrer These des möglichen nationalen Sieges des Sozialismus unter Inkaufnahme wirtschaftlicher Konkurrenz mit dem Kapitalismus – einschließlich des Rüstungswettlaufs! – selbst auf einen Weg zur Verschärfung der ökologischen Krise. Sie scheiterten in Konkurrenz zur Privatökonomie, deren Stärke nicht zuletzt aus dem Wirtschaften zulasten unserer Lebenswelt resultiert.

 

- Bemerkenswert ist, dass unter sozialistischen Bedingungen eine Reihe der gesellschaftlichen Vorzüge zum ökonomischen Scheitern des Sozialismus in Konkurrenz zum Kapitalismus beitrug. Dazu gehören die fehlende Arbeitslosigkeit, die sehr niedrigen Mieten und Gebühren, die Herstellung dauerhafter Erzeugnisse, das weitgehende Fehlen von Fremdarbeitern, fehlende Investitionen im Ausland usw. Wenn davon gesprochen wird, dass sich die sozialistischen Länder kaputt gewirtschaftet haben, werden die mit dem Wirtschaften unter sozialistischen Bedingungen verbundenen Vorteile gar nicht erwähnt. Die Ursache dafür liegt darin, dass das Wirtschaften selbst dann als etwas Positives betrachtet wird, wenn zur Erzielung von privatem Gewinn Arbeitskräfte auf Kosten der Gesellschaft „frei gesetzt“ werden, wenn technische Geräte zulasten der „Umwelt“ mit geringer Nutzungsdauer produziert werden, wenn Gesetze und Verordnungen erlassen werden, die eine kontinuierliche Steigerung der Mieten und Gebühren ermöglichen oder wenn Fremdarbeiter und „Leiharbeiter“ weitaus geringer bezahlt werden als die Stammbelegschaft. Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass die wirtschaftlichen Nachteile unter sozialistischen Bedingungen unter Vernachlässigung des Umweltschutzes teilweise „ausgeglichen“ wurden. Das Wirtschaftlichkeitsprinzip erwies sich unter sozialistischen Bedingungen zumindest teilweise als unvereinbar mit den bedürfnisorientierten Zielen der Gesellschaft. Doch in Konkurrenz zum kapitalistischen Wirtschaften war es unverzichtbar.

 

- Der sozialistische Weg führte in eine Sackgasse und zur weitgehenden Restauration kapitalistischer Verhältnisse. Ein sozialistischer Weg könnte nur dann eine bedingte Berechtigung haben, wenn die ökonomische Funktionsweise dieses „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, etwa durch „nachhaltiges Wirtschaften“, die ökologische Krise nicht weltweit verschärfen würde. Dass jedoch unter dem Sozialisten Hugo Chávez trotz enormer Zunahme des Autoverkehrs der Preis für einen Liter Superbenzin am 6. Oktober 2009 in Venezuela auf 0,06 Euro festgelegt wurde, spricht gegen Versuche eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts.[137]

 

 

These zum Ökosozialismus: Auch der Ökosozialismus wird als nachkapitalistische Gesellschaftsordnung nicht erfolgreich sein können, weil sich seine Theoretiker und Praktiker prinzipiell im Rahmen der privatökonomischen oder der gesellschaftlichen Denkweise des kapitalistischen bzw. des gescheiterten sozialistischen Systems bewegen und handeln.

 

Anmerkungen:

- So z. B. schlagen Saral Sarkar und Bruno Kern einen „neu zu konzipierenden Sozialismus“ vor, einen „Ökosozialismus“, dessen Realisierung „die Vergesellschaftung des großen Kapitals“ voraussetzt, wobei der „Staat“ das „Primat des Profits und Wachstumszwanges außer Kraft“ setzt und einen „Schrumpfungsprozess“ der Wirtschaft einleitet. An „die Stelle des Chaos der freien Marktwirtschaft“ müsse „eine wirtschaftliche Rahmenplanung treten.“[138] „Ökosozialismus“ sei „eine Synthese von Sozialismus und Radikalökologie“.[139]

 

- Der Vorschlag von Sarkar und Kern ist ein nationaler Ansatz zur Bewältigung der ökologischen Krise und kann deshalb auf die ökologischen Probleme globalen Charakter zwar bedingt Einfluss nehmen, sie aber nicht lösen. Der Ansatz bewegt sich im Rahmen eines (eingeschränkten) nationalen Wirtschaftlichkeitsdenkens, obgleich die dominierenden ökologischen Probleme nur außerhalb von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen gelöst werden können.

 

- Die wesentliche Problematik des privaten und gesellschaftlichen Besitzes an natürlichen „Ressourcen“, der innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen Bereicherung auf Kosten der Natur ermöglicht, wird von Sarkar und Kern ausgeklammert, obwohl die Einschränkung der Verfügungsgewalt des Menschen über die Natur, das Wahrnehmen von Verantwortung für ihre Erhaltung sowie die Renaturierung entscheidende Anliegen der ganzen Menschheit sein müssen. Nationale Interessen könnten dem „radikalen“ ökologischen Gesamtziel entgegenstehen.

 

- In den Vorschlägen von Sarkar und Kern äußert sich ihr geistiges Gefangensein in einer historisch überholten, unser Lebenssystem schädigenden Denkweise. Die Lösung der gesellschaftlichen und ökologischen Probleme liegt eben nicht in der staatlichen Verfügungsgewalt zur Verhinderung der Auswüchse der Marktwirtschaft, sondern in einer völlig anderen nicht auf Wirtschaftlichkeit und Gewinn orientierten ökonomischen Denk- und Handlungsweise. Es geht z. B. nicht darum, die Mittel für ökologische Maßnahmen über die Warenproduktion – häufig unter Schädigung unserer Lebenswelt! – „erst einmal“ zu erwirtschaften, sondern die verfügbaren Arbeitskräfte, einschließlich der Millionen aus privatökonomischen Gründen „frei gesetzten“ Arbeitslosen, so zu nutzen, dass von vornherein sowohl dem Überlebensbedürfnis der Menschheit als auch den sozialen Interessen aller Menschen entsprochen wird.

 

- Auch der Begriff Ökosozialismus ist als Name für eine Übergangsordnung bzw. für eine nachkapitalistische Gesellschaftsordnung abzuweisen, weil er sprachlich die als falsch erwiesene Dominanz der Lösung der sozialen Frage impliziert.

 

 

7.4. Zur notwendigen Verdrängung der Privatökonomie durch die Gemeinschaftsökonomie

 

Verdrängungsthese: Die Sicherung des Überlebens der Menschheit setzt unter den derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen voraus, dass möglichst viele Menschen die existenziellen Gefahren aus den Fehlwirkungen der vorherrschenden Privat- und Konkurrenzökonomie erkennen, dass sie Ökonomie als rationelle Bedürfnisbefriedigung auf der Grundlage von Gemeineigentum und Gemeinbesitz begreifen und bereit sind, einen entsprechenden Wandel in der Produktions- und Lebensweise einzuleiten. Über das bewusste und verstärkte Anwenden der wahren Ökonomie besteht auf gemeinschaftlicher Basis die Möglichkeit, die bisher dominierende Privatökonomie zu verdrängen und den Privat- und Konkurrenzordnungen schrittweise ihre Dominanz zu nehmen. Das entscheidende Mittel, um der Gemeinschaftsökonomie den Weg zu ebnen, ist die Anwendung der vollen Demokratie. Unabhängig davon sollten alle legalen demokratischen Möglichkeiten der bestehenden Ordnungen zur Realisierung des gesellschaftlichen Wandels genutzt werden.

 

Anmerkungen:

- Die Verdrängungsthese geht von einer neuen Strategie aus. Sie schließt Revolutionen oder gar eine Weltrevolution aus, erfordert jedoch einen länger währenden Wandel von den derzeitigen Gesellschaftsordnungen zu einer weltweiten Gemeinschaftsordnung unter einheitlicher Lösung der ökologischen und der sozialen Frage. Ihre Notwendigkeit und Möglichkeit resultiert erstens aus der Zwangsläufigkeit, mit der uns die Privat- und Konkurrenzökonomie tendenziell in die Selbstvernichtung treibt, zweitens aus dem weltweit erforderlichen Lern- und Reifeprozess im ökonomischen Umdenken und Handeln, drittens aus dem ökologisch orientierten Charakter der Gemeinschaftsökonomie.

 

- Die Verdrängungsthese geht vom Grundgedanken aus, dass sich Entwicklung, nachdem sie eingeleitet und als richtig erkannt wurde, in Eigenentwicklung realisiert.

 

- Eine Grundvoraussetzung für das mögliche Verdrängen der Privatökonomie ist das Begreifen, Akzeptieren und eigenständige Anwenden jener vorgeblich neuen Ökonomie rationeller Bedürfnisbefriedigung, die gemeinschaftlicher Lebensweise am besten entspricht und die Schöpfung bewahren hilft. Dies schließt ein, dass sich die Menschen nicht mehr als „Verbraucher“ im Sinne der Marktwirtschaft sehen, sondern als Träger vieler Bedürfnisse, denen auf dem Markt nur anteilig entsprochen werden kann. Verbraucher zu sein, heißt auch, Natur zu verbrauchen. Natürliche „Ressourcen“ zu verbrauchen, gilt als Selbstverständlichkeit, obgleich die Bewahrung der Natur objektiv ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist. Deshalb sollten wir uns bemühen, den Verbrauch an Natur nicht nur zu reduzieren, sondern nach Wegen des Nichtverbrauchs an Natur zu suchen, etwa indem statt der Papier-Zeitung die entsprechende Internet-Zeitung gelesen wird oder durch den bewussten Verzicht auf fossile Energieträger beim Energie-„Verbrauch“ durch Nutzbarmachung der Raumenergie.

 

- Die Notwendigkeit eines anderen als des etablierten ökonomischen Denkens und Handelns wurde von verschiedenen Wissenschaftlern in jüngster Zeit erkannt. Die Lösung liegt aber offenbar nicht in einer neuen „politischen“ Ökonomie[140], wie sie auch die politische Ökonomie des Sozialismus sein sollte; sie liegt fernab aller „großen“ Theorie im Nichtpolitischen, im Natürlichen![141]

 

- Die Möglichkeit zum Verdrängen erwächst dann, wenn Menschen beginnen, sich aus eigener Überzeugung und eigenem Willen irgendwo in der Gesellschaft zu Gemeinschaften zusammenzufinden, um auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz nach den Grundsätzen der vollen Demokratie mittels der Gemeinschaftsökonomie und prinzipiell unabhängig von den Erfordernissen der Privatökonomie unter strenger Wahrung der Individualität des Einzelnen eine gemeinschaftliche Lebensweise aufzubauen.

 

- Volle Demokratie schließt im Rahmen der jeweiligen Gemeinschaft demokratische Entscheidungen über alle wesentlichen Fragen der gemeinschaftlichen Lebens-, Produktions- und Austauschweise ein. Ihre Anwendung ist eine politische Voraussetzung zur Schaffung einer weltweiten hierarchischen Gemeinschaftsordnung. Jede demokratische Entscheidung hat jedoch nur innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft bindenden Charakter, während hierarchisch übergeordnete Entscheidungen i. a. Empfehlungen für nachgeordnete Gemeinschaften sein sollten.

 

- Durch das Verbreiten der Erkenntnis über die Existenz und Berechtigung der wahren, der schöpfungskonformen Ökonomie kann weltweit eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, um die Kreativität möglichst vieler Menschen zur Verdrängung der Privatökonomie sowie zur allmählichen Veränderung und Aufhebung der kapitalistischen Ordnung zu nutzen. Dieser Entwicklungsprozess muss überall auf der Welt in allen Kulturen, gesellschaftlichen Schichten und Bereichen reifen. Er kann durch keinen noch so wohl gemeinten revolutionären Akt ersetzt werden. Erst der Bewusstseinswandel vieler Menschen führt zu generellen Veränderungen!

 

- Privatökonomie ist zugleich Konkurrenzökonomie. Doch zur Konkurrenzökonomie gehören auch alle nichtprivaten Formen des Wirtschaftens, wie etwa das Wirtschaften auf nationaler Ebene, der Genossenschaften, von religiösen Gemeinschaften usw. Entscheidend für diese Einordnung ist ein unmittelbarer Bezug zum privaten Wirtschaften, der i. a. unter Nutzung der jeweiligen Landeswährung gegeben ist.

 

- Ein bedeutsamer Weg zum Verdrängen der Privatökonomie ist die einvernehmliche Übertragung von bisher privatem Eigentum und Besitz aller rechtlichen Formen in Gemeineigentum bzw. Gemeinbesitz mit dem Ziel, beides dauerhaft zur rationellen Nutzung für das Wohl von Gemeinschaften und für ökologische Projekte einzusetzen. Dazu könnte auch privates Kapital gehören, das auf diese Weise dem Kapitalkreislauf für immer entzogen wird. Angestrebt werden sollte, die reichen und wohlhabenden Menschen und Völker aus eigener Überzeugung aufzufordern, große Teile ihres gehorteten materiellen Reichtums den Armen unserer Welt abzugeben. Auch dies wäre – bei Verzicht auf bestimmte materielle Produktion – ein Beitrag zur rationellen Bedürfnisbefriedigung!

 

- Im dialektischen Sinne bedeutet das Verdrängen der Privatökonomie eine bewusste Anwendung des Gesetzes der Negation der Negation, d. h., im Wissen um die selbstzerstörerische Kraft der Privatökonomie, im Wissen, dass sie sich durch ihre Fehlwirkungen über den Weg der Selbstvernichtung der Menschheit tendenziell selbst aufhebt, wird sie auf kreative Weise durch jene Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängt werden, die sich um das Verstehen der Zusammenhänge bemüht haben und die in der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie ihre Selbstverwirklichung und für die Menschheit die Überlebenschance sehen.

 

- Je mehr die Nutzung der Gemeinschaftsökonomie Erfolge bringt, umso schneller rückt jene Zeit heran, da gar mit Hilfe der bürgerlichen Demokratie der Wirkungsbereich der Privatökonomie immer mehr eingeengt werden kann – bis es zu demokratischen Entscheidungen über die Ablösung jenes verbliebenen privaten und gesellschaftlichen Reichtums kommt, der bis zuletzt der privaten und gesellschaftlichen Bereicherung dient.

 

- Im Marxschen Sinne wird die hierarchische nachkapitalistische Gemeinschaftsordnung eine für die Erdenmenschheit qualitativ neuartige ökonomische Formation sein.

 

These zu den Zellen und Strukturen der Gemeinschaftsökonomie: Der Weg zur Verdrängung der Privatökonomie führt vor allem über die Schaffung eigenständiger Zellen der Gemeinschaftsökonomie in allen Bereichen der kapitalistischen Gesellschaft. Derartige Zellen sind Gemeinschaften, die auf der Basis der vollen Demokratie entsprechend den Anforderungen der Gemeinschaftsökonomie nach eigenen Regeln leben und arbeiten, sich weitgehend selbst versorgen, sich entwickeln, sich ausdehnen, mit anderen Zellen kooperieren oder sich mit ihnen zusammenschließen. Sie agieren unabhängig oder weitgehend unabhängig vom wirtschaftlichen Geschehen, schaffen sich eigenständige Lebens- und Produktionsstrukturen und eigene ökonomische Hilfsmittel.

 

Anmerkungen:

- Ein wesentlicher Ausgangspunkt der Schaffung von Zellen der Gemeinschaftsökonomie sollte darin bestehen, die Fehlwirkungen der Privat- und Konkurrenzökonomie bewusst zu nutzen, um diese mittels Gemeinschaftsökonomie gezielt verdrängen zu helfen. Auf diese Weise kann das Unsinnige der bisher vorherrschenden Ökonomie bloßgestellt werden. Es geht dabei um das ökonomische Nutzen des Unwirtschaftlichen! Es geht vor allem um das Gewinnen und Einbeziehen der „Verlierer“ der Marktwirtschaft, der Millionen Arbeitslosen und Ausgestoßenen. Es geht um die Nutzung leer stehender Wohngebäude und ehemaliger Produktionsstätten sowie der still gelegten Agrarflächen. Und es geht um die Wiederaufbereitung ausgesonderter Gebrauchswerte der „Wegwerfgesellschaft“. Auf diese Weise können sich die „Verlierer der Marktwirtschaft“ zu selbstbewussten Gewinnern im Sinne der anzustrebenden Gemeinschaftsordnung wandeln.

 

- Die „Verlierer der Marktwirtschaft“ werden sich lokal, regional, national und später international politisch organisieren. Sie werden auch die bürgerliche Demokratie nutzen, um ihre Ziele zu artikulieren und in den politischen Vertretungen durchzusetzen – auch hinsichtlich eigener finanzieller Ansprüche oder etwa zur Minderung der Auswüchse der Zinswirtschaft. „Verlierer“ aller Länder vereinigt euch! Doch sucht auch einsichtige Partner bei den „Gewinnern“ und den zerstrittenen Linken! Es geht letztlich nicht um die Interessenvertretung bestimmter Gesellschaftsschichten, sondern um das Überlebensinteresse der Menschheit!

 

- Zellen, die sich vernetzen, und mit andersartigen Strukturen der Gemeinschaftsökonomie kooperieren, werden Wege zum Austausch ihrer Produkte finden, ggf. auch zeitweilig eigene Währungen einführen, die nur im vereinbarten Rahmen gültig und zu den nationalen Währungen nicht austauschbar sind.

 

- Der weite Weg zu einer weltweiten nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung wird auch über den Aufbau von eigenständigen hierarchischen Strukturen der vollen Demokratie führen. Sie werden neben den Strukturen der bürgerlichen Demokratie existieren und eine Grundlage für die Schaffung der unter nachkapitalistischen Bedingungen benötigten Führungsgremien und Verwaltungsstrukturen darstellen.

 

- Die neuen Strukturen aufzubauen, erfordert, eigene Instrumente zu schaffen, um die Menschen über die gemeinsamen Ziele aufzuklären, um sie für die gemeinsame Sache zu gewinnen und in die volle Demokratie einzubeziehen. Es werden neben eigenen Presseorganen auch eigene Rundfunk- und Fernsehstationen gebraucht werden und damit entsprechende finanzielle Mittel. Die Spenden zum Aufbau der Strukturen der Überlebensdemokratie werden in dem Maße zunehmen, wie die Menschen durch Erfahrungen mit Naturkatastrophen die existenziellen Gefahren für die gesamte Menschheit spüren und Fortschritte unter der Anwendung der Gemeinschaftsökonomie erreicht werden.[142]

 

- Die Erfolge der Zellen der Gemeinschaftsökonomie werden dazu führen, dass sie als Wohn- oder Arbeitstätten auch die in der Marktwirtschaft tätigen Menschen anziehen.

 

- Die Erfolge aus der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie werden es ermöglichen, die privatisierten kommunalen Betriebe über politische Entscheidungen wieder in kommunales Eigentum zu verwandeln, was die Grundlage dafür darstellen kann, sie auf Basis der Gemeinschaftsökonomie zu betreiben.

 

- Die Erfolge aus der Nutzung der Gemeinschaftsökonomie sowie die Fehlwirkungen der Marktwirtschaft, insbesondere die Klimaveränderungen, werden auch innerhalb der privaten Unternehmen und bei den nationalen Repräsentanten Verhaltensweisen verändern, die sich gegen die Fortführung der bisherigen Wirtschaftspolitik richten, so z. B. gegen die Aufrechterhaltung der Rüstungsproduktion und gegen die Fortführung der weltweiten Börsengeschäfte. Es ist ein großer moralischer Druck zu erwarten! Doch es gibt schon heute Einsichtige, wie jene Millionärserben, die sich in der Bewegungsstiftung zusammengefunden haben und „kein besseres Leben, sondern eine bessere Welt“ wollen und ihr ererbtes Vermögen voll dafür einsetzen.[143]

 

- Die Befürworter und Nutznießer der Marktwirtschaft werden argumentieren, dass das Einstellen bestimmter gewinnträchtiger Produktionskapazitäten zu Wirtschaftskrisen führen wird. Doch auch dies wird das Durchsetzen der Gemeinschaftsökonomie unterstützen, falls die ausgegliederten Kapazitäten bisher nicht der Grundversorgung dienen; denn es werden mehr Kräfte zur Verhinderung der ökologischen Katastrophe verfügbar sein. Die Gesellschaften bzw. die Gemeinschaften können ausgehend von der bedürfnisorientierten Gemeinschaftsökonomie ein neues Denken und Verhalten zur Verteilung der Arbeit entwickeln!

 

- Ein zur Schaffung eigenständiger Zellen der Gemeinschaftsökonomie verwandter Vorschlag wurde bereits von Rudolf Bahro unterbreitet. Er schlug ein dauerhaftes Ausbrechen aus der (gesellschaftlichen) „Megamaschine“ vor, setzte auf die innere Umgestaltung des Einzelnen und auf neue Lebensformen durch die Schaffung von Kommunen als „neue soziale Synthese“. Von den Kommunen erwartete er, dass sie sich später zu „neuen kleinen Lebenskreisen“ und „größeren Stämmen“ usw. zusammenschließen, um auf diese Weise die Gesellschaft von „unten“ her umzugestalten.[144] Bahro orientierte auf eine „kommunitäre Subsistenzwirtschaft“ mit dem Ziel der „weitgehenden örtlichen bzw. regionalen Selbstversorgung in puncto Grundbedürfnisse“ unter „Selbstbegrenzung“.[145] Es ging ihm zwar um ein qualitativ anderes ökonomisches Herangehen; er fand jedoch nicht zur notwendigen Unterscheidung zwischen Wirtschaftlichkeit und Ökonomie und damit nicht zur grundsätzlichen Kritik des wertorientierten Wirtschaftlichkeitsdenkens.

 

- Ansätze auf dem Wege zur heutigen bewussten Nutzung der Gemeinschaftsökonomie finden sich z. B. im Ökodorf Sieben Linden in Sachsen-Anhalt, dessen Einwohner seit 1997„an einem gemeinsamen Lebensort … Wohnen, Arbeiten, in Gemeinschaft leben und Ökologie konsequent umsetzen“ wollen[146] und in der 1983 gegründeten Kommune Niederkaufungen, deren Bewohner „gemeinsam ihr Leben gestalten“ um der „‚individualisierten und am Kapital ausgerichteten’ Lebensweise zu entrinnen“[147]. Theoretikern sollte es darauf ankommen, nach Lebens- und Verhaltensweisen zu suchen, die die „neue“ Ökonomie aus sich heraus fördern könnten, wie z. B. die Freiwilligenagenturen.[148]

 

These zum Ökoismus: Ökoismus ist der weltweite Prozess der Aneignung und bewussten Nutzung der Gemeinschaftsökonomie mit dem Ziel, die vorherrschende kapitalistische Gesellschaftsordnung durch das Verdrängen der Privatökonomie und aller anderen Formen von Konkurrenzökonomien schrittweise abzulösen, zweitens über die einheitliche ökonomische Lösung der ökologischen und sozialen Frage der Aufbau einer weltweiten Gemeinschaftsordnung zu ermöglichen.

 

Anmerkung:

Der Übergang zu einer nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung im Rahmen der kapitalistischen (und postsozialistischen) Gesellschaftsordnungen bedarf einer sprachlichen Kennzeichnung. Ich schlage – ausgehend von der in dieser Zeit zwingend notwendigen Dominanz der Bewältigung der ökologischen Krise – den Begriff Ökoismus vor.[149]

 

 

7.5. Zum Kommunismus

 

These zum Kommunismus: Weil der Kommunismus im Marxschen Sinne an die Lösung der Naturfrage und der sozialen Frage gebunden ist, kann es ihn auf der Basis von Gemeinbesitz und Gemeineigentum als hierarchische Gemeinschaftsordnung nur im Weltmaßstab geben.

 

Anmerkungen:

- Die ökologische Krise ist gesellschaftlich bedingt und besteht weltweit. Ihre schrittweise Bewältigung erfordert das Einbeziehen aller Völker, ein bewusstes Einordnen in die irdischen Lebenssysteme sowie die Verantwortungsübernahme für die Erhaltung dieser Systeme und aller Lebensformen. Im Rahmen dieser existenziellen Aufgabe wird es möglich sein, auch den grundlegenden sozialen Erfordernissen aller Menschen zu entsprechen. Es geht folglich um die „wahrhafte Auflösung des Widerstreits zwischen den Menschen mit der Natur und mit den Menschen“[150] zur Selbstbefreiung der Menschheit und zur Schaffung der höchsten Form von Demokratie. Kommunisten in diesem Sinne sind folglich jene, die das Ziel der Schaffung einer weltweiten Gemeinschaftsordnung auf demokratischem Wege anstreben, um damit das Überleben der Menschheit sichern.

 

- Die Begriffe „kommunistisches Land“ und „kommunistischer Staat“ sind in sich widersprüchlich, weil eine kommunistische Ordnung den generellen Besitzanspruch über die Natur ablehnen muss und Ländergrenzen aufhebt. Zerstörung, Belastung und Vergiftung von Natur sowie Bereicherung zulasten der Natur sind objektiv Verbrechen an der Menschheit und an der irdischen Schöpfung und deshalb der kommunistischen Denkweise fremd.

 

- Der Begriff „Kommunismus“ wurde im Verlaufe des 20. Jahrhunderts von vorgeblichen kommunistischen Führern, von J. W. Stalin und Diktatoren Stalinschen Typs, extrem missbraucht. Davon ausgehend wird der Begriff bis heute von vielen Politikern, Ideologen und Wissenschaftlern auf breiter Front diffamiert. Solange der Missbrauch und die Diffamierung des Begriffes „Kommunismus“ möglich sind, empfiehlt es sich, von Weltgemeinschaftsordnung (World Community Order) zu sprechen.

 

- Das große historische Dilemma der Linken war es, dass es bisher nicht gelungen war, die kommunistische Ordnung zumindest in den Grundzügen als ökonomische Formation neuer Qualität, als ökonomische Gemeinschaftsformation, im Marxschen Sinne zu kennzeichnen. Durch die Unterscheidung nach Ökonomie im Sinne von Gemeinschaftsökonomie und Wirtschaftlichkeit als Privatökonomie dürfte das Manko behoben sein.

 

 

8. Schlussbemerkungen

 

Die grundlegende Erkenntnis der Berliner Thesen besagt, dass sich die Menschheit als Folge der Vorherrschaft der Privatökonomie und anderer Formen von Konkurrenzökonomien tendenziell auf eine Klimakatastrophe und auf die Selbstvernichtung zubewegt, d. h., die Menschheit wird mit den derzeitig vorherrschenden Gesellschaftssystemen untergehen, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, die Konkurrenzökonomien durch die wahre Ökonomie zu verdrängen und über die Schaffung von Zellen und von höher organisierten Strukturen der Gemeinschaftsökonomie schrittweise eine Gemeinschaftsordnung auf der Basis von Gemeineigentum und Gemeinbesitz aufzubauen. Die heute vorherrschenden Ökonomien entsprechen jener „Chrematistik“, zu der Aristoteles ausführte, es scheine für sie „keine Grenze des Reichtums und des Besitzes zu existieren“. Doch die Grenze ist offenbar geworden: Sie besteht in der Endlichkeit der möglichen privaten und gesellschaftlichen Bereicherung durch den Verbrauch, durch die Belastung und durch die Zerstörung der irdischen Lebensgrundlagen!

 

Das erzielte Ergebnis erlaubt zugleich eine grundsätzliche Kritik am sozialistischen Weg der Ablösung des kapitalistischen Gesellschaftssystems: Wenn wir akzeptieren, dass die Sklavenhaltergesellschaft, der Feudalismus und der Kapitalismus Bereicherungsgesellschaften im umfassenden Sinne waren bzw. sind, wenn wir darüber hinaus erkannt haben, dass Bereicherung zulasten unserer Lebenswelt möglich war und dass die ökologische Krise wesentlich aus dieser Bereicherung erwuchs, wenn wir uns letztlich eingestehen, dass auch die sozialistischen Gesellschaften an der Verschärfung der ökologischen Krise unter Anwendung von Konkurrenzökonomien beteiligt waren, dann muss der sozialistische Weg als nachkapitalistischer Weg abgewiesen werden!

 

Der Nachweis, dass die kapitalistische Gesellschaft als Bereicherungs- und Verarmungsgesellschaft gekennzeichnet werden muss, schließt zusammenfassend die folgenden Erkenntnisse ein:

1. Die ökologische Krise ist gesellschaftlich bedingt!

2. Unsere Zivilisation unterliegt bis heute tendenziell einer Negativentwicklung!

3. Die Basis für die irdische Negativentwicklung sind die dominanten privaten Eigentums- und Besitzverhältnisse.

4. Die grundlegende Ursache für die tendenziell irdische Negativentwicklung besteht in der Vorherrschaft jener Privatökonomie und jener Konkurrenzökonomien, die Wirtschaftlichkeit und Ökonomie gleichsetzen.

5. Folglich brauchen wir eine zur Privatökonomie gegensätzlich orientierte Ökonomie, die den Verbrauch an Natur von vornherein begrenzt und es ermöglicht, die ökologische Frage in der Einheit mit der sozialen Frage zu lösen.

 

Aus den Darlegungen leitet sich erstens die Notwendigkeit ab, die Existenz und den Inhalt der „wahren“ Ökonomie, der Gemeinschaftsökonomie, zu erforschen und weltweit zu propagieren, zweitens alle verantwortungsbewussten Kräfte der Menschheit zu gewinnen, um eine Entwicklung einzuleiten, die der Gemeinschaftsökonomie zum Durchbruch verhilft und den Einflussbereich der Konkurrenzökonomien schnellstmöglich zurückdrängt.

 

Es bleibt zu ergänzen, dass wir im Prozess der verstärkten Durchsetzung der Gemeinschaftsökonomie die Möglichkeit haben werden, die kritische Übervölkerung unserer Erde schrittweise einvernehmlich zu reduzieren.

 

Wenn wir uns abschließend der Marxschen Erkenntnis über die historische Abfolge ökonomischer Gesellschaftsformationen erinnern und uns fragen, worin die ökonomische Überlegenheit der nachkapitalistischen Gemeinschaftsordnung bestehen wird, dann könnte die Antwort wie folgt lauten:

Obgleich es die anzustrebende Gemeinschaftsordnung ermöglicht, die Gesamtheit gemeinschaftlich anerkannter Grundbedürfnisse überhaupt und rationeller zu befriedigen als jede andere menschliche Gesellschaft in den vergangenen Jahrtausenden, besteht ihre gesellschaftliche Überlegenheit in der möglichen Befriedigung des einen, des entscheidenden Bedürfnisses: des Überlebensbedürfnisses der Menschheit! Doch wir dürfen nicht zu spät kommen! Sonst bestraft uns die Natur!

 

Weil die dargelegten Ergebnisse auf Thesen beruhen, bedürfen sie selbstverständlich einer wissenschaftlichen Beweisführung. Die Berliner Thesen sind deshalb als eine Aufforderung an alle verantwortungsbewussten Menschen zu betrachten, die Thesen und die gewählte Herangehensweise zu hinterfragen, zu verwerfen, zu bestätigen oder zu ergänzen. Jede konstruktiv gemeinte Kritik auf der Suche nach Wahrheit kann nützlich sein.

 

Dem Autor ist bewusst, dass sich gegen die Berliner Thesen starker Widerspruch von mehreren Seiten erheben wird, insbesondere auch von jenen Linken, die weiterhin von den sozialistischen Grundideen ausgehen. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass die Linken – gleich welcher Denkrichtung – ohne eine ausreichend begründete theoretische Klärung der Ursachen des Scheiterns des „Realsozialismus“ und ohne ein verbessertes theoretisches Fundament an der existenziellen Krise der Menschheit scheitern könnten. Gerade die theoretische Schwäche der Linken hat ja in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zu ihrer Zersplitterung beigetragen! Als progressiver Teil der Menschheit, die die Linken sein wollen, tragen sie in den nächsten Jahrzehnten von allen Menschen die größte Verantwortung für die Sicherung der Weiterexistenz der Menschheit! Sehr viele Menschen verschiedener Denkrichtungen spüren intuitiv, dass wir als Menschheit vor dem Abgrund stehen, sehen keinen Ausweg und erwarten von uns auf die dringendsten Fragen unserer Zeit klare wissenschaftlich begründete Antworten!


 

[1] Diese „Endfassung“ der Berliner Thesen wurde im Umfange von 70 Seiten im Oktober 2007 abrufbar veröffentlicht, ebenso die zehn Seiten der „Erkenntnisse aus den Berliner Thesen …“. Ab Februar 2008 sind diese „Erkenntnisse …“ in englischer und in französischer Sprache auch zum Download verfügbar.

 

[2] Bereits im Jahre 1930 wurde das legendäre Tesla-Auto erfolgreich erprobt. Nach Ausbau des Benzinmotors und Einbau eines Konverters, der „Ätherenergie“ in elektrische Energie umwandelte, erreichte es 130 km/h, ohne dass ein Verbrennungsprozess stattfand! (Vgl. Josef Gruber: „Raumenergie-Technik (RET) - weltweit der vorteilhafteste Weg zur Nachhaltigkeit der Energieversorgung“ Michaels Verlag, Peiting 2008, S. 36 und 79)

 

[3] Der Begriff Berliner Thesen verweist lediglich auf den Entstehungsort: auf den Wissenschaftsstandort Berlin. Die Tätigkeit des Autors in zentralen Berliner wissenschaftlichen Einrichtungen bis 1989/1990 und danach war sicherlich eine entscheidende Voraussetzung für die Möglichkeit, die vorliegenden Thesen zu erarbeiten.

[4] Vgl. Vorwort zu: „Lenin: ‚Ausgewählte Werke in drei Bänden‘, Bd. I“, 7. Aufl. 1970, S. 7

[5] Der Begriff Privatökonomie wurde zuerst von Friedrich Engels verwandt, der ihn auf die ökonomischen Wissenschaften seiner Zeit bezog (vgl. „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“, MEW, Bd. 1, Berlin 1970, S. 499/503).

[6] Vgl. Friedrich Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd.1, Berlin 1970, S. 503

[7] Vgl. Karl Marx; Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 89

[8] Vgl. Matthias Freude; Tiere bauen, Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin 1982

[9] Dem Begriff rationell werden in älteren Wörterbüchern in Ost und West sehr unterschiedliche Bedeutungen zuerkannt. Im „Fremdwörterbuch“ aus dem Verlag Enzyklopädie, Leipzig, 1960, wird rationell u. a. verstanden als „zweckmäßig, sparsam, haushälterisch“, hingegen rational u. a. als „vernünftig, der Vernunft entsprechend“ – im Gegensatz zu irrational (vgl. ebd., S. 532). In mehreren westdeutschen Wörterbüchern fand ich zwar zu rational analoge Erklärungen wie in DDR-Wörterbüchern, jedoch wird dem Begriff „rationell“ in einigen Fällen zusätzlich die Bedeutung „wirtschaftlich“ gegeben. Das Substantiv zum Begriff rational lautet Rationalität; zu rationell gibt es im Deutschen offenbar kein Substantiv. Der Begriff Rationalisierung erfasst das Bemühen um das Rationelle lediglich mit eingeengtem Inhalt.

[10]Lebensform: … Art, wie, in der sich Leben organisiert >>Auch unter Wasser finden sich viele pflanzliche Lebensformen.<<“ (Vgl. Karl-Dieter Bünting; Deutsches Wörterbuch, Isis Verlag, Chur/ Schweiz, 1996, S. 702)

[11] Der Begriff Urgesellschaft bezieht sich auf die Gesamtheit der relativ isoliert gemeinschaftlich lebenden Sippen, den Urgemeinschaften.

[12] Nach der vom Autor vorgeschlagenen Unterscheidung zwischen Ökonomie und Wirtschaft verbietet es sich, das ökonomische Verhalten innerhalb der Urgemeinschaften und den Austausch von Gebrauchswerten zwischen den Sippen als „Naturalwirtschaft“ zu bezeichnen.

[13] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 780

[14] Über Reproduktion wurde von den marxistischen Ökonomen viel geschrieben; die Begriffe ökonomisches Reproduzieren, ökonomische Reproduktion oder Ökonomie der Reproduktion wurden nach Kenntnis des Verfassers noch nicht eingeführt.

[15] Vgl. Norbert Suchanek; Null Dollar, aber reich: >>Dritte<< Welt, ein natürliches Öko-Modell und die westliche Gier. In: Neues Deutschland vom 14./15.01.2006, S. 21. Der Autor beschreibt seinen Besuch einer „fünfköpfigen Papua-Familie in ihrem Pfahlhaus am Ok Tedi-Fluss“. „Fast alles, was sie zum Leben brauchten, lieferte ihnen ihr Waldgarten am Ufer. Wildfleisch, Feuer- und Bauholz gab es; der Fluss war reich an Fischen.“

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Ökonomisches Lexikon, L-Z, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1971, S. 248

[18] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, Bd. 3, MEW, Bd. 25, Berlin 1968, S. 794-795

[19] Vgl. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte, Komet Verlag, Köln, S. 13

[20] Vgl. ebd., S. 14

[21] Vgl. ebd., S. 17

[22] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 2, MEW, Bd. 24, S. 474/475. Marx schreibt: „Bei den Athenern wird daher der Gewinn, den ein Sklavenbesitzer direkt durch industrielle Verwendung seines Sklaven … zieht, auch nur betrachtet als Zins (nebst Amortisation) des vorgeschossnen Geldkapitals, ganz wie in der kapitalistischen Produktion …“

[23] Vgl. ebd., S. 474. Im letzten Satzteil des Zitats dürfte in der Aussage von Karl Marx eine Ungenauigkeit vorliegen, indem er den Begriff der Naturalwirtschaft auch auf „primitive Gemeinwesen“ übertrug, die nicht „mit Hörigkeits- oder Sklavereiverhältnissen versetzt“ sind. Vermutlich ergab sich die Ungenauigkeit, weil er es unterließ, den Begriff Ökonomie explizit in Unterscheidung zu Wirtschaftlichkeit zu definieren, was im Rahmen der Schaffung einer ökonomischen Theorie für eine nachkapitalistische Ordnung notwendig geworden wäre.

[24] Vgl. Hans Dollinger, a. a. O., S. 657 u. 225

[25] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 2, MEW, Bd. 24, S. 474/475

[26] Vgl. „Ökonomisches Lexikon L-Z“, a. a. O., S. 658

[27] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 167, Fußnote 6

[28] Es ist bemerkenswert, dass Aristoteles zu diesen klaren Aussagen fand, war er doch Lehrer des größten Eroberers der Antike, von Alexander dem „Großen“ (356-323 v. d. Z)!

[29] Elmar Altvater; The proof of the pudding … Oder: Was heißt und zu welchem Ende betreiben wir Kapitalismuskritik? In: Neues Deutschland vom 28./29. Januar 2006, S. 24

[30] Vgl. Werner Grundmann; Zur ökonomischen Entwicklung von Bürgerstädten, in: Rainer Mackensen (Hg.); Handlung und Umwelt. Beiträge zu einer soziologischen Lokaltheorie, Leske + Budrich, Opladen 2000, S. 165-191:www.bwgrundmann.de/Buergerstaedte.htm

[31]  Der Unterschied zwischen privater und persönlicher Bereicherung wird am Begriff Privatisierung deutlich. Privatisierung ermöglicht das Erwerben von Eigentum und Besitz, um durch dessen Nutzung Gewinne zu erzielen. Im persönlichen (familiären) Bereich wird die Schwelle zum Privaten z. B. dann (meist unbewusst) überschritten, wenn aus Sparguthaben in der Form von Zinsen (ohne eigenständige Arbeit) Gewinne erzielt werden. Ein (bewusstes) familiäres Überschreiten zum Privaten ist es, wenn etwa (ein „gemeinsam veranlagtes“) Ehepaar zur gemeinsamen Bereicherung Aktien erwirbt – wie dies Millionen deutsche Ehepaare tun. Auch bei der (nicht gewerblichen) Nutzung von Kraftfahrzeugen, also bei einer die Natur belastenden Lebensweise, für deren Folgen der Einzelne und die Gesellschaft heute nicht aufkommen, kann man von persönlicher Bereicherung (zulasten der Nachwelt) sprechen.

[32]  Vgl. Friedrich Engels; Dialektik der Natur, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 452-453

[33] Vgl. Ina Bauer; Papierkonsum zerstört Umwelt. Alternativer Waldbericht: Bundesrepublik viertgrößter Verbraucher, in: „Neues Deutschland“ vom 25. Januar 2006, S. 10 

[34]  Vgl. Meldung von dpa, zitiert nach „Neues Deutschland“ vom 4./5.10.2003, S. 16

[35]  Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 741 ff

[36]  So bezeichnete Karl Marx den „Sklavenhandel“ – bezogen auf Liverpool – als „Methode der ursprünglichen Akkumulation“ (vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 787).

[37]  Vgl. ebd., S. 779

[38]  Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 162

[39]  Ebd., S. 167

[40]  Vgl. ebd., S. 167/168

[41]  Vgl. Karl Marx; Das Elend der Philosophie. MEW, Bd. 4, Berlin 1977, S. 141 

[42]  Vgl. Hans Dollinger; Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Komet Verlag Köln (2002), S. 101-103

[43]  Vgl. transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 279

[44]  Vgl. Ökonomisches Lexikon L-Z, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1971, S. 658

[45]  Die „Sklavenhändler brachten Textilien, Perlen, Waffen, Alkohol u. a. nach Afrika, handelten dafür Sklaven ein, verschifften diese nach Süd- oder Mittelamerika bzw. in die Südstaaten des Nordens und kauften für den Erlös amerikanische Plantagenprodukte ... für das ‚Mutterland‘ ein.“ (Vgl. Der Pfeffer ist gut, die schwarze Ware ist besser, Sendung des Deutschlandsfunks, Reihe „Religion und Gesellschaft“ vom 12.05.99)

[46] Vgl. auch Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte, Komet Verlag Köln 2002, S. 256-269 

[47]  Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 780

[48] Karl Marx spricht von „zwei diametral entgegengesetzten ökonomischen Systemen“, die sich „in ihrem Kampf“ in den eroberten Kolonien gegenüberstehen (vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 792).

[49] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 795

[50] Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, Berlin 1971, S. 657ff

[51] Karl Marx; Das Elend der Philosophie, MEW, Bd. 4, Berlin 1977, S. 132

[52] Vgl. Hermann Scheer; Globalisierung – Zur ideologischen Transformation eines Schlüsselbegriffs, in: Le Monde diplomatique (Hg.); Atlas der Globalisierung, taz Verlag 2003, S. 6/7

[53] Vgl. junge welt vom 19.01.2006

[54] Vgl. F. Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, Berlin 1970, S. 499/503

[55] Vgl. Friedrich Engels; Anti-Dühring, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 136

[56] Vgl. ebd., S. 213

[57] Vgl. ebd., S. 139

[58] Die Einführung des Begriffes Gesellschaftsökonomien wurde in Unterscheidung zum Begriff Gemeinschaftsökonomie sowie zur Einordnung historisch entstandener Begriffe erforderlich. (W. G.)

[59] Vgl. Karl Marx; Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 89

[60] „Die Dritte Welt entwickle sich immer mehr zur Giftmüllhalde der Ersten Welt“, mahnte Greenpeace. Veronica Odriozola vom argentinischen Zweig der Umweltorganisation forderte vor der 19. Generalversammlung der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) 1992 in Buenos Aires „die Zustimmung zu einem Vorschlag, den Export giftiger Abfälle der Industriestaaten in die Entwicklungsländer zu verbieten.“ Greenpeace zufolge wurde in den vergangenen fünf Jahren 100 Millionen Tonnen Müll in die Dritte Welt abgeschoben. (Vgl. „Neues Deutschland“ 01.02.1994, S. 14)

 

[61] Die Berliner Zeitung berichtete am 21. Juli 2006 auf Seite 2 von der Versklavung von 113 polnischen Erntehelfern in Süditalien, die „von bewaffneten Männern – den Kapos“ und „hetzenden Hunden“ bewacht und in „Arbeitslagern“ gehalten wurden. Sie mussten täglich 10 bis 15 Stunden arbeiten.  

 

[62] Die erste deutsche Bank, die Fuggerbank, wurde vom Kaufmannsgeschlecht der Fugger gegründet, das seit 1370 in Augsburg ansässig war und im Verlaufe von 150 Jahren zur reichsten deutschen Familie aufstieg. Sie finanzierte nicht nur die Kaiser des Hauses Habsburg, sondern pflegte auch eine enge Bindung zum Heiligen Stuhl in Rom. Die Fugger bereicherten sich u. a. dadurch, dass der Kaiser eine Reichssteuer an die Kaufmannsfamilie verpfändete und der Papst der Fuggerbank die Rechnungsführung für das gesamte Ablasswesen übertrug. Im Jahre 1519 wandten die Fugger „850 000 Gulden allein an Bestechungsgeldern auf“, um dem eigenen Favoriten, den späteren Karl V., zur deutschen Kaiserkrone zu verhelfen (vgl. Die Fugger; Ein Kaufmannsgeschlecht im Zentrum der Macht, Thales-Verlag, Essen 1991, S. 17, 29, 31 und 43).

 

[63] Nach dem Reichtumsbericht „World Wealth Report 2003“ der privaten US-Bank Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Cap Cemini Ernst & Young verfügten Ende des Jahres 2002 insgesamt 755.000 Privatpersonen in der Bundesrepublik Deutschland über ein Finanzvermögen von jeweils mehr als einer Million Dollar (ca. 950.000 Euro). Ende 2001 lag die Zahl der Millionäre in Deutschland – ohne Immobilienvermögen – noch bei 730.000 Personen.

 

[64] Siehe Hermann Fürst von Pückler, Briefe eines Verstorbenen (1830/32), zitiert nach Neues Deutschland vom 23./24.08.03, S. 24

[65] Adam Smith;  An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, London 1776 bis 1789

[66] Adam Smith; Der Wohlstand der Nationen, München: dtv, 7. Auflage 1996 nach der 5. Auflage, London 1789, S. 347

[67] Friedrich Engels; Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd.1, S. 502/503

[68] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, S. 782

[69] Laut einer Notiz auf Seite 16 des Neuen Deutschland vom 25.02.05 meldete dpa, dass in „deutschen Haushalten ungenutzte, aber weitgehend voll funktionsfähige Gegenstände im Wert von rund 20 Milliarden Euro [lagern] … So eine gestern vorgestellte repräsentative TNS Emnid-Studie für das Internet-Auktionshaus eBay. Das dominierende Hamster-Motiv lautet: Fast keiner möchte die Sachen einfach wegwerfen.“

[70] Vgl. MEW, Bd. 40, S. 540; vgl. auch Rainer Thiel; Marx und Moritz. Unbekannter Marx. Quer zum Ismus. 1945-2015. trafo Verlag, Berlin 1998, S. 76-77

[71] „Schizophren“ heißt im übertragenen Sinne „widersprüchlich im Denken und Handeln“ (vgl. Knaurs Fremdwörterbuch; Lexikographisches Institut, München 1982, S. 380).

[72] Vgl. „Neues Deutschland“ vom 12./13. Februar 2005, S. 20

[73]  Vgl. junge Welt vom 20.01.2006

[74] Karl Marx; Einleitung [zur Kritik der Politischen Ökonomie] (aus dem handschriftlichen Nachlass von Marx aus dem Jahre 1857), MEW, Bd. 13, S. 639

[75] Vgl. www.amerika21.de

[76] Ralph Henry Gabriel, Die Entwicklung des demokratischen Gedankens in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine geisteswissenschaftliche Betrachtung seit 1815 (Übersetzung aus dem Amerikanischen) Duncker & Humblot, Berlin 1951, S. 29. Die Originalausgabe „The Course of the American Democratic Thought. An Intellectual History since 1815“ erschien bei The Ronald Press Company, New York, 4. Auflage November 1946.

[77] Vgl. Ralph Henry Gabriel, a. a. O., S. 153

[78] Vgl. ebd., S. 226

[79] Vgl. ebd., S. 158/159

[80] Vgl. ebd., S. 158

[81] Vgl. TV Hören und Sehen, Nr. 23/2006, S. 24-26

[82] www.solidaritaet.com/neuesol/2009/30/index.php#anfang

[83] Eine etwas ausführlichere Kritik von LaRouches Wirtschaftswissenschaft findet sich  unter www.bwgrundmann.de/LaRouchesWiWiAb.htm vom 4. August 2009

[84] Vgl. Karl Marx; Das Kapital, MEW, Bd. 23, S. 529/530

[85]  Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 19/20

[86]  Vgl. Karl Marx; Ökonomisch-philosophische Manuskripte aus dem Jahre 1844, MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, Berlin 1968, S. 536

[87]  Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 21

[88]  Vgl. Karl Marx; [Vorbemerkung zur französischen Ausgabe] von Friedrich Engels „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 185

[89] Vgl. Karl Marx; Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, MEW, Bd. 13, Berlin 1969, S. 9; vgl. auch Michael Löwy; Destruktiver Fortschritt. Marx, Engels und die Ökologie, Utopie kreativ, H. 174, April 2005, S. [3]

[90]  Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels; Die deutsche Ideologie, MEW, Bd. 3, Berlin 1969, S. 69; vgl. auch Michael Löwy, a. a. O., S. [4]

[91] Vgl. Friedrich Engels; Anti-Dühring, MEW, Bd. 20, Berlin 1972, S. 263;

[92] Vgl. Karl Marx; Das Kapital. Dritter Band,  MEW, Bd. 25, Berlin 1968, S. 828

[93] Vgl. Karl Marx; Kritik des Gothaer Programms, MEW, Bd. 19, Berlin 1969, S. 15

[94] Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1, MEW, Bd. 23, S. …

[95] Friedrich Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie, MEW, Bd. 1, S. 499 ff

[96] Vgl. Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie, Vorwort, MEW, Bd. 13, S. 10

[97] Vgl. ebd., S. 7

[98] Friedrich Engels, a. a. O., S. 499

[99] Vgl. auch www.bwgrundmann.de/StudiumvonMarxBWG.htm

[100] W. I. Lenin; Karl Marx. Kurzer biographischer Abriß mit einer Darlegung des Marxismus, Ausgewählte Werke in drei Bänden“, Bd. I, Berlin 1970, S. 30

[101] W. I. Lenin; Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Ausgewählte Werke in drei Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 77

[102] Vorwort zu W. I. Lenin: Ausgewählte Werke in drei Bänden, Bd. I, Berlin 1970, S. 7

[103] Vgl. Lenin; Karl Marx …, a. a. O., S. 38,

[104] Im Brief von Friedrich Engels an Paul Lafargue vom 27.8.1890 überliefert Engels den folgenden Ausspruch von Karl Marx: „Alles, was ich weiß, ist, daß ich kein Marxist bin!“ MEW, Bd. 37, S. 450

[105] Lenins Losung zur Realisierung des Elektrifizierungsplans vom Dezember 1920 hieß: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.“ (Vgl. Die UdSSR – Enzyklopädie der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Verlag Enzyklopädie Leipzig, 1959, S. 540)

[106] A. M. Rumjanzew (Hg.), Politische Ökonomie des Sozialismus – erste Phase der kommunistischen Produktionsweise (russisch), Moskau 1975, S. 92

[107] Vgl. „Ökonomisches Lexikon A-K“, 2. Auflage, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1969, S. 850/851

[108] Karl Marx spricht vom „Widerspruch“ der „kapitalistischen Produktionsweise“ (vgl. „Das Kapital“, Bd. 3, MEW Bd. 25, S. 26), Friedrich Engels vom „Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung“ (vgl. „Anti-Dühring“, MEW, Bd. 20, S. 257); vgl. auch „Chrestomathie Politische Ökonomie“ 2. Auflage, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1983, S. 241- 243

[109] Harry Nick, „Privatisieren“ heißt „rauben“, in: Neues Deutschland, 5.11.2004, S. 8

[110] Vgl. www.amerika21.de

[111] Vgl. www.amerika21.de

[112] Vgl. Das Bürgerliche Gesetzbuch, KOMET Verlag, § 1363

[113] Die Berliner Zeitung berichtete am 10./11.12.2005 auf der Seite 14 über den Fehler eines Angestellten der zweitgrößten japanischen Bank Mizuho, der am Donnerstag, dem 8. Dezember 2005, der Bank einen Verlust von „mindestens 27 Milliarden Yen“ brachte – fast 200 Millionen Euro! „Der Broker von Mizuho Securities hatte 9.27 Uhr den Auftrag, für einen Kunden eine Aktie der J-Com für 610 000 Yen zu verkaufen“. Durch eine „Verwechslung … verkaufte er 610 000 J-Com-Aktien für je einen Yen … Der Markt griff begeistert zu … Zwischen 9.30 Uhr und 9.38 Uhr schoss das Papier von 572 000 auf 708 124 Yen nach oben. … Erst am Freitag wurde der J-Com-Titel vom Handel suspendiert.“

[114] Vgl. www.solidarische-moderne.de

[115] Vgl. ebd.

[116] Ebd.

[117] Vgl. „Tarantel“, Zeitschrift der Ökologischen Plattform bei der Partei DIE LINKE, Nr. 48, März I/2010, S. 13/14

[118] Schönwiese, Christian-Dietrich; Diekmann, Bernd: „Der Treibhaus-Effekt. Der Mensch ändert das Klima“ Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, S. 128

[119] Vgl. ebd., S. 129

[120] Vgl. ebd., S. 132

[121] Vgl. ebd., S. 148

[122] Vgl. „Neues Deutschland“ vom 19.07.05, S. 9

[123] Vgl. David Sington: „Schwarze Sonne – Die Folgen der globalen Verdunkelung“ Übernahme einer BBC-Dokumentation aus dem Jahre 2005 durch den Fernsehsender VOX am 25.08.05, 23:20 Uhr

[124] Vgl. Sven Titz: „Zugereister Schmutz“, in: „Berliner Zeitung“, 21.09.2007, S.14

[125] Vgl. Joachim W. Pastor: „Der unbekannte Prophet Jakob Lorber“, in: „Magazin 2000plus“, Nr. 140 (1999), S. 133/134: „Im Gr. Ev. 8/186 finden wir folgende Aussage: ‚... die Feuerung wird mittels uralten Erdkohlen bewerkstelligt werden ... Wenn solches Tun und Treiben einmal seinen höchsten Punkt erreicht haben wird, dann wird denn auf solchen Punkten die Erdluft zu mächtig mit den brennbaren Ätherarten erfüllt werden, die sich dann bald da und dort entzünden und solche Städte und Gegenden in Schutt und Asche verwandeln wird samt vielen ihrer Bewohner.‘ Ich ergänze hierzu nur kurz, daß es Forschungsprojekte zum Thema Sättigungsströme in der Ionosphäre gibt. Berichten dazu ist zu entnehmen, daß sich die Sättigungsströme, die sich in Bändern um den Planeten bewegen, bereits auf etwa 3000 Volt aufgeladen haben und sich eines Tages entladen könnten. Diese Entladung in Verbindung mit der o. a. Aussage Lorbers läßt keine guten Gefühle aufkommen. Das Waffenprojekt HAARP könnte durchaus der Initialzünder zu dieser Angelegenheit werden.“ An anderer Stelle schreibt J. W. Pastor: „Lorbeer warnt vor der Zerstörung der Wälder. ... ‚Wenn aber einmal die zu gierige Gewinnsucht der Menschen zu sehr sich an den Wäldern der Erde vergreifen wird, dann wird für die Menschen böse zu leben und zu bestehen sein auf dieser Erde ...‘ (Gr. Ev. 9/63.)“ (vgl. ebd., S. 133). Jakob Lorber lebte von 1800 bis 1864!

 

[126] Michael Jäger: „Ökologische Notizen: Wenn wir das nicht tun“ In: Neues Deutschland vom 06.05.1996, S. 8

[127] Vgl. Dagmar Röhrlich: „In dünner Luft oder wie das Leben wurde, was es ist“ Teil 2: „Sauerstoff formt die Welt“, Manuskript des Deutschlandsfunks, Forschung Aktuell – Wissenschaft im Brennpunkt, 21. März 2007, S. 11-12, www.dradio.de/download/66244/

[128] Vgl. „Knaurs Lexikon von a bis z“, Weltbild Verlag 1999, S. 565

[129] Vgl. MEW, Bd. 40, S. 544; vgl. auch Rainer Thiel; Marx und Moritz. Unbekannter Marx. Quer zum Ismus. 1945-2015. trafo verlag, Berlin 1998, S. 56

[130] Die bürgerliche Demokratie ist eine Scheindemokratie, insbesondere deshalb, weil sie die Verfügungs- und Entscheidungsgewalt über das für die gesellschaftliche Entwicklung Bestimmende, nämlich für das Wirken der Privatökonomie, prinzipiell ausschließt. Sie sichert zwar gesetzlich die Funktionsweise des Staates und der Wirtschaft, vor allem auch der Finanzwirtschaft, doch primär das Begleichen von Schuld- und Zinsverpflichtungen des Staates und der Kommunen gegenüber den Banken und privaten Geldgebern sowie in hohem Maße die Möglichkeiten privater Unternehmen, Gewinne zu erzielen. Damit ordnen sich die bürgerlich demokratischen Institutionen voll in den sich unbeschränkt vollziehenden Bereicherungsmechanismus zur privaten Kapitalverwertung ein. Der bewusste Gehorsam der bürgerlichen Institutionen geht so weit, dass nicht einmal das zeitweilige Aussetzen fälliger Zinszahlungen im Extremfalle in Betracht gezogen wird, d. h., die Bereicherungsspirale bleibt stets offen! Obgleich den Verantwortlichen die „Zinsfalle“ und damit der mögliche Ruin selbst der reichsten Staaten bewusst ist, wird am Grundsatz des Absicherns weiterer privater Bereicherung festgehalten, woraus der Entzug von Mitteln aus anderen gesellschaftlichen Bereichen bis zur äußersten Grenze resultiert. Aus dieser Diskrepanz erwächst der Anschein, die Gesellschaft, zu denen ja die Reichen gehören, habe keine ausreichenden finanziellen Mittel verfügbar. Die Diskrepanz erzwingt, weiter zu privatisieren, wodurch sich der Gegensatz zwischen Arm und Reich noch mehr verschärft. „Privat geht vor Katastrophe!“, sagt der Volksmund. Zugleich verarmt, krankt und stirbt unsere Lebenswelt.

[131] Das Buch erschien im Oktober 2008 im Michaels Verlag (ISBN 978-3-89539-910-7, www.michaelsverlag.de ). Prof. (em.) Dr. Dr. Dr. h.c. Josef Gruber ist der Ehrenpräsident der Deutschen Vereinigung für Raumenergie e.V. (DVR): www.DVR-Raumenergie. Aufbauend auf den Informationen von Professor Dr. Gruber habe ich am 21. Januar 2010 auf sechs Seiten „Informationen zur Nutzbarmachung der Raumenergie“ zusammengestellt, die unter www.bwgrundmann.de/REInfo210110.htm zum Download verfügbar sind. Sie enthalten u. a. die Adressen von Organisationen für Raumenergie im deutschen Sprachraum sowie Veröffentlichungen und Zeitschriften zur Nutzbarmachung der Raumenergie.

 

[132] Heinrich Jebens war der Direktor des Deutschen Erfinderhauses in Hamburg. Über seinen Besuch bei Nikola Tesla schrieb er eine streng vertrauliche Aktennotiz, die sein Sohn, Klaus Jebens, auf den Seiten 23/24 seines Buches „Die Urkraft aus dem Universum: unerschöpflich, kostengünstig, sauber“ veröffentlichte. Das Buch gab der Jupiter-Verlag im Jahre 2006 in Zürich heraus (ISBN 3-906571-23-8, www.jupiter-verlag.ch ).

 

[133] Das heute in Kalifornien von Tesla Motors produzierte und auch in Deutschland verkaufte „Tesla-Auto“ mit dem Namen Tesla Roadster trägt seinen Namen zu Unrecht. Es ist ein reines Elektromobil und nutzt in keiner Weise die Raumenergie. Der Tesla Roadster ist im Buch von Al Gore „Wir haben die Wahl. Ein Plan zur Lösung der Klimakrise“, Riemann Verlag, München 2009, auf der Seite 287 abgebildet. In Al Gores Buch wird der Begriff Raumenergie nicht ein einziges Mal erwähnt. Ich frage mich, wie sein „Plan zur Lösung der Klimakrise“ unter Ignoranz der Raumenergie erfüllen werden kann.

 

[134] Vgl. www.binnotec.org/Artikel/Uebersicht.htm

 

[135] Vgl. www.aquapol.at und www.aquapol-deutschland.de ; vgl. auch S. 143 und 265 im erwähnten Buch „Raumenergie-Technik“ von Josef Gruber

[136] Vgl. Wolfgang Stauber, Sturz in die Klimakatastrophe, Mensch – Hüter der Erde 4, FIGU, CH-8995 Schmidrüti, Schweiz, S. 5

[137] http://benzinpreis.de/international.phtml?land=227

[138] Vgl. Saral Sarkar / Bruno Kern, Ökosozialismus oder Barbarei. Eine zeitgemäße Kapitalismuskritik, Hg.: Initiative Ökosozialismus, Köln, Mainz 2004, S. 33 (vgl. auch „tarantel“ Nr. 25, Ökologische Plattform bei der PDS, Anhang, S. 30/31, Berlin, Juni 2004)

[139] Vgl. Tarantel Nr. 29, Ökologische Plattform bei der PDS, Juni 2005

[140] „Ich glaube, daß wir heute eine neue politische Ökonomie brauchen: das wird in Zukunft die große Aufgabe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sein.“ (Ulrich Beck, Professor an der Universität München, in: „Marx ist nicht länger Marx. Der Soziologe Ulrich Beck über ratlose Intellektuelle, arbeitslose Staatsbürger und Chancen der politischen Gestaltung“, Tagesspiegel vom 26.1.1998, S. 5)

 

[141] Die Wahrheit ist von so einfacher Natur, dass es für die „großen Ökonomen“ unangenehm sein könnte, sie nicht erkannt zu haben. Doch sie sollten sich trösten: Nicht einmal Karl Marx hat – im Wissen um ihre Existenz! – eine Definition der „wahren“ Ökonomie hinterlassen!

[142] Der Gedanke zur Schaffung eigenständiger Strukturen der Gemeinschaftsökonomie ergab sich nach dem Studium einer Gastkolumne von Ekkehart Krippendorff im „Neuen Deutschland“ vom 4./5. Februar 2006. Krippendorff, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, schrieb zum „Iran-Poker“: „Strategisch … bedürfen“ wir „anderer Kategorien und Ebenen der Beziehungen zwischen den Völkern und Kulturen“, „nicht der machtpolitischen Interessenvermittler …, um Konflikte zu bearbeiten oder gar zu lösen.“

„Fernsehen abschalten, eine längere Denkpause einlegen. Und dann sich an seinem konkreten Ort, seiner >>Basis<< einbringen, den eigenen Kiez mit politischem Leben erfüllen, Modelle des sozialen und interkulturellen Zusammenlebens erarbeiten, Friedensstädte schaffen, die politische Klasse ignorieren, indem wir sie mit verdienter intellektueller und moralischer Verachtung strafen, weil sie sich ja nicht um das Gemeinwohl, sondern nur das parteiliche Eigenwohl verdient macht. Gesellschaft verändert man langfristig von unten … Das schöne Wort >>global denken, lokal handeln<< ist alles andere als überholt“.

[143] Vgl. www.bewegungsstiftung.de ; vgl. auch Maxim Leo: „Reich und gut“ In: Berliner Zeitung vom 21.02.2007, S. 3

[144] Vgl. Rudolf Bahro; Apokalypse oder der Geist einer neuen Zeit, edition ost, Berlin 1995, S. 13 u. 29

[145] Vgl. ebd., S. 173

[146] Vgl. www.siebenlinden.de

[147] Vgl. www.kommune-niederkaufungen.de

[148] Vgl. http://freiwillig.info

[149] Den Begriff Ökoismus (englisch: ecoism) hatte der Autor zuerst während eines Vortrags bei Prof. Dr. Rainer Mackensen am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin am 15.12.1994 vorgeschlagen. Ökoismus und ökoistische Gesellschaft waren als Bezeichnungen für eine ökologisch orientierte Übergangsgesellschaft zum Kommunismus gedacht. Erst in den Jahren 2006 und 2007 fand der Autor zur dargelegten Definition.

[150] Vgl. Karl Marx; Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844), MEW, Ergänzungsband, Erster Teil, S. 536

 

 

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